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Bürger-Rezeption
 

Bürger-Rezeption Volltexte 1832-1836

bis 1789
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1832

Anonym. Theaterbericht vom 7 Juli . In: Bohemia, ein Unterhaltungsblatt für gebildete Stände. 1832. Digitalisiert von Google.

“"Mag man über Raupachs Volksdrama "der Müller und sein Kind" denken und witzeln, wie man will, es ist in seiner Art wenigstens eben so vollendet als Bürger "Lenore." Wenn man nun bedenkt, daß dieses Gedicht bald nach seiner Erscheinung in Hütten und Palästen Eingang fand; daß es stehende Melodien dem Volke, und geniale Compositionen dem Gebildeten doppelt werth machten: so muß man sich billig wundern, daß der "Müller und sein Kind" nicht jene Theilnahme gefunden hat, die dies vortreffliche Volksdichtung verdient.”

 

1832

Anonym. Gottfr. August Bürger. In: Walhalla, oder: Biographieen der berühmtesten Teutschen aus allen Jahrhunderten. Zweiter Band. München, Paßau und Regensburg.  Digitalisiert von Google

“ [S. 306] Werden Bürgers Werke mit seiner Lebensgeschichte verglichen, so ist es unbegreiflich, wie er in solchen Verhältnissen Sinn, Gedanken und Worte zu Gedichten, wie die seinigen, finden konnte. Größtentheils sind sie scherzenden oder tändelnden, oft auch sehr jovialischen Inhalts. Freilich rühren aber diese aus seiner bessern Zeit her, wo wilde Leidenschaft, Gram und Sorgen noch nicht sein Herz verwundet hatten. In Allem zeigt er sich als ein Mann von teutschem Geist und teutschem Herzen, originell in seinen Dichtungen, populär und erhaben im Ausdruck. Seine kleinsten Lieder sind voll Geist und Grazie; und besonders die im Volkstone gesungenen können nicht genug gelobt werden. In der Romanze kommt ihm wohl kein anderer Dichter gleich. Seine Leonore allein würde hinreichen, ihn der Unsterblichkeit zu versichern. Mit Recht tadelt man ihn aber, daß er sich nicht selten zu dem Volke erniedrigte, anstatt sich bloß zu ihm herabzulassen; oder daß er, statt es scherzend und spielend zu sich hinaufzuziehen, sich in den Sümpfen der Gemeinheit mit ihm herumtrieb. - Seiner Sprache ist Bürger ganz mächtig; er hat Worte von altem Schrot und Korn, burleske Wendungen, ächten kräftigen Witz und überfließende Laune.“

Der vollständige Beitrag in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1832

Anonym. Bürger oder Schubart? In: Zeitung für die elegante Welt. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[Sp. 502] In den neunziger Jahren des vorigen Säculums war ein Liedchen:
        ´Ich Mädchen bin aus Schwaben,
         Schwarzbraun ist mein Gesicht usw.´
fast zum Volksliede geworden. Eine damals von Niemandem in Zweifel gezogene Sage nannte Bürger´s nachherige dritte Frau, Elise, geb. Hahn, als Verfasserin. Es stand, so viel sich Anfrager erinnert, im Bürger´schen Musenalmanach für das Jahr 1791. In der frühesten, von Bürger selbst herausgegebenen Sammlung seiner Gedichte (Göttingen, 1789) hat es, damals wahrscheinlich noch gar nicht vorhanden, keinen Platz gefunden, wohl aber in seinen 1796 gesammelten Schriften, herausgegeben von K. Reinhard (B. II. S. 211). Dagegen soll nach: ´Schubart´s Charakter, von seinem Sohne Ludwig Schubart´ (Erlangen 1798) S. 36, Schubart, der Vater, Verfasser dieses Liedchens seyn, und es im zweiten Bande von Schubart's Gedichten stehen, welche 1785 und 1786 in der Akademischen Buchhandlung auf Subscription erschienen sind. Wem mag es nun wirklich angehören?

[Sp. 990] -k. Eine Antwort auf die Frage in No. 63. dieser Zeitung: ´Bürger oder Schubart?´

Das Liedchen: ´Ich Mädchen bin aus Schwaben usw.´ ist von Schubart, versteht sich, dem Vater. Er dichtete dasselbe als ein Jüngling von 21 Jahren (1760). Mit dieser Jahrzahl bezeichnet, steht es im 3ten Bande seiner ´Sämmtlichen Gedichte´ (Frankfurt a. M., Herrmann´sche Buchhandlung, 1825) S. 72. Zu dem erinnert sich der Einsender dieses, ein geborener Schwabe und von 1786 bis 1791 ein Mitglied des Schubart´schen engern Freundecirkels, aus seinem Knabenalter noch ganz lebhaft jenes Liedes. Es wurde damals - zu einer Zeit, da in     Würtemberg und in Schwaben überhaupt die Dichter, und besonders die edlern Volksdichter, noch sehr dünn gesäet waren - nach eine von dem Verfasser selbst gesetzten Melodie häufig gesungen.
    Die 2te Strophe in Bürger´s Antwort an Elise, welch sich anfängt:
           Es singt: Ich bin ein Schwabenmädchen,
und sich auf die Worte in Elisens Lied:
           In Schwaben blüht am Neckarstrand
           Ein schönes segenreiches Land,
             Da mich ans Licht gebar -
bezieht, mag durch den Anklang an den Schubart´schen Gedanken Anlaß zu einer Autorenverwechslung gegeben haben. - Dergleichen Anklänge sind eben nicht selten, können aber auch in gewissen Fällen nicht leicht vermieden werden”. 

 

1832

Horn, Franz. Das Vergessen. In: Fortepiano - Kleine heitere Schriften. Digitalisiert von Google.

“[S. 249] Das Vergessen.
 Wie man, was einmal in das Innere der Seele aufgenommen worden, jemals vergessen könne, habe ich nie begreifen wollen, und es schien mir stets der unsterblichen Seele höchst unwürdig, einem durchsickernden Danaidengefäße zu gleichen, und doch sah ich eine Unzahl solcher Gefäße. Die Menschen, die doch sonst in der Regel ziemlich eitel sind, tragen kein Bedenken, sich eines schwachen Gedächtnisses anzuklagen. Es mag hingehen, sobald nur von Vocabeln- und Zahlengedächtniß die Rede ist, obwohl wir billig auch das so viel möglich zu stärken suchen sollten. Haben wir aber bei jenem Geständnisse das Gemüthsgedächtniß im Sinne, so ist die Schwäche desselben eine wahre Sünde, und wer sich ihrer anklagt, sagt, ohne es zu wollen: "ich bin eine poröse, siebartige Natur."
   Im Gegensatze aber ist ein Alles behaltendes, durchaus Nichts vergessendes Gedächtniß ein großartiges Unglück, und es ist wohl zu begreifen, wie Themistokles einst einem sogenannten Gedächtnißkünstler, der ihm seine Wissenschaft für einen mäßigen Preis anbot, einen viel größern verhieß, wenn er ihn die Kunst zu vergessen lehren könnte. Gewiß nur Weniges wollte er vergessen, aber auch dies Wenige kann Leiden genug geben.
    G.A. Bürger sprach noch auf dem Sterbebette mit tiefer Rührung die bekannten Matthissonschen Worte aus;
     "Psyche trinkt und nicht vergebens;
     Plötzlich in der Fluthen Grab
     Sinkt das Nachtstück ihres Lebens
     Wie ein Traumgebild hinab."
Untergehend in der "See von Plagen" wußte der herrliche Dichter und tief verwundete unglückliche Mensch keinen bessern Trost, als einen Tropfen aus Lethe's Wellen. Aber das Christenthum kennt keinen Lethe, doch wenn wir ihm ganz vertrauen, ahnen wir wohl, daß es unendlich mehr hat und uns geben wird, als den Vergessenheitstrank, und wenn auch alle unsre edlen Wunden sich hienieden niemals schließen, sondern immer fortbluten sollten: in dem reinern Aether einer noch verhüllten höhern Welt werden sie alle heilen.”

 

1832

Bohtz, August Wilhelm. Geschichte der neuern deutschen Poesie. Vorlesungen. Digitalisiert von Google

[S. 174] Gottfried August Bürger (geboren 1748, starb 1794) ist bei allen Mängeln, die eine strenge Kritik in ihm aufgefunden hat, nächst Göthe der ausgezeichnetste Lyriker dieser Zeit.

[S. 175] Wenn gleich er in derselben [der Ballade] die einfache Tiefe, die wir in den alten Volksliedern und in Göthe's vollendeten Gesängen bewundern, sich nicht aneignen konnte, so entschädigt er dafür durch andre ihm eigenthümliche Schönheiten. Was uns in seinen Romanzen vor allem erfreut, ist jener forteilende dramatische Geist, der bei der Beschreibung der Nebentheile nie mit Vorliebe verweilt; jene einzige Malerei, wodurch die Charaktere und Seelenzustände, aus denen die That und das einbrechende Verderben hervorgeht, mit wenigen, bedeutungsvollen Zügen gezeichnet werden; ferner haben dadurch diese Seelengemälde für jeden Unverbildeten einen so wunderbaren Reiz und eine so seltene Anziehungskraft, daß, wie hier der Künstler in Darstellung des Furchtbaren die bange Erwartung immer mehr ahnden läßt, als er wirklich dem Auge entschleiert, er die geheimsten Tiefen der Phantasie und ein wahres Grauen vor der, während der Mitternacht uns umgebenden Geisterwelt in uns zu erwecken weiß. Das Meisterwerk bleibt in dieser Kunst Lenore; nächst derselben sind am bedeutendsten: der wilde Jäger, des Pfarrers Tochter zu Taubenhain und die Entführung.

[S. 176] Dagegen überaus vortrefflich, vielleicht unvergleichlich ist Bürger im herzlich-naiven Liede. Gedichte, in denen traulicher gekost, überhaupt das Geheimniß der Liebe inniger und poetischer verrathen würde, als in so vielen Liedern an Molly hat die deutsche Sprache nicht aufzuweisen. Bürgers Versuchen im Sonette fehlt zwar jene Vollendung der Form, die sein jüngerer Freund A.W. Schlegel gezeigt hat; doch sind auch seine Sonette keine willkürliche Spiele, und schwerlich möchte jene Gefühlsstimmung die in "Trauerstille" sich offenbart, in irgend einer andern Gesangsweise sich aussprechen können.”

 

1832

D.F.f. Sicilianische Gemälde. In: Zeitung für die elegante Welt. Teil 2. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[S. 398] Das Mädchen war frisch und blühend wie eine Rose des Libanon, dem letzten Schnee entsprossen? Denken Sie an unser schönes deutsches Lied von Bürger, das den Refrain hat:
          ´Der Himmel weiß es, wie es kam,
          Daß ich so willig gab und nahm.´
Bürger war ein braver Mann, ich werde ihn immer citiren, wenn ich ins Königreich Golconda reise und auf Alinens Milchtopf speculire. Sicilien und Golconda sind nicht so weit von einander, und in ihm haben auch die Emire ihr Paradies gehabt.“

 

1832

Anonym. Aus der Schweiz. In: Zeitung für die elegante Welt. Teil 1. Leipzig.  Digitalisiert von Google

“[Sp. 431] Hebel las er mit wahrem Seligkeitsgefühle. Schon im Jahre 1826 hatten ihm seine nalürlichen Anlagen und das Lesen besserer Schriften, obschon er die Meister der deutschen Dichtkunst, namentlich Bürger, noch nicht kannte, zu mehrerer Correctheit im Schreiben verholfen. [...]

[Sp. 440] Bemerkenswerth ist der Umstand, daß er durch seine nachherige Bekanntschaft mit Gellert, Bürger, Wieland, Schiller, Göthe u. A. m. - hört und beherzigt es, Ihr unberufenen deutschen, schweizer und züricher Dichterlinge! - vom Dichten abgeschreckt wurde [...].“

 

1832

Fr. Rezension Aesthetische Schriften von G.A. Bürger. In: Kritische Blätter der Börsen-Halle. Dritter Jahrgang. Januar bis December.

"[S. 239] Mit reger, unverhohlner Empfänglichkeit für die Vorzüge seiner Günstlinge, verband Boie die unübertreffliche Gabe, sich über ihre Mängel, die ihm selten entgingen, schonend auszudrücken, und ihrer, fast nie gegen andere, immer nur gegen sie selbst zu erwähnen. Ohne ihn würde Bürgers Versbau und Diction die Vollendung nie erworben haben, die selbst Schiller ihm willig einräumt. Was Schiller an ihm vermißt, hatte Boie auch zum Theil angedeutet, aber so sanft und leise, daß Bürger nicht viel darauf gab, und es als Warnung eines wohlmeinenden, doch vorurtheilsvollen Freundes überhörte. Nach Schillers unerkünstelter, ihm von seinem stets auf Erhabenheit und Würde gerichteten Sinn, eingegebene Ueberzeugung, war Idealisierung, Veredlung, ein so unerläßliches Erforderniß des Dichters, daß er aufhöre diese Namen zu verdienen, dem es daran gebreche; daß der eigentliche Volkssänger keinen Anspruch darauf machen dürfe. So kam es, und mußt´ es kommen, daß er unter allen Bürger´schen Gedichten, selbst den am reichlichsten ausgesteuerten, keines zu nennen wußte, das ihm einen durchaus reinen, durch gar kein Mißfallen erkauften Genuß gewährt hätte, daß er in der Elegie, als Molly sich losreißen wollte, matte, im Blümchen Wunderhold tändelnde Stellen entdeckte: daß er, so unnachahmlich schön ihm ihre Diction und Versbau, so poetisch sie gesungen schienen, die Empfindung für unpoetisch erklärte. Dieses Urtheil war offenbar ein subjectives, einseitiges, und dürfte sogar von denen so hart nicht nachgesprochen werden, die mit Schillers Neigung zusammentreffen. Was es Wahres enthielt, ließ Bürgers unerschütterliches, bleibendes Verdienst unverkümmert, und that ihm auf einem Gebiete keinen Abbruch, dem es nie an Liebhabern fehlen wird, die ihre Theilnahme von dem Eigensinn einer ihnen wenig zusagenden Schule nicht abhängen lassen. Wer fremden Ansehens bedarf, um die Empfindung des Sängers in sich aufzunehmen, an dessen Entfernung ist nichts verloren. Für sich und seine würdigen Freunde, würde daher Bürger am klügsten gehandelt haben, wenn er seinem alten Glauben treu geblieben wäre, nur das Werk lobe oder tadle den Meister, und wie er bisher immer gethan, auch zu dieser Kritik geschwiegen hätte. Sie wäre sicherlich minder beachtet, oder schneller vergessen worden. Aber er ließ sich von fremden Einflüsterungen zur Gegenrede verleiten, und bereute diese Uebereilung, wie wir aus einem hier zum erstenmale abgedruckten Bruchstücke gern ersehen.
[...] Uebrigens hat Schillers Kritik ästhetisch nicht vortheilhaft auf Bürger gewirkt. Kenner bemerkten, die Feile, welche er seinen früheren Gedichten in späteren Ausgaben angelegt, habe jenen nicht selten die natürliche Anmuth ihre Naivetät geraubt, ohne ihm die sentimentale Vollendung zu ertheilen, die den Idealisten befriedigt."

Die vollständige Rezension in der ONLINE-BIBLIOTHEK.

 

1832

Anonym. Nachrichten. In: Allgemeine Musikalische Zeitung. No. 21. Digitalisiert von Google.

“[Sp. 346] Meiningen, den 7ten April. Am 17ten December vorigen Jahres, dem Geburtstage des Herzogs, ist das hiesige neuerbaute Schauspielhaus eröffnet worden. [...]

[Sp. 347] Lenore, mit Musik von Eberwein, zwey Mal. Die Aufgabe, aus Bürger´s phantasiereicher Ballade ein Theaterstück zu machen, und zwar ohne Geister dabey erscheinen zu lassen, war nicht leicht; sie ist aber sehr gut gelöst.”

 

1832

Mundt, Theodor. Goethe in Italiänischem Gewande. - Bürger. In: Magazin für die Literatur des Auslandes. No. 127. Digitalisiert von Google

“[S. 506] Einen Anhang zu dieser Uebersetzung der Iphigenia bildet die Uebertragung von Bürgers Lied vom braven Mann: "La Canzone del brav´uome", von derselben Verfasserin. Diese Uebertragung ist jedoch schon vor länger als einem Jahr auf einem fliegenden Blatte verbreitet gewesen und auch in Deutschland bekannt und besprochen worden. Der Stoff der Bürgerschen Ballade lag der Uebersetzerin sehr nahe, da er bekanntlich ihre heimathliche Lokalität berührt, und dies mag bei der Wahl dieser Uebersetzung nicht ohne Einfluß gewesen seyn. Auch besitzen die Italiäner selbst mehrere Gedichte über diesen Gegenstand, unter anderen ein sehr berühmtes in Lateinischen Hexametern von Giovanni Costa. Bürger hat jedoch in seiner Weise diesen Stoff ganz Deutsch volksthümlich ergriffen und ausgemalt, und wie sich seine Gedichte überhaupt am allerwenigsten zu einer Uebersetzung in's Italiänische eignen dürften, was auch Madame Eduige selbst zu fühlen scheint, so auch dies Lied vom braven Mann schon seiner ganzen Einkleidung wegen nicht, obwohl es sich auf Italiänischem Grund und Boden selbst bewegt. Die vielen leidenschaftlichen Ausrufungen und Exclamationen der Bürgerschen Balladensprache erscheinen durchaus fremdartig und steif in der Italiänischen Diction; die Ausrufungen des Sängers an sein Lied, wie
          Narra or narra, canson mia diletta
und anderes Aehnliche, was durchaus im Ton Deutscher Naivetät gehalten ist, kann unmöglich die Landsleute der Uebersetzerin ansprechen. Indeß sagt sie selbst, daß man einen Fremden nach den Manieren seines eigenen Landes beurtheilen und ihn nehme müsse, wie er ist.
Diese Gattung der Deutschen Balladen-Poesie wird jedoch überhaupt wohl in Italien wenig Anklang finden, da die Ballade ihrer Natur nach so sehr nordisch ist. Die Definition, welche Madame Eduige ihren Landsleuten von der Deutsche Ballata, im Vorwort zu dieser Uebersetzung, giebt, ist sonst nicht ganz unangemessen; sie sagt:"Bürger war der Volks-Dichter der Deutschen und nannte sein Gedicht Ballata, weil dies der den Deutschen gebräuchliche Name ist, womit sie solche lvrische Gedichte zu bezeichnen pflegen, in denen Volks-Traditionen oder auch selbsterfundene mährchenhafte und wunderbare Stoffe in rascherer und lebbafterer Darstellung (con piú rapidi e vivaci concetto) erzählt werden, als dies in der Epopöe der Fall seyn kann; im Gegensatz zu dem, was die Italiäner unter Ballata verstehen, [...].

[S. 507] Wenn Bürger´s Balladen sich nicht zum Uebersetzen ins Italiänische eignen, für welche Behauptung wir die Uebersetzerin selbst auf unserer Seite haben, so sind sie dagegen zur Uebertragung ins Englische ausnehmend geschickt. Auch für diese Behauptung haben wir eine Uebersetzerin auf unserer Seite, Mary Howitt, die in dem Englischen Taschenbuch Forget me not für 1833 eine sehr gelungene Uebertragung der "Weiber von Weinsberg" - The Goodwives of Weinsberg - geliefert hat. Man höre nur die beiden ersten Strophen, um sich zu überzeugen, mit welcher Gewandtheit und Treue die Uebersetzerin es verstand, in ihrer Sprache Die ganze Tonart und das leiseste Kolorit des Originals auszudrücken [...].
     Die ungezwungene Leichtigkeit, mit der sich Bürger´s Balladen ins Englische übertragen lassen, geht nicht bloß aus der Verwandtschaftlichkeit beider Sprachen hervor, sondern auch aus dem Verhältniß, in dem sich Bürger selbst zur Englischen Balladen-Poesie darstellt, der er bekanntlich so viel verdankt, und deren Stil er ursprünglich vor Augen hatte, obwohl er meistentheils die Naivetät des Englischen und Schottischen Balladen-Tons zu sehr durch Deutsche Bänkelsänger-Manier gefärbt hat.”

 

1832

Arndt, Ernst Moritz. Die Blumen. In: [Johann Daniel] Selam, oder die Sprache der Blumen. Wien. Digitalisiert von Google

“[S. 523] War bunt der Frühling erschienen,
  Schien warm der Sonnenstrahl,
  Ich schwärmte mit Schwalben und Bienen
  Hinein ins Blumenthal.

  Die seinen Busen zu schmücken
  Der Lenz sich machen kann,
  Sie sehn mit liebenden Blicken
  Mich jung und lustig an.

  Da steht das Veilchen bescheiden,
  Das Blümchen wunderhold,
  Scheint sprechend: magst du mich leiden?
  Ich bin so treu als Gold.
       [...] “

 

1832

Bechstein, Ludwig. Lesefrüchte, belehrenden und unterhaltenden Inhalts. Dritter Band. München. Digitalisiert von Google

“[S. 333] Aphorismen und Betrachtungen über kleine Wörtlein. Wenn. ´Wenn nur das Wörtlein Wenn nicht wär,´ ist ein Volkssprichwort, und Bürger singt passend:
  Der Mann, der das Wenn und das Aber erdacht,
  Hat sicher aus Häckerling Gold gemacht.
´Dieses Wenn,´ sagt ein geistreicher, aber verrufener Schriftsteller in seinen Memoiren: ´zerreißt die Seele des unglücklichen Grüblers, der nach dem Grübeln sich nur noch elender fühlt. Aber er lernt leben dadurch und wer nicht nachsinnt, lernt nichts.´ “

 

1832

Anonym. Berlin, Nov. 13. In: The Athenaeum, November 24, London. Digitalisiert von Google

“[p. 761] The Exhibition is particularly rich in landscapes, pictures of social life, and portraits. A highly-finished full-length portrait of Princess Albrecht, the King of Holland's daughter, by M. Bezas, attracts general notice. Amongst the larger pictures, there is one of M. Bendemann (a Jew), 'Jews in the Babylonian captivity, sitting by the river side,' and a scene from Burger's ' Leonora," where Leonora inquires for her sweetheart. “

 

1832

Philopogon. Die Büßende von Stolberg. In: Sundine, 10. Mai. Stralsund. Digitalisiert von Google

“[S. 146] Aber bei allen Musen! so wenig ein basaltenes Pharaonsbild im Tempelhofe zu Memphis, mit zusammengezwängten Beinen und parallel herabhängenden Armen, das Muster zum Apoll von Belvedere gab, so wenig ist doch auch Phlegons von Tralles Bruchstück von heidnischem Spuck die Braut von Korinth, wie diejenigen vermessen behaupten, welche den Dichter auf den Isolirstuhl setzen, und ihn, ausgeschlossen von Geschichte und Vorbildern, Neues und Niegehörtes nur gleichsam aus den Fingern saugen lassen wollen! Nach ihrer Philologie hat Schiller die Kapuzinerpredigt aus Abrahams a S. Clara `Reimb Dich, oder Ich Liß Dich!` zusammen gestoppelt, oder hätte Bürger ohne das Spinnstubenlied nimmer die Leonore gedichtet. “

 

1832

Anonym. [Rez.] Gesänge mit Begleitung des Pfte., componirt von C. Kloss. In: Iris im Gebiete der Tonkunst, 17. Februar. Berlin. Digitalisiert von Google

“[S. 27] Die Frage ob es dem Dichter oder dem Musiker schwerer sey, ein wirklich gutes Lied, das nicht blos abgenutzte Formen aufs neue reproducirt, zu schaffen, möchte wohl dahin zu beantworten seyn, daß es für beide eine gleich schwierige Aufgabe ist. Wenigstens haben nur die größesten Dichter und Komponisten sie durchgehend (die wenigen Ausnahmen kommen nicht in Betracht) genügend gelöst. Göthe und Mozart sind die einzigen Liederdichter, bei denen das kleine unscheinbare Lied die weltumfassende Größe und Tiefe des Genius bekundet, wie das Auge, nach Schillers unvergleichlichem Gedicht, in seinem geringen Umfang das Bild des Weltalls einsaugt. Wenn gleich andere Dichter, wie z. B. Hölty, Bürger, oder Komponisten wie Schulz, Reichardt u. s. w. in Liedern Ruf gewonnen haben: es wird zwischen ihren Leistungen und denen Göthe's für den schärfer Prüfenden doch immer ein specifischer Unterschied bleiben, der wie alle geistigen Unterschied fast ein unermeßlicher genannt werden darf. “

 

1832

Maltitz, Gotthilf August Freiherr von. Dichterschande. In: Pfefferkörner. Im Geschmack der Zeit ernster und satyrischer Gattung.
Drittes Heftlein. Hamburg. Digitalisiert von Google

“[S. 81] Vorbei sind die Zeiten, wo sich Dichter und Gelehrte auch Männer zu sein bestrebten, - und ihre Brust tief von dem ebenso edeln, als gerechten Stolze glühte: nicht nur nicht um Monarchengunst zu buhlen, sondern mit der Masse gewöhnlicher Fürsten wie mit gewöhnlichen Menschen, entweder gar nicht, oder nur zu ihnen herab - zu sprechen und ihre Leier nicht sowohl der bloßen Macht und dem Glanze, als vielmehr nur dem Verdienst wahrer Fürstentugend zu weihen. - Vorbei sind die Zeiten, wo es, wenn auch Dichter, arm wie Bettler, - doch nicht bettelnde Dichter gab, - und wo stolz ein Bürger schrieb:
   ´So lang' ein braver Biedermann
   Mit einem Glied noch Brot verdienen kann,
   So lange schäm' er sich, nach Gnadenbrot zu lungern,
   Und thut ihm endlich kein's mehr gut,
   So hab' er Stolz genug und Muth:
   Sich aus der Welt hinaus zu hungern.´ -
Vorbei ist, wie gesagt, diese Zeit.“

 

1832

Matthisson, Friedrich von. Reiseskizzen und tägliche Erlebnisse. In: Friedrich v. Matthisson's Literarischer Nachlaß [...]. Erster Band. Berlin. Digitalisiert von Google

“[S. 101] Weimar, den 30. September.
Paganini hat hier übernachtet und gestern Goethe besucht. So eben sahe ich ihn in den Wagen steigen; geisterbleich, gebückt, furchtbar mager und von jüdischer Physiognomie. Sein kleiner Sohn, etwa drey Iahre alt, gleicht ihm; er hielt eine kleine Geige, als Spielzeug, in der Hand. Paganini's Begleiter und Geschäftsführer dagegen sieht aus wie der Abt von St. Gallen in Bürgers Erzählung. Mein Wirth sagte: ´wenn der mir im Walde begegnete, müßte ich auf der Stelle Reißaus nehmen.´ “

 

1832

Gütle, Johann Conrad; Pöhlmann, Johann Paul. Die Kunst der natürlichen Hexerei. Nürnberg. Digitalisiert von Google

“[S. 229] B. Verschiedene Denksprüche, die ebenfalls zu Unterhaltungen mit sympathetischen Tinten benützt werden können.
     Anmerk. Man kann, wenn man will, gegen den oberu Rand des Blattes, dessen man sich hier bedienen will, folgende Zeilen mit gewöhnlicher Tinte schreiben:
      Du, geheimnißvolle Kraft,
      Die, hier waltend, Wunder schafft,
      Zaub're jetzt auf dieß Papier
      Einen Spruch der Weisheit mir!
und dann einen der folgenden Denksprüche mit einer sympathetischen Tinte gegen den untern Rand hin schreiben.
      Wer nicht für Freiheit sterben kann,
      Der ist der Kette werth;
      Ihn peitsche Pfaff und Edelmann
      Um seinen eignen Heerd! “

 

1832

Notes. In: Iölande, a tale of the duchy of Luxembourg; and other poems. London. Digitalisiert von Google

“[S. 64] Note 7, page 24, lines 383 and 384.
   ´Sleep'st thou? or, waking, on a foreign shore,
   ´ Dost think on thy lost love no more?´
The sentiment expressed in the lines above, perhaps, somewhat resembles that contained in the first stanza of Bürger's beautiful ballad, Leonora.
     Lenore fuhr um's Morgenroth,
     Empor aus schweren Traümen,
     ´Bist untreu Wilhelm, oder todt?
    Wie lange willst du saümen?´ “

 

1832

Pfizer, Paul Achatius. Gegenwärtiger Zustand Deutschlands in Beziehung auf Literatur, Kirche, Staat und Leben. In: Briefwechsel zweier Deutschen. Stuttgart und Tübingen. (Sammlung Klaus Damert)

“[S. 108] Die deutsche poetische Literatur besteht aus lauter Arabesken und Verzierungen, und die ächte Poesie verstummt mehr und mehr, denn es fehlt ihr an einem Gegenstand, an dem sie sich aufrichten könnte, an der Anschauung eines großartigen und erfüllten Lebens; die bloß innerlichen Stoffe und Motive sind verbraucht, Alles zerfließt, stäubt durcheinander, verflüchtigt sich und läßt oft einen ekelhaften Niederschlag zurück: statt einer ächten Mischung der Bestandtheile, statt einer Durchdringung der realen und idealen Elemente, hier ein nebliger Duft, in dem man die verschwimmenden Gestalten nicht mehr unterscheiden kann, dort im Gegensatze die nackte Plattheit und Gemeinheit sich mit ihrer Blöße brüstend, weil wir die wahrhafte Wirklichkeit, die reale Mitte des Lebens, überhaupt verloren haben.
       Daher sind wir auch so reich an Producten, welche, wie Ernst Wagners Wilibald und Hölderlins Dichtungen, bei einer Fülle von Talent und Geist kaum eine Ahnung von Natur und Realität enthalten, und nur in einer Periode künstlicher Verbildung wie die gegenwärtige Zeit verständlich, für andere Zeiten und Nationen aber zuverlässig ungenießbar sind. Unsre Poesie ist eine gelehrte für die gebildete Welt, und konnte bis jetzt auch nichts Anderes seyn. Eben damit fehlt ihr aber jene Naturnothwendigkeit, durch welche die Poesie eines Volks sich zum organischen Ganzen gestaltet: nur der Volksdichter ist der wahre Dichter, weil er einen reellen und nothwendigen Stoff hat, den er nicht willkürlich ersinnt, sondern aus der Tiefe des Lebens schöpft, einen Stoff, den keine Macht des Genie's zu produciren im Stande ist, weil er nicht erfunden werden kann, sondern im Volke werden und wachsen muß. Dem Kunstdichter fehlt der dunkle Grund, das unerschaffbare Naturelement, der Körper, die Materie, er ist lauter Licht und Form ohne realen Inhalt, und unsre großen Dichter gleichen Sonnen ohne Planeten. “

 

1832

13. Erinnerungen an den preußischen Staatsminister, Freiherrn Karl von Stein, und seine Wünsche für Preußen. In: Blätter für literarische Unterhaltung, 7. Februar. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[S. 160] Dennoch sieht man in Preußen vertrauensvoll noch immer auf den König. Das Volk vertraut seiner Rechtlichkeit und Einsicht. Ein Kaiserwort soll man nicht drehn noch deuteln. Der 1. September 1815 erscheint gewiß.“

 

1832

Schilling, Gustav. Die Familie Bürger. Zweiter Theil. In: Sämmtliche Schriften von Gustav Schilling, Dresden und Leipzig. Digitalisiert von Google  

“[S. 164] Auch Elisabeth schmälte jetzt auf ihn - sie schritt, mit sich selbst sprechend, in augenscheinlicher Bedrängniß auf und ab und Emilie sagte:
   Wissen Sie denn, was der wilde Mann vorhin äußerte? Nur ich Angstengel stehe dem guten Willen Ihrer Hoheit und dem zärtlichsten Empfange im Wege. Nur die Scham vor mir behind're Sie, der Zärtlichkeit nachzugeben, ihn zu quartieren - zu beloben - zu flehen: ´Ach, bleib doch, Du Trauter!´ und was Blandine in Bürgers Romanze ihrem Lenardo in's Ohr raunt.
   Das sey entsetzlich! meinte Elisabeth: aber seine Heftigkeit mache es rathsam, den Tollkopf vorzulassen und einzuschrecken.”

