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Bürger-Rezeption
 

Bürger-Rezeption Volltexte 1816-1821

bis 1789
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  1862-1865    1866-1870    1871-1899    1900-1949    ab 1950


 

1816

Krämer, August. Joseph Franz Freyherr von Goez. Ein biographisches Fragment. Digitalisiert von Google.

“[S. 11] So kam er [von Goez] im Jahre 1779 nach München, wo er einige Zeit mit Benutzung der Gallerie verweilen wollte. Hier machte er die Bekanntschaft des verdienstvollen Gallerie-Directors zu Düsseldorf, Hofkammerraths Krahe, der ihn bey einer zu errichtenden Kunst-Akademie vorteilhaft anstellen wollte, das sich aber Goez verbat. Auch fing er zu München den Versuch einer zahlreichen Folge leidenschaftlicher Entwürfe für Kunst und Schauspiel-Freunde nach der Ballade: Lenardo und Blandine an, die nachher seinen Namen als vortrefflichen Charakterzeichner in ganz Deutschland bekannt machten, und worüber ihm Meusel und Nicolai ein so grosses Lob ertheilen. Die Veranlassung zu diesen Charakter-Darstellungen war folgende: Freyherr von Goez machte aus dieser Bürger´schen Ballade ein Melodram, welches komponirt und auf dem Theater zu München aufgeführt wurde. Der Künstler betrachtete nachher diesen Gegenstand in Hinsicht auf den Ausdruck leidenschaftlicher Bewegungen, und entwarf über dieses Melodram 160 Zeichnungen von dem Ausdruck und der Stellung, wie er solche sich nach der Fortschreitung der Leidenschaft bei jeder merkwürdigen Stelle dachte. Er radirte selbst diese 160 Blätter, begleitete sie mit einer lehrreichen Erklärung jeder Vorstellung, und gab sie im Jahre 1784 heraus. Diese Blätter sind nicht so bekannt geworden, als sie es verdient hätten. Sie können zu sehr interessanten Untersuchungen über Mimik Gelegenheit geben. Die Blätter des Freyherrn von Goez sind voll Geist, und zeigen, so wie die beygefügte Erklärung, dass er über den Ausdruck der Leidenschaft viel nachgedacht hat.”

 

1816

Anonym. [Rez.] Cornelia. Taschenbuch für deutsche Frauen auf das Jahr 1817. In: Zeitung für die elegante Welt. Leipzig.  Digitalisiert von Google

“[Sp. 1333]
 G. A. Bürger, drei Epigramme, und darunter
          Friedrich.
  Mein Friedrich braucht bei seinem ganzen
  Regierungswesen lauter Franzen.
  Nur Ein Geschäft ist noch, das er durch Deutsche thut:
  Im Siegen braucht er deutschen Heldenmuth.“

 

1816

Anonym. Russische Journalistik. Aus St. Petersburg. In: Ernst und Scherz oder der alte Freimüthige, 12. Oktober. Berlin. Digitalisiert von Google

“[S. 188] Dabei sind diese Bemerkungen sehr kurz, und man sieht ihrem Verfasser das Jagen nach Witz, gleich den französischen Journalisten, an. Leider sollen diese Bemerkungen vom Herausgeber selbst seyn, der nie die Gelegenheit vorbeigehen läßt, seinen Hn. Collegen Seitenhiebe zu versetzen, und da er es versteht die Lacher auf seine Seite zu ziehen, meistens die Oberhand zu behaupten scheint. Fast alle Streitigkeiten, die er bestanden hat, sind von ihm selbst herbeigeführt. In einem der letzten Hefte befindet sich eine heftige, niederschmetternde Kritik einer neuen Uebersetzung von Bürgers Lenore, die doch er selbst in sein Journal aufgenommen hatte. Wir sehen nach diesem Anfalle einem heftigen Kriege entgegen, da der Übersetzer selbst ein Mann von Talenten ist, und wahrscheinlich diese Journalisten-Höflichkeit nicht unbeantwortet lassen wird.

