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Bürger-Rezeption
 

Wir sind hier: Bürger-Archiv > Bürger in der Musik > Ebstein 1903

Die wohl erste zusammenfassende Darstellung des Themas -Vertonungen Bürgerscher Werke- stammt von Erich Ebstein. Nebenstehend ein Teil des Titelblatts mit einer handschrift- lichen Widmung des Verfassers: “Herrn und Frau Pastor Krahnert in dankbarer Erinnerung an die Festtage in Molmerswende. der Verf.”.

Gemeint sind die Feiern zur Einweihung des von Prof. Künne geschaffenen Bürger-Denkmals im Jahre 1903. Das Exemplar ist Eigentum unseres Museums:

Zeitschrift für Bücherfreunde. Monatshefte für Bibliophilie und verwandte Interessen. Herausgegeben von Fedor von Zobeltitz 7. Jahrgang 1903/1904.  Heft 5: August 1903. Ebsteins Arbeit verfolgt insbesondere zwei Richtungen:
  -  die Würdigung des Komponisten und Arztes Friedrich
    Wilhelm Weis

  -  Bürgers Einfluß auf die Komponisten seiner bis auf
    unsere Zeit (etwa 1900) zu verfolgen.

Weis wurde 1744 in Göttingen geboren und studierte Medizin, promovierte 1767. Er praktizierte in Göttingen, als Privatdozent widmete er sich besonders der Botanik, einige diesbezügliche Veröffentlichungen machten ihn bekannt. 1786 zog Weis von Göttingen nach Rotenburg an der Fulda als Hofrat und Leibarzt des Landgrafen von Hessen-Rotenburg und starb dort im Alter von 82 Jahren.
Mit Musik hat sich Weis zeitlebens beschäftigt. Die ersten Kompositionen zu Bürger-Gedichten erschienen im Göttinger und Vossischen Musenalmanach von 1773.
Ebstein wörtlich: “Die Beiträge von Weis ziehen sich durch die Almanache bis 1777 hin; er ist von allen geschätzt, und man bemüht sich um seine Melodien: Gleim will diesem vortrefflichen Weis alle seine Lieder zur Komposition geben; Boie wünscht sich von ihm, der ihm tags zuvor vorgespielt hat, auch solche Kompositionen zu erhaschen, wie er ein paar für Bürger geschaffen hat. Göckingk jammert, nicht Weis` Bekanntschaft gemacht zu haben: O Bürger, warum haben Sie mir in Niedeck nicht gesagt, daß das der Musikus Weis sei; was Kukuk lag mir an dem Doktor? Damals war ich noch gesund. Als Tonkünstler hätte ich ihn umarmt, und als Arzt hab´ ich ihn kalt stehen lassem, daß ichs Ihnen und mir nicht vergebe. Wann werd ich nun den Mann jemals wiedersehen...

Voß, der seit 1776 die Redaktion des Musenalmanachs übernommen hat, bittet des öfteren in seinen Briefen an Bürger: wenn ein Stück musikalisch wäre, möchte er es doch unserm lieben Weis geben.                      Vor allem ist es Bürger selbst, der sich in den “himmlischen Melodien”, die der Doktor Weis in Göttingen zu seinen Versen gemacht hat, noch einmal so gut als sonst gefällt. Bürger kennt keinen Komponisten, der “die ursprüngliche Seelenmelodie des Dichters bey Verfertigung des Stückes, ohne alles Zuthun desselben, so glücklich zu treffen müßte”, als Weis. Weis ist auch Bürger am treuesten geblieben: er hat zu sechszehn seiner Lieder Melodien gefundenn. Für Bürger scheinen schließlich die Kompositionen seines lieben Weis als selbstverständlich zu seinen Liedern zu gehören. So schreibt er im August 1777 ziemlich entrüstet an Göckingk: “Zum Liede vom braven Mann kann D. Weis keine Komposition zu Stande bringen. Er rechnet mir des Henkers Schwierigkeiten vor. Ich verstehe mich nun zwar nicht darauf, indessen däuchte mir, ich wollte sogar eine Melodie drauf machen können”...........  
Ich glaube, die Melodien des Dr. Friedr. Wilhelm Weis zu den Bürgerschen Gedichten sind schon allein darum so wertvoll, weil sie die einzigen sind, die, aus dem innigen Zusammenleben und freundschaftlichen Verkehr mit dem Dichter herausgewachsen, die derzeitigen Stimmungen desselben am getreuesten wiederzugeben vermögen. Und deshalb sollte man sie nicht vergessen: ihren Komponisten hat Bürger durch seine Verse unsterblich gemacht:

Nun schwebt die Grazie vor mir,
Schlägt mit den Silberfüßchen Triller
Und tanzet hin an das Klavier
Und singt ein Lied nach Weis, von Miller.
”                                                    

Die Weis´schen Vertonungen sind in drei Sammlungen erschienen. Ebstein veröffentlicht in seinem Beitrag folgende Kompositionen:

- Schön Suschen

- Liebeszauber

- Ständchen

Über den Einfluß Bürgers auf die Musik hat schon Ernst Otto Lindner in seiner “Geschichte des deutschen Liedes im XVIII. Jahrhundert” geschrieben. Ihn zitiert Ebstein:

Lindner spricht von zwei Möglichkeiten, die wohl nur in Frage kommen konnten, um die Bürgerschen Gedichte angemessen zu komponieren. Entweder, meint er, erfand der Komponist eine einfache Melodie, wonach alle Verse gesungen werden konnten, so glücklich, daß es möglich war, sich die stets wiederholenden Töne ohne Ermüdung vortragen zu lassen. Zwar sieht Lindner die Gefahren, die die erste Art bietet: nämlich, daß der Komponist leicht zu allgemein und unbestimmt werden könne. Der zweite Weg, glaubt er, führe ziemlich sicher zu dem charakteristischen Ausdruck der Einzelheiten des Gedichts, wenn Lindner auch die viel größeren sich dem Komponisten darbietenden Schwierigkeiten nicht verkennt.”

Diese Möglichkeiten werden am Beipiel der Vertonung der “Lenore” durch die Komponisten

- Weis, Kirnberger, Andre, Kunzen, von Paradies, Zumsteeg, Tomaschek

diskutiert. Dabei enthält sich Ebstein weitgehend eines eigenen Urteils und zitiert insbesondere Lindner.

Ebstein beendet seinen Beitrag mit einer Zusammenstellung der ihm bekannten Bürger-Vertonungen. Des Umfangs wegen soll hier nur die Liste der Komponisten angegeben werden. Im Originalartikel sind noch die vertonten Werke sowie die Quellen angegeben.

L. Abeille

C. Chr. Agthe

Johann Andre

J. C. F. Bach

J. B. v. Beeke

L. v. Beethoven

K .D. Belling

Georg Benda

Ludwig Berger

Friedrich Wilhelm Berner

L. v. Braun

S. Fr. Brede

Buttstedt

Maria Adelheid Eichner

Eisrich

H. A. Fr. v. Eschtruth

J. F. A. Eylenstein

G. B. Flaschner

Caesar August Franck

Gläser

K. W. Glösch

Petersen Grönland

Georg Wilhelm Gruber

Karl Hanke

C. G. Hausius

P.Joseph Haydn

L. H. Hetsch

Joh.Adam Hiller

Himmel

Joh.Friedr. Hobein

Hoffmann

Holzer

Hüttenbrenner

Friedr..Fr. Hurka

Iavurek

Joh. G. Keller

J. Chr. Kellner

Johann Philipp Kirnberger

H. Klahre

Friedr.Arn. Klockenbring

Georg Kramm

Friedr.Ludw.Emil Kunzen

E. J. B.Lang

Lippold

F. Liszt

Justus Wilhelm Lyra

G. A. Macfarren

F. A. Maurer

C. Moltke

H. S. Naegeli

J. G. Naumann

Christ.Gottlob Neefe

F. Pallas

Frl. Maria von Paradies

C. E. Pax

Pleyel

W. Pohl

Friedr. Preu

J. C. Queck

Joachim Raff

C. A. Raida

Joh. Friedr. Reichardt

Chr. Rheineck

W. H. Riehl

A. Romberg

F. W. Rust

Saloman

J. Ph. Schönfeld

Fr. Schubert

J. A. S. Schulz

Carl Spazier

Jos. Ant. Steffan

Steinacker

J. F. Sterkel

Richard Strauß

Ch. G. Tag

W. J. Tomaschek

Carl Maria von Weber

Friedrich Wilhelm Weis

C. G. Werner

Peter von Winter

G. Friedr. Wolf

Karoline Wolf geb. Benda

C. Fr. Zelter

J. R. Zumsteeg

 