 

1832

Müller, Karl Friedrich August. Bayern . In: Die Bayer'sche Landbötin, München, 2. Juny. Digitalisiert von Google

“[S. 535] Den Zug eröffnete die schöne Bürgergarde von Neustadt mit Musik. Sodann in bunter Mischung, jedoch im geordneten Zuge, die vielen Tausende der Theilnehmer am Feste, größeren Theils in geschlossenen Banden, voraus Fahnen und Musik, „und jeder Zug mit Sing und Sang, mit Paukenschlag und Kling und Klang, geschmückt mit grünen Reisern, zog her von seinen Häusern ; und überall, allüberall auf Wegen und auf Stegen, zog Jung und Alt dem Jubelschall der Kommenden entgegen." Unter den Banden bemerkte man, neben denen aus Rheinbayern, welche von Frankfurt, Mannheim, Mainz u. s. w. Im Zuge waren viele Frauen und Jungfrauen, geschmückt mit der deutschen Farbe, Schwarz, Roth und Gold.”
 

1832

Schilling, Gustav. Die Familie Bürger. Zweiter Theil. In: Sämmtliche Schriften von Gustav Schilling, Dresden und Leipzig. Digitalisiert von Google

“[S. 152] E. Sie wird mich hegen, da Emilie uns're Zeuginn bleibt — dieser Angstengel reicht ja hin, das Heiligthum zu sichern und den Bräutigam in Fesseln zu schlagen. Denn stünde ihr die kritische Vertraute nicht zur Seite, sie würde mich, wie Blandine ihren Lenardo quartiren; würde den Kühnen entschuldigen — beloben — ihn bitten:
  ´Ach, Trauter! ach, bleib noch! der Sternlein Licht
  Verräth ja die Gänge der Liebenden nicht!´
Das sey eine grundfalsche, höchst unwürdige Vermuthung! erklärte Milchen, heftig werdend: Elisabeth liebe ihn, doch mit dem Zartgefühle der Vestalen und die Sittlichkeit um ihrer selbst willen, nicht aus Rücksicht auf die Zeugen.”

 

1832

Anonym (152.) Taschenbücherschau für 1833 - Minerva. In: Blätter für literarische Unterhaltung. Digitalisiert von Google

“[S. 1262] Außer Neuffer's Gedichten finden sich von E. Ortlepp Romanzen, deren breite Diction des Verf. Unkenntniß der gedrungenen, fast stechend kurzen, tragischen Liederform, in welcher die schottischen Balladen sich produciren, deutlich genug verräth. Die zweite Romanze, deren Stoff sich durchaus mehr zum Balladenstyl geeignet hätte, leidet besonders an ungefälliger Zerdehnung der Sprache, die noch dazu an eine famös gewordene Balladendiction erinnert. Alles in der Welt, nur nicht Bürger's rohe Bänkelsängerei, wie er an in folgender Strophe hören läßt:
   So geht ein entsetziches Jahr vorbei,
   Sie singt verrückte Lieder,
   Bald lacht sie und scherzet, bald wirft sie aufs neu'
   Der erwachende Schmerz darnieder,
   Und es raset und raset der höllische Sturm,
   Und es zshret und zehret der tödtliche Wurm,
   Und die Abgefallne, die Bleiche,
   Sie wird zur lebendigen Leiche.”

 

1832

S. T. Correspondenz-Nachrichten. In: Sundine, 23. Februar. Digitalisiert von Google

“[S. 62] Der Seehund trieb lange fort sein lustiges Wesen, und als er sich gar weit hinaus aufs Eis lehnte, da hatte ich mich so weit gesammelt, daß ich im frohen Gefühl, nicht ein Elementgenosse des Monsieur Phoca zu sein, launig rezitirte:
   Zu sehen das Spektakel
   In diesem Tabernakel.
   Neptun gelehnt ans Ruder
   Ruft: Prosit lieber Bruder!”

 

1832

Grosheim, Georg Christoph. §. 96. In: Fragmente aus der Geschichte der Musik, Mainz. Digitalisiert von Google
   
“[S. 113] Selbst noch im 17ten Jahrhundert waren Musik und Gedicht eines Liedes, das sich vom Trivialen zu Liebesseufzern erhoben hatte, auf sehr niederer Stufe, wiewohl sie den Schönen: Dorilis, Chisterinen, Galatheen, Amarillen, u.s.w. gewidmet waren.1) Als jedoch unsere Volksdichter Voß, Hölty, Claudius, Bürger, u. A. erstanden waren, da eilten auch die Componisten herbei, ihre Melodien zu den Gedichten dieser Geweihten zu fügen. Keiner unter allen Musikern schien jedoch mehr für dies Fach geschaffen als der unsterbliche Schulz.

1) Ein vor uns liegendes Liederbuch aus jener Zeit (1656) enthält unter 200 Liebesliedern, Folgendes:
        Es lieben die Ochsen, die Schweine, die Katzen,
        Die Hirsche, die Hasen, die Ziegen, die Ratzen,
        Die Tauben, die Lerchen, die Hüner, die Raben,
        Die Schweden, die Pohlen, die Türken, die Schwaben,
        [...]
        Was kriechet, und stehet, was lieget, und schwebet.
        Wie kommt es denn, Schönste! daß ihr Euch so stellet,
        Als daß Euch kein junger Geselle gefället? u.s.w.

[S. 139] Und wie kam es denn, daß ehedem Theologen und Juristen, Aerzte und Philosophen, Diplomaten und andere Staatsbeamte sich mit der Tonkunst so amalgamirten, daß wir ihnen selbst Meisterwerke in derselben verdanken? Sollte dies in unseren Tagen unmöglich sein, wo die Wissenschaften auf weit ebenerm Wege zu erforschen sind, denn jemals? Bevor aber dies geschieht, wird die Spreu nicht von dem Waizen gesichtet werden, und die Kunst und ihre Kritik werden ganz nutzlos dastehen, wenn nicht gar hin und wieder gefährlich geachtet, wenn man z. B., durch eine belobende öffentliche Kritik ermuntert, von einer sittlichen Jungfrau, Bürgers Pfarrers Tochter singen, oder einen kraftvollen Jüngling mit rosigen Wangen die Worte ´Wer keinen Menschen machen kann, der kann auch keinen lieben 1)´ musikalisch deklamiren hört, u.s.w. -

1) S. Schillers Gedicht: ´Männerwürde.´”

 

1832

Schw. M. Stuttgart, 19 Mai. In: Allgemeine Zeitung, Augsburg, 1 Junius. Digitalisiert von Google

“[S. 610] Man sezte sich in Bewegung nach der Schloßruine Hambach, eine Stunde weit bergan auf neuangelegtem Wege durch Wald und Akerfeld, unterwegs das Dörflein Hambach. Den Zug eröfnete die schöne Bürgergarde von Neustadt mit Musik. Sodann in bunter Mischung, jedoch im geordneten Zuge, die vielen Tausende der Theilnehmer am Feste, größeren Theils in geschlossenen Zügen, voraus Fahnen und Musik, ´und überall allüberall auf Wegen und auf Stegen, zog Jung und Alt dem Jubelschall der Kommenden entgegen.´ Unter den Zügen bemerkte man neben denen aus Rheinbayern, die von Frankfurt, Mannheim, Mainz u.s.w.”

 

1833

Voss, Johann Heinrich. Anmerkungen. In: Sämmtliche poetische Werke von Johann Heinrich Voss. Digitalisiert von Google.

“[S. 307] Die Zünftler. Akademia, ein berühmter Ort bei Athen mit Götterbildern, heiligen Hainen, Grabmälern verdienter Männer und einer Anstalt zu Leibesübungen, wo Plato lehrte. Asklepios, Äskulap, Schutzgott der Arzneikunde. Dem süßredenden Platon trugen, nach sinnbildlicher Fabel, da er als Kind unter Blumen schlief, von den Musen gesandte Bienen Honig auf die Lippen. Lenorens Harfener, Bürger, hatte die Erlaubniß in Göttingen zu lehren, ohne Gehalt.”

 

1833

Zimmermann. Rezension Klopstock´s Epigramme von E.F.W. Vetterlein 1830 In:Jahrbücher der Literatur. Drey und sechzigster Band. Digitalisiert von Google.

“[S. 241] Derselbe Kritiker erinnert: "Sollte aber einer oder der andere Leser sich ungern entschließen, in vollem Ernste daran zu glauben, daß Klopstock Goethe' s  Dichterwerth so verkannt, so wollen wir zum Ueberfluß ein unverdächtiges Zeugniß anführen. William Wordsworth erzählt in einer der Abhandlungen, die er der letzten Ausgabe seiner poetischen Werke beygefügt hat, er habe es mit angehört, wie Klopstock Bürger´n ein Lob zuerkannt, das er Goethe´n und Schiller´n abgesprochen: daß er nämlich ein ächter Dichter sey, und einer der wenigen in Deutschland, deren Werke auf die Nachwelt kommen würden (The poetical Works of W. Wordsworth. London 1827. II. 378).”

 

1833

Anonym. Deutsche Literatur im Auslande. Deutsche Lyriker, beurtheilt in der Edinburgh Review. In: Magazin für die Literatur des Auslandes. Montag den 21. Januar.  Digitalisiert von Google.

“[S. 35] "Kehren wir jedoch zu denen zurück, welche wir als die Meister dieser Gattung bezeichneten, so möchten wir ohne Bedenken Schillern die Palme reichen. Bürgers Balladen, nicht selten geschraubt und gemein, obwohl in Behandlung von Gegenständen des Volksglaubens oft den wirkungsreichsten Eindruck machend, sind doch alle zu sehr nach einem Ton gestimmt. Wo er einen höheren Flug versucht, wie in Lenardo und Blandine, erreicht er einen eben so lächerlichen Effekt, als wenn man ein Oratorium auf einer Sackpfeife spielen wollte, Goethe dagegen, dessen ausgebildeter Geschmack ihn von solchen Verirrungen fernhält, und dessen mehr plastische Natur ihn befähigt, seine Tonart mit dem Thema zu ändern, irrt jedoch vielleicht nur zu häufig auf die entgegengesetzte Weise. Wenn Bürger zu heftig, zu theatralisch, zu geräuschvoll ist, so ergiebt sich dagegen Goethe zu ausschließlich seiner Phantasie, ist zu ruhig in sich selbst und zu unbekümmert, ob er das Gefühl der Anderen errege; er ist, um es kurz zu sagen, zu sehr Grieche für eine Form, die ihrem Ursprung und Wesen nach so sehr Gothisch ist wie die Ballade. Schiller scheint eine glücklichere Mitte darin eingeschlagen zu haben; klassisch und kontemplativ, wie Goethe z.B. in der Bürgschaft, im Ring des Polykrates, in den Kranichen des Ibykus, kann er zugleich siegreich mit der Kraft Bürgers wetteifern, wie im Taucher [...]."

[S. 36] Wir haben die Ansichten unseres Kritikers so hingestellt, wie sie sich geben, ohne unsererseits widerlegende Bemerkungen dazwischen geschoben zu haben. Diese wird sich der Leser selbst im Sinne seiner eigenen Denkungsweise da zu machen wissen, wo der Reviewer allzu hart absprechend, namentlich in bezug auf Bürger, verfährt.”

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1833

Hasse, Friedrich Christian August. Walter Scott. In: Zeitgenossen. Ein biographisches Magazin für die Geschichte unserer Zeit. Dritte Reihe. Vierter Band.  Digitalisiert von Google.

“[S. 12] Die unmittelbare Veranlassung dazu aber war Bürger's "Lenore", die jetzt erst in Großbritannien bekannt wurde, nachdem das Gedicht bereits 20 Jahre lang in Deutschland bewundert worden war. Im Sommer 1793 oder 1794 besuchte die berühmt Lätitia Aikin, besser bekannt als Mistreß Barbauld, Edinburg und wurde hier herzlich und achtungsvoll aufgenommen. In einer Abendgesellschaft las sie eine Übersetzung der "Lenore" aus der Feder W. Taylor's von Norwich vor, die um so größern Eindruck machte, da Taylor sich genau an das Original gehalten und namentlich den Geisterritt in einer Sprache wiedergegeben hatte, die dem Bürger´schen Gedichte vollkommen ähnlich war. Scott hörte so viel von diesem Gedichte, daß er nicht eher abließ, als bis er sich Bürger's Gedichte von Hamburg verschafft hatte, was nicht leicht war, da man in Edinburg in jener Zeit gar keine deutschen Bücher kaufen konnte. Er fand beim Lesen des Originals seine Erwartung übertroffen, und das Buch war erst einige Stunden in seinem Besitze, als er auch schon unbesonnen (rashly), wie er selbst sagt, genug war, seinen Freunden ine Übersetzung davon in englischen Balladenversen zu versprechen.
    Und der junge Dichter hielt Wort. Am Abend nach dem Nachtessen begann er das Werk und hatte die Übersetzung (es sind 66 Stanzen) am nächsten Morgen vor Tagesanbruch beendigt. Kurz darauf verfertigte er eine Übersetzung von Bürger's "Wildem Jäger" nebst einigen andern Gedichten Bürger's und ließ, geschmeichelt von dem Lobe seiner Freunde, beide Gedichte unter dem Titel: "The chase and William and Helen" zu Edinburg im Jahre 1796 drucken, ohne jedoch seinen Namen hinzuzufügen. Davon verschenkte er die meisten Exemplare, und da zu derselben Zeit noch sechs bis sieben andere Übersetzungen der "Lenore" erschienen, so blieb seine Arbeit fast ganz unbemerkt und ganz unbeurtheilt.”

 

1833

Anonym. In: Allgemeine musikalische Zeitung, July No.27. Digtalisiert von Google.

“[S. 442] Aus der Menge der Concerte und musikalischen Morgen-Unterhaltungen möge noch das ausserordentlich besuchte Concert des Hrn. H. Monpou stehen, der sich selbst einen romantischen Musiker nennt. Er ist es, wenn Bizarrerie die Hauptsache ist. Schon die Anschlagezettel (8ten April) waren romantisch. Teufel in allen Farben, mit Trompeten u.s.w. luden dazu ein. Ein Teufel auf dem Zettel trug sogar die Anzeige von Händel's Messias! Die Gegenstände zu seinen eigenen Compositionen hat er vorzüglich aus Victor Hugo und aus unserm Bürger entlehnt. Sein Hauptwerk ist Bürger's Lenore. Sonderbar genug aber die Ausführung keines weges sonderlich.”

 

1833

Rosenkranz, Karl. Handbuch einer allgemeinen Geschichte der Poesie. Dritter Theil. 
Digitalisiert von Google.

“[S. 382 ] Besonders hätte Bürger das glücklichste Talent zu einem ächten Volksdichter gehabt, wäre er im Stande gewesen, sein Gemüth von dem Rost zahlloser kleiner Verdriesslichkeiten frei zu machen, worein ihn seine beschränkte bürgerliche Existenz und seine unglücklichen Eheverhältnisse zeitlebens verwickelten; in dieser kahlen Prosa verflog der zarte Duft der Poesie und es wirkte sich von daher in seine Gedichte manch´ grober, gemeiner Faden ein, der sie entstellte. In der Ballade war Bürger der erste vollendete Dichter der Deutschen.”

 

1833

Anonym (193). [Rez] Zur Geschichte der neuern schönen Literatur in Deutschland von H. Heine. In: Blätter für literarische Unterhaltung. Digitalisiert von Google.

“[S. 1333] Obwol er ferner selbst „´einigermaßen´ zu den akademischen Schülern des ältern Schlegel gehört habe, erkennt er doch eine Verpflichtung zu einiger Schonung nicht an. ´Hat Herr A. W. Schlegel den alten Bürger geschont, seinen literarischen Vater? Nein, und er handelte nach Brauch und Herkommen. Denn in der Literatur, wie in den Wäldern der nordamerikanischen Wilden werden die Väter von den Söhnen todtgeschlagen, sobald sie alt und schwach geworden.´ Nur die ungenaueste Bekanntschaft mit der deutschen Literaturgeschichte wird sich die Vergleichung der hier gegen Schlegel losgelassenen Polemik mit jenem trefflichen Aufsatze Schlegel's über Bürger gefallen lassen. Der Verf. findet freilich in jenem Aufsatze ´die innere Leerheit der sogenannten Schlegel'schen Kritik´. Beispielsweise erwähnt er, daß Schlegel Bürger's Balladen mit den altenglischen verglichen habe. [...] Die Wirrniß dieser Stelle, einer der mildesten der gegen Schlegel gerichteten, ist nicht zu verkennen. Keinem Verständigen wird es widerfahren, die Ausbrüche freien, männlichen Muthes und edler Entrüstung, die sich in Bürger´s Gedichten finden, im Ernste für den rohen Schrei eines ungebildeten Magisters zu halten; die kräftige Gesinnung Bürger´s muß mit Achtung erfüllen, und mit tiefem Mitleid der Laut des Schmerzes, den er in fruchtlosem Kampfe gegen ein trübes Geschick ausstößt (obwohl seine Lebensgeschichte die Anklage der hanöverischen Aristokratie und der göttinger Schulpedanterie sehr ermäßigt); wenn jedoch von Poesie die Rede ist, so können wir weder auf solche Ergüsse des Zorns und des Schmerzes hohen Werth legen, noch den Manifestationen des Zeitgeistes an sich besonderes Gewicht zugestehen. Wollten wir aber auch den baaren Ausdruck tüchtiger Gesinnung oder die Stimme der Zeit zur Poesie genügen lassen, so erlitte doch diese Ansicht keine Anwendung auf die Bürger´schen Balladen. Es konnte dem Dichter nicht begegnen, diese Gedichte zu Trägern seiner persönlichen Stimmung und Gesinnung, oder zu Herolden des Geistes zu machen, der sich der Zeit bemächtigte, und so kann die Schlegel´sche Kritik derselben gar keines Verkennens dieses Geistes beschuldigt werden. Die Vergleichung der Bürger´schen Balladen mit den altenglischen, deren Herrlichkeit erkannt und zum Theil nicht unwürdig reproducirt zu haben dem deutschen Dichter zu bleibendem Ruhme gereicht, war von einer gerechten Beurtheilung derselben untrennbar; was Schlegel an ihnen tadelt, ist auf keine Weise aus einer Regung des Geistes der neuen Zeit hervorgegangen, sondern aus einer unvollständigen Auffassung der Volkspoesie, die vorzugsweise nur durch ihre Kraft und Natürlichkeit auf Bürger einwirkte, und deren tiefere Erkenntniß, wie sie Göthe erfaßte, in späterer Zeit reiche Früchte getragen hat.“

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1833

Ortlepp, Ernst. Tadel Schillers und Lob der Liebe. In: Lob- und Schmähschriften. Leipzig (Digitalisiert von Google

“ [S. 87] Schon mehrmals habe ich die Leute geärgert, und besonders den Kritikus Schwachbegriff, wenn ich an Schiller etwas aussetzte; ich will dieß hier noch viel ärger thun, indem ich den bisher für groß gehaltenen Dichter, den Alles zu loben pflegt, völlig zu nichte mache. Bürgern ziemte es nicht, für die berüchtigte bittere Kritik selbst ein Vergeltungsrecht zu üben; mir aber wird es angenehme Pflicht sein, ihn selbst an dem Todten noch zu rächen. Es existirt zwar eine Antikritik von Bürger, doch wissen wir nicht, ob sie in der neuesten Zeit mit gedruckt worden ist; bisher war sie nur Manuscript.
    Schiller ist mit Unrecht so hoch berühmt. Es ist wahr, er verstand die Kunst, durch Effectmacherei und prächtigen Putz die Augen der Beurtheiler, und besonders schöner Beurtheilerinnen, zu verblenden, die noch jetzt ihn, vor allen Poeten, vorzugsweise im Munde führen, und, gewöhnlich gegen Goethe haltend, mit der Palme zu beehren pflegen. Doch das ist eine ungerechte und blinde Vorliebe, der ich den Staar stechen muß.
       Ich behaupte erstlich mit einer Anzahl von etwas gestrengen Kritikern, Schiller ist nur ein philosophischer und Reflexions - Dichter, folglich eigentlich gar keiner. Denn das Räsonniren soll bei einem Poeten nicht, wie gewöhnlich, Haupt- sondern nur Nebensache sein; es heißt: ´Bilde Künstler, rede nicht!´“

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1833

Anonym. Aus Breslau (13. Juli). In: Zeitung für die elegante Welt. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[S. 340] Die diesmalige Kunstausstellung ist reicher ausgefallen, als es zu erwarten war. Die düsseldorfer Schule hat Vorzügliches geleistet. Ein Hylas besticht durch heitre Sinnlichkeit und Farbenpracht so sehr, daß man immer wieder zu ihm zurückkehren muß. Nie sah ich sinnliche Liebe in einem Frauenkopfe schöner ausgedrückt als in der brünetten Nymphe, die Blonde begehrt den Geliebten reiner, edler. Die Incarnation der Nymphen ist vortrefflich. Hylas sieht etwas gar zu gramlich drein in das süße Begehren der schönen Gestalten, man ist versucht, ihn für etwas blödsinnig zu halten.
  Lessing's Lenore, dieselbe Schule, ist klar gedacht. Die Farben bestechen nicht, doch ergreift das Bild durch seine Poesie mächtig. Es ist der Augenblick gewählt, wo Lenore traurig die rückkehrenden Krieger nach dem Geliebten fragt. Ihre Schwester findet den ihrigen wieder, Bürger´s Lenore steht traurig, vereinzelt neben ihrer Mutter, jede Figur ist von großer Wirkung, hundert vortreffliche Einzelheiten findet man, das Ganze fesselt durch Größe. Das Costüm der Zeit ist genau aufgefaßt. “

 

1833

[Todesanzeige Elise Bürger]. In: Zeitung für die elegante Welt. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[S. 968] In Frankfurt a. M. starb am 24. November Frau Elis Bürger, geb. d. 17. Novbr. 1769 in Stuttgart, später Gattin des Dichters Bürger, und von ihm zwei Jahre vor seinem am 8. Junius 1794 erfolgten Tode geschieden. “

 

1833

Anonym (189). Relation über einundvierzig Dichter der neuesten Zeit. In: Blätter für literarische Unterhaltung, Zweiter Band. Digitalisiert von Google.

“[S. 961] Man wende gegen den Ausdruck: neue Schule, nicht ein, daß Göthe schon im vorigen Jahrhundert Lieder und Romanzen gedichtet, die denen der neuesten Zeit und zwar namentlich denen der eben genannten Männer [Uhland, Schwab, Kerner, W. Müller, Heine, Chamisso, Rückert] so nahe stehen, daß er als Vater auch dieser Gattung betrachtet werden kann; Göthe steht in jener Zeit einzig da, hier aber, wo es sich um die Schilderung eines herrschenden Gesammtcharakters handelt, wird man zugeben, daß dieser in der lyrischen Poesie des 18. Jahrhunderts nicht jener der Göthe´schen Gedichte ist, sondern daß Schiller´s, Matthisson's, Bürger's, der Stolberg und Aehnlicher lyrische Erzeugnisse seine wahren Träger sind. Dies erhellt schon aus der allgemeinen Theilnahme, die Letztere genossen und die sich bis in die niedern Volksclassen verbreitete, während die Göthe´sche lyrische Muse dazumal von gar Wenigen wahrhaft und mit der That geliebt wurde, ja dem größten Theile der Nation recht eigentlich fremd und unbekannt war. [...]
Besonders die Bürger´sche und Stolberg´sche Schule hatte in die Romanze und Ballade einen gewissen Bänkelsängerton hineingebracht und durch plumpe, unwitzige Scherze, durch komische Dummheit den eigentlichen Volkscharakter zu treffen gewähnt. Zu bekannt sind der "Ritter Plump von Pommerland", der "Bruder Graurock", die "treuen Köter" u.s.w., um ins Gedächtniß gerufen zu werden. Auch edlere Dichter verfielen mehr oder weniger in diesen Ton, und Schiller z.B. beginnt sein Lied auf Eberhard den Greiner bekanntlich folgendermaßen:
  Ihr - Ihr dort draußen in der Welt,
      Die Nasen eingespannt,
  Auch manchen Mann, auch manchen Held,
  Im Frieden gut und stark im Feld,
      Gebar das Schwabenland.
Wie ganz anders beginnt dagegen Uhland's Romanzencyclus auf denselben Helden:[...]”