 

1816

Gubitz, Friedrich Wilhelm. Die Prinzessin. Lustspiel in fünf Akten. Berlin. Digitalisiert von Google

“[S. 139] Typus. Weib, deine Schleichersche Klatschsucht, die Dich gleich wieder mit dem ganzen Dorfe verschwisterte, hat einmal einen herrlichen Streich gemacht, daß sie mir den Pachter Ritter zuführte. Da trink! Aechter Wein ist ächtes Oel zur Verstandeslampe! sagt Bürger; trink, vielleicht kriegst du Verstand! (gibt ihr Flasche und Glas.) Ist denn aber äußer dem Militair kein menschliches Wesen in der Nähe, mit dem ich meinen Uebermuth theilen kann? “

 

1816

Weisser. Anpreisung der Bücher-Vielheit. In: Morgenblatt für gebildete Stände. 9. Mai. Digitalisiert von Google

“[S. 446] Bey Wieland, der die Väter entzückte, können die klügern Söhne nur gähnen. Was ist der Welt gleichgültiger, als Engels Philosoph für sie. Das Volk, für welches weiland Bürger seinen Volksgesang erschallen ließ, liegt mit ihm unter der Erde. Miller und Hölty sind Poeten - gewesen, und wenn ihr irgend noch ein Lied von ihnen am Klavier ertönen hört: so kommt es sicher aus der Kehle einer in Ruhestand versetzten Kammerjungfer. “

 

1816

Anonym. Carl Ludwig von Woltmann. In: Zeitgenossen, Ersten Bandes Zweite Abtheilung. Leipzig und Altenburg. Digitalisiert von Google

“[S. 148] Mit unbeschreiblicher Wehmuth trennte er sich von Bürger, der ihm von seinem Sterbelager die dürre Hand mit dem heftigsten Druck und den Worten reichte: ´gehe Ihnen es besser unter den gelehrten Zünftlern, wie es mir gegangen!´ Seine Stimme war schon lange wie aus dem Grabe; sonst voll von Metallklang, und zur lyrischen Deklamation seinem reifen Studium über den Versbau gewachsen und gehorsam, war sie von der Zeit an durch Heiserkeit gelähmt, als er mit Sicherheit entdeckte, wie wenig seine letzte Frau seines ursprünglichen Naturadels und seines Ruhmes werth sey. Als er diese Entdeckung schon voraussah, mehr als vermuthete und seine bürgerliche Ehre ganz zerrüttet glaubte, grämte ihn bei erschöpfter Gesundheit über alle Maaßen auch sein Wahn, daß seine dichterische, durch die bekannte Kritik Schillers ebenfalls zerrüttet sey. Seit jenem Zeitpunct war die Hoffnung des Lebens von ihm geschwunden, die er noch als ein Erbtheil von Molly hatte, jener nach dem Urtheil edler und feiner Männer so wahrhaftig edlen, als anmuthigen Frau.“

 

1816

Kotzebue, August von. Der neue Machiavell. In: Politische Flugblätter. Zweiter Band. Königsberg. Digitalisiert von Google

“[S. 221] Wie, wenn nun der Krieg nach Buonaparte's Wunsche mit Rußlands Untergang geendigt hätte, wäre Buonaparte berechtigt gewesen, zum Könige von Preussen zu sprechen: ´unser Tractat war nur ein Interims-Vertrag? war nur für den besondern Zweck der Theilnahme an dem Kriege mit Rußland abgeschlossen? jetzt will ich ein permanentes Arrangement treffen, dem jener Vertrag nicht zum Hinderniß gereichen kann?´- O ja, ich glaube wohl, daß Buonaparte so gesprochen haben würde, aber Herr Professor Voß sollte nicht so sprechen. Die Politik der Großen ist ohnehin stets geneigt, die Moral zu verhöhnen, wenn nun vollends politische Schriftsteller in dasselbe Horn blasen, so verschwindet auch noch jede Scheu vor der öffentlichen Stimme. Fürwahr, ein politischer Schriftsteller, der nicht stets die Rechtlichkeit im Auge behält, kann mehr Schaden anrichten, als ein Lazarethfieber. In dieserHinsicht ist mir die einzige Zeile aus Bürgers Gedichten; ein Fürstenwort soll man nicht drehn noch deuteln, lieber als ein ganzer Band der Zeiten von Voß. “