 

 

 

 

Eine Bemerkung zum Schluss: wohl jeder Musikinteressierte wird sich wundern, warum in der Ebsteinschen Liste der Komponisten, die Bürger-Lieder und -Balladen vertont haben, ausgerechnet einer der populärsten Balladen- komponisten fehlt: Carl Loewe.

Carl Loewe lebte von 1796 bis 1869 und wurde insbesondere durch die Vertonungen “Edward” von Herder, “Der Wirtin Töchterlein” von Uhland und natürlich Goethes “Erlkönig” berühmt. Loewe hat tatsächlich kein einziges Werk von Bürger vertont. Eine mögliche Erklärung dafür findet man in der Arbeit von Günter Hartung: “Loewes literarische Vorlagen” im Bericht über die wissenschaftliche Konferenz anläßlich seines 200. Geburtstages vom 26. bis 28. September 1996 im Händel-Haus Halle, Schriften des Händel-Hauses in Halle - 13 1997

Literaturverzeichnis

Hoffmann von Fallersleben: Unsere volkstümlichen Lieder. 3. Auflage Leipzig 1869, S.5, sowie die von Prahl                 besorgte 4. Auflage, Leipzig 1900

A.Sauer: Bürgers Gedichte. Berlin und Stuttgart 1884

A. F. Berger: Bürgers Gedichte. Leipzig und Wien 1891

A. Strodtmann: Briefe von und an Bürger. Berlin 1874

Aug. Reissmann: Das deutsche Lied in seiner historischen Entwickelung. Cassel 1861

E. O. Lindner: Geschichte des deutschen Liedes im 18. Jahrhundert. Herausgegeben von L. Erk. Leipzig 1871

Karl Ernst Schneider: Das musikalische Lied. 2 Teile. Leipzig 1863

Mildheimisches Liederbuch von 518 lustigen und ernsthaften Gesängen... Rudolph Zacharias Becker 1790

Rob. Eitner: Biographisch - bibliographisches Quellen-Lexikon der Musiker und Musikgelehrten u.s.w. Leipzig 1900

Allgemeine Deutsche Biographie. Bd. 25, S. 166 f.

A. Nebe: Aus Bürgers Leben. Nach einem ungedruckten Briefwechsel in “Unterhaltungsbeilage zur Täglichen Rundschau”, Nr. 27 vom 1. Februar 1902, S. 106-107

Ludwig Landshoff: J. R. Zumsteeg. Ein Beitrag zur Geschichte des Liedes und der Ballade.    Berlin (S. Fischer)            v. J. 1902

Oden und Lieder von Joh. Heinr. Voß. Festausgabe zu seinem 100jährigen Geburtstage. Mit den Melodien von C. Ph. E. Bach, J. A. P. Schulz, J. Fr. Reichardt, C. F. Zeller u. a. Düsseldorf 1851. Buchdruckerei von Hermann Voß

M. Friedländer: Shakespeares Werke in der Musik, in “Jahrbuch der Shakespeare-Gesellschaft”, 37. Jahrgang (1901), S. 85-122

A. W. Ambros: Bunte Blätter. Neue Folge. Leipzig 1874. Bd. 2, S. 65 - 92: “J. R. Zumsteeg, der Balladenkomponist”

C. v. Wurzbach: Biographisches Lexikon u.s.w. Wien 1884. Siehe den Artikel über Tomaschek

Ernst Challiers Kataloge. 1885 - 1902

Erwin Kircher: Volkslied und Volkspoesie in der Sturm- und Drangzeit. Strassburg 1902