 

1833

Anzeige. In: Zeitung für die elegante Welt. Leipzig. Digitalisiert von Google.

“ [S. 968] In Frankfurt a. M. starb am 24. November Frau Elise Bürger, geb. d. 17. Novbr. 1769 in Stuttgart, später Gattin des Dichters Bürger, und von ihm zwei Jahre vor seinem am 8. Junius 1794 erfolgten Tode geschieden.“

 

1833

Hofzinser, Joh. Nep. Concert des Herrn Joachim Hoffmann. In: Der Sammler, Wien 24. Jänner. Digitalisiert von Google

“[S. 44] Das Lied: ´die Bienen´ von Bürger, von Hrn. Titze, als vorletzte Nummer gesungen, sprach, trotz seines seelenvollen Vortrages nicht an.“

 

1833

Anonym. Geistliche Lieder und vermischte Poesieen in lateinischen treuen Nachbildungen. Ein Versuch von Joh. Carl Wilh. Niemeyer. In: Allgemeine Musikalische Zeitung März. Digitalisiert von Google.

“[S. 199] Die zweyte Abtheilung gibt "vermischte Poesieen" von mancherley anziehender Art, z. B. Wie sie so sanft ruhn; Ruhig ist des Todes Schlummer; Mehres von Schiller aus "das Ideal und das Leben", aus der Braut von Messina; "Freude, schöner Götterfunken"; die Bürgschaft; aus Göthe's Tasso; Bürger's Lenore. - Zuletzt erfreuen uns: das Weltgericht, Oratorium von Aug. Apel, was Vielen doppelt willkommen seyn wird; der Prometheus von A.W. v. Schlegel und die Glocke von Schiller.”

 

1833

Oesterreichisches Archiv für Geschichte, Erdbeschreibung, Staatenkunde, Kunst und Literatur.
Dinstag den 1. Januar. Digitalisiert von Google

“Nach dem Tode seiner zweyten Gattinn, Auguste Leonhart, die er unter dem Namen Molly feyerlich und warm besungen, vermählte er sich zum dritten Mal unglücklich, erkrankte und erlag seinen Leiden 1794. Er hatt als Volkslieder- und Balladen-Dichter unstreitig den ersten Rang. Sein hohes Lied wurde lange Zeit als das Höchste betrachtet, was in der deutschen Lyrik geleistet worden, seine Ballade Leonore hat alle Herzen ergriffen und den Verfasser auch in England rühmlich bekannt gemacht. Schiller und August Wilh. Schlegel haben ihm durch Entwicklung seiner Verdienste schöne Denkmale gesetzt.”

 

1833

Anonym. Nichtpolitische Nachrichten. In: Kourier an der Donau, 3. Juni. Paßau. Digitalisiert von Google

“In den Pfarrbezirken Breitenberg und Wollaberg, k. Landgerichts Wegscheid, leben 6 Männer, die in zwanzigjähriger Ehe, voll Eintracht u. Liebe mit ihren sechs Weibern achtzig Kinder erzeugten, und zwar, wie Stollberg sagt:
         Söhne, stark von Art,
         Töchter, wie die Mutter zart.
Solche Verdienste für die Bevölkerung des Staates dürfen um so weniger mit Stillschweigen umgangen werden, als die sechs Ehepaare, deren Namen hier folgen, auch das Lob verdienen, daß sie ihren Kindern eine Erziehung zu geben suchen, welche dieselben zu gutgesitteten Menschen und zu brauchbaren kräftigen Staatsbürgern heranzubilden geeignet ist.
 1) Mathias und Anna Maria Rosenberger, Handelsehel. v. Lackenhausen, erzeugten 11 Kinder.
 [...]
 6) Jakob u.Maria Anna Kainz,Wirths-Eheleute von Klaffterstraß                17 Kinder
                                                        ---------------------------------
                                                        Summa 80 Kinder.
Möchte man da nicht mit G. A. Bürger ausrufen:
 ´Wie, wann der Lenz die Erd' umsä't,
 ´Und sie mit Blumen schwanger geht:
 ´So segnet Gott durch ihn sein Weib,
 ´Und Blumen trägt ihr edler Leib.
 ´Die alle blühn, wie Sie und Er,
 ´Sie blühn gesund und schön umher,
 ´Und wachsen auf, im Zedernwald,
 ´Voll Vaterkraft nnd Wohlgestalt.
Noch im November 1332 hat ein Missionär in Savoyen verkündet: ´wer seine Kinder im Lesen und Schreiben unterrichte, gebe ihnen den Schlüssel zu jeder heimlichen Sünde in die Hände, und Eltern, die dieses Entsetzliche verwirkt, würden dagegen nie den Schlüssel zur Pforte des Himmels erhalten!´ In manchen Orten scheints, als wenn die Eltern gegen die Stimme ihres Predigers taub, nur den Spruch des Missionärs in Savoyen gehört hätten. “

 

1833

Brauns, Ernst Ludwig. Vergleich der modernen Völkerwanderung mit jener des Alterthums.  In: Amerika und die moderne Völkerwanderung. Das liberale System, oder der Bundesstaat von Nordamerika. Zweiter Theil.  Potsdam. Digitalisiert von Google

“[S. 335] Hier - in den kaum seit zwei Jahrhunderten angesiedelten ältern Staaten können doch weder Beamtendruk noch Religionsverfolgungen, wie früher in der unglücklichen Pfalz, die Leute wegtreiben! Es ist zu große Verkleinerung des Grundeigenthums durch oftmalige Theilung desselben, Sie treibt den Neuengländer aus seiner alten Heimat weg und bringt ihn zu dem Entschluß:
  ´Knapp, sattle mir mein Dänenroß,
   Daß ich mir Ruh erreite;
   Es wird mir hier zu eng im Schloß,
   Ich will und muß ins Weite.´
Auf des Amerikaners niedriger Stufe ist bei seiner rohen Lebensweise fast der Raum einer englischen Quadratmeile erforderlich, das für ihn und seine Familie erforderliche Wildpret zu nähren. “

 

1833

Querner, Godofred. Der seltene Vogel. In: Volksmährchen. Weimar. Digitalisiert von Google

“[S. 155] Das schönste Frühlingswetter dünkte ihnen nun nicht so warm und schön wie ihre Liebe; fröhlich durchzogen sie Arm in Arm die Felder, Wiesen und Wälder, sahen mit Freuden die Wolken ziehn, die Bäume grünen, die Blumen blühn. Oft saßen sie in stillen Nächten in der Rosenlaube, hörten die Nachtigallen singen, und tranken den lieben Mondschein in vollen Zügen; oder sie verlachten, sanft hingestreckt auf seidnen Frühlingsrosen, die Welt und ihre bunden Seifenblasen. Da hieß es denn, freilich in allen Züchten: Ach, was ist die Liebe für ein süßes Ding! - Willig geb´ ich Blut und Leben, Fredegundchen, für Dich hin! - O was in tausend Liebespracht, das Mädel, das ich meine, lacht! - Liebe, Liebe, welche Freuden gabst Du mit der Holden mir! u.s.w. Der unzähligen andern Liebesausdrücke nicht zu gedenken, welche manche sogenannte neuere Dichter, die, wie die Mispeln, nur als Schmarozerpflanzen auf andern Gewächsen wachsen, die Liebe zu persistiren, gebrauchen.


[S. 206] Die mitternächtliche Disputation
Tagelang irrte er in den einsamsten Gängen des Parks umher, wie ein Träumender, Essen und Trinken vergessend; die Nächte floh ihn der Schlaf, der sanfte Tröster der Müden. Oft sang er für sich: Hast Du nicht Liebe zugemessen, dem Leben jeder Creatur! Tagelang widmete er sich wieder den Geschäften, um seiner liebekranken Gefühle Meister zu werden; tagelang durchreis'te er das Land von einem Ende bis zum andern, in der Hoffnung, den Aufenthaltsort der Unbekannten zu entdecken.”

 

1833

Anonym. Rez. Aesthetische Schriften von Bürger. In: Blätter für literarische Unterhaltung, 9. April. Leipzig. Digitalisiert von Google

[S. 408] Die Versicherung des Herausgebers in der Vorrede, daß solche Gaben immer neu seien und ihr Werth zu aller Zeit derselbe bleibe, hat sich bei uns wenigstens in dem Eindruck, den wir von diesen kaum mehr lesbaren ästhetischen Raisonnements Bürger´s erhalten, nicht bewähren wollen.[...]
   Dies Verhältnis zwischen Bürger und Schiller bleibt eines der schmerzhaftesten, die es je in der Literaturgeschichte gegeben, von welcher Seite man es auch betrachten mag. Die geistige Ueberlegenbeit der Schillerschen Recension war zu groß, um nicht einen Dichter wie Bürger, der zudem schon dem trübsten Conflict äußerlicher Verhältnisse fast erlegen war, am Ende seiner Laufbahn zu Boden zu drücken.[...]
   Und gerade hierdurch hatte sich Bürger eigentlich selbst das Urtheil gesprochen, denn sein Recensent war in der That dieser höhere Genius, sein Recensent war Schiller! Die angehängten, ebenfalls durch Schiller´s Kritik veranlaßten Spottgedichte, wie: ´Der Vogel Urselbst, seine Recensenten und der Genius. Eine Fabel in Burcard Waldis Manier´ u. a., sind in der witzelnden Bitterkeit ihres Tones unerfreulich und hätten leicht unabgedruckt bleiben können.“

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1833

Berly. Rez. Göthe´s nachgelassene Werke. Band 6-10. Dritter Artikel. In: Frankfurter Konversationsblatt, 21. Juli. Digitalisiert von Google

“War es eine Vorbedeutung, daß in den Tagen der ersten Bekanntschaft mit Lilli Andre zu Offenbach, der damal in die gesellige Tagesreihe mit eingriff, Bürgers Lenore dem liebenden Paare gern und wiederholt vortrug? Wie dem auch sey, man kann sich eines geheimen Schauders nicht enthalten, wenn man bedenkt, wie - nach der schon bedeutungsvollen Episode mit Gretchen - die Verwünschung der Straßburger Tanzmeisterstochter Lucinde an der holden Friederike zu Sesenheim, und, in begreiflicher Fortpflanzung, an der noch lieblicher geschilderten Lilli in schmerzliche Erfüllung gehen durfte.“

 

1833

Theater-Anzeige. In: Zürcherisches Wochenblatt Nro. 22 vom 18. März. Digitalisiert von Google

[S. 94] Donnerstag den 21. März.
 Auf allgemeines Verlangen:Leonore, oder: die Vermählung auf dem Grabe, neues Schauspiel mit Gesang und Chören, nach Bürgers bekannter Ballade, von Holtei, mit Musik von Eberwein.
 Die Theater-Unternehmung im Riesbach. “

 

1833

Literarische Miscellen. In: Neues allgemeines Repertorium [...] für 1833. Erster Band, Leipzig. Digitalisiert von Google

[S. 477] Ueber ästhetische Sittlichkeit. Ein Aufsatz von Gf. A. Bürger (nicht in dessen Werken) mitgetheilt von K. v. Reinhard, im Gesellschafter 11, S. 53 ff. 12, S. 59 “

 

1833

Heyfelder. Icterus. In: Wissenschaftliche Annalen der gesammten Heilkunde. Fündundzwanzigster Band, Berlin. Digitalisiert von Google

“[S. 244] Die Gelbsucht der Neugebornen verleitet den Verf. eine Theorie der gelben Farbe aufzustellen, welche im Buche nachzulesen wir jedem überlassen müssen. Bei den Ausfällen, welche der gelehrte Herr Verf., durch den Witzkitzel gequält, sich in Bezug auf meine Ansichten und Beobachtungen über die Gelbsucht und die Zellgewebeverhärtung erlaubt, gedenke ich der Worte des Dichters: dass das die schlechtesten Früchte nicht sind, woran die Wespen nagen.“

 

1833

Rambach, August Jakob. Zweyter Abschnitt: Von A. H. Niemeyer bis Joh. Christ. Wagner. In: Der heilige Gesang der Deutschen. Zweyter Theil. Altona und Leipzig. Digitalisiert von Google

“[S. 4] Die gefeyerten Namen Goethe und Schiller sucht man auf diesem Gebiete vergeblich. Schade, daß Herder, durch Geist, Gemüt und kirchlichen Sinn fast mehr als irgend Einer zum geistlichen Liederdichter berufen, nicht mehr in dieser Beziehung geleistet hat; doch sind uns aus seinem Nachlasse mehrere treffliche Gesänge und andre religiöse Poesien mitgetheilt worden. Voß, Leopold Stolberg, Mahlmann, Tiedge haben einzelne schätzbare Beiträge geliefert, wenn gleich sie nicht im strengen Sinne de Wortes unter die religiös-kirchlichen Dichter zu zählen sind.*)

*) Man findet in manchen neueren Gesangbüchern auch die Namen: Matthisson, Bürger, v. Salis usw. Aber theils sind die Lieder dieser Dichter nicht eigentlich religiös, theils sind sie, wie das Bürger'sche: O Hoffnung, Lebenswonne usw. erst durch fremde Bearbeitung für die Erbauung eingerichtet. “

 

1833

Keller, Georg Victor. Niemand hassen oder verachten. In: Blätter der Erbauung und des Nachdenkens: aus dem Nachlasse Victor Keller's. Vierter Band. Freiburg im Breisgau. Digitalisiert von Google

“[S. 164] Es darf ein Mensch nur Verdienste besitzen und vor Andern sich vortheilhaft auszeichnen, um die Zielscheibe der Verläumdungssucht zu werden. Der Grund dieser Erscheinung ist sehr natürlich:
     Wenn euch die Lästerzunge sticht;
     So laßt euch dieß zum Troste sagen:
     Die schlecht'sten Früchte sind es nicht,
    Woran die Wespen nagen.
O daß doch solche Menschen bedenken möchten, wie sehr ihr Betragen dem Geiste des Christenthums widerspricht! “

 

1833

15. [Rez.] Cölestin. Ein Roman von Ernst Ortlepp, Leipzig 1833. In: Neues allgemeines Repertorium der neuesten in- und ausländischen Literatur für 1833. Erster Band. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[S. 434] Die Scene ist (S. 73 und 74) bei einem Pfarrer: ´Man nahm nun den Kaffee ein, und kam auf die Schädlichkeit dieses Getränks zu sprechen. Madam Scharf vertheidigte ihn aus allen Kräften, und berief sich auf Voltaire, den ein Arzt vor dem Kaffee, als vor einem langsam tödtenden Gifte gewarnt, der aber darauf erwiedert: in der That langsam müsse er tödten, denn er habe ihn von Jugend auf getrunken und dabei das höchste Alter erreicht. Bürger meinte, er bediene sich seiner als des besten Erregungsmittels, wenn er schreiben oder dichten wolle.´ “

 

1833

Kerndörffer, Heinrich August. Von der Phantasiedeclamation und deren malendem Vortrage. In: Anleitung zur gründlichen Bildung der öffentlichen Beredsamkeit. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[S. 294] §.49. Zu den erwähnten beiden Fällen, welche eine Malerei der Stimme in der Rede hauptsächlich mit sich bringen, muß auch ein dritter Fall bemerkt werden, der gewissermaßen aus dem genannten zweiten Falle, in Beziehung auf die zu Grunde liegende Absicht der zu bewirkenden lebhaftesten Darstellung für die Zuhörer hervorgeht, und einen malenden Vortrag verlangt. Dieser Fall tritt da ein, wo eine solche lebhafte Versinnlichung und Veranschaulichung einer Darstellung für die Zuhörer, in der ganzen Behandlung und in den dazu gewählten Ausdrücken des Dichters oder des Verfassers eines Vortrages und in der besondern malenden Form seiner Darstellung liegt, so daß er sich hierzu der Malerei durch Worte bedient.
      Dieses ist unter andern der Fall in verschiedenen erzählenden Gedichten und Balladen von Bürger, z. B. in der Ballade:
 der wilde Jäger; - Karl von Eichenhorst, und hauptsächlich in der bekannten Ballade: Lenore, namentlich in den Stellen, in welchen der eilende Hufschlag des Rosses des ankommenden nächtlichen Reiters, durch das: ´Trapp, trapp, trapp,´ und ´Hopp, hopp, hopp,´ so wie das ´Kling ling ling,´ des angezogenen Pfortenringes; der grausige hohle Ton der Stimme des gespensterartigen Ankommenden durch die Pforte, das ´Hurre, hurre,´ und ´Husch husch husch´ des nachsausenden Gespensterspukes, und dergleichen mehr malend ausgedrückt wird, wo es durchgängig und namentlich auch an dem Schlusse der Erwähnung des Geheules aus hoher Luft und des Gewinsels aus tiefer Gruft, und des heulenden Chorgesanges der tanzenden Geister darauf ankommt, sich durch die lebhafte Versinnlichung in diesen und andern dergleichen Stellen nicht zu Uebertreibungen verleiten zu lassen, sondern stets die erforderlichen Schranken zu beobachten. Vielmehr ist es nöthig, auf diese malende Darstellung durch eine dem Ganzen entsprechende schauerliche Haltung vorzubereiten. Zur bessern Erläuterung und Anwendung der obigen Bemerkungen fügen wir hier diese Ballade vorläufig zur eigenen Uebung an:
   ´Lenore fuhr um's Morgenroth
   Empor aus schweren Träumen:
   Bist untreu, Wilhelm, oder todt?
   Wie lange willst du säumen?´ -
          [...] “

 

1833

Lewald, August. Rossini. In: Unterhaltungen für das Theater-Publikum. München. Digitalisiert von Google

“[S. 102] Die Bässe als niedrig kriechende Gnomen und Erdgeister, darüber hin Oboen und Klarinetten, als sausende wildflackernde Salamander, wie Undinen zischen und sprühen die Violinen auf gewaltigen Wogen einher, endlich schwirrt hoch oben noch die Pickelflöte, wie eine luftige Sylphe, und
     Hurre hurre hopp hopp hopp
     Gehts fort in sausendem Gallopp!
     Wie flohen links, wie flohen rechts
     Verstand, Geschmack und Wahrheit. “

 

1833

Dr. Debeck. Das Ganze. In: Der Bazar für München und Bayern, 21. April. Digitalisiert von Google

“  Hurre, hurre, hurre;
   Schnurre, Rädchen, schnurre
   Viele Fädchen groß und klein!
   Kommt von deinem Rädchen .
   Doch so seines Fädchen
   Nimmer doch zum Schein!
   Wie gesponnen an der Sonnen
   Blond und dünn!
   Sieh'st mich tanzen auf den Pflanzen,
   Deren Kind ich bin;
   Siehest mich's treiben so lose, so klar,
   Künden den Tod doch dem, der mich gebar. “

 

1833

Anonym. Die Theater-Equipage. In: Der Bazar für München und Bayern, 18. Jan. Digitalisiert von Google

“[S. 66] So standen wir drei voreinander und liebäugelten! Der Sattelgaul warf mir einen seiner feurigen Flanellblicken zu, und ich fragte sie: ´o sagt mir, schöne Wesen aüs dem Fabellande, wer seyd ihr?´ ´Wir?´ erwiederten sie, ´wir sind klassisches Vieh, ich bin der Schecke, den Wällensteins Vetter an jenem Tage ritt, und mein Nachbar ist der Rappe aus Bürgers Lenore. Ich bin ein ächter Araber, mein Vater Ajax aus Dachau, meine Mutter Polyxena aus Neufehring, mein Kamerad ächtes, englisches Vollblut aus Haidhausen.´ “

 

1833

Der Scharfschütz, 26. Januar. Würzburg. Digitalisiert von Google

“[S. 26 Motto]
Der Mensch muß denken, wo er immer auch walle,
Sonst gleicht er dem Ochs und Eselein im Stalle. “

 

1833

Anonym. Rez. Beiträge zur klerischen Praxis, von Ferdinand Läucher, Hannover 1832. In: Theologisches Literaturblatt. Zur Allgemeinen Kirchenzeitung, Darmstadt, 8. März. Digitalisiert von Google

“[Sp. 229] Dieses Buch sollte nach der Absicht seines Verfassers nicht nur zur Belehrung, sondern auch zur Unterhaltung dienen. Das Humoristische läßt sich nicht verkennen; jedoch das Ganze ist ein planloses Allerlei. Denn neben Abhandlungen über wichtige Materien, z. B. über Glaube und Vernunft, Vernunft und Offenbarung u. s. w. findet man auch ein Wiegenlied, Inschrift in der Pfarrerin Wirtschaftsbuch, Lied zum Vogelschießen u. dgl. S. 57 ist Lenore in Bürger's Romanze als ´die früheste und romantischeste Luftschifferin´ aufgeführt; denn ´die fuhr ums Morgenroth.´ Die Euthymie sollte einen besonderen Theil bilden, statt daß sie jetzt überall in Scherzen und komischen Histörchen auftritt.”

 

1833

Merbach, J. F. Von dem Anfall der Lausitz an Chursachsen, bis zu deren Abtretung an Preußen, 1635-1815. In: Geschichte der Kreis-Stadt Calau, im Markgrafthum Niederlausitz, Lübben. Digitalisiert von Google

“[S. 132] Gegen Ende des Kriegs häuften sich die Bedrückungen des, unter der Last der Abgaben beynah erliegenden Volkes, gleich als ob, käme es zur Herausgabe, nur die saft- und kraftlose Schale übrig seyn sollte. So mußte denn zu einer großen Lieferung von 62,758 Ellen blauen, und 69,766 dergleichen rothen Tuchs, bis zum 12ten Februar 1763, die Stadt Calau 5oo Ellen in sehr kurzer Frist liefern. Vergeblich war jede Vorstellung der Unmöglichkeit. Sie hatte nur die Folge, dem Magistrate den Ehrentitel Schurken und ´das Hundeloch,´ hier zu Lande Gefängniß genannt, zuzuziehn, ohne daß die Tuchfabrikation unsrer Meister dadurch beflügelt worden wäre.
     Der König und die Kaiserin,
     Des langen Haders müde,
     Erweichten ihren harten Sinn,
     Und machten endlich Friede!
Dieser kam am 15ten Februar 1763, auf dem sächsischen Jagdschlosse Hubertsburg, zwischen Preußen einer- und Osterreich und Sachsen andrerseits, zu Stande.”

 

1833

Strombeck, Friedrich Karl von. Darstellungen aus meinem Leben und aus meiner Zeit, Erster Theil, Braunschweig. Digitalisiert von Google

“[74] In sofern wäre mir jener Vorschlag Pütter's wohl genehm gewesen, hätte ich nicht ebenfalls einen solennen Abscheu vor den Abhängigkeitsverhältnissen der Professoren zu den Studenten und vor ihrem neidischen Treiben unter und gegen einander gehabt. Für dergleichen kleinliche Verhältnisse hielt ich mich gleichsam zu vornehm. Zu Göttingen verweilte ich anderthalb Jahre, doch hörte ich in dem letzten Semester keine juridische Vorlesungen, sondern nur die Aesthetik bei Bürger (dessen böse Katastrophe mit seiner dritten Gattinn, dem Schwabenmädchen, zu meiner Zeit Statt hatte) und die Physik bei Lichtenberg.

[S. 137] Doch vor den übrigen liebenswürdigen jungen Damen Wolfenbüttels leuchteten mir meine schönen Hausgenossinnen selbst ganz vorzüglich in die Augen, und vor allen anderen die älteste, Philippine, die durch ihr heiligenartiges Wesen und ihre Schönheit ganz geeignet war, ein schwärmerisches Jünglingsgemüth hinzureißen. Sie ist es, der ich das zarte Gedicht sang, welches vor meinem Tibull zu lesen ist, den ich zu jener Zeit vollendete, und welches ich hier nebst einem in gleicher Stimmung gedichteten Sonnette folgen lasse:
 [...]
Mit Recht sagt jedoch Bürger:
   Lieb' entzündet Gegenliebe,
   Und entflammt zur Feuersbrunst,
   Was ein Aschenfünkchen bliebe.
Diese Gegenliebe glaubte ich nicht zu finden, Philippine schien mir kalt und mich gleichsam verschmähend. So verlöschte denn allmählig meine Flamme, um für Amalien, so hieß ihre zweite Schwester, bei der ich Gegenliebe zu finden glaubte, zur Feuersbrunst aufzulodern.”

 

1833

Anonym. Der Wiener Spaziergänger. III. Der Sonntagsball. In: Der Wanderer, 11. December. Digitalisiert von Google 

“[o. S.] Der blonde Peter sausete wie ein Sturmwind vorbei, wie ein Centaurus, die Lenore mit fliegendem Gewand im Arm; und
    Hopp hopp hopp
    Gings fort in sausendem Galopp,
    Daß Staub und Stöße stoben,
    Und Tänzer und Tänzerinn schnoben.
In den Wirrwar hinein schallte das Kriegsgeschrei der jungen Halbkritikergötter und ihr poetisches Hih! Holla.”

 

1833

Sternberg, A. von. Episoden aus der Novelle Eduard. In: Morgenblatt für gebildete Stände, 15. August. Digitalisiert von Google

"[S. 778] ´Ich meine, daß diese Stoffe, wenn sie auch für den Dichter einst ergiebig waren, doch jezt abgenuzt sind; der Born des alten Nibelungenlieds kann doch endlich ausgeschöpft seyn, und Liederchen, die von Jung-Siegfried und Jungfrau Sieglinde handeln, lassen selbst die Verehrer des Dichters kalt und erinnern zu ihrem Nachtheil an die nordischen Ungeheuerlichkeiten, an die Karrikaturen aus der Edda und an jene Zeit, wo man an einem eleganten Theetisch oft von nichts Anderem hörte, als von den Tölpeleien eines isländischen Riesen, oder den minniglichen Albernheiten einiger Schwächlinge, die sich in Rüstungen verirrt. Wie kräftig und wahr erscheint dagegen Bürgers Leonore, wie ergreifend sein Lied vom braven Mann!´"

 

1833

Hesekiel, Friedrich. Darstellung des Lebens. In: Erinnerungen an Friedrich Philipp Wilmsen, Berlin. Digitalisiert von Google

“[S. 12] Besonders gewann er hier seine Hörer, indem er sie mit den neuesten Erzeugnissen der deutschen klassischen Literatur bekannt machte, und nie haben dieselben, wenigstens Wilmsen nicht, den tiefen Eindruck vergessen, den er auf sie hervorbrachte, als er ihnen einst Bürgers Leonore in einer ganz verfinsterten Stube und hinter einer spanischen Wand sitzend vorlas.”

 

1834

Saphir, M.G. Carneval- und Masken-Almanach, oder Winter-Etui. Digitalisiert von Google.

“[S. 135] Wenn noch viele große Schriftsteller zum Besten des Berliner patriotischen Eß-Vereins sterben könnten, so wäre dieser Verein genöthigt, an manchem Tag zwei todte Schriftsteller aufzuessen. Da könnte es sich dann treffen, daß in dem Magen des Herrn von Holtei ein Stück "Bürger" und ein Stück "Schiller" zusammen kämen. Vorerst würde Bürger dem Herrn von Holtei etwas bedeutend in die Gedärme zwicken dafür, daß er die "Lenore" aus ihrem Grab oder von dem edlen Rappen riß, um sie auf seinem dürren, lendenlahmen Pegasusklepper zu setzen; dann würde Bürger und Schiller in Herrn von Holtei's Magen Händel anfangen, und Herr von Holtei müßte, um sie los zu werden, zu singen anfangen.”

 

1834

Kühne, F.G. England. Medwin´s Memoiren über Shelley. In Magazin für die Literatur des Auslandes. No. 50.  Digitalisiert von Google.