 

1816

Hanisch. Der Liebesritter. In: Mannichfaltigkeiten aus dem Gebiete der Literatur, Kunst und Natur. 3. April. Stuttgart. Digitalisiert von Google

“[S. 47] Sein lederner Schimmel wurde vorgeführt, wie ein Held schwang er sich in den alten Sattel, daß beide, Roß und Sattel knackten -
     Und hurra! hurra! Hop, hop, hop!
     Giengs fort in saußendem - Gallop?
[...] Ihr Götter! rief er endlich - ich muß sie besitzen, oder sterben! Er mas, wie schon gemeldet, mit großen Schritten die Schreibstube, und d achte. - Gefunden! schrie er endlich, indem er einen ungeheuern Bockssprung machte, daß der Staub von den Akten flog und ein gipserner Mops auf dem Ofen verwundernd mit dem beweglichen Kopf wackelte. - Der Plan war fertig.
      Knapp! sattle mir mein Dänenroß,
      Daß ich mir Ruhe reite;
      Es wird mir hier zu eng im Schloß,
      Ich muß hinaus ins Weite. -
deklamirte er aus ziemlich unsicherm Gedächtniß mit fechtenden Händen, und schlug beinahe dem eintretenden Amtsdiener den Kaffee aus den Händen.“

 

1816

Bredow, Gabriel Gottfried. Die falsche Agnes. In: Nachgelassene Schriften. Breslau. Digitalisiert von Google

“[S. 349] Der Graf. (dazutretend und Agnes und H. v. Blum's Hand ineinander legend)
         Auf, wechselt Ring' und Hände;
         Und damit Lied am Ende.
Ihnen aber, mein Herr von Blum - kennen Sie denn den alten Kameraden wieder? - meinen herzlichsten Glückwunsch! Sie sind des Mädchens werth; und das Mädchen verdient einen Mann wie Sie.“

 

1816

Arnold, Ignaz Ferdinand. Zumsteeg, Johann Rudolf. In: Gallerie der berühmtesten Tonkünstler des achtzehnten und
neunzehnten Jahrhunderts, Erster Theil Erfurt. Digitalisiert von Google

“[S. 146] Am bekanntesten unter allen hat sich gewiß Des Pfarrers Tochter von Taubenhayn gemacht. Das Gedicht von Bürger - ein wahres Volksgedicht - ein veredeltes Bänkelsängerlied, bei dem nur das Wachstuchbild fehlt, mußte dieser vortrefflichen, mit Recht allgemein geschäzten Musik die allgemein günstige Aufnahme verschaffen, in der sie sich von ihrem Bekanntwerden, das noch in Zumsteegs frühere Periode gehört, bis jezt erhalten hat, und gewiß erhalten wird, so lange sich der Geschmak an schönen Balladen erhält.
     Der Eingang kündigt gleich mit Schauer in der dumpfen Tonart F moll und dem gewichtigen 6/4 Takt im hohlen Unisono den Spuk an, den der Vers erzählt:
   ´Im Garten des Pfarrers von Taubenhayn
   Gehts irr bei der Nacht in der Laube´
Bang schleichend und dabei so verhalten grausig, als wenn uns bei Mondenlicht die Haare zu Berge stehen, wenn wir etwas Unheimliches zu vernehmen glauben, ist das Hin- