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Voß, der seit 1776 die Redaktion des Musenalmanachs übernommen hat, bittet des öfteren in seinen Briefen an Bürger: wenn ein Stück musikalisch wäre, möchte er es doch unserm lieben Weis geben. Vor allem ist es Bürger selbst, der sich in den “himmlischen Melodien”, die der Doktor Weis in Göttingen zu seinen Versen gemacht hat, noch einmal so gut als sonst gefällt. Bürger kennt keinen Komponisten, der “die ursprüngliche Seelenmelodie des Dichters bey Verfertigung des Stückes, ohne alles Zuthun desselben, so glücklich zu treffen müßte”, als Weis. Weis ist auch Bürger am treuesten geblieben: er hat zu sechszehn seiner Lieder Melodien gefundenn. Für Bürger scheinen schließlich die Kompositionen seines lieben Weis als selbstverständlich zu seinen Liedern zu gehören. So schreibt er im August 1777 ziemlich entrüstet an Göckingk:
“Zum Liede vom braven Mann kann D. Weis keine Komposition zu Stande bringen. Er rechnet mir des Henkers Schwierigkeiten vor. Ich verstehe mich nun zwar nicht darauf, indessen däuchte mir, ich wollte sogar eine Melodie drauf machen können”...........
Nun schwebt die Grazie vor mir, Die Weis´schen Vertonungen sind in drei Sammlungen erschienen. Ebstein veröffentlicht in seinem Beitrag folgende Kompositionen: - Schön Suschen - Liebeszauber - Ständchen Über den Einfluß Bürgers auf die Musik hat schon Ernst Otto Lindner in seiner “Geschichte des deutschen Liedes im XVIII. Jahrhundert” geschrieben. Ihn zitiert Ebstein: “Lindner spricht von zwei Möglichkeiten, die wohl nur in Frage kommen konnten, um die Bürgerschen Gedichte angemessen zu komponieren. Entweder, meint er, erfand der Komponist eine einfache Melodie, wonach alle Verse gesungen werden konnten, so glücklich, daß es möglich war, sich die stets wiederholenden Töne ohne Ermüdung vortragen zu lassen. Zwar sieht Lindner die Gefahren, die die erste Art bietet: nämlich, daß der Komponist leicht zu allgemein und unbestimmt werden könne. Der zweite Weg, glaubt er, führe ziemlich sicher zu dem charakteristischen Ausdruck der Einzelheiten des Gedichts, wenn Lindner auch die viel größeren sich dem Komponisten darbietenden Schwierigkeiten nicht verkennt.” Diese Möglichkeiten werden am Beipiel der Vertonung der “Lenore” durch die Komponisten - Weis, Kirnberger, Andre, Kunzen, von Paradies, Zumsteeg, Tomaschek diskutiert. Dabei enthält sich Ebstein weitgehend eines eigenen Urteils und zitiert insbesondere Lindner. Ebstein beendet seinen Beitrag mit einer Zusammenstellung der ihm bekannten Bürger-Vertonungen. Des Umfangs wegen soll hier nur die Liste der Komponisten angegeben werden. Im Originalartikel sind noch die vertonten Werke sowie die Quellen angegeben. |
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Eine Bemerkung zum Schluss: wohl jeder Musikinteressierte wird sich wundern, warum in der Ebsteinschen Liste der Komponisten, die Bürger-Lieder und -Balladen vertont haben, ausgerechnet einer der populärsten Balladen- komponisten fehlt: Carl Loewe. Carl Loewe lebte von 1796 bis 1869 und wurde insbesondere durch die Vertonungen “Edward” von Herder, “Der Wirtin Töchterlein” von Uhland und natürlich Goethes “Erlkönig” berühmt. Loewe hat tatsächlich kein einziges Werk von Bürger vertont. Eine mögliche Erklärung dafür findet man in der Arbeit von Günter Hartung: “Loewes literarische Vorlagen” im Bericht über die wissenschaftliche Konferenz anläßlich seines 200. Geburtstages vom 26. bis 28. September 1996 im Händel-Haus Halle, Schriften des Händel-Hauses in Halle - 13 1997 Literaturverzeichnis Hoffmann von Fallersleben: Unsere volkstümlichen Lieder. 3. Auflage Leipzig 1869, S.5, sowie die von Prahl besorgte 4. Auflage, Leipzig 1900 A.Sauer: Bürgers Gedichte. Berlin und Stuttgart 1884 A. F. Berger: Bürgers Gedichte. Leipzig und Wien 1891 A. Strodtmann: Briefe von und an Bürger. Berlin 1874 Aug. Reissmann: Das deutsche Lied in seiner historischen Entwickelung. Cassel 1861 E. O. Lindner: Geschichte des deutschen Liedes im 18. Jahrhundert. Herausgegeben von L. Erk. Leipzig 1871 Karl Ernst Schneider: Das musikalische Lied. 2 Teile. Leipzig 1863 Mildheimisches Liederbuch von 518 lustigen und ernsthaften Gesängen... Rudolph Zacharias Becker 1790 Rob. Eitner: Biographisch - bibliographisches Quellen-Lexikon der Musiker und Musikgelehrten u.s.w. Leipzig 1900 Allgemeine Deutsche Biographie. Bd. 25, S. 166 f. A. Nebe: Aus Bürgers Leben. Nach einem ungedruckten Briefwechsel in “Unterhaltungsbeilage zur Täglichen Rundschau”, Nr. 27 vom 1. Februar 1902, S. 106-107 Ludwig Landshoff: J. R. Zumsteeg. Ein Beitrag zur Geschichte des Liedes und der Ballade. Berlin (S. Fischer) v. J. 1902 Oden und Lieder von Joh. Heinr. Voß. Festausgabe zu seinem 100jährigen Geburtstage. Mit den Melodien von C. Ph. E. Bach, J. A. P. Schulz, J. Fr. Reichardt, C. F. Zeller u. a. Düsseldorf 1851. Buchdruckerei von Hermann Voß M. Friedländer: Shakespeares Werke in der Musik, in “Jahrbuch der Shakespeare-Gesellschaft”, 37. Jahrgang (1901), S. 85-122 A. W. Ambros: Bunte Blätter. Neue Folge. Leipzig 1874. Bd. 2, S. 65 - 92: “J. R. Zumsteeg, der Balladenkomponist” C. v. Wurzbach: Biographisches Lexikon u.s.w. Wien 1884. Siehe den Artikel über Tomaschek Ernst Challiers Kataloge. 1885 - 1902 Erwin Kircher: Volkslied und Volkspoesie in der Sturm- und Drangzeit. Strassburg 1902 |
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