“[S. 197] Percy Bysshe Shelley war zu London im August 1792 geboren [ertrunken 1822 bei Viareggio] . Wie es scheint, einer gewöhnlichen Grammar- School übergeben, entwickelte sich dort, wie in allen jugendlichen regsamen Köpfen der Englischen Nation, ein hartnäckiger Streit des erwachenden Eigenwillens mit den tyrannischen Satzungen der Anstalt, denen sich nur der minder Begabte ganz fügen zu können scheint, während der Aufgewecktere in solchem Zwang sich oft seine regelmäßige Ausbildung verkümmert. Noch mehr fühlte sich auf der Schule zu Eton sein Gemüth mit den ihm vorgezeichneten Bahnen in Mißklang, und im Widerspruch mit den nur klassische Bildung einseitig erzielenden Beschäftigungen zog ihn eine früh erwachte Liebe zum Romantischen, Mystischen und Wunderbaren zum Studium der Deutschen Literatur, das, obschon nur sehr fragmentarisch getrieben, nicht ohne Einfluß auf seine Dichtungsweise geblieben seyn kann. Schon in seinem funfzehnten Jahre fühlte er sich durch Bürgers Lenore zu ähnlichen Balladenklängen angeregt.”

 

1834

Le Petit. Gottfried August Bürger. In: Luther und Faust in Vignetten zu deutschen Dichtern. Ein literarisches Fibelbuch von Le Petit. Digitalisiert von Google.

“[S. 9] Seine "Gedichte" flattern als kecke Schmetterlinge über Deutschlands Haiden und zerschlagen sich die Blumenflügel an den Hüttenfenstern, dem Recensenten Schiller zum Trotz.

 Was ist ein Volk? was ist ein Gott?
 Ihr Fürsten und Theologen!
 Unsichtbar, allmächtig! jubelt der Spott,
 Die Sonnen von Wolken umzogen,
Gepinselter Regenbogen.
 Volksdichter? Nein! Bürger? o ja!
 Steht jeder Bürger dem Staat doch nah´.”

 

1834

Zelter, Carl Friedrich. Briefwechsel zwischen Goethe und Zelter in den Jahren 1796 bis 1832. Sechster Theil, die Jahre 1830 July bis 1832.  Digitalisiert von Google.

“[S. 33: Brief Zelters an Goethe vom 9.Oktober 1930] Heute den 9ten October  trifft mich Dein Blatt, indem ich die vollständige (Reinhardsche) Ausgabe der Bürgerschen  Schriften in 7 Bändchen vor mir habe. Habe ich an der Offenheit und Derbheit seiner geistaufregenden Poesien mit so vielen seiner Verehrer warmen Antheil genommen, so weiß ich nicht wie es zugegangen daß mich nie eins seiner Gedichte zu freywilliger Bearbeitung animirt hat, dahingegen Schulz, Reichardt, André u.A. sich mit Beyfall daran versucht haben. Erst nachher ist mit eine subalterne, aufstößige, widerhaarige Tendenz mancher seiner Gedichte ungenießlich geworden. Die Uebersetzung der Ilias lerne ich nun eben kennen, und wünschte zu seinem Vortheile daß er sie vollendet hätte. Die allberühmte unliebenswürdige Leonore, an die er so viel Fleiß gewendet hat, war mir jedoch ein Greuel, so wie die Composition des alten André, welche, Hop hop im Galopp durch alle Straßen Berlins ritt. Nun wird mir die Sache etwas deutlicher, indem ich seine prosaischen kritischen Aufsätze vor mir habe. In seinem: Herzensausguß über Volkspoesie  gebehrdet er sich als wolle er den Apoll mit den Musen aus dem Olymp werfen und sein Unten zu einem Volksoben promoviren; da Er sich denn als Chorführer seiner Deutschen Musen deutlich zu erkennen giebt. So will mir auch seine: Anweisung zur Deutschen Sprache und Schreibart auf Universitäten in gleichem Geiste erscheinen. Die Sprache und Schreibart die hier gegen die Lehrer der Universitäten geführt wird, nimmt sich aus als ob die Studenten auf dem Katheder und die Lehrer in den Bänken säßen. Mehr will ich nicht sagen, und nur bemerken daß eine Recension mich zunächst angetrieben die Bürgerschen Sammlungen durchzusehn.”

 

1834

Rousseau, Johann Baptist. Kunststudien.  Digitalisiert von Google.

“[S. 116] Wenn der Dichter wahre und heilige Scheu vor der Kunstgöttin hegt, so werden auf Erden Diejenigen, die ihn kennen und
verstehn, ihn auch ehren. Er zeige nur immer, daß er die Dichterwürde niemals unter die Menschenwürde zu setzen vermöge. Dieses Gefühl der Dichterwürde hat die berühmtesten Sänger so oft über die Niederdrückung der Tages-Kleinlichkeiten weggehoben, und ihnen eine geistige Unabhängigkeit bereitet, daß viele Prosaiker ihnen den Vorzug der Bescheidenheit, die Bürger als das Blümchen Wunderhold preist, streitig machen wollten.”

 

1834

Goethe, Johann Wolfgang von. Briefwechsel zwischen Goethe und Zelter in den Jahren 1796 bis 1832. Sechster Theil, die Jahre 1830 July bis 1832.  Digitalisiert von Google.

“[S. 49: Brief an Zelter: Weimar, den 6. November 1830]  Daß Bürgers Talent wieder zur Sprache kommt, wundert mich nicht; es war ein entschiedenes Deutsches Talent, aber ohne Grund und ohne Geschmack, so platt wie sein Publikum. Ich habe gewiß, als junger Enthusiast, zu seinem Gelingen vor der Welt viel beygetragen, zuletzt aber war mir´s doch gräßlich zu Muthe wenn eine wohlergogemne Hofdame, im elegantesten Négligé, die Frau Fips oder Faps wie sie heißt [Frau Schnips], mit Entzücken vordeclamirte. Es ward bedenklich den Hof den man ihr zu machen angefangen hatte, weiter fortzusetzen, wenn sie auch übrigens ganz reizend und appetitlich aussah. Schiller hielt ihm freylich den ideelgeschliffenen Spiegel schroff entgegen und in diesem Simme kann man sich Bürgers annehmen; indessen konnte Schiller dergleichen Gemeinheiten unmöglich neben sich leiden, da er etwas anderes wollte, was er auch erreicht hat. Bürgers Talent anzuerkennen kostete mich nichts, es war immer zu seiner Zeit bedeutend; auch gilt das Echte, Wahre daran noch immer, und wird in der Geschichte der Deutschen Literatur mit Ehren genannt werden.”

 

1834

Traxel, August. Ein Spaziergang auf dem Montmartre. In: Der Sammler, Wien 29. März. Digitalisiert von Google

“[S. 153] Der Montmartre ist nur von einer Seite angebaut, die beyden andern Abhänge, welche gegen St. Denys, la Vilette und Clichy gehen, sind kahles Feld oder Steingruben und hohe Felsen. Sobald man diese erreicht hat, fühlt man sich plötzlich um hundert Meilen von Paris, in die öden Strecken des Jura, in den Ardennenwald oder gar auf eine Apenninenhöhe versetzt. Man wandelt auf einem schmalen Fußsteig, tief unter sich die hämmernden Arbeiter im Schacht, zur Seite ein paar Ziegenhirten, eine Kuh, ein Mädchen mit einem Milchtopfe, vielleicht Bürger´s Aline, und in einiger Entfernung Hütten, Bäume und Windmühlen.“

 

1834

Wiest. Wasserglacis-Phantasien. In: Der Sammler, Wien 19. April. Digitalisiert von Google

“[S. 190] Alt und Jung, die personificirte Schüchternheit und die ausgesuchteste Koketterie, der sprudelnde Sanguiniker und der dumpfbrütende Melancholikus, die stolzirende Schönheit und die anwiderndste Häßlichkeit, der Glatzkopf und der Periickenmann, der Gentleman und der Lampenputzer: alles reicht sich hier in dem Gedrehe, in dem schwindelnden Getriebe die hülfreiche Hand, das einzige Mittel, um nicht zu fallen. Und wer kann dieses Wasserglacis mit seinen Bankpyramiden, mit seinen Runenmenschen dechiffriren? Wie viel hundert und hundert Sigwarte sah ich hier, verkleidete Werther zu Schocken, auch Abälards erblickte ich, wenn auch verkappt, und deutsche Alcibiaden, hinreichend um die Inseln des halben Oceans zu bevölkern, und dann die Clarissen, die Lucindcn, die Heloisen, die Lotten; o sie fehlen nicht! und ich würde mit der Aufzählung nimmer enden. Ein jeder Sitz könnte hier Annalen niederschreiben, jeder Baum brauchte einen Tacitus. Hier kniet ein blonder Student im dunklen Revier vor einem rothköpfigen Monde. ´Nannette,´ ruft er, ´also unmöglich, nicht zum Lanner?´ ´Unmöglich,´ lispelt sie. ´So sterbe ich,´ stöhnt er. ´Sterben Sie, Carl, wie ein kühner Nordlandsrecke.´ Er stürzt ab, ich folge ihm; zur Kaffehhiitte stürzt er und ruft: ´Eine Melange !´ Ich wittere Gift, allein gemüthlich tunkt er ein Küpfel ein. Dort auch spukt Leonore von Bürger, es stöhnt wie Unkenton in der Laube, auch Leonardo und Blandine sind nicht fern; dort kömmt die Büßende von Stollberg und windet sich einen Myrthenkranz, und ißt bequem ein Becherchen Eis, und die Göthe'sche Bajadere schwebt dort mit einem chinesischen Mandarin einher.“

 

1834

Weber, Carl Julius. Zweiundzwanzigster Brief. Schlesien. In: Carl Julius Weber´s sämmtliche Werke. Sechster Band. Stuttgart. Digitalisiert von Google

“[S. 463] [...] und dann in unserer Zeit die Schlacht an der Katzbach 1813, wo sich Blücher den Titel Fürst von Wahlstadt holte. Der Abend dämmerte, als ich über die schauerlichen Gefilde des Todes fuhr - es graute mir wie Bürgers Lenore - der Mond schien hell - Hurrah! die Todten reiten schnell! ach laß sie ruh´n die Todten! “

 

1834

Schütz, Christian Gottfried. Brief an Jacobs. In: Darstellung seines Lebens [...] Erster Band Halle. Digitalisiert von Google

“[S. 354] Halle, 14. Febr. 1825.
Ich schicke Ihnen hierbei, theuerster Freund, ein halb Dutzend Abdrücke Ihrer schönen Recension zur beliebigen Vertheilung an Herrn Schulze u. s. f. in Gotha. Ich werde nun gleich die Beschreibung des Jubelfestes, und auch die schönen lithographirten Portraits Ihres Herrn Sohnes, der nach dieser Probe ein vorzüglicher Künstler werden wird, anzeigen. Haben Sie schon eines gewissen Heine lateinische Uebersetzung von Bürgers Lenore angesehn? Wie, glauben Sie wohl, daß es mag zugegangen sein, daß er die Stelle:
   Sag' an, wo ist dein Kämmerlein,
   Wo? wie dein Hochzeitbettchen ?
   Weit, weit von hier;, still, kühl und klein,
   Sechs Breter und zwei Bretchen.
also übersetzt:
   Dic, tuus ubi thalamus
   Et lectus ubi? qualis?
   Remotus, artus, tacitus,
   E besse - genialis.
Das E besse soll ausdrücken: Sechs Breter und zwei Bretchen. Ich habe darüber eine Conjectur Ihrem hiesigen Namensvetter Hrn. Prof. Jacobs mitgetheilt, und dieser trat mir bei. Theilen Sie mir doch Ihre Meinung über dieses unbegreifliche Uebersetzerstückchen mit. Es kommen noch viele andere hübsche Sächelchen in dieser lateinischen Lenore vor; z. B. mi suarium S. 12. Von solchen Arbeiten kann man wohl sagen: Stultus labor est ineptiarum. Ich umarme Sie herzlich in Gedanken; voll innigster Hochachtung und Ergebenheit der Ihrige. “

 

1834

Woldemar, Ernst und Hermann, Heinrich. Die Möserschen Musikabende. In: Neue Leipziger Zeitschrift für Musik. 22. December. Leipzig. Digitalisiert von Google

“ [S. 302] Erstens nehmlich: daß Er den Meister der letzten deutschen Meister in der Musik noch selbst persönlich gehört hat, und so noch aus eigener Ansicht weiß, wie dessen Sachen vorzutragen sind. Zweitens aber: daß Er, in Absicht des musikalischen Vortrages überhaupt, wohl mit allem Rechte á la Bürger von sich singen kann:
 ´Es regt sich hier in meinem Wolfstornister
 Der Kuckuck, und sein Küster,
 Ein Kobolt, heißt Genie!´ “

 

1834

Anonym [26] Rez. Nowa, powi¸ek_ i przezobiona edjcya. Pozna´n, 1832  [Dichtungen v. A. E. Odyniec. Neue vermehrte u. durchgeseh. Ausgabe]. In: Blätter für literarische Unterhaltung, 3. Februar. Leipzig

“[S. 140] Neben den Originalballaden finden wir mehre übersetzte. Unter diesen steht Bürger's ´Lenore´ obenan. Odyniec hat, um die Ballade volksthümlicher zu machen, den Krieger in Johann Sobieski's Heere vor Wien sterben lassen; auch hat er, wie schon Beresford gethan hat, die vielen Interjektionen (hop, hop u.s.w. ) übergangen, ohne daß etwas von dem Eindrucke des Gedichts verloren gegangen wäre. In einer Anmerkung theilt uns Odyniec die wichtige Notiz mit, daß auch unter dem polnischen Volke ein Lied von einer ähnlichen Geschichte sich finde. Dies bestätigt, daß diese Dichtung fast durch den ganzen Norden verbreitet gewesen, und (was A. W. von Schlegel in dem vortrefflichen Aufsatze über Bürger sagt) ´daß sie in nordischen Ländern mit örtlicher Wahrheit einheimisch sei´. Ja, es sind fast dieselben Verse, welche Bürger den ersten Gedanken zu seiner Ballade gegeben haben, auch in Polen noch vorhanden. Sie lauten wörtlich:
   Der Mond scheint,
   Der Todte eilt,
   Das Kleidchen (weht) schach, schach,
   Mägdlein, hast du keine Furcht?
Auffallend ist, daß sich hier ein Anklang an die Interjektionen findet, die Bürger doch wahrscheinlich nicht aus den wenigen erhaltnen Lauten des alten Volksliedes aufgenommen, sondern selbst erfunden hat. Die andern Uebersetzungen sind: ´Der wilde Jäger´, ´Das Lied von der Treue´ von Bürger, einige Balladen des ausgezeichneten russischen Dichters Zukowski, des Walter Scott u. A.“

 

1834

Sartorius, A. v. Lenore. In: Morgenblatt für gebildete Stände, 10. Juni. Stuttgart und Tübingen. Digitalisiert von Google

“[S. 549] Auffallend war es mir bei diesen Wanderungen, Einen aus unserm Kreise zum öftern, ja fast ausschließlich vor einem der bedeutendern Bilder weilen zu sehen, welches seine Theilnahme auf ganz besondere Weise in Anspruch zu nehmen schien, Lessings Lenore nämlich. Unbeweglich, mit verschränkten Armen sah ich den Freund jedesmal davor verweilen, und häufig, wenn ich nach laugsamem Durchschreiten der dicht mit Menschen angefüllten Galerien wieder dahin zurückkam, fand ich ihn noch immer an der Stelle, mit unverwandt auf das Gemälde gerichteten Blicken, aus denen ein tiefe und schmerzliche Bewegung sprach. Es nahm mich dies um so mehr Wunder, als der Freund, ich will ihn hier Berthold nennen, sonst nie eine so lebhafte Theilnahme für die Schöpfungen der Kunst an den Tag gelegt hatte. In frühern Jahren Militär, hatte er späterhin ein Gut in der Provinz S. durch Erbschaft erhalten, welches er seitdem bewirthschaftete. Dem so durch Beruf und Geistesanlage auf's Praktische Gerichteten war die Kunst ein gleichgültiges Gebiet geworden, auf dem allenfalls nur dem Leben selbst und der Wirklichkeit keck und frisch entnommene Gestaltungen ihn schienen ansprechen zu können. Ich glaubte daher um so eher, jene rege Theilnahme an einem Kunstwerk so ernster Art weniger diesem selbst, als vielleicht einem früh empfangenen Eindruck zuschreiben zu müssen, welchen die schöne, zu ihrer Zeit so populär gewordene Dichtung des längst verstorbenen Bürger, welche bekanntlich den Stoff jenem Bilde gegeben, auf das jugendliche Gemüth des Freundes gemacht haben möchte. Ich irrte jedoch hierin.“

Das vollständige Werk in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1834

Anonym. Über die heutige Gestalt des protestantischen Eherechts. In: Der Katholik. Speyer. Digitalisiert von Google

“[S. 269] Allein bei der bloßen Abschaffung der Strafen des Ehebruchs und der Unzucht ist die Humanität des vorigen Jahrhunderts nicht stehen geblieben. Die gefallenen Mädchen erschienen ihr in dem idealischen Gewande der Bürger'schen Pfarrerstochter von Taubenheim als Opfer des Kampfes der edelsten, zartesten, mächtigsten Triebe der menschlichen Natur gegen die unmenschlichen Vorurtheile der Kirche, welche den Hurern und Ehebrechern verkündigt, daß sie keinen Theil haben am Reiche Gottes.“

 

1834

Pücker, Hermann Ludwig Heinrich von. Die Flucht in's Gebürger. In: Tutti Frutti. Zweiter Band. Stuttgart. Digitalisiert von Google

“[S. 130] ´O wie beschämt Sie die zutrauungsvolle Kleine, liebe Louise, fuhr ich mit ernster Miene und zärtlichem Vorwurf fort, wie können Sie, die die Welt kennt, sich bei einer solchen Kleinigkeit so anstellen?´
  Ganz verwirrt wußte des Pfarrers Tochter von Taubenheim nicht, was sie dem versuchenden Junker antworten sollte, und der Böse gab mir ein, ihr in diesem Augenblicke die Hand verstohlen unter dem Tische zu drücken, was sie, die Feurige und Unerfahrene, wie ein electrischer Funke zu durchzucken schien, und ihre Wangen in noch höherem Purpur färbte.“

 

1834

Anzeige. In: Allgemeine Zeitung von und für Bayern Nürnberg 21. August. Digitalisiert von Google

“[S. 988] Sonntag, den 17. August: ´Lenore,´ Schauspiel usw. Wir würden über diese schon so oft besprochene Vorstellung Nichts zu berichten haben, da ausser Fräulein von Zahlhas, ´Lenore´ und Herr Schramm, ´Pastor Bürger,´ die Besetzung die frühere war, wenn wir nicht zu erwähnen hätten, daß das Publikum Herrn Franke, ´Wilhelm,´ in Anerkennung seiner guten Leistungen [...]. “

 

1834

Romane. In: Verzeichniß der neuen Bücher, welche seit August 1833 bis Juli 1834 wirklich erschienen und zu haben sind in der Universitäts-Buchhandlung [...] zu Erlangen. Erlangen, August. Digitalisiert von Google

“[S. 195] Dietrich, E., d. Pfarrerstochter in Taubenhayn. Volkssage n. Bürgers Ballade. 2e Aufl. 8. Meißen 834, Klinkicht A 1fl 48 kr “

 

1834

Repertorium der gesammten deutschen Literatur. Erster Band, Leipzig. Digitalisiert von Google

“[S. 392] [520] Skizzen-Buch von Phantasus für 1834. Mit 1 Steintaf. München, Franz. 86 S. 8. (16 Gr.) Das kleine, elegant cartonirte Buch enthält 4 kurze Erzählungen: Giuletta und Bernardo, Mal' Occhio, den gefangenen Falken (der Stoff ist die Art und Weise, wie Heinrich von Braunschweig, Heinrichs des Löwen Sohn, die Tochter des Pfalzgrafen Konrad zur Gemahlin bekommt) und eine prosaische Paraphrase der Bürger'schen Pfarrerstochter von Taubenhain. Dem Texte der letzteren sind hie und da die entsprechenden Verse des Originalgedichtes einverleibt. “

 

1834

Anonym. Der Abend zu Castiglione. In: Bohemia, 1. April. Prag. Digitalisiert von Google

“[o. S.] Seine Trauer machte die Theilname der ganzen schönen Welt rege. Billete, Sonette, Erquickungen, Selams aller Arten flogen ihm zu; unerkenntlich zerpflückte er die Blumen, ließ die zarten Briefchen und Schriftstellereien der schmachtenden Blondinen, er, `Lenardo, der Schönste der Schönen,` wie Bürger sagt, unerwiedert in seinen Schreibschrank gleiten, und mehrentheils die Erfrischungen unberührt. “

 

1834

Wilhelm Ernst Weber. Die Aesthetik aus dem Gesichtspunkte gebildeter Freunde des Schönen. Erste Abtheilung.
Leipzig und Darmstadt. Digitalisiert von Google

“[S. 231] Denn der Bereich des dichterischen Ausdruckes kann nicht unter die Herrschaft pedantischer Wortklauberei gegeben werden, und zu ästhetischer Kritik gehört nicht bloß Grammatik und Logik, die da freilich das Erste und Nächste dabei sind, sondern auch Empfindungskraft und Phantasie, die gewöhnlich den Grammatikern und den Logikern abgehn. Ein völlig mißrathenes Bild liegt dagegen in dem bekannten Verse:
      Die schlechtesten Früchte sind es nicht, woran die Wespen nagen;
denn es sollen hier die Verläumder geschildert werden: den Wespen aber ist es nicht darum zu thun, die Früchte, die sie benagen, zu verschänden, sondern deren Süßigkeit zu genießen; sie würden also viel eher ein Bild von Schmarotzern abgeben können. Es möchte wohl überhaupt schwer seyn, für das Geschäft der Verleumdung aus dem Thierreiche ein Gleichniß zu gewinnen; diese unliebenswürdige Neigung scheint eine ausschließliche Schwäche des lieben Menschengeschlechts. “

 

1834

Anonym. In: Theologisches Literaturblatt. 2. Juni. Darmstadt. Digitalisiert von Google

“[Sp. 519] Seit das berüchtigte Pasquill: ´Doctor Barth mit der eisernen Stirne´ erschienen, hat unser Literatur keine solche Schandblätter mehr gesehen, als in der neuesten Zeit, und noch dazu von Geistlichen über Geistliche ausgestreut worden sind. Und wenn nun auch dergleichen Pasquille nur von wenigen, notorisch schlechten Menschen, die, sei es von ihrem natürlich bösen Herzen oder von besonderem Hasse und Neid getrieben, ihr Gift ausspritzen, ausgehen; wenn sie von allen Besseren nur mit Indignatien gelesen werden; wenn sie die Geschmäheten, der Natur der Sache nach, mehr heben als herabdrücken, indem Jedermann bei ihnen des Dichterwortes gedenkt: die schlechtesten Früchte sind es nicht, an denen die Wespen nagen; [...]. “

 

1834

Flormann, Carl. August Waise. Eine Novelle. In: Conversationsblatt für Deutschland und Bayern, 15. Januar. München. Digitalisiert von Google

“[S. 50] Da wandelte mich die Lust an, den fröhlichen Abend auf eine seltsame Weise zu beschließen, ich blies daher auf unserm Tische die Lichter unter den Glasglocken aus, alle ließen es schweigend geschehen; und so sassen wir ernst im Kreise im hellen, weißen Mondlichte, von den wehenden Tobakwölkchen mit einem geheimnißvollen Nebel umgraut. Nun stand ich auf, und begann ex abrupto:
   Holla, Holla! Thu auf mein Kind!
   Schläfst Liebchen oder wachst du?
   Wie bist noch gegen mich gesinnt?
   Und weinest oder lachst du?
 Das elektrisirte Alle, und man horchte mir mit tiefem Schweigen; nur der Blonde — so haben mir nachher seine Tischnachbarn erzählt, — fuhr gleich Anfangs wie im Krampfe zusammen, und langte dann oft mit gerunzelter Stirne, und unruhigem Wesen nach seinem Glase; welches er ein paar Mal bis an die Hefe hinab leerte. Ich hatte im Eifer des Vortrages nichts bemerkt, und sprach eben mit dumpfer Stimme:
   Graut Liebchen auch? - - Der Mond scheint hell!
   Hurrah! Die Todten reiten schnell!
   Graut Liebchen auch vor Todten?
Da fiel er mir laut, halb unwillig, halb flehend in die Rede: Ach! Laß sie ruh'n, die Todten! — Ich las das Grauen, welches ich hervor gebracht hatte, mit Lust in allen Gesichtern, und rief weiter, ohne mich irre machen zu lassen:
   Sieh da! sieh da! Am Hochgericht
   Tanzt um des Rades Spindel,
   Halb sichtbarlich im Mondenlicht
   Sin lustiges Gesindel. —
Da schrie der Blonde bedeutsam: Krumberger! — und schielte mich wieder mit seltsamen mißtrauischen Blicken seitwärts an. Ich ärgerte mich über die lästige Unterbrechung, und fuhr mit höhnischem Ton ihm zum Trotze gerade unters Gesicht hinein redend, fort:
   Sasa! Gesindel! hier komm hier!
   Gesindel, komm, und folge mir!
   Tanz uns den Hochzeistreigen,
   Wenn wir zu Bette steigen!
Zum Teufel! was soll das? — schrie August Waise wieder, sprang vom Stuhle auf, und stellte sich mir drohend gegenüber. Ich sah ihn, wie ein Schlaftrunkener mit großen Augen an, darüber setzte er sich wieder, und sagte: Sey doch stille mit dem dummen Liede! Ich weiß nicht wie der Bürger so ein schimpfliches Spiel hat treiben können mit den mitleidwürdigen Verirrten, nennt sie doch schon die Volkssprache ´arme Sünder.´“

 

1834

Anonym. Lithographisches Unternehmen. In: Conversationsblatt für Deutschland und Bayern, 9. April. München. Digitalisiert von Google

“[S. 338] Lithographisches Unternehmen.
 Dem Vernehmen nach soll ein neues lithographisches Unternehmen, der Kunst und der Nation von gleich hoher Bedeutung, hier ans Licht treten. 
   Aus der feenhaften Schöpfung des Königsbaues, welcher auf das kunstsinnig ´Werde´ des König Ludwigs entstand, sollen die Malereien in einem lithographischen Werke erscheinen.
   Se. Maj. der König haben dem als tüchtigen und sinnigen Künstler bekannten Herrn Bodmer ein Privilegium zur Herausgabe derselben zu ertheilen geruht.
    Wer hat diese Prunkgemächer mit ihren Feendichtnngen selbst gesehen, ohne daß ihm Gemüth und Sinn zugleich freudig und herzinnig ergriffen wurde? Welches deutsche Gemüth war nicht süß angeregt, wenn es das Lied der Nibelungen an seinen Augen vorübergehen sieht mit all seiner charakteristischen deutschen Minne- und Ritterthümlichkeit? Welches für Poesie und Schönheit offene Gemüth sieht die herrlichen Gebilde und Momente alle so zu sagen in singenden und überdichteten Farben ohne daß in seinem Innern die schöne Leyer jener einfach großen Zeit wiederklingt und in herrlichen Tönen vor ihm erblüht? Welcher für deutsche Kunst und Poesie empfängliche Sinn erblickt die Schillerschen, Götheschen und des bildlichsten von allen deutschen Balladen-Sängern: Bürgers Gruppen und Helden, welche durch den großen und erhabenen Kunstsinn eines unsterblichen Regenten zum neuen Leben in den Pracht-Sälen eines großen Königs, einer edlen Königin hervorgerufen wurden, ohne daß ihm sein Herz aufgeht in Rührung und im stolzen Bewußtseyn deutschen Ruhm und deutsche Kunst von einem deutschen Fürsten so sinnig, so ruhm- und glanzvoll, so wundersam herrlich gewürdigt und gekrönt zu sehen? “

 

1834

Jovialis. Erster Akt. In: Die schöne Flaschnerin. Tübingen. Digitalisiert von Google

“[S. 16] Eine Hausfrau? Die soll an die Arbeit denken,
Und ich stehe hier, daß ich mich schäme, müßig.
Nein, an das Spinnrad will ich hocken.
Die Spindel hinab, in die Hand den Rocken
Und die fröhlichen Nachbarn draußen begrüß' ich.
    (sie setzt sich zum Spinnrad und singt.)

Schnurre, Rädchen, schnurre!
Rädchen, schnurre, Rädchen!
Ob der Kater murre,
Lacht das frohe Mädchen.

Schleiche, Rädchen, schleiche!
Rädchen, schleiche, Rädchen!
Der Schatz läuft noch im Reiche,
Sieht ein und andres Städtchen.

Sause, Rädchen, sause!
Rädchen, sause, Rädchen!
Wann ich einmal hause
Spinn' ich Silberfädchen.

Aushalt, Rädchen, aushalt!
Rädchen, aushalt, Rädchen!
Kaufen wir den Haushalt,
Braucht man manch Geräthchen.

Stehe, Rädchen, stehe!
Rädchen, stehe, Rädchen!
Wann ich zur Kirche gehe,
Spricht man ein Gebetchen. .

Dreh dich, Rädchen, dreh dich!
Rädchen, dreh dich, Rädchen!
Heut sind wir noch ledig,
Und das juckt ein Mädchen.

        Gottfried tritt auf.

Gottfried.
Die schöne Jungfer wird verzeih'n,
Ich seh' daß sie an der Arbeit ist,
Doch schickt der Meister mich herein,
So muß ich gehorchen, wie ihr wißt. “

 

1834

Fabrice, Heinrich von. In: Selbst-Biographie. II. Abtheilung, Altdorf. Digitalisiert von Google

“[S. 48] Jede freie Stunde mußte sie bey uns zubringen. Sie besaß, nebst vielen andern guten Eigenschaften ein fast wunderbares Gedächtniß. Die längsten Balladen von Bürger, Schiller u.s.w. lernte sie in wenigen Stunden auswendig und behielt sie treu. Sie sang melodisch. Die Harfe spielt sie sehr gut. Viele frohe Abende hatten wir ihr zu danken. “

 

1834

Allerlei. In: Allgemeine Zeitung von und für Bayern, 16. April. Nürnberg. Digitalisiert von Google

“[S. 453] * Entsagung der Politik.
   Ade, Frau Politik! Sie mag sich fürbaß trollen:
   Die Schrift-Censur ist heut zu Tage scharf.
   Was mancher Edle will, scheint er oft nicht zu sollen;
    Dagegen, was er schreiben soll und darf,
    Kann doch ein Edler oft nicht wollen.
                    G. A. Bürger. (T.7. S. 276) “

 

1834

Kaler, Jos. Franz Xaver.  Was ist als Heute geschehen? oder, Wann war das? Digitalisiert von Google

“[S. 16] Achter Junius.
1794. Feier des von Robespierre zu Ehren des höchsten Wesens angeordneten Festes zu Paris. gest. zu Göttingen Bürger Gottfr. August, Lieblingsdichter der Deutschen; geb. am 1. Jänner 1748 zu Wolmerswende im Halberstädtischen, wo sein Vater Prediger war.”

 

1834

Dr. Griesselich. Rez. Der homöopathische Rathgeber für das Haus etc., Leipzig 1834. In: Hygea, Carlsruhe. Digitalisiert von Google

“[S. 492] Nur die Unwissenheit und die Unverschämtheit in ihrer höchsten Ausbildung kann ein Werk dieser Art liefern, und es macht dem Gebrauchenden Schande, wie dem Schreiber.- Man scheint grossen Werth auf diese Makulatur gelegt zu haben, denn die Verlagshandlung hatte an die Groos'sche Handlung in Karlsruhe eine ganze Parthie geschickt, mit dem Bedeuten, das saubere Opus dem Dr. N., dem Dr. X. u. s. f. und auch dem Ref. zu übersenden, als hätten wir darauf subscribirt. Hier zu Land wird Mad. Wolf den Laden hüten, wie des Dr. Simons Pseudomessias, — schöne Gesellschaft für sie. Da wird man übers Jahr eine BÜRGER´sche Ballade singen können:
   Leonore fuhr ums Morgenroth
   Als mag'rer Krebs nach Leipzig;
   Sie gab von ihrem Himmelsbrod,
   Umsonst — der Magen sträubt sich.
Freunde! lasst uns diese Schächer vertilgen; es ist ein heisser Sommer — die Mäuse fressen die Frucht auf dem Felde uud die Prozessionen helfen nichts für Regen. Bewahre uns, o Himmel! wenigstens vor der grossen Noth der Heuschrecken in der Medizin und dulde nicht, dass sie uns die Sonne verfinstern!”

 

1834

Hauff, Wilhelm. Daß du auf dem Blocksberge wärst. In: Anthologie aus den Werken von Wilhelm Hauff. Erster Theil,
Hildburghausen & New-York. Digitalisiert von Google

“[S. 101] Ich weiß nicht, was mich eigentlich bei dieser Zeile zum Stillstand brachte, ich ruhete dabei aus und schlief ein.
Sogleich saß ich in einem leichten Wagen mit Vieren, und fuhr in einer Nacht bei sternenhellen Himmel frisch zu. Ich kann nicht aagen, daß mir die Fahrt sehr gefallen hätte. Vermuthlich hatte sich bei'm Einschlafen etwas von Walpurgisnacht auf meinen Traumapparat niedergeschlagen, so daß ich mich bei meinem Postillon nicht viel besser befand als Bürger's Lenore gegen das Ende ihrer Reise bei ihrem Dragoner.”

 

1834

Anonym. Der Deutschen Mai auf Schloß Hambach. In: Der Rheinbayer, 6. Mai. Digitalisiert von Google

“[S. 220] Zwar war die Eine oder die Andere so glücklich gewesen, einen Fetzen Papier mit etlichen darauf geschriebenen Worten, das einem Stammblättchen gleichen sollte, zu erbeuten; allein was war diese dürre, öde, schmale Landzunge gegen die herrliche, grüne, blühende Glückseligkeits-Insel voll Blüthen und Blumen, was ein Stammblättchen gegen einen Brief? Die Treulosen hatten nicht geschrieben, obgleich sie so feierlich geschworen, jene seligen Stunden nie und nimmer zu vergessen, ´bis zu der Tod und der Grab.´ - Es trauerte Jede, wie eine verlassene Lenore, und fühlte tief die schmerzliche Wahrheit der Verse:
   ´Und hatte nicht geschrieben,
    Ob er gesund geblieben.´
Es hätte Jede in unsäglichem Jammer ´sich das Rabenhaar zerraufen mögen.´ Nur die Furcht, den mit unendlicher Mühe aufgeführten und wohlgelungenen Bau ihrer schönen Locken zu zerstören, hielt sie von diesem Ausbruche der Verzweiflung ab.”

 

1834

Schilling, August. Kreuz- und Querzüge durch Wien. In: Der Wanderer, 16. Mai. Digitalisiert von Google

“[o. S.] Und der Wagenschlag fiel donnernd hinter mir zu; der Lenker meiner Zukunft peitschte die muthigen Pegasusse, welche er kaum zurückzuhalten vermochte (vom Umsinken), und hopp, hopp! ging es fort in sausendem Gallopp, daß Kies und Funken stoben. Hier - Auszüge aus dem flüchtigen Panorama meiner stillen satyrischen Beobachtungen.”

 

1835

Anonym. Rezension Aesthetische Schriften von Bürger, 1832. In: Allgemeine Literatur-Zeitung, Band 1

“[Sp. 336] So können wir auch in die Verwerfung der Ode Klopstock's „Unsere Sprache" — als Schwulst und erhabenen Unsinn nicht einstimmen, wenn wir sie auch als nicht immer glücklich im Bilde erkennen, und eben so wenig in die Verwerfung der Schiller´schen Ode „An die Freude" — als Schwulst und erhabenen Unsinn, den Bürger besonders in dem Verse: „Freude heisst die starke Feder" u. s. w. und dem darauf folgenden finden will, über deren kosmische Wunderthaten er spöttelt. Warum soll denn der Dichter nicht das Gefühl, das ihn erfüllt, den Gegenständen ausser ihm zutheilen, und ihre Erscheinungen daraus ableiten? — Waren diese Aeusserungen der Schiller´schen Kritik vorausgegangen , so liesse sich diese allenfalls daraus zum Theil erklären.[...]
    Ueber Schiller's Kritik meiner Gedichte. Mit gerechtem Unwillen weiset der Dichter die Art der Behandlung und das hochfahrende Absprechen vom Dreifuss herab zurück; allein ist in der Recension Schiller's hier und da im Tone gefehlt, da Bürger wohl erwarten konnte, wenigstens als ein ebenbürtiger Geist behandelt zu werden, so bleibt sie doch in der Hauptsache wahr: Bürger war vielleicht gelehrter, wohl auch phantasiereicher, aber nicht so durchgebildet; er war kein so philosophischer Kopf
als Schiller, und es fehlte ihm an Reinheit des Geschmacks, und daher die auffallenden Ungleichheiten oft in einem und demselben seiner Gedichte, die jedoch stets eine hohe Zierde unsrer Literatur bleiben werden. “

Der vollständige Beitrag in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1835

Anonym. Schiller´s Aeußerung über Kritik. In: Zeitung für die elegante Welt. 126. 30. Junius Digitalisiert von Google.

“[S. 302] Der bereits erwähnte Briefwechsel zwischen Christian Gottfried Schütz und seinen Zeitgenossen bietet ein eigenthümliches Interesse dar. Schütz war der Gründer und fast ein halbes Jahrhundert hindurch der Leiter der Allg. Literatur-Zeitung. Man gab vor fünfzig Jahren in Deutschland ungemein viel auf Kritik. Schütz war ein Mann, den seine Gesinnung und seine Gelehrsamkeit gleich sehr befähigten, sein Journal zu einem Centralpuncte praktisch wirksamer Kritik zu machen, und die reichhaltigen Briefe der berühmtesten Zeitgenossen an ihn sind insofern, als Intrigue, Parteisucht und Empfindsamkeit oft genug die leitenden Motive ihrer Aeußerungen abgeben, mitunter ein wichtiger Beitrag zur Geschichte der Zeitstimmung und zur Kenntniß deutscher literarischer Charaktere. Der Briefwechsel eröffnet uns manches oeil de boeuf in literarische Zustände, und selbst bei Verletzung mancher Rücksichten, über die zu urtheilen nur Sache der Persönlichkeit seyn kann, ist die Entlarvung des versteckten Recensirhandwerks von Nutzen und Frommen. Ich kann der Absicht, die sich darin verräth, gewisse Heimlichkeiten an den Tag zu stellen, nicht das Wort reden; allein einmal entschleiert, muß auch die Schwäche zur Steuer der Wahrheit dienen und das Dunkle das Licht contrastiren. Der Raum verbietet, diese Betrachtungen weiter zu verfolgen. Hier ist ein Feld eröffnet, wo Jeder seinem eigenen Gelüst nachgehen mag. Dagegen entlehnen wir der Sammlung von Documenten der Geschichte deutscher Gesittung folgenden Brief Schiller's aus dem J. 1802, worin er sich über metaphysische Richtungen seiner Zeit und im Speciellen über eine Recension seiner Jungfrau von Orleans äußert.”

Der Beitrag in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1835

Anonym. Bürger über Schiller´s Kritik seiner Gedichte. In: Zeitung für die Elegante Welt. April. Digitalisiert von Google.

“[S. 495] Man hat sich lange Zeit mit dem Gerüchte getragen, Bürger sey durch die Strenge, womit Schiller seine Gedichte in eine untergeordnete Kategorie verwiesen habe, aufs tödtlichste verletzt, ja man ging so weit, zu behaupten, Bürger habe an seiner Poesie verzweifelt, und die Melancholie seiner letzten Lebensjahre sey eine Wirkung der Kritik gewesen. Es liegt uns der zweite Theil des Briefwechsels zwischen Christian Gottfried Schütz und seinen Zeitgenossen vor, welchem wir Bürger's Aeußerung in dieser Beziehung entlehnen, die allerdings von Verletzung, aber auch von einer unantastbaren Sicherheit, die ihm eigen blieb, zeugen kann. Der Angegriffene verfaßte nämlich gutes Muthes eine Antikritik und übersandte sie dem Redacteur der Allg. Literatur-Zeitung. mit dem er im besten Vernehmen stand. "Diese Antikritik" - schreibt er zugleich (aus Göttingen im J. 1791) an Schütz - "hat nicht sowohl die famöse Recension als das Völklein meiner Freunde und Verehrer meiner Gemächlichkeit abgestachelt. Denn auch die ärgste Recension ficht mich nur wenig an. Gemeiniglich lasse ich's an einigen M aultrümpfen bewenden. Verschiedene wollen aus unumstößlichen Gründen behaupten, kein anderer als Herr Schiller sey der Verfasser. Ich habe dem noch immer widersprochen. Denn wie kann man so von Gott und sich selbst verlassen werden, allen seinen eigenen, sowohl geborenen als ungeborenen, Kindern Rattenpulver zu legen? Was für Lumpengesindel wollte ich nicht mit einer solchen Theorie aus allen Dichtern aller Nationen machen! Daher halte ich immer noch einen bloßen Metaphysiker für den Verfasser. Nun es wird sich ja ausweisen. Denn ich denke doch, er kann's ehrenhalber nicht ablehnen, sein Gesicht zu zeigen. Er thu´ es nun oder nicht, so ist mein Phlegma nun auf den Beinen, den heroische Proceß gegen dies neue Luft- und Wundersalz fortzusetzen. Gern thäte ich's zwar im Intelligenzblatte der A.L.Z., allein mein Laus deo möchte dann noch höher als das der Herrn Nicolai oder Starke hinansteigen. Ich empfehle mich salutatis salulaudis mit unveränderlichen Gesinnungen der Verehrung und Freundschaft, wenn Sie auch gleich die Recension selbst gemacht hätten. Grüßen Sie mir auch ja Herr Schiller ganz besonders, wenn er auch wirklich der Verfasser seyn sollte. Denn ich bin wahrhaftig nicht böse, sondern nur in high and merry spirits." ”

 

1835

Schlegel, August Wilhelm von. Über Bürgers Werke. In:Bürger´s sämmtliche Werke herausgegeben von August Wilhelm Bohtz

"[S.506] Wie kam gerade Schiller dazu, über einige in Bürgers Gedichten stehen gebliebene gesunde Derbheiten wie ein Rhadamantus zu Gericht zu sitzen? Der Verfasser der Räuber, in dessen früheren Gedichten und Dramen so manche Züge jedes zarte Gefühl verletzen, mußte wissen, wie leicht genialischer Übermuth zu wilden Ausschweifungen fortreißt. Oder war es gerade das Bewußtseyn dieser neuerdings mit ihm selbst vorgegangenen Verwandlung, was ihn so unerbittlich strenge machte? Und hatte er denn wirklich die alte Haut so vollständig abgestreift, als er damals glaubte? Überdies hat Schiller durch diese Beurtheilung nur eine schwache Probe seiner Kennerschaft gegeben.Er hätte Bürgern nicht tadeln sollen, weil er ihn nicht gehörig zu loben verstand. Wie er das Wesen der Gattung, worin Bürger wenigstens zuweilen ein vollendeter Meister war, begriffen hatte, das zeigen die Balladen, die er später, wetteifernd mit Goethe, aber gegen den Willen der Minerva dichtete. Es hat hiebei eine Nemesis gewaltet, und Bürgern ist, zwar erst nach seinem Tode, die vollständigste Genugthuung zu Theil geworden, indem nun die Vergleichung zwischen der Lenore, dem wilden Jäger, der Tochter des Pfarrers zu Taubenhain, den Weibern von Weinsberg, und dem Fridolin, dem Taucher, dem Ritter von Rhodus u.s.w. angestellt werden kann.

[S.512] Wir kommen jetzt auf Bürgers eigene Romanzen [...]. Ihre Reihe eröffnet auf das glänzendste Lenore, die ihm, wenn er sonst nichts gedichtet hätte, allein die Unsterblichkeit sichern würde.

[S.514] Am meisten Verwandtschaft mit der Lenore hat der wilde Jäger, und vielleicht ist er nur darum nicht zu gleicher Celebrität gelangt, weil er der jüngere Bruder war. [...] Die beiden Stücke: der Raubgraf und die Weiber von Weinsberg, stehen ungefähr auf derselben Stufe. Sie sind munter und drollig. jedoch nicht ohne Anwandlungen von den Späßen, die in der Europa, Herrn Bacchus und der Menagerie der Götter herrschen, und vielmehr studentenhaft als volksmäßig zu nennen sind. [...] Lenardo und Blandine ist unstreitig von allen Seiten Bürgers schlimmste Verirrung [begründete jedoch durch die 160 Stiche des Joseph Franz von Goez 1783 eine neue Kunstgattung: den Comic - K.D.].

[S.517] Des Pfarrers Tochter von Taubenhain wird unfehlbar jedes empfängliche Herz erschüttern, aber leider mit peinigenden Gefühlen, gegen die nur derbe Nerven gestählt seyn möchten. Das Gedicht hat eine moralische Tendenz, in dem Sinne wie unsere bürgerlichen Familiengemälde:und wie diese zum romantischen Schauspiel, so verhält es sich ungefähr zur wahren Romanze.

[S.518] Wir haben jetzt die größeren Romanzen sämmtlich durchgegangen, es ist aber noch eine Anzahl kleinerer Stücke zurück, die zum Theil romanzenartig, zum Theil Lieder im Volkstone sind, und worunter die meisten, wie mich dünkt, nicht leicht zu sehr gelobt werden können. Sie sind eigenthümlich ohne Bizarrerie, und frei und leicht wie aus voller gesunder Brust gesungen. Dahin gehören gleich die von Minne redenden Lieder, die mit den alten Minnesingern nichts gemein haben, aber ein heiteres von Bürger selbst entworfenes Bild des Minnesingers darbieten. In des armen Suschens Traum ist der so natürliche volksmäßige Glaube an sinnbildliche Deutung der Träume rührend benutzt: die Folge und Verknüpfung der Bilder ist wirklich träumerisch, und das Pathetische anspruchslos. Der Ritter und sein Liebchen drückt schon im Gang des Sylbenmaaßes treulosen Leichtsinn aus: das Abgerissene des Anfangs und wie der Ritter unbekehrt davon geht, ohne daß eine weitere Auflösung erfolgt, ist im Geiste der ächtesten Romanze. Eben so Schön Suschen; es läßt sich nicht bescheidner, sinniger und zierlicher über die Wandelbarkeit der Liebe scherzen. Dem Liebeszauber ist gar nicht zu widerstehen, so lebendig gaukelt er in dem muntern Liede, bei dem man gleich die Melodie mit zu hören glaubt, wenn man es nur liest. Das Ständchen und Trautel sind gefällige Weisen, das Schwanenlied und Molly´s Werth von der naivsten Innigkeit. Das Mädel, das ich meine, (denn ich bleibe bei dem Mädel, und kann mich nicht zu der Holden bekehren) blüht in frischen Farben: das der Dichter sie hinterdrein noch duftiger verblasen wollte, hat die Einheit des Tons darunter gelitten. Zu den Fragen und wiederholenden Antworten, überhaupt zu der tändelnden Einfalt, womit sinnlicher Liebreiz als ein Wunderwerk des Schöpfers gepriesen wird, paßte der Ausruf: "der liebe Gott! der hat´s gethan," vollkommen. Die Elemente sind ein religiöser Volksgesang und Naturhymnus voll höherer Weihe und Offenbarungsgabe. Das Heiligste ist ganz in die Nähe gerückt, die mystische Symbolik der Natur in allgemeine menschliche Gefühle übersetzt, und nicht unbefugt hat der Sänger Aussprüche aus der heiligen Schrift entlehnt. Ich glaube Luther würde dies Gedicht für ein würdiges Kirchenlied anerkannt haben. Untreue über alles ist ein süßes Liebesgekose: kindlich aus einem Nichts gesponnen, zart empfunden, fantastisch ersonnen, und romantisch ausgeführt. Es muß erfreuen, daß die muntere Laune den Dichter auch in letzten Jahren nicht verließ. Das Hummellied, Sinnenliebe, Lied, der wohlgesinnte Liebhaber, und Sinnesänderung, alle von der zierlichsten Schalkheit und zuweilen von einer markigen aber unverdorbenen Lüsternheit beseelt, sind angenehme Beweise davon. Ich kann nicht umhin diese kleinen Sachen im Range weit über manche berühmtere zu stellen: das Maaß des Kunstwerthes wird nicht durch den äußeren Umfang und den Inhalt begränzt; und sogar ein Spinnerlied, das ganz leistet, was es soll, wie das Bürgerische, ist nichts geringes. Doch muß ich erinnern, daß ich unter den obigen Stücken die früheren in ihrer ursprünglichen Gestalt meine, so wie ich auch bei den vielerlei Veränderungen, die Bürger mit seinen übrigen lyrischen Gedichten [als Reaktion auf Schillers Kritik] vorgenommen hat, fast durchgängig für die alten Lesearten stimmen würde. Zuweilen ist die Umarbeitung so entstellend, daß der Liebhaber, der die posthume Ausgabe aufschlägt, seine vormaligen Lieblinge kaum wieder erkennen wird.

[S.522] Die Erwähnung des hohen Liedes führt mich auf einige seiner geliebten Molly gewidmete lyrische Stücke, die noch zurück sind. Ihr dichterischer Werth ist aber so mit der Verworrenheit wirklicher Verhältnisse verwebt, daß sie keine reine Kunstbeurtheilung zulassen. Man kann zum Theil die himmlischen Zeilen im Blümchen Wunderhold auf sie anwenden:
   Der Laute gleicht des Menschen Herz,
   Zu Sang und Klang gebaut,
   Doch spielen sie oft Lust und Schmerz
   Zu stürmisch und zu laut.

[S.524] Das Resultat unsrer Prüfung, wenn wir es mit Übergehung der nicht probehaltigen Nebensachen zusammenfassen, wäre etwa folgendes: Bürger ist ein Dichter von mehr eigenthümlicher als umfassender Fantasie, von mehr biedrer und treuherziger als zarter Empfindungsweise; von mehr Gründlichkeit im Ausführen besonders in der grammatischen Technik, als von tiefem Verstand im Entwerfen; mehr in der Romanze und dem leichten Liede als in der höheren lyrischen Gattung einheimisch; in einem Theil seiner Hervorbringungen ächter Volksdichter, dessen Kunststil, wo ihn nicht Grundsätze und Gewöhnungen hindern, sich ganz aus der Manier zu erheben, Klarheit, rege Kraft, Frische und zuweilen Zierlichkeit, seltner Größe hat."            

Schlegels Analyse in der Bürger-Ausgabe von Bohtz in der ONLINE-Bibliothel

 

1835

Heinsius, Theodor. Geschichte der Deutschen Literatur, oder der Sprach-, Dicht- und Redekunst der Deutschen, bis auf unsere Zeit.  Digitalisiert von Google

“[S. 633] Er hat unter den Volkslieder- und Balladen-Dichtern einen hohen Rang, wenn man von einigen unzarten Versinnlichungen und Derbheiten absieht. Seine Ballade "Lenore" machte ihn zum Liebling des Volks; eben so: "der wilde Jäger", "des Pfarrers Tochter von Taubenhain" und die "Entführung." Von minderem Gehalt sind seine scherzhaften Erzählungen, in denen der Ton oft zu tief herabsinkt; doch haben einige, wie "der Kaiser und der Abt" großen Beifall gefunden. Unvergleichlich aber ist er in seinen erotischen Liedern, unter denen das an Molly vielleicht nichts Aehnliches aufzuweisen hat. Das damals fast vergessene und verachtete Sonett hat er unter den Deutschen wieder zu Ehren gebracht; ein Muster dieser Gattung gab er in ´Trauerstille´. ”

 

1835

Langer, Joh. Reflexionen aus Langweile. In: Der Sammler, Wien 18. August. Digitalisiert von Google

“[S. 395] In der breiten, gutmüthig aussehenden Miene jenes Mannes dort, der geduldig wartet, und in die Actenwelt mit derselben Gleichgültigkeit wie in die wirkliche hineinschaut, erkenne ich einen Menschen, der seinen ersten Prozeß führt, und daher alle die dädalischen Irrwege dieser Lebensplage noch nicht ahnet, das läßt uns auch sein gutes Aussehen vermuthen, bey vielen Prozessen könnte sich unmöglich dieser ansehnliche Leibesvorsprung, von dem man mit Bürger singen könnte:
  ´Zwey Männer umspannten den Schmeerbauch Ihm nicht,´
so arrondirt haben.“

 

1835

Anonym. Charlestown. Abschied vom Leser. In: Bilder aus dem gesellschaftlichen Leben der Nord-Amerikaner. Reutlingen. Digitalisiert von Google

“[S. 248] Wäre uns das im Norden begegnet, so hätten wir nicht gezweifelt, unter eine Büffelheerde gerathen zu seyn, so aber wußten wir nicht, was wir davon halten sollten. Wir kamen auf eine Blöße im Walde, wo wir einige hundert Stöcke von abgehauenen Bäumen zu erblicken glaubten; bald aber sahen wir ganz deutlich beim Mondschein, wie die vermeinten Stöcke sich bewegten und zu tanzen und zu hüpfen anfingen. Der Neger, der uns führte, trieb die Pferde mit schauerlichem Geschrei und gellendem Pfeifen an; uns wurde ganz unheimlich, und unwillkuhrlich deklamirte ich in Gedanken Bürgers Lenore. Mein Gemahl fragte den Kutscher, was dieser Hexentanz zu bedeuten habe.”

 

1835

Schöppach, Karl. Denknisse eines Deutschen.  Digitalisiert von Google.

“[S. 30] Ungewöhnlich! außerordentlich! seltsam! brach der Reisende aus; ich muß gestehen, mir ist solch Wesen noch nicht vorgekommen. Ja, versetzte der Postmeister, er ist, was unser Dichter Bürger, dessen Lenore auch in Ihre Sprache übersetzt ist, einen Urselbst (Original) nennt.

[S. 193] Die Fahrt durch das Gerau zum Jettenbühel 

[S. 206] Würzburger. Wer auf dem Bette der Ehre stirbt, bleibt als Mann von Ehre. Die Veranlassung und Ursach zum Kriege geht ihn nichts an, das mag sein Kriegsherr verantworten.

Sendner. Um Ihnen einen Beweis zu geben, daß ich nicht so allein denke, daß man immer so gedacht hat, will ich mein Glaubensbekenntniß über Muth, Kriegsruhm und Heldensinn mit Bürgers Worten aussprechen :

   Für Tugend, Menschenrecht und Menschenfreiheit sterben
   Ist höchst erhabner Muth, ist Welterlöser-Tod
   [...]
   Wo solch ein Held erliegt, da werde Rad und Galgen
   Für Straßenräuber und für Mörder aufgestellt.
Beim Vortrage dieses Gedichts war es an der Tafel immer stiller und stiller geworden und zuletzt hörte man fast keinen Athemzug mehr. Als er geendet, stand der Sendner rasch auf und sagte mit fester gesetzter Stimme: „Ich heiße ...., stehe in Pr. Diensten, bleibe noch zwei Stunden hier und führe drei Waffen, die Zunge, die Feder und das Schwert." Dann verbeugte er sich gegen die Gesellschaft und schickte sich an, auf sein Zimmer zu gehen, als sich der östreichische Platzwart erhub und ihm herzlich nachrief: „Bleiben Sie, Herr Kamerad, bleiben Sie! Sie haben ganz aus meiner Seele gesprochen ; ich kann nur die Worte nicht so gut setzen, sonst meine ich es auch so. Ich habe mich genug über die unziemlichen Reden der Herren gekränkt und nicht erst heute. Für künftig will ich mir aber dergleichen Lobpreisungen unsers allgemeinen Feindes verbitten. Und nun kommen Sie, Herr Kamerad, wir wollen auf das Glück unsrer Verbündeten zusammen trinken."

 

1835

Neues Rheinisches conversations-lexicon: oder Encyclopädisches handwörterbuch für gebildete stände, Band 8.

“[S. 749] Münchhausen, Hieronymus Karl Friedrich von, jüngerer Sohn des Herrn von Münchhausen auf Rinteln und Bodenwerder, trat früh in russische Dienste als Cavallerieoffizier, machte hier mehre Campaguen gegen die Türken mit und kehrte endlich als Rittmeister in sein Vaterland zurück, wo er das väterliche Gut Bodenwerder übernahm und, höchst gutmüthig, viel für die Armen that. Münchhausen war ein leidenschaftlicher Reiter und Liebhaber von Jagd und Hunden und wußte höchst wunderliche Dinge über Pferde und Hunde, die er einst gehabt haben wollte, noch mehr aber über im Türkenkriege Erlebtes zu erzählen. Hierbei spielte ihm seine lebhafte Phantasie den Streich, daß er das Unwahrscheinlichste, ja Unmögliche als wahr und wirklich geschehen annahm und, fast von der Wahrheit der erzählten Dinge überzeugt, es sehr übel nahm, wenn Jemand nur den leisesten Zweifel über die Wahrheit des Geschehenen erhob. Er gewährte jedoch in seinem Erzählungseifer, wobei ihm die Augen weit aus dem Kopfe traten und funkelten, das Gesicht immer röther ward, die Schweißtropfen auf die Stirn traten und er mit den Armen so mächtig herumfocht, als wollte er Türkenköpfe absäbeln, oder die Bären und Wölfe, die in seinen Erzählungen eine große Rolle spielten, bekämpfen, einen so komischen Anblick, daß seine Bekannten ihn oft auf seinen Lieblingsgegenstand brachten und seinen Märchen gern zuhörten. Zufällig lernte er den Dichter G.A. Bürger in Pyrmont (wo Münchhausen oft war) kennen und fand an dem heitern, jovialen Manne so viel Gefallen, daß er ihn mehre Male zu sich einlud. Bürger hörte hier die Geschichten Münchhausen's und war später unzart genug, sie sehr ausgeschmückt und mit selbst erfundenen, oder von Andern Zügen verziert (ein Theil derselben steht schon in den "Mendacia ridicul" im 3. Bde; von Lange, "Deliciae academicae" (Heilbronn 1665), als: "Wunderbare Abenteuer und Reisen des Herrn von Münchhausen", aus dem Engl., London (Göttingen) 1787, herauszugeben. Dieß Büchelchen machte durch den Witz und die Laune, mit der es geschrieben war, ungemeines Aufsehen, wurde auch in mehre fremde Sprachen, u.a. auch ins Englische (wo der britische Recensent sich abmühte, darzuthun, daß es eine gelungene Satyre auf das damalige englische Ministerium sey) übersetzt, ärgerte aber Münchhausen, wie natürlich, schwer und zog auch Bürgern viele Unannehmlichkeiten zu. Später lieferte H. Th. L. Schnorr eine weit weniger geglückte Fortsetzung, die mit dem ersten wieder gedruckten Bändchen, in 4 Bdn., Bodenwerder (Göttingen 1794 1800) erschien. Münchhausen verheirathete sich spät zum zweiten Male mit einer ganz jungen Frau, und da aus dieser Ehe völlig unerwartet ein Knabe entsprang und so der Nebenlinie die Erbschaft entzogen wurde, so entstand hierüber nach Münchhausen´s Tode (1797) einen höchst ärgerlichen Proceß.“

 

1835

Neue Flora. Ein Konversations- und Mode-Blatt. Nro. 194  Augsburg

“[S. 775] ´Eine letzte Bitte,´ heischte er mit schwacher Stimme, den matten Blick dem Fürsten S** zuwendend, - ´die Bitte eines Sterbenden werden Sie wohl nicht von sich weisen. - Ziehen Sie diesen Ring von meinem Finger - übergeben Sie ihn der Grausamen, sagen Sie ihr´ - - ein Blutstrom schoß aus seinem Munde - er hatte geendet. -
   Eine Grube ward gegraben, die Leiche in selbe bestattet - Donnernd flog eine Kanonenkugel hinüber nach Schumla, als letzter Scheidungsgruß des Entseelten.
     ´Schade um den Kameraden,´ rief der Unterlieutenant Ch**, sich in den Sattel schwingend, - hat er gleich nicht den Rum geliebt - dennoch Schade um den Kameraden!´ -

            IV.
  ´Und jedes Heer mit Sing und Sang,
   Trompetenschall und Paukenklang, 
   Geschmückt mit grünen Reisern
   Zog heim zu seinen Häusern.´
                       Bürger.
 Der Friede war zu Adrianopel geschlossen. Langsam bewegten sich die Truppen zurück, getäuscht in der Hoffnung, den russischen Adler, der über den Balkan geflogen war, den Halbmond Stambuls mit gewaltiger Kralle vernichten zu sehn.“

 

1835

Jeitteles, Ignaz. Ballade. In: Aesthetisches Lexicon. Erster Band. Wien.  Digitalisiert von Google

“[S. 78] Gegenwärtig ist Ballade ein der Form nach lyrisches Gedicht mit einem epischen Stoffe, poetische Erzählung einer romantischen Begebenheit, gewöhnlich aus dem Kreise schauerlicher Volkssage; doch eben weil das Lyrische und Epische in dieser Dichtart eng verschmolzen ist, muß die Handlung nicht breit, nur in leichten Umrissen skizzirt, die lyrische Ausstattung gemäßigt, mehr klar und gemüthlich, als schwungvoll und begeistert seyn. In diesem Geiste, als zur Volkspoesie gehörend, dichtete Bürger, während Schiller, sich der Begeisterung zu sehr überlassend, diesen Kreis oft überschritt. Scharf und treffend sagt hierüber Tieck: ´So manches die Kritik gegen Bürger´s Balladen und Romanzen mit Recht ausstellen kann, so vorsätzlich er oft den alten einfachen Ton, jenes Geheimniß, im Wenigen und im Verschweigen viel zu sagen, worin Goethe der größte Meister ist, vermied und nicht finden konnte; so bin ich doch überzeugt, Bürger's Balladen werden bei uns länger, als die von Schiller leben, der (wenige ausgenommen) noch mehr jene stille Einfachheit verletzt hat.´ “

 

1835

Wienbarg,Ludolf. Wanderungen durch den Thierkreis. Hamburg.  Digitalisiert von Google

"[S. 160] Bürgers Gedichte an Molly gar nicht zu gedenken, die noch dazu in freier deutscher Natur in einem hannöverschen Amtsgarten aufblühten und die ich übrigens so hoch schätze, daß ich sie in Hochzeitgedichtlicher sauberer Abschrift allen deutschen Liebhabern und Ehegatten ins Schlafzimmer legen möchte."

 

1835

Anonym. Ballade. In: Encyclopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften, oder Universal-Lexicon der Tonkunst. Erster Band. Stuttgart. Digitalisiert von Google

“[S. 413] Die Herleitung dieses Wortes, mit welchem wir ein Singstück bezeichnen, während es auf einen Tanz hindeutet, möchte aus Folgendem zu entnehmen seyn. Poesie, Musik und Tanz waren in der Urzeit unzertrennbar, und der Naturmensch kannte die drei als Einheit nur. Bei dem Gesange bewegten die alten Deutschen, wie Tacitus erzählt, ihren Körper unaufhörlich nach beiden Seiten, indem sie einen Fuß nach den andern dabei aufhoben, und mit den Waffen an einander schlugen; diese Handlung nannten sie ´Bar´. — Cook und Forster haben denselben Gebrauch bei allen, selbst bei solchen Bewohnern neuentdeckter Inseln gefunden, die auf der niedrigsten Stufe der Cultur standen. In Italien, wo sonst Balláta ein Gesang zum Tanz genannt wurde, bezeichnet dies Wort jetzt einen Tanz allein, und baller heißt in Frankreich nicht mehr ´tanzen, singen, sich ergötzen´, sondern dauser, chanter, se rejouir sind jetzt dort drei ganz verschiedene Dinge, wie die verfeinerte Cultur es gebietet; und die Worte Balláta und Ballade haben sich in Cantata und Romance aufgelöst. Ob zu den älteren Balladen der Schotten und Engländer noch getanzt wird, müssen wir aus dem Grunde bezweifeln, weil in diesen Gesängen meist das Schauerliche dominirt, wozu die Mimik unserer Zeit nicht mehr hinreichen möchte. Der Deutsche hat den Tanz ganz davon entfernt, und die Benennung ´Ballade´ lediglich für ein Singstück beibehalten. Die deutsche Ballade nähert sich, besonders seit Bürger, mehr dem Drama als dem Lyrischen, so daß man sie hin und wieder sogar auf die Bühne bringen konnte. Dies scheint indessen den nachtheiligsten Einfluß auf sie ausgeübt zu haben, da in neuester Zeit nur sehr selten wahre Balladen zum Vorschein kommen. Die musikalische Composition derselben, welche uns hier besonders angeht, hat im Ganzen nichts Eigenthümliches: sie muß wie alle Vokalmusik dem Gedichte vollkommen angemessen seyn. Diejenigen Componisten aber, welche dies so verstanden, als wenn allen und jeden Stanzen, wenigstens den meisten, eine besondere Musik untergelegt werden müsse, sind vorzüglich Schuld daran, daß wir die B. nun fast ganz zur Seite gelegt haben. André der Vater war der Erste, der Bürger's Leonore´ durchaus componirte. Seine Composition zeugte von vieler Ueberlegung, und wer eine kraftvolle, geläufige Hand im Pianofortespiel hatte, der vermochte wohl, mit dem Sänger, dessen Lunge hier sehr in Anspruch genommen wurde, zum Vergnügen der Zuhörer sein Scherflein beizutragen. Ihm folgten mehrere Componisten in diesem Style; der größte Meister darunter war Zumsteeg, von dem eine nicht unbeträchtliche Zahl der vortrefflichsten Balladen erschien, auch die ´Leonore´ zum zweiten Male; besser als diese aber sind seine ´Erwartung´, ´Sehnsucht´, und endlich das non plus ultra ´die Pfarrers Tochter von Taubenhayn.´ Nach Zumsteeg ist die Zeit der größeren Ballade bei uns immer mehr verschwunden; auf einen bleibenden Werth dürfen unter den jüngeren nur die Balladen von Seckendorf und Göthe rechnen, deren meisterhafte Musik auf die erste wie die letzte Stanze paßt, wie z. B. ´Ritter Oluf´, ´der Erlkönig´ u.a. Und so ist unter den neuesten Ballade-Componisten auch nur Löwe der einzige, der in diesem Style mit Geschick zu schreiben weiß.“

 

1835

Wolff, O.L.B. Encyclopädie der deutschen Nationalliteratur oder biographisch-kritisches LEXICON der deutschen Dichter und Prosaisten seit den frühesten Zeite; nebst Proben aus ihren Werken. Erster Band. Leipzig.

“[S. 450] Eine gewisse Rohheit und Derbheit, Anklänge niederer Sinnlichkeit, welche leicht in Lüsternheit umgewandelt werden können, Einseitigkeit, Uebertreibung und ein irrthümliches Gefallen am Niedrigen, das er für volksthümlich hält, sind Vorwürfe, welche selbst der mildeste Kunstrichter nicht von Bürger´s Muse abzuwenden vermag. Wie dem aber auch sei, alle diese Flecken werden von den glänzenden Eigenschaften, welche sie besaß, herrlich überstrahlt. Wärme der Empfindungen, Gluth der Einbildungskraft, seltener Zauber des Wohlklanges, Tiefe und Innigkeit des Gefühls, Gewandtheit im Ausdruck und in der Wahl der Bilder, Wahrheit und Echtheit der Gesinnungen, Alles dies findet sich im reichsten Maaße bei Bürger und erwirbt und bewahrt ihm gerechte Ansprüche auf die ungetheilte Neigung und Verehrung des Lesers. Werfen wir einen vergleichenden Blick auf die mannichfachen Leiden und Sorgen, unter deren Last er beinahe erlag, und die seinen irdischen Wandel durch eine dornige und rauhe Bahn führten, und betrachten wir zur selben Zeit, was er inmitten dieses selbst den begabtesten Geist lähmenden Jammers leistete, so müssen wir ihm dankbar den reichsten Lorbeerkranz zuerkennen, der je einem Dichter auf das Haupt gedrückt wurde, denn einem so schwer geprüften Manne gegenüber ziemt nur Milde und Liebe. Seine Verdienste um die deutsche Dichtung sind lange nicht genug anerkannt worden; er war es, der mit allen Kräften die im Schulzwange eingepferchte deutsche Muse zur Wahrheit und Natur zurückzuführen strebte, der die tiefe und sinnige, aus der vollsten Wahrheit des Lebens entsprungene englisch-schottische Ballade in ihrer reichen und doch so einfachen Weise in Deutschland einheimisch machte, und dessen Einfluß gewiß keinen geringen Antheil an der Vollendung und Schönheit jener herrlichen späteren deutschen Dichtungen dieser Gattung hat, welche wir als eben so viel Perlen in dem Schatze unserer Literatur betrachten dürfen.”

Wolffs Beitrag über G.A. Bürger in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1835

Luden, Heinrich. Geschichte des teutschen Volkes. Zehenter Band. Gotha. Digitalisiert von Google

“[S. 588] Und ´die Weiber von Weinsberg´? Freilich, die sollten nicht fehlen! Seitdem Bürger die ehrlichen Frauen dieser Stadt so artig mit ihren Männern hockepack ausziehen lässet, kann sich Niemand entschließen, ihnen die süße Bürde abzunehmen, und Niemand mag sich das schöne Schauspiel verderben lassen.“

 

1835

Bayl, Johann Georg. Das unbekannte Blümchen. In: Dr. J. G. Bayl´s poetischer Nachlass. Bamberg. Digitalisiert von Google

“[S. 156] Das unbekannte Blümchen.

Es blüht ein Blümchen irgendwo,
Ein Jeder sucht es sich zu pflücken;
Doch will es Wenigen nur glücken,
Die Meisten sollen es nicht seh'n,
Wenn sie auch noch so nahe steh'n.

Wer dieses Wunderblümchen hat,
Der ist der Glücklichste hienieden,
Man mag ihm Millionen bieten —
Umsonst, er gibt es Keinem mehr!
Denn ach! das Blümchen reitzt zu sehr.

Vergebens steigt man steile Höh'n,
Vergebens irret man in Gründen,
Den lieben Sprößling aufzufinden,
Denn nicht dem Erdenschooß entsteigt
Dies Blümchen, anderswo erzeugt.

Und dennoch blüht es überall,
In jedem Land, an jedem Orte,
Blüht auch im Winter, trotz dem Norde,
So prächtig, wie im Maienmond,
Blüht ungetränkt und unbesonnt.

So mancher König tauschte oft
Gern mit dem niedern Bettlersohne
Um dieses Blümchen Gold und Krone,
Denn wo man selbiges vermißt,
Fehlt Alles, wo auch Alles ist.

Wie heißt dies Blümchen? fragt ihr mich,
Wo ist der Boden, der es ziehet?
Der Boden, Freunde! dem's entblühet,
Ist unser Herz, und weit und breit
Heißt's Blümchen die Zufriedenheit. “

 

1835

Verzeichnis und Empfangsbestätigung über die zur Bewerbung um den von den Unternehmern der Concerts spirituels in Wien ausgeschriebenen Preis von 50 Ducaten, bis zum Ablauf des Termins erhaltenen Symphonieen. In: Neue Zeitschrift für Musik. 22. December. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[S. 200] 29. Symph. in D, mit der Dev.: Ueberall Molly und Liebe. “

 

1835

Hoffmann, Karl Friedrich Vollrath. Die Schweiz. In: Deutschland und seine Bewohner. Dritter Theil. Stuttgart. Digitalisiert von Google

“[S. 8] Dem Verfasser fiel überall ein Mahnen an die Vergangenheit - welche nicht mehr ist - auf. ´Wir waren´ heißt es immer, und man will sagen:
 ´wir sind.´ - An der Kapelle, welche bei der hohlen Gasse steht, findet man unter Anderem:
       Hier ist Geßlers Hochmuth vom Teil erschossen,
       Und der Schweizer edle Freiheit entsprossen,
       Wie lang wird aber solche währen,
       Noch lang, wenn wir die Alten wären.
´Der Mann, der das Wenn und das Aber erdacht, hat wahrlich aus Häckerling Gold schon gemacht´ sang Bürger einst. Es ist nicht in Abrede zu stellen, daß die Schweizer recht ordentliche Leute, aber etwas schwerfällig, unanstellig und wenig gastfrei sind. “

 

1835

Anonym. Stimmen des Auslandes über München. In: Iris. Unterhaltungen für Literatur, Kunst und Conversation. No. 10 vom 4. Februar. Digitalisiert von Google

“[o.S.] III. Ein Salon, für die wartenden Damen, mit Bürgers Balladen von Folz aus Bingen. Die Decke dieses Zimmers ist wahrhaft auserlesen; sie besteht ganz und gar aus kleinen Rosetten, abwechselnd in den Formen, und alle Farben des Regenbogens vereinend. Die Zartheit und Harmonie des Gesammteindruckes ist wahrhaft unbeschreiblich; die Wahl des Dichters und der Gegenstände, in Anbetracht der Bestimmung des Zimmers, entzückte mich. Leonorens und der Pfarrerstochter Schicksal werden für die Ehrendamen anregende Gegenstände zur Beschauung seyn.“

 

1835

Lexikoneintrag. In: Encyclopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften [...] Erster Band Stuttgart. Digitalisiert von Google

“Bonora, Ferdinand Wilhelm, geb. 1775 zu Weidenau...Bürgers Ballade ´die Weiber von Weinsberg´ “

 

1835

Büchner, Georg. Brief An die Familie in Darmstadt, Straßburg, 28. Juli 1835 In: Georg Büchner Briefwechsel, Stroemfeld/ Roter Stern, 1994 (Sammlung Helmut Scherer)

“[S. 74] der dramatische Dichter ist in meinen Augen nichts, als ein Geschichtschreiber, steht aber über Letzterem dadurch, daß er uns die Geschichte zum zweiten Mal erschafft und uns gleich unmittelbar, statt eine trockne Erzählung zu geben, in das Leben einer Zeit hinein versetzt, uns statt Characteristiken Charactere, und statt Beschreibungen Gestalten giebt. Seine höchste Aufgabe ist, der Geschichte, wie sie sich wirklich begeben, so nahe als möglich zu kommen. Sein Buch darf weder sittlich er noch unsittlicher seyn, als die Geschichte selbst; aber die Geschichte ist vom lieben Herrgott nicht zu einer Lectüre für junge Frauenzimmer geschaffen worden, und da ist es mir auch nicht übel zu nehmen, wenn mein Drama ebenso wenig dazu geeignet ist. Ich kann doch aus einem Danton und den Banditen der Revolution nicht Tugendhelden machen! Wenn ich ihre Liederlichkeit schildern wollte, so mußte ich sie eben liederlich seyn, wenn ich ihre Gottlosigkeit zeigen wollte, so mußte ich sie eben wie Atheisten sprechen lassen. Wenn einige unanständige Ausdrücke vorkommen, so denke man an die weltbekannte, obscöne Sprache der damaligen Zeit, wovon das, was ich meine Leute sagen lasse, nur ein schwacher Abriß ist. Man könnte mir nur noch vorwerfen, daß ich einen solchen Stoff gewählt hätte. Aber der Einwurf ist längst widerlegt. Wollte man ihn gelten lassen, so müßten die größten Meisterwerke der Poesie verworfen werden. Der Dichter ist kein Lehrer der Moral, er erfindet und schafft Gestalten, er macht vergangene Zeiten wieder aufleben, und die Leute mögen dann daraus lernen, so gut, wie aus dem Studium der Geschichte und der Beobachtung dessen, was im menschlichen Leben um sie herum vorgeht. Wenn man so wollte, dürfte man keine Geschichte studiren, weil sehr viele unmoralische Dinge darin erzählt werden, müßte mit verbundenen Augen über die Gasse gehen, weil man sonst Unanständigkeiten sehen könnte, und müßte über einen Gott Zeter schreien, der eine Welt erschaffen, worauf so viele Liederlichkeiten vorfallen. Wenn man mir übrigens noch sagen wollte, der Dichter müsse die Welt nicht zeigen wie sie ist, sondern wie sie seyn solle, so antworte ich, daß ich es nicht besser machen will, als der liebe Gott, der die Welt gewiß gemacht hat, wie sie seyn soll. Was noch die sogenannten Idealdichter anbetrifft, so finde ich, daß sie fast nichts als Marionetten mit himmelblauen Nasen und affectirtem Pathos, aber nicht Menschen von Fleisch und Blut gegeben haben, deren Leid und Freude mich mitempfinden macht, und deren Thun und Handeln mir Abscheu oder Bewunderung einflößt. Mit einem Wort, ich halte viel auf Goethe und Shakspeare, aber sehr wenig auf Schiller.“

 

1835

Kobén. Stimmen ueber Hugo Foscolo's Lied von den Graebern. In: Echo Zeitschrift für Literatur, Kunst und Leben in Italien 21. April. Mailand. Digitalisiert von Google

“[S. 191] Um sich in diese Sinnesweise hinein zu denken (was in Deutschland jetzt wirklich schwer wird wo man den besten Dichter vergisst wenn er nicht durch Werk auf Werk dem Gedächtniss des Publicums zu Hilfe kommt) muss man sich um ein Paar Menschenleben zuriick versetzen in die Tage wo Bürger mit seiner Lenore (welche die göttinger Freunde Strophenweise zur Kritik erhielten) sich über Goethes Götz tröstete; wo eine Bürgerische Ballade, ein Kleistischer Frühling, eine Ramlerische Ode ein Nationalinteresse hatte. Das sind alte Zeiten! “

 

1835

Anonym. Bibliographie. In: Magazin für die Literatur des Auslandes. 13. Februar. Berlin. Digitalisiert von Google

“[S. 76] Melana, eine Russische Ballade. (Eine Nachahmung von Bürger's Lenore, und zwar eine ungückliche, nach dem Urtheil der Nordischen Biene, die auf Schukoffsky's Uebersetzung hinweist.) “

 

1835

Anonym. Mannichfaltiges. Einige Worte über die Wald und Jagd betreffenden dichterischen Erzeugnisse. In: Allgemeine Forst- und Jagd-Zeitung. 18. November. Frankfurt am Main. Digitalisiert von Google

“[S. 552] Goethe, der Altmeister der deutschen Dichter, hat den Unglücklich liebenden Jäger unnachahmlich geschildert. Bürger's Feldjägerlied und sein wilder Jäger sind allgemein bekannte Meisterstücke. “

 

1835

Anonym. Cybulka. In: Oesterreichische National-Encyklopädie. 1. Band. Wien. Digitalisiert von Google

“[S. 643] Cybulka, M. A., ein sehr geschickter Componist, Tenorsänger und Fortepianospieler, aus Böhmen gebürtig. Er studirte in Prag den Generalbaß. Vor seiner Abreise nach Grätz, wohin er als Musikdirector am dortigen Theater 1791 berufen wurde, gab er seine 12 Lieder für das Clavier unter dem Titel: Die Früchte meiner bessern Stunden, mit Text von Bürger, Sophie Albrecht, Caroline Rudolph u. a. heraus. “

 

1835

Kennedy, John Pendleton. Horse-shoe Robinson. Vol. III. London. Digitalisiert von Google

“[p. 127] CHAPTER XLVI.
        A RUSTIC FUNERAL.

    How glumly sounds yon dirgy song;
    Night ravens flap the wing.
                    Burger's Leonora.
By eleven o'clock at night, Butler and the party from Ramsay's arrived at the woodman's cabin. “

 

1835

Anonym. Bemerkung. In: Münchner Tagblatt, 2. Septbr. München. Digitalisiert von Google

“[S. 972] Bemerkung.
Nachdem nun schon von mehreren Astronomen der Halley'sche Komet beobachtet und die Resultate dieser Beobachtung öffentlich bekannt gemacht worden sind, so entsteht die Frage, warum nicht ein Aehnliches auf unserer Sternwarte geschieht. Man dürfte wahrlich, wie vor einigen Jahren schon einmal geschah, dem Observator zurufen: ´Schläfst Du, Liebchen, oder wachst Du? -
                     (Eingesandt.) “

 

1835

M. K. Aus Breslau. In: Allgemeine Theaterzeitung und Originalblatt für [...], 22. Juli. Wien. Digitalisiert von Google

“[S. 579] Ein dankbares Geschöpf, die Wahrheit, er gab ihr eine Vorstellung, sie gibt ihm neunzehn, und beide halfen sich auf die Beine. - Sie kam also, diese in der That für Hrn. Haake sehr einnehmende Wahrheit, welcher am Wollmarkt ihr zu Ehren einen vierfachen Preis setzte, um den Alle, die in der Wolle saßen, Fremde und Einheimische, laufen mußten:
   Und, hurre, hurre, hopp, hopp, hopp,
   Ging's fort im sausenden Galopp!
Schon die Nacht vor ihrer Ankunft hatten wir wundersame Indicien gehabt. “

 

1835

Anonym. Est, est, est! (Ein Kabinetsstück für Zecher.) In: Neue Flora, 27. Mai. Augsburg. Digitalisiert von Google

“[S. 332] Aber dieses ´Schwein des heiligen Antonius´ verließ der Edle nicht eher, als an jenem Morgen, wo ihn in ´sechs Bretter und zwei Brettchen´ genagelt, ein halbes Dutzend schwarzer Männer, unter Glockenklang und Chorgesang zum Kirchhofe trugen. Hört die Geschichte! “

 

1835

W.....m. Die Zeichensprache. Ein Schwank. In: Neue Flora, 7. Februar. Augsburg. Digitalisiert von Google

“ [S. 87] Ihr kennt Bürgers Mährchen vom Abt aus St. Gallen?
So laßt Euch ein Seitenstück dazu gefallen:
   Ihr seht daraus, wie der Gelehrsamkeit Wahn,
   Hochweise oft irr' führt auf ebenster Bahn.

Als Jakob der Erste in England regierte,
Zu London ein span'scher Gesandter studierte
   Tiefsinnige Dinge; er bildet sich ein,
   Im Wissen der Meister vom Stuhle zu seyn.
           [...]
Recht herzlich belachten dieß die Professoren,
Den rechten Mann hatten sie Alle erkohren;
   Sie führten zum Lohn ihn, zum Wein und zum Schmaus
   Und lachten den Zeichenerfinder brav aus. “

Der vollständige Beitrag in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1835

Achenbach, Hermann. Zweites Kapitel. In: Tagebuch meiner Reise nach den Nordamerikanischen Freistaaten. Zweiter Theil. Düsseldorf. Digitalisiert von Google

“[S. 77] Diesmal empfing uns ein brüllender Dampfwagen am Gestade des Flusses. Er nahm die benöthigten 10 Equipagen ins Schlepptau, und jagte nun in so pfeilschnellem Galopp mit ihnen davon,
     ´daß Roß und Reiter schnoben
      und Kies und Funken stoben.´ “

 

1835

Hundt-Radowsky, Hartwig. Erotische und demagogische Umtriebe. Die Selbstmörderin. In: Wiechart oder Bruchstücke aus dem Leben eines alten Demagogen, Band 2. Liestal. Digitalisiert von Google

“[S. 262] Als meine Taschen aufs Neue gefüllt waren, sagte ich Allen ein zärtliches Lebewohl, schwang mich fröhlich auf mein Roß, machte noch einige gefährlich scheinende Reiterstückchen auf dem Hofe, um auf die Herzen meiner Kusinen und der weiblichen Dienstboten einen angenehmen Eindruck zu hinterlassen, und sprengte darauf im sausenden Galopp davon,
   daß Roß und Reuter schnoben
   und Kies und Funken stoben,
wie Bürger sagt. “

 

1835

Anonym. Basel. In: Baseler Zeitung, 28. April. Digitalisiert von Google

“[S. 299] Hr. Dr. Wackernagel hat die Einladungsschrift zur Promotionsfeier des Pädagogiums und zur Eröffnung des Jahreskurses 1835 erlassen. In derselben bietet er den Freunden der Dichtung und namentlich den Bewundrern von Bürgers ´Lenore´ eine äusserst interessante Zusammenstellung derjenigen Sagen und Volkslieder mehrerer Nationen, welche mit genannter Ballade Aehnlichkeit besitzen. Die andauernde Verbindung der Dahingeschiedenen mit den zurückgelassenen Lieben, welche durch ihre Wehklagen die Todten noch an sich fesseln und der Ruhe berauben, findet sich in denselben durch die verschiedenartigsten Darstellungen ausgedrückt, in tiefergreifender Einfachheit. Der Verfasser ist der Ansicht, für die Lenore gebe es weder ein deutsches noch ausländisches Original, sondern bloß von äußerlicher Veranlassung u. zufälliger Anregung dürfe man sprechen, und den ersten Anstoß zu ihr habe Bürgern ein norddeutsches Volkslied (das er aufführt) gegeben. Wer die verschiedenen Sagen u. Lieder in Hrn. Wackernagels Schriftchen selbst vergleicht, wird sich von dem Reichthume dichterischer Schönheiten überrascht sehen. “

 

1835

Pré, Karl du. Ueber den Frevel des Ausnehmens der Brut der Singvögel, nebst einigen Andeutungen zur möglichsten Verhütung desselben. In: Die Bayer'sche Landbötin, 11. July, München. Digitalisiert von Google

“[S. 703] Mit welchem schnöden Undank lohnen euch so manche Menschen die stillen Hochgenüsse, welche ihr ihnen durch euern einfach-natürlichen Gesang gewährtet! Was wäre der Erdball ohne den Menschen? Was sind der Wald, der Hain ohne gefiederte Bewohner? Wozu die herrlichsten nnd sinnigsten Park- und Garten-Anlagen, wenn keine Sänger sie beleben, kein Liebeslaut zwischen den duftenden Blüten und Blättern sich vernehmen läßt, kein Nachtigallmännchen mit Flötentönen die Braut lockt, keine Grasmücke, kein Fink unter zwitscherndem Gesang sich von Zweig zu Zweig schwingt, und Aug' und Ohr entzückt?”
 

1835

Sickel, Gustav Adolph Friedrich. Achte Vorlesung. Lebensklugheit. In: Erziehungslehre für gebildete christliche Mütter. Magdeburg. Digitalisiert von Google

“[S. 132] ´Seid klug wie die Schlangen!´ Die Lebensklugheit, welche Jesus in diesen Worten fordert, wird aber nicht in der Schule und von keiner Bonne, nicht auf der Universität und aus Büchern, sondern in der Schule des Lebens gelernt, und Du, liebe Mutter, sollst für Dein Kind Lehrerinn in dieser Schule sein. Daß es so sein soll und so sein kann, geht ja schon daraus hervor, daß man die Lebensklugheit sonst auch wohl Mutterwitz nannte, von dem Bürger in seinem Abt von St. Gallen den Schäfer sagen läßt:
    Versteh' ich gleich nichts von lateinischen Brocken,
    So weiß ich den Hund doch vom Ofen zu locken.
    Was Ihr Euch, Gelehrte, für Geld nicht erwerbt,
    Das hab' ich von meiner Frau Mutter geerbt. 
Mit dieser Erbschaft ist es nicht so genau zu nehmen; es heißt der Ausdruck nichts Anderes, als ich verdanke meine Klugheit meiner Mutter. “

 

1835

Anonym. Skandinavische Geschichten. In: Morgenblatt für gebildete Stände, 23. Juli. Digitalisiert von Google

“[S. 699] Aber der Krieg brach aus, da wollte ich mich nicht binden, wollte sie nicht binden, bis ich den Feldzug hinter mir hätte. Sie war mir auch dann noch gewiß, dachte ich; denn als die Stunde des Scheidens nahte, härmte sie sich ab und schenkte mir ein Angedenken, obgleich kein Wort von Liebe zwischen uns gewechselt ward. Ich ging in den Krieg, und glücklicher als Leonorens Wilhelm, kehrte ich mit Sing und Sang, mit Paukenschlag und Kling und Klang, geschmückt mit grünen Reisern, in meine Heimath zurück. Aber mein Schicksal war auch hier anders, als Wilhelms gewesen wäre: keine Leonore harrte meiner Heimkehr.”
 

1835

Fouqué, L. M. Ueber den Sieg König Heinrichs des Voglers gegen die Ungarn, erfochten bei Merseburg im Jahr 933. In:
Zeitschrift für Kunst, Wissenschaft und Geschichte des Krieges, Berlin, Posen und Bromberg. Digitalisiert von Google

“[S. 27] Nun, wir Kriegsleute haben wohl alle schon Aehnliches erschaut von jenen Leuten, die mit der Marketenderin in Wallensteins Lager zu sprechen pflegen:
   ´Als wir den Mannsfelder thäten jagen.´
Ein weit ernsteres, ein tief wehmüthiges Nachspiel des Krieges und Sieges ergab sich, als nun das Landvolk und die in den Burgen, Städten und befestigten Meierhöfen zurückgebliebenen Wehrlosen nach dem Feldlager zusammenströmten, ihre frisch Lebenden zu begrüßen, ihre Verwundeten zu pflegen, ihre Erschlagenen zu beweinen. Die Schilderung unseres Poeten mahnt an Bürger's Lenore, wie da die Krieger heimkehren, freudig und weinend empfangen:
   ´Und überall, all überall,
    Auf Wegen und auf Stegen,
    Zog Alt und Jung dem Jubelschall
    Der Kommenden «ntgegen.
    ´Gottlob!´ rief Kind und Gattin laut,
    ´Willkommen!´ manche frohe Braut.
    Ach, aber für Lenoren
    War Gruß und Kuß verloren.´
Nun schieden die sieghaften Schaaren heimwärts, einander mit eigenthümlichen Kriegesklängen, Jedes nach seiner Weise, begrüßend und beglückwünschend; der große Gedanke der Vaterlands-Befreiung in allen Herzen wach, in vielen Herzen gewiß auch lebendig der Gottesdank um den bewahrten, durch Gottesmacht beschirmten Christenglauben.”

 

1835

Anonym. Verschiedenes. In: Tag-blatt der Stadt Bamberg. Digitalisiert von Google.

“[S. 143] Bei einem Deklamatorium, wo auch ´Lenore´ vorgetragen wurde, brachte Herr Deklamator für ´Und hatte nicht geschrieben, ob er gesund geblieben´ folgende, allerdings höchst gelungene Variante an:
   ´Und hatte nicht geschrieben,
    Ob er vielleicht geblieben.´”

 

1835

Anonym. Zwei Tage in der Provinz. In: Huldigung den Frauen, Wien. Digitalisiert von Google

“[S. 171] Sie glühte wie eine Purpurrose, und sah mit den gesenkten Augen überaus schön und bräutlich aus; ich begann aber doch eine ungeheure Abhandlung über die schweren Rücksichten meines Standes, über seine Opfer und Prüfungen; ein ganzer Adels-Codex entwand sich meinen Lippen. Nettchen verstand wahrscheinlich kein Wort, ich eigentlich auch nicht, doch ward ihr die bittere Pille, meine Gemahlin nicht werden zu können, so vergoldet als mögllch beigebracht. Daß ich sie ewig lieben, sie nie vergessen würde, konnte als Schlußsprache nicht fehlen. Ich bat um einen Abschiedskuß, als Siegel unserer Entsagungs-Urkunde, den sie verweigerte, und um einen Blick aus dem Fenster, wenn ich morgen früh abreisen sollte, den sie zugestand. Nun weinte sie einige kleine Thränen, nun ward mir auch beklommen um's Herz. Da trat Wernheim zwischen uns, rief: ´Amen, nun ist's genug!´ nahm Nettchen am Arm und führte sie fort. Nettchen sah noch einmal her, ich sah noch einmal hin, wie Lenardo und Blandine, und der kurze Roman ging ohne Heirath im eigentlichen Sinn auseinander.”
 

1835

Mülinen, Egbert Friedrich von. Brief an Alfred Escher, Sonntag, 25, Januar. In: Homepage der Alfred Escher Stiftung

"Betreffend die göttliche Philologie, so muß ich dir auch sagen, daß wir des herrlichen Horaz's Epistel übersetzen, und was die privata betifft, die sich hier – herrlicher Weise – nur mündlich machen, so übersetze ich gegenwärtig der Iliade 1stes Buch. Betreffend meine Privatlektüren für mich lese ich von deutschen Werken Bürger's Gedichte (ein flotter Bursche), und des Münchhausens Abentheuer, worin sich auch tüchtige Zoten befinden; von französischen Werken hingegen sehr viel, jetzt z. B. des unsterblichen Boileau Werke, etc.”

1835

Mülinen, Egbert Friedrich von. Brief an Alfred Escher, Sonntag, 8. Februar. In: Homepage der Alfred Escher Stiftung

"Endlich, wie wollte man gut auf französisch ausdrücken können, was nur der kernhaften und kräftigen Germanensprache angehört! So z. B. die Donnerflüche eines Mahomet, die Schlag auf Schlag erfolgenden Begebenheiten, das einfache aber göttliche Rief's oder sprach's am Schlusse der von der handelnden Person selbst angeführten Worte. Nein das sind alles Ausdrücke, die nur einem Voß oder einem Bürger angehören, dessen Gedichte ich, wie du weißt, zum Zeitvertreibe lese und von denen ich mich nicht enthalten kann, dir einige échantillons zu geben.

«Und weiter, weiter, hop, hop, hop!
Gings fort in sausendem Galopp,
dass Roß und Reiter schnoben,    
Und Kies und Funken stoben!»    
(versch. Male in «Lenore»)

«Rasch zückte der Alte den blinkenden Dolch,   
Und bohrte darnieder den spanischen Molch.»
(«Leander und Blandine.»)

 

Von Alters war ein Gott,
Von nicht geringem Ruhme
Im blinden Heidenthume;
Nun aber ist er todt.
Er starb – post Christum natum –
Ich weiß nicht mehr das Datum.
Anf. zu Iupiters Raub der Europa.

Das dröhnt dem Marschall durch Mark und Bein,
Wie Wetterschein Entlodert sein Sarras der Scheide.
Vom Donner des Fluches erschallet das Schloß,
Er stürmet im Wirbel der Rache zu Roß,
Etc. («Das Lied von Treue.»)

 


Welche Kraftsprache, und zugleich welche Einbildundungskraft! Meine andere deutsche Lektur sticht freilich ziemlich viel davon ab! Ich meine die der Abentheuer des Freiherren von Münchhausen, von denen ich dir eine flotte Posse [an?] geben will. Einstens traf er unvermuthet einen Bär an, er hatte zu Waffen nichts als 2 Flintensteine. Wie der Bär auf ihn zu will, schmeißt unser Pfiffikus Münchhausen ihm einen dieser 2 Steine in den Rachen hinein, der Bär kehrt sich rechts um, im gleichen Augenblick wirft ihm unser Held den anderen Stein durch den Steiß hinein; die beiden Steine treffen sich in des Bären Leibe, sie geben Feuer, es knallt und unser ursus zerplatzt netto auseinander. Was sagst du zu dieser Farce?”

 

1835

Pölitz, Karl Heinrich Ludwig. Friedrich August Wolf, über Erziehung, Schule, Universität. Quedlinburg u. Leipzig 1835 [Rez.] In: Kritische Uebersicht der neuesten Literatur in dem gesamten Gebiete der Staatswissenschaften, Zweiter Band,Leipzig. Digitalisiert von Google
 
“[S. 291] Ref. fürchtet daher nicht, indem er mehrere der wichtigsten Erklärungen Wolfs mitzutheilen gedenkt, daß man ihm, mit Bürgers Lenore, zurufen werde:
     ´O schweig, laß ruhn die Todten!´
er erwartet vielmehr, daß eine solche Gräberstimme mehr beherziget werden dürfte, als die gründlichste Deduction eines noch im Fleische Wandelnden.”

 

1835

Anonym. Kurier der Theater und Spectakel. In: Der Wanderer, 12. September. Digitalisiert von Google

“[o. S.] (Epilog)
 W. Hören Sie, wie die Schlangen zischen; um gerecht zu seyn, sollen sie ihr Urtheil brüten.
 A. So eben habe ich erfahren, daß diese Miserabilität geheißen hat: ´Die Freier auf hölzernen Beinen.´
 W. Werden Sie nächstens wieder in dieses Theater gehen, wenn Sie lesen: zum ersten Male?
 A. Anathema sit! ja zum Hannswursten im Prater.
 W. Ich glaube, wir revangiren uns jetzt im Bierhause; vielleicht treffen wir hier den begabten Dichter an; und
        Hurra, hurra, hopp, hopp hopp!
        Ging's fort im sausenden Galopp.
Das Publikum ist die beste Kritik.”

 

1835

Anonym. Kurier der Theater und Spectakel. In: Der Wanderer, 24. October. Digitalisiert von Google

“[o. S.]     Leipzig.
Hr. und Mad. Genast traten mehrere Male zum letzten und allerletzten Male auf, zum wahren allerletzten Male aber sie als Lenore im gleichnamigen Melodram Holtey's, er als Wallheim. Beide nahmen sicherlich die Ueberzeugung mit hinweg, auf's Außerodentlichste beklatscht und gerufen und gelobt worden zu seyn. (Abendz.)”


 

1836

Anonym. Ueber die neueste Malerei in Paris. In: Kunst-Blatt No. 97, Stuttgart und Tübingen. Digitalisiert von Google

“[S. 406] Von dem Bilde [Ary Scheffers]: Lenore, in derselben Scene wie Lessing sie gemalt, welches Herr von Rothschild besizt, konnten wir nur die Zeichnung sehen. Eine reiche Composition voll gelungener Motive. Vielleicht zu reich; denn wenn wir gleich im Vorgrunde die Gruppe eines Ritters sehen, der seine Kinder, seinen alten Vater, aber nicht sein treues Weib wieder findet, so schön die Idee ist, schadet sie nicht der Haupthandlung, nimmt sie nicht gleich mächtig das Interesse in Anspruch, während der Dichter, gewiß nicht ohne Absicht, die unglückliche Lenore mitten zwischen das allgemeine Glück des Wiederfindens gestellt? “

 

1836

Heine, Heinrich. Die Romantische Schule. Hamburg.

"[S. 126] Seine Berühmtheit erreichte Herr A. W. Schlegel eigentlich nur durch die unerhörte Keckheit, womit er die vorhandenen literarischen Autoritäten angriff [...] Nachdem wir von jenem Erstaunen, worin jede Vermessenheit uns versetzt, zurückgekommen, erkennen wir ganz und gar die innere Leerheit der sogenannten Schlegelsehen Kritik. Zum Beispiel wenn er den Dichter Bürger herabsetzen will, so vergleicht er dessen Balladen mit den altenglischen Balladen, welche Percy gesammelt [...] Aber der Tod ist nicht poetischer als das Leben. Die altenglischen Gedichte [ ...] geben den Geist ihrer Zeit, und Bürgers Gedichte geben den Geist der unsrigen. Diesen Geist begriff Herr Schlegel nicht. Sonst würde er in dem Ungestüm, womit dieser Geist zuweilen aus den Bürgerschen Gedichten hervorbricht, keineswegs den rohen Schrei des ungebildeten Magisters gehört haben, sondern vielmehr die gewaltigen Schmerzlaute eines Titanen, welchen eine Aristokratie von hannövrischen Junkern und Schulpedanten zu Tode quälten. Dieses war nämlich die Lage des Verfassers der , Lenore' und die Lage so mancher anderen genialen Menschen, die als arme Dozenten in Göttingen darbten, verkümmerten und im Elend starben [...] Der Name ,Bürger´ ist im Deutschen gleichbedeutend mit dem Worte citoyen"

 

1836

Menzel, Wolfgang. Die deutsche Literatur. Zweite vermehrte Auflage. Zweiter Theil. Stuttgart

“[S. 78] Mit den Chrestomathien, Stylübungen usw. ist es vollends arg. In einer weiblichen Pensionsanstalt hörte ich ein junges hübsches Mädchen "des Pfarrers Tochter von Taubenheim" deklamiren. Jetzt kommen solche Mißgriffe zwar nicht mehr vor, aber desto mehr andre. Man ist sehr zart, aber weil man zu viel moralisirt, weil man zu viel vor der Sünde warnt, macht man die liebe Unschuld doch gerade erst auf die Sünde aufmerksam. Und was für geschmackloses, langweiliges, unnützes Zeug steht in den Chrestomathien wodurch die Kinder nur ermattet werden.“
 

1836

Boost, Johann Adam. Die neueste Geschichte der Menschheit. Erster Theil. Neueste Geschichte von Frankreich. Digitalisiert von Google.

“[S. 376] Unseren Tagen hingegen, worin eine gleiche moralisch Verderbniß unter der Menschheit herrscht, ist es noch gar der Geist des Antichristianismus, der als Prinzip der Bewegung erscheint, und hierdurch wird das Verderben um so mehr und schrecklicher befördert, die Unsittlichkeit um so schneller und fester begründet, als der Verstand sich mit ihr verbindet und sie als Aufklärung und Thatkraft bezeichnet. [...] So gleicht denn die vom Freiheitsschwindel nun so sehr bethörre Menschheit jener Leonore in dem bekannten Gedichte von Bürger und wie diese, von Liebesglut geblendet, den Rappen des sie entführenden Gespenstes besteigt und im sausenden Galopp ihr Grab auf dem Kirchhof ereilt, so schwingt auch jene sich auf das wilde, ungezäumte tolle Roß des sie verführenden bösen Geistes, um unter Saus und Braus, unter Toben und Klagen im Abgrunde des Verderbens ihr schreckliches Ende zu erjagen.”

 

1836

Uschold. Lehrbuch der Poetik. In: Neue Jahrbücher für Philologie und Pädagogik. Sechster Jahrgang. Achtzehnter Band. Erstes Heft. Digitalisiert von Google.

“[S. 34] Der Schüler ist dann auf dem rechten Wege zu den Gärten der Poesie hingewiesen und kann nun an ihren Blüthen sich erfreuen, an ihren Früchten sich erquicken, nach Massgabe seiner Kräfte die mannichfaltigen, niedriger oder höher hängenden Arten erreichend. Der fähige Kopf, das Talent wird sich dann schon von selbst seine Regeln für das Einzelne zu abstrahiren wissen, und diese sind denn solche, die ihn fördern, wogegen vordocirte ihn beengen und, ist er nicht Mannes genug, gar abschrecken werden. Denn treffend sagt Bürger, in seiner Art (´Vogel Urselbst´):
  Der Regler - so beschied sich dess
  Schon Summus Aristoteles -
  Der Regler zeichne meinen Flug
  Wie eine Tanz-Tour in sein Buch:
  Nur lehr´ er keinen Genius,
  Wie er die Flügel schlügen muss.”

 

1836

Lewald, August. Aquarelle aus dem Leben. Erster Theil. Digitalisieret von Google.

“[S. 50] Nie hat ein gemeines, kleinliches Geklatschte einen Menschen so unglücklich gemacht, als gerade das, was von dem alten Bürger ausging über seine ehelichen Verhältnisse, und von seinen Freunden in alle Winde vertragen wurde. Wie viele Untreue wird bei Tage und Nacht verübt, ohne daß man durch ihre Enthüllung es für gut findet, sich selbst an den Pranger zu stellen. Der alte Bürger fand dies für gut und es gab sogar Leute die den grämlichen Greis deshalb bedauerten. Aus Eitelkeit freit er ein munteres, frisches Mädchen, das er nie gesehen, blos weil es vorgibt, sich in seine Dichtungen verliebt zu haben, und reißt seine "Einzige," der er das hohe Lied gesungen, aus seinem Herzen und eine Andere noch, deren Namen mir entfallen. Ich glaube sie hieß Molly.

[S. 54] Diese Begegnung kehrte öfter wieder und das bitter getäuschte Weib, das in dem Sänger feuriger Lieder, auch einen feurigen Mann vermuthet hatte, denkt plötzlich an Rettung aus diesen Sclavenfesseln und den Thränen, Tag und Nacht vergossen, folgen ruhigere Betrachtungen über ihre Lage und besonnene Blicke auf ihre Umgebung. Hier war von keiner Verführung, von keinem Ausbruche roher Sinnlichkeit die Rede; der zärtliche, zuvorkommende, aufmerksame Jüngling, der sich der armen, gekränkten, gemißhandelten Frau annahm, wurde erhört und eine Ehe gebrochen, die nie hätte zusammengefügt werden sollen.

[S. 56] Arme Elisa Bürger! Du hast mir nicht das geringste Mitleid entlockt, als ich Dich kennen lernte im altdeutschen Kleide und
Körner´sche Verse recitiren und eigene schlechtere machen sah; Du hast mich gelangweilt und wurdest mir zuwider als ich Dich mit schlechtem Komödiantengesindel umherziehen und plastisch-mimische Darstellungen geben sah; Glaube, Liebe, Hoffnung, von Dir dargestellt, sahen alle drei wie Furien aus; aber ich hätte Thränen für Dich gehabt in Deiner armen Jugend, und konnte um Dich klagen, da ich Dein elendes Alter erfuhr, daß diese Jugend Dir bereitet hatte! -
    Man kann aber dem alten Bürger Unrecht geben und dennoch seine Lenore hoch halten; dies ist mein Fall.”

Lewalds Aquarelle in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1836

Fischer, E. Ueber die zur musikalischen Composition geeigneten Gedichte. Erste Abtheilung. 1. Die epischen Gedichte. In: Neues Jahrbuch der Berlinischen Gesellschaft für Deutsche Sprache und Alterthumskunde. Erster Band.  Digitalisiert von Google.

“[S. 206] Die letzten dreißig oder vierzig Jahre haben uns mit vielen schonen Romanzen und Ballade beschenkt, und viele derselbe sind auf eine geistreiche Weise nach der eben angegebenen Art besonders von Reichardt (dem ältern) und Zelter componirt (z.B. Mahadöh, der Erlkönig, der König in Thule u.s.w.) Zugleich aber hat das Wohlgefallen an dieser Dichtungsart, der Wunsch sie componirt zu hören, eine Art der Komposition hervorgebracht, welche ich um so mehr erwähne, da sie neuerlichst wieder manchen Freund sich erworben. Nämlich ich meine die Art, da eine Romanze oder Ballade in willkürliche Abschnitte getheilt und diese einzeln mit eigner Melodie und Metrum componirt werden, so daß solche Komposition ein aus mehreren abgesonderten Stücken bestehendes musikalisches Ganzes bildet, oder daß zum wenigsten der Componist dies wünscht. Eigentlich gaben hiezu die Bürgerschen Balladen, soviel ich weiß, Anlaß, denn da man sie allgemein liebte, wünschte man sie auch zu singen, fühlte aber wohl, daß ihre Länge sie für eine strophische Bearbeitung nicht recht eigne. Aber mehr noch als die Länge, tritt hier jenes zweite ein, daß sie auf eine ganz eigenthümliche Weise schon poetisch ausgearbeitet sind, ja daß sogar Bürger im Gefühl, daß sei Werk nicht musikalisch sei, einigemal Nachhülfe für das sinnliche Ohr schon durch Trarah und Hopp Hopp angebracht hat. Es ist ferne von mir, über diese Balladen irgend hiedurch ein nachtheiliges Urtheil zu fällen; sie sind originell, in ihrer Art vollendet, meist sehr wohlklingend, und manche von ihnen wird gewiß gleiche Dauer mit den besten Werken unserer Zeit erleben, aber sie sind mir eben davon ein rechtes Beispiel, wie der Dichter schon so vieles eigenthümlich poetisch ausführen kann, daß die Beihülfe der Musik zum mindesten unnöthig erscheint.

 [S. 210] Was das Sonett (und dem ähnliche Formen) betrifft, so trifft auch sie das eben Gesagte, denn gerade im Sonett findet sich vorzugsweise jene ausgeführte Darstellungsart, ja oft auch jenes zweite, daß ein Gedanke noch mehr, als eine E mpfindung Gegenstand des Gedichtes ist; so daß ich seine Entwicklung recht eigentlich als eine rein poetische, in vielen Fällen durch die Musik unübersetzbare bezeichnen möchte. Die äußere (metrische) Form des Sonetts ist aber sehr wohl in der Musik nachzuahmen und würde auch da sehr ansprechen; wenn daher das Sonett der Darstellung nach mehr dem Liede sich zuneigt, so
halte ich es für sehr gut componirbar; ich führe davon zwei Beispiele an, das Sonett von Körner: die Wunde brennt u.s.w. und dann das unübertreffliche von Bürger: O wie öde sonder Freudenschall [Trauerstille]. Das erste ist von Maria Weber sehr empfindungsvoll componirt, leider aber nicht mit gehöriger Beachtung der Sonettform; es ist dies sehr zu bedauern, denn durchcomponirt muß ein Sonett zwar werden, da die metrische Form auch nur ein Ganzes ist (nicht in gleiche Strophen zerfällt), Weber's Composition aber, so große Schönheiten sie hat, erhält nicht deutlich genug die strophische Unterabtheilung. Das zweite von Bürger würde sich, wie es dasteht, mit Beachtung auch der kleinsten metrischen Eigenheiten sehr wohl in Musik setzen lassen; leider aber glaube ich, daß diese schönen Gedichte anfangen, ganz in Vergessenheit zu kommen. Dies ganze Sonett ist so aus einer einzigen Empfindung geflossen, die von Anfang bis zu Ende so durchklingt, daß die eigenthümliche, ich möchte sagen witzige Entwicklung, die das Sonett in der Regel in den drei letzten Reihen giebt, hier gar nicht so scharf contrastirt sondern recht eigentlich aus der Empfinduug hervorfließt. ”

[red. Anmerkung: Bürgers Trauerstille wurde nicht vergessen, sondern 1916 in den Liedern op. 26 von Hans Pfitzner vertont]

 

1836

Klauer-Klattowski, Wilhelm. Popular songs of the Germans. Digitalisiert von Google

“[S. 227] Er kann im ganzen Sinne des Wortes Volksdichter genannt werden, denn seine Balladen und Lieder sind unter allen Ständen bekannt. Da aber mehre seiner Gedichte offenbar für den Pöbel bestimmt sind, so haben nur solche eine Aufnahme in diesen drei Bändchen finden können, die von Gebildeten beides Geschlechts ohne Beleidigung ihres Zartgefühls gelesen werden können [Die Holde, die ich meine. K.D.]. Bürger starb im Jahre 1794 in drückenden Verhältnissen, die er sowol durch sein unmoralisches als leichtsinniges Betragen selbst herbeigeführt hatte.”

 

1836

Bechstein, Ludwig. Die Reisetage. Zweiter Theil. Mannheim. Digitalisiert von Google

“[S. 71] Von dem vielen Mittelmäßigen und Schlechten, was man des Aufbewahrens in dieser Gallerie [Palais Luxembourg] würdig erachtet hat, führe ich nur ein Bild an: Bürgers Lenore. Fratzenhaftunsinnigeres ist mir noch nie vorgekommen. Man würde über das Bild lachen müssen, hinge es anderswo, hier aber erregt es Bedauern, denn es beurkundet den Geist und Geschmack, mit welchem für diese Gallerie gesammelt wird, und die Richtung, welche die neue Malerschule Frankreichs nimmt. Der Himmel gebe nur, daß diese nicht solche Nachahmung bei uns findet, wie die Richtung in der belletristischen Literatur, die uns mehr als einen Kocytus voll unsaubern Schlammes, voll Gift und Geifer zuzuführen droht.“

 

1836

Die deutsche Literatur von Wolfgang Menzel. Zweite vermehrte Auflage. Vierter und letzter Theil. Digitalisiert von Google.

“[S. 104] Bürger war es vorzüglich, der die von Stolberg erneuerten Romanzen ausbildete, aber zugleich noch tief in der Biedermanns-Schlafmütze und sogar zum Theil noch in der Gräkomanie steckte. Zu einer so kräftigen Opposition, wie Schubart, war er nicht geboren, und die feinere Ausbildung der Sagenpoesie mußte er erst der Tieck- und Schlegelschen Schule überlassen. Er ist eine interessante Erscheinung an der Grenze heterogener Parteien, im Entwicklungsprozeß der Romantik. Seine Formen zeichnen sich vorzüglich durch einen schönen Rhythmus aus. Einige seiner Balladen, besonders die "Lenore" sind der Unsterblichkeit gewiß. Allgemeines Mitleid hat er erregt, sofern er ein Opfer der Poesie wurde. Es lag so recht in dem falschen poetischen Enthusiasmus seiner zeit, die gesunde Vernunft für ein Paar Verse hinzugeben. Ein Mädchen trug sich dem armen Bürger in einem Gedicht zur Ehe an. Entzückt glaubte er die Ehe eines Dichters mit einer Dichterin müsse das Paradies auf Erden seyn, und - täuschte sich.”

 

1836

Götzinger, Max Wilhelm. Lautlehre. Die deutsche Sprache und ihre Literatur. Erster Band. Erster Theil. Digitalisiert von Google.

[S. 168] Jedermann wird folgende Reime gut und rein finden:
   Kein armer Verbrecher fühlt mehr Schwulität,
   Der vor hochnothpeinlichem Halsgericht steht.
                             Bürger.

[S. 194] Reime wie Balken-Galgen sind daher ganz unstatthaft, Reime wie schleichen-zeigen, horchen-borrgen zwar nicht
geradezu zu loben, aber doch zu dulden, und unsere besten Dichter reimen so; z. B.
   Wie Himmelskräfte auf und niedersteigen
   Und sich die goldnen Eimer reichen!
                Göthe.
   Armes Täubchen! Hart getäuschter Glaube!
   Herbes Schicksal, dem kein andres gleicht!
   Ihre Heimat, kaum dem Blick gezeigt,
   Wurde schnell dem Wetterstrahl zum Raube.
                Bürger.

[S. 196] Diese, ihrer Mundart eigenthümliche Lautverschiebung wenden nun die Niederdeutschen auch auf die Aussprache des Hochdeutschen beim g an; sie muß aber durchaus als dem Hochdeutschen fremd angesehen werden, und wenn Reime wie Werk-Berg, Mark-Sarg, nicht gerade zu loben sind, so müssen hingegen solche wie Berg-Pferch, Tag-Fach völlig verworfen werden. Bei niederdeutschen Dichtern finden sie sich allerdings häufig:
  Wips! hatt´ er's weg; wips! gieng er durch,
  Und schleppt, es heim auf seine Burg´.
                     Bürger.
  Ein Winzer, der am Tode lag,
  Rief seine Kinder an und sprach.
                      Bürger.
  Und als sie sich sträubte, und als sie sich zog,
  Vermaß er sich theuer, vermaß er sich hoch.
                      Bürger.

[S. 198] Eine eigne Bewandnis hat es mit nk und ng. Beide sind Nasenlautverbindnugen; g wird hier nirgends gehaucht ausgesprochen, sondern überall als reiner Weichlaut. In Süddeutschland spricht man nun auch auslautend das g rein aus, d.h. Ding ganz wie dieselbe Silbe in Dingen; in Mittel- und Norddeutschland hingegen hört man hier meist k, Ding wie Dink. so
daß es sich auf Fink reimt:
  Goldnes Kleinod, bis zum Überschwang
  Stündlich neu erfüllt mit Labetrank!
                  Bürger.
  Ihr Mäulchen, sammt dem Zünglein flink,
  Saß ihr am rechten Flecken.
  Sie schimpfte wie ein Rohrsperling,
  Wenn man sie wollte necken.
                  Bürger.

[S. 244] Erscheint nun der einzelne Laut an sich schon bedeutsam und eine bestimmte Gemüthslage an- und aussprechend: so muß es uns noch bedeutsamer erscheinen, wenn der Grundton eines Vokals fortherrscht in einer Reihe von Vorstellungen, und hier mischt sich bei dem genialen Dichter oft charakteristisch der Gedanke mit der hörbaren Form des Lautes; das Ohr vernimmt schon an der Tonfärbung die Gemüthsstimmung, die der Dichter aussprechen will. Wenn z. B. Bürger sagt:
  Es dröhnt´ und dröhnte dumpf heran;
  Laut heulten Sturm und Wog´ um's Haus;
so liegt in dem Vorherrschen trüber und dunkler Vokale eine bedeutsame Charakteristik. Ueberhaupt sind manche Verse und Strophen bei Bürger höchst charakteristisch hinsichtlich der Tonmahlerei, und vielleicht nicht immer ohne Absicht; z.B.
  Horch! ein dumpfes Rufen!
  Und horch! erscholl ein Donnerton
  Von Hochburgs Pferdehufen!
            Die Entführung.
  Vom Stral der Sonntagsfrühe war
  Des hohen Domes Kuppel blank.
  Zum Hochamt rufte dumpf und klar
  Der Glocken ernster Feierklang.
             Der wilde Jäger.
  Hoch bäumte sich, wild schnob der Rapp,
  Und sprühte Feuerfunken.
  Und hui! war's unter ihr hinab
  Verschwunden und versunken.
  Geheul, Geheul aus hoher Luft;
  Gewinsel kam aus tiefer Gruft.
             Lenore.

[S. 249] Das Vorherrschen des L macht die Rede mild und weich; eine Sprache, die diesen Schmelzlaut vor allen andern begünstigte, würde aber doch etwas kraftlos scheinen. Im Deutschen ist L ein sehr gewöhnlicher Laut, der daher oft andere rauhere Laute mildern und der Sprache eine weichere Färbung geben muß.
   Ich will das Herz mein Leben lang
   An Lieb´ und Lob der Schönen,
   Und meine Laute, meinen Sang
   An Lieb und Lob gewöhnen´.

   Denn lange, lange hat es schon
   Anakreon erprobet:
   Nichts bringt dem Sänger süßern Lohn,
   Als wenn er liebt und lobet.

   Wer sich auf Lieb´ und Lob versteht,
   Auf Lieb´ und Lob der Mädchen,
   Der ist und bleibt der Leibpoet
   Am Putztisch, Rahm und Rädchen.

   Wohlan, o Laute! stimme dich
   Zu Lob und Liebessange!
   Kein Mädchenherz verschließe sich
   Vor deinem Zaubertklange. [...] Bürger Lieb´ und Lob der Schönen.”

[S. 256] Lippenlaute.
Oeftere Wiederholung des W kann für den Charakter des Dargestellten sehr bezeichnend werden, da es dann Ausdruck des Harmonischen oder des Auf- und Abwogenden wird.
   Wonne weht von Thal und Hügel,
   Weht von Flur und Wiesenplan,
   Weht vom glatten Wasserspiegel;
   Wonne weht mit leisem Flügel
   Des Piloten Wange an.
            Bürger
  Wohl schwellen die Wasser, wohl hebet sich Wind;
  Doch Winde verwehen; doch Wasser verrinnt.
  Wie Wind und wie Wasser ist weiblicher Sinn;
  So wehet, so rinnet dein Lieben dahin.
              Bürger.

 

1836

Hoffmann, Karl Friedrich Vollrath. Deutschland und seine Bewohner: ein Handbuch der Vaterlandskunde für alle Stände. Erster Band. Digitalisiert von Google

”[S. 690] Matthias Claudius (geb. 1743, gest. 1815) und Gottfried August Bürger (geb. 1748, gest. 1794) suchten den Volkston zu treffen, waren zu ihrer Zeit sehr beliebt, und sind auch jetzt noch Lieblingsdichter eines großen Theils der Nation, namentlich der letztere, der die Sprache des Volkes sehr kräftig zu brauchen wußte.”

 

1836

Anonym. Miszellen. Die neuere italienische Literatur. In: Wochenblatt für Buchhändler, Musikalienhändler und Antiquare. 21. November. Kassel. Digitalisiert von Google

“[S. 373] Die Italiener besaßen bereits eine romantische Poesie, bereichert durch Dante, Petrarka, Ariosto, Tasso, und auch von Monti in den beiden Gedichten: La Bassvilliana und La Mascheroniana, welche Dichter insgesammt die Religion, die Zustände und die Sitten des Mittelalters oder der neuen Zeit schilderten; aber den Namen dafür hatte man noch nicht, und als dieser in Italien erschallte, war es, wie wenn ein Zankapfel in das Reich der Literatur geworfen worden wäre. Der erste, der den Fehdehandschuh hinwarf, war G. Berchet, der eineUebersetzung des wilden Jägers und der Leonore von Bürger herausgab und derselben einen Brief, halb scherzhaft, halb ernst voransetzte, worin er von der Eintheilung der Poesie in classische und romantische redete, und auf die Nothwendigkeit hinwies, dem Beispiel der Deutschen und Engländer zu folgen, deren Dichtungen, dem verschiedenartig ausgeprägten Geist der Zeiten und der Gesittung sich anschließend, die Religion, die Sitten und Zustände der Nation, ja sogar den Aberglauben und die Vorurtheile des Pöbels darstellten, wie Bürger in den genannten Gedichten dies gethan.“

 

1836

Creuzer, Georg Friedrich. Friedrich Creuzer´s Deutsche Schriften, neue und verbesserte. Vierte Abtheilung. Leipzig und Darmstadt.

“ [S. 19] Da wir unsern Rückweg über Gotha und Göttingen nahmen, so wurde auch Gottfried August Bürger besucht, und mit diesem seinem ganzen Namen und mit ´Wahrheit und Schönheit´ steht er in meinem Album; er war aber nur noch ein Schatten seiner selbst, und recitirte damals oft seine Strophe: ´Psyche trank - wie ein Traumgesicht hinab´. Er lebte nur noch drei Jahre.“

 

1836

Wessenberg, Ignaz Heinrich Karl (Freiherr von). Die Lieder des französischen Dichters Beranger. In: Betrachtungen über die wichtigsten Gegenstände im Bildungsgange der Menschheit 

“ [S. 366] In Deutschland würde der Dichter von Volksliedern dieser Art [Beranger] nur Widerwillen erregen. Das sittliche Gefühl fände sich dadurch zu sehr verletzt. Hat doch die deutsche Kritik mehrere Lieder des, vielleicht genialsten unserer Volksdichter, August Bürger deswegen mit strengem Ernst gerügt, weil sich die blos sinnliche Leidenschaft in ihnen zu sinnlich ausspricht. Richtig bemerkt Schiller: das Unsittliche in poetischen Darstellungen müsse, um nicht anstössig zu seyn, aus der Natur des Gegenstandes und nicht aus der Willkühr des Dichters hervorgehen. “

 

1836

Rosen, Friedrich Eduard. Die Kaiserlichen zu Schweinfurt im Jahr 1549, Erster Band. Straßburg. Digitalisiert von Google

“[S. XII] Bei dem Namen der Frühlingszeitung führ plötzlich ein Mann, der vorher mit dem Kopf an die Schranke des Tribunals gelehnt saß, empor, wie Bürgers Leonore aus schwarzen Träumen, und rief aus:
   ´Was ist's mit dem ruchlosen Vogel
   Und seinen Zügelführern?´ “

 

1836

Poggel, Caspar. Grundzüge einer Theorie des Reimes und der Gleichklänge mit besonderer Rücksicht auf Göthe. Münster. Digitalisiert von Google

“[S. 89] Man möge sich dessen erinnern, was schon oben bei Bestimmung des Unterschieds gesagt ist, der zwischen dem Eindrucke des Rhythmus und des Reimes herrscht. Ich habe nur noch weniges hinzuzusetzen. Der Reim ist Ausdruck eines ruhigen mit sich selbst spielenden und sich selbst genießenden Gefühls. Heftige, ungestüme Leidenschaft; schneller Tumult bewältigender Gefühle; klare objective Anschauung, die mit angestrengtem, hellen Auge Formen unterscheidet und malt, sind gleich unpassend zu reimender Darstellung. Denn sowohl Leidenschaft, als reine Anschauung gehen zu sehr auf's Object, als daß der Darstellende die Melodien des eignen Gefühls behorchen und ausdrücken sollte. Wird gleich wohl auch hier der Reim angewandt, so entbehrt er seine tiefste Bedeutung, und wird im besten Falle doch nur Mittel zur architektonischen Gliederung und zum bessern Heraustreten der Hauptvorstellungen. Nun ist hierbei aber nicht zu verkennen, daß der Reim in solchen Fallen besser wegbliebe, und der Dichter gewinnen würde, wenn er, statt Gleichklänge zu suchen, eine reine, plastische und kräftige Darstellung durch Rhythmus und Ausdruck erstrebte. Aber es ist in uns Deutschen einmal das Vorurtheil, als wenn Dichten und Reimen unzertrennliche Dinge wären. Wie viel dadurch die eigentliche Poesie leide, ist unaussprechlich. Der gewöhnliche Reim ist ein wohlfeiler Flitterstaat, der leicht zu haben ist; auch der ärmste kann ihn kaufen. Dichter und Dichterlinge bekleiden ihre Kinder damit: die ersten thuen es oft aus Gewohnheit und nach herkömmlicher Weise; den andern ist er willkommen, weil sie ihre Armuth damit verdecken können. Dadurch aber täuschen diese sich selbst und die Welt: Denn ist der Reim nur in etwa leicht und fließend, so erhält die damit bekleidete Rede den Schein von Poesie. Sie gilt dafür, und verdirbt und verwirrt den Geschmack an wirklich Poetischem. Würde der Reim weniger gebraucht, seine innere Beziehung zum Inhalte des Gedichts bestimmter erkannt; würden die Forderungen an denselben dieser Beziehung gemäß strenger gehalten, wie viele Reimereien würden das Licht scheuen und nie erblicken, welche jetzt für artig gelten und in großen und kleinen Cirkeln beliebt sind. Wie viele würden als arme, dürftige, krüppelige, innerlich und äußerlich verunstaltete Wichtchen verlacht und verjagt werden, die jetzt in guter Gesellschaft, wenn nicht gefallen, doch gelitten sind. Es geht mit dem Reime, wie mit der klingenden Münze und schönen Kleidern. Auch sie geben dem, der sie hat, oft eine Geltung, welche ihm nie und nimmer werden könnte, wenn es nicht Mode geworden wäre, den inneren Gehalt des Menschen nach äußerem Scheine zu messen. Wie daher mancher als ein gewöhnlicher Geselle erscheinen würde, wollte man ihn seines klingenden Metalls und seines Kleiderschmucks berauben, so würde auch manches, was Poesie heißt, nur aus alltäglichen Worten bestehen, wenn man es vom Reime entkleidete. Es hat etwas Gehässiges, einen Armen seines Flitterstaats berauben, und seine Blöße der Menge zeigen; ich will darum das Kind eines Reichen wählen, welches zufällig vernachläßigt, nicht viel mehr von der Poesie besitzt, als solche Flitter. Ich wähle dazu Bürgers Lust am Liebchen:
   Läßt man nun dies Gedichtchen ganz wie es ist, nimmt ihm aber seinen Reim, so erscheint es in einer Armuth, daß man es wirklich nicht
für ein Produkt Bürgers halten möchte.

Wie selig, wer sein Liebchen hat,
Wie selig lebt der Mann!
Er lebt, wie in der Kaiserstadt
Kein Graf und Fürst es kann.

Er achtet seiner Seligkeit
Kein Gut auf Erden gleich.
Er dünkt, verarmt bis auf den Deut,
Sich dennoch krösusreich.

Die Welt mag laufen oder stehn,
Und alles mag rund um,
Kopf unten oder oben gehn!
Was kümmert er sich drum?

Hui, singt er, hui! wer macht aus Wind,
Wer sich aus Regen was?
Nur weh'n und wehen kann der Wind,
Und Regen macht nur naß.

Durch seine Adern kreiset frisch
Und ungehemmt sein Blut.
Gesunder ist er, als ein Fisch
In seiner klaren Fluth.

Ihm schmeckt sein Mahl ; er schlummert süß
Bei federleichtem Sinn,
Und träumt sich in ein Paradies
Mit seiner Eva hin.

In Götterfreuden schwimmt der Mann,
Die kein Gedanke mißt,
Der singen oder sagen kann,
Daß ihn sein Mädchen küßt. —

Doch ach! was sing' ich in den Wind
Und habe selber keins?
O Evchen, Evchen, komm' geschwind.
O komm' und werde meins.

Wie selig, wer sein Liebchen hat,
Wie selig ist der Mann !
Er lebt, wie es am Königsthron
Kein Graf und Fürst vermag.

Er achtet seiner Seligkeit
Kein Gut auf Erden gleich.
Er dünkt bis auf das Blut verarmt
Sich dennoch hoch und groß.

Die Welt mag laufen oder stehn,
Wenn alles auch rund um,
Kopf unten oder oben geht,
Was kümmert ihn die Welt?

Hui, singt er, hui! wer macht aus Wind,
Wer sich aus Regen was?
Der Wind der kann nur wehn und wehn
Der Regen macht nur feucht.

Durch seine Adern kreiset warm
Und ungehemmt sein Blut;
Gesunder ist er als ein Fisch
In seinem klarem Bach.

Ihm schmeckt sein Mahl; er schläft so gut
Bei federleichtem Sinn,
Und träumt wohl in ein Paradies
Mit seiner Eva sich.

In Götterwonne schwimmt der Mann,
Die kein Gedanke faßt,
Der singen oder sagen darf,
Daß ihn sein Liebchen küßt. —

Doch ach, was sing' ich in den Wind
Und habe selber keins?
O Evchen, Evchen komm' recht bald
O komm' und werde mein. —

Solcher und noch mittelmäßigerer Dichtungen giebt es die Menge, welche blos dem Reime ihr bischen Ehre verdanken. An und für sich ist es nun gar nicht zu tadeln, daß sie diesen künstlichen Reiz zu Hülfe ziehen, um dem einen oder andern aus der Menge zu gefallen; denn die Kinder wollen ja doch auch gerne Lieder hören, und da sie gute Sachen nicht verstehen, warum soll man ihnen nicht heia, pupaia vorsingen? Aber es wäre nur für die Poesie im Allgemeinen besser, wenn es gar nicht erlaubt wäre, irgend wo eine Form zu gebrauchen, wo sie der Gehalt nicht nothwendig fordert, oder wo sie nicht in voller Bedeutung gelten darf und kann. Die Poesie würde dadurch genöthigt, jedesmal durch das Wesentliche ihrer besonderen Art zu gefallen, und gehindert, das Mangelhafte, was darin waltet, durch allgemeinen Schmuck zu verhüllen. “

 

1836

F. D. Der Zweikampf. In: Museum der eleganten Welt, 27. April. München. Digitalisiert von Google

“ [S. 536] ´Kein Wort!´ entgegnete ich, und erzählte ihm auf sein Befragen in aller Kürze mein Ergehen, die manigfachen Begebenheiten, die in den wenigen Stunden sich zusammendrängten, und bat ihn endlich, mir mitzutheilen, was er von Jülietten wisse.
  ´Geduld, Geduld, wenn's Herz auch bricht!´ sprach er halb launig, halb ernst, und strich gedankenvoll den Bart. “

 

1836

Pückler-Muskau, Hermann von. Unschuldige Politik. In: Briefe eines Verstorbenen. Dritter Theil. Stuttgart. Digitalisiert von Google

“[S. 378] Apropos, wer ist der sehr kluge Minister, von dem H. spricht? Aha, ich errathe - aber die Minister sind ja schon ex officio so klug, daß man schwer wissen kann, welchen sie meint, den überständigen dagegen errieth ich auf der Stelle, sowie den armen, dermalen horizontalen, dessen Krankheit mich herzlich betrübt, denn gesund steht er, meiner Meinung nach, gar sehr perpendiculair, hoch über Mißgunst und Neid, durch Würde des Charakters, wie Geschäftserfahrung und Fähigkeit. Es giebt dagegen in der That einige Staatsbeamten bei uns, denen man jeder Zeit versucht wäre, mit Bürgers Leonore zuzurufen: Bist lebend, Liebster, oder todt? “

 

1836

Vollständiges Bücher-Lexicon enthaltend alle von 1750 bis zu Ende des Jahres 1832 in Deutschland und in den angrenzenden Ländern gedruckten Bücher. Sechster Theil U-Z. Leipzig. Digitalisiert von Google

“Brückner, J. J.  v. Falkenstein, der Junker Rudolph. Gegenstück zu der Pfarrers Tochter v. Taubenheim, 8. Leipz. Joachim “

 

1836

Schilling, Gustav. Der Hofzwerg. Dresden. Digitalisiert von Google

“[S. 170] Das heftige, phantasiereiche, aus dem Himmel der Gegenwart so plötzlich herabgefallene Lottchen sah jetzt bereits im Voraus die Kirche überfüllt, auf jedem Antlitze die gespannte Erwartung, den Trauten auf dem Prediger-Stuhle, von dem heutigen Unfalle gestört und entmuthigt. Sie sah ihn, bald nach dem Kanzelliede, wie jetzt erblassen, stottern, lallen, verstummen, endlich die Treppe herabwanken und geberdete sich, von diesem Wahne zermalmt, wie des Pfarrers Tochter zu Taubenhain. - Ermanne Dich! rief er und sprang auf [...]. “

 

1836

Bechstein, Ludwig. Paris. In: Die Reisetage. Zweiter Theil. Mannheim. Digitalisiert von Google

“[S. 69] Was die Gemäldegallerie im Luxembourg betrifft, so möchte ich weder den Katalog ausschreiben, noch meine Leser mit Urtheilen ermüden, die ihnen andern Orts oft so häufig und gleich unwillkommen aufgedrungen werden. Die Maler der neuen Schule Frankreichs streben nach Großartigkeit in der Auffassung ihrer oft gigantischen Tableaux , fallen aber in der Ausführung häufig in eine unleidliche Manier, und der beabsichtigte Effekt, den der Maler durch kühne Zeichnung und grelle Farbengebung erreicht glaubt, geht in der Seele des denkenden Beschauers verloren. Von ergreifender Wirkung sind unter andern: die berühmte Mamelucken-Schlacht von Horace Vernet, wo die Figur des Mohamed-Ali-Pascha im Vorgrund besonders anzieht; ein Schlachtgemälde von Eugen de Lacroix voll grausigen Lebens. Ein Kind trinkt an der todten Mutter, das Roß des Türken bäumt sich wild empor, es wird zerstampfen, was nicht vom Schwert fiel, an des Rosses Schweif ist ein Jüngling gebunden, der mit der Verzweiflung letzter Kraft die Bande zu sprengen sucht, die ihn fesseln.

[S. 71] Die Gefangennehmung der Charlotte Corday ist nicht minder schön; die Heldin geht bleich und ernst ihren Gang. Es ist kein Blut an ihrer Hand; sonst thun es die Franzosen nicht leicht ohne Blut. Im Hintergrunde liegt der gemordete Wüthrich.
   Von dem vielen Mittelmäßigen und Schlechten, was man des Aufbewahrens in dieser Gallerie würdig erachtet hat, führe ich nur ein Bild an: Bürgers Lenore. Fratzenhaftunsinnigeres ist mir noch nie vorgekommen. Man würde über das Bild lachen müssen, hinge es anderswo, hier aber erregt es Bedauern, denn es beurkundet den Geist und Geschmack, mit welchem für diese Gallerie gesammelt wird, und die Richtung, welche die neue Malerschule Frankreichs nimmt. Der Himmel gebe nur, daß diese nicht solche Nachahmung bei uns findet, wie die Richtung in der belletristischen Literatur, die uns mehr als einen Kocytus voll unsaubern Schlammes, voll Gift und Geifer zuzuführen droht.“

 

1836

Dr. Wolf. Vaterländische Briefe. In: Bayerische National-Zeitung, 31. Januar. München . Digitalisiert von Google

“[S. 75] München, 30. Jan. [...] Darum muß aber auch ein solcher Mann, vertrauend auf die Würde seiner Stellung und seiner Pflicht, derlei Angriff verachten und mit der Überzeugung darüber hinwegsehen, daß eben das die schlechtesten Früchte nicht sind, woran die Wespen nagen und daß seine Leistungen am Allerwenigstern durch ekelhafte Sudeleien in den Augen derer, die dieselben kennen und nur vom Standpunkte der Humanität aus würdigen, verdächtigt, mit Haß, Bosheit oder Neid besudelt zu werden vermögen.“

 

1836

Anonym. [Rez.] Sieben Lieder für eine Baryton- oder Altstimme, mit Begleitung des Pfte., componirt von Constantin Decker. In: Iris im Gebiete der Tonkunst, 23. December. Berlin. Digitalisiert von Google

“[S. 207] Die Auswahl der componierten Gedichte bekundet den Mann von Bildung; es ist kein schlechtes darunter. Zu launigen, heiteren Darstellungen scheint der Componist am wenigsten gestimmt; das Gedicht von Bürger [Liebeszauber], welches wir in dieser Gattung auffassen möchten, befriedigt uns wenigstens am mindesten. “

 

1836

M - sto. Die Bierreise. Erste Aventüre. In: Der Morgenstern. Solothurn. Digitalisiert von Google

“[S. 307] Unwillig in meinen Andachtsübungen mich gestört zu sehen, gebe ich keine Antwort, da pocht es noch einmal stärker, und mit einer seltsamen
rauhen Stimme, halb Gesang, halb Recitativ ertönten die Worte:
     Holla, holla, wach auf mein Kind!
     Schläfst Liebchen oder wachst du?
Nun wieder drei Schläge an die Thüre, daß meine an der Wand hängenden Pfeifen unruhig zu werden anfingen, und die Weingeistflamme unter meiner Kaffeemaschine hin und her flackerte, und dann wurde es wieder ganz stille. “

 

1836

Tietz, Friedrich von. Erinnerungs-Skizzen aus Rußland, der Türkei und Griechenland. Erster Theil. Coburg und Leipzig. Digitalisiert von Google

“[S. 135] Eben so viel vierfüßige Beförderungsmittel hatte mein Reisegefährte, Herr von F., Sekretair bei der russischen Ambassade in Konstantinopel, vor seine Kalesche erhalten. Doch ging es auch dafür trotz der negativen Chausse so, daß Kies und Funken stoben, wenn es anders möglich gewesen wäre, in dem ellentiefen Kothe einen Stein zu finden, ans dem die Friktion der eisenbeschlagenen Räder etwas Feuerähnliches hätte herauslocken können. “

 

1836

Fink, G. W. Von der Phantasie als Grundwesenheit der Kunst. In: Allgemeine Musikalische Zeitung, 6. April. Digitalisiert von Google 

“[Sp. 220] Es gibt eine Puppe, die man Phantasie nennt; die hat der Mensch in seiner Kinderei gepuppt u. ist die rechte nicht, ist todt in sich selber. Mit dieser spielen etliche kleine u. grosse Kinder nicht wundersames, sondern dummes Zeug. Sie erheben sich nicht zur Himmelstochter, denn sie kennen sie nicht, sondern fallen in den Abgrund ihrer eignen Schwerfälligkeit und ringen sich da herum unter Leichen u. Finsterniss, wähnend, sie führen mit Lenoren um's Morgenroth. “

 

1836

Schilling, Gustav. Leanders Irrfahrten. In: Sämmtliche Schriften, Neun und vierzigster Band. Dresden und Leipzig. Digitalisiert von Google

“[S. 67] Sein Gesicht glich den Larven, die uns im Fiebertraum anschnauben, und Kinn und Nase waren spitz und beweglich genug, einen Zaunkönig im Fluge zu spießen. Die Finger klapperten gleich dem Gesindel in Bürgers Lenore und ging er über Land, so mußten ihm die Obstgärtner Dank wissen. Also erschien derselbe, zum mindesten im Augenblicke, der aufgeregten Phantasie des Sehers, der seine Pulse klopfen hörte.”

 

bis 1789    1790-1799    1800-1806    1807-1815    1816-1821    1822-1825    1826-1828    1829-1831    1832-1836    1837-1840    1841-1845
1846-1850    1851-1855    1856-1858    1859-1861
 
  1862-1865    1866-1870    1871-1899    1900-1949    ab 1950



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04022017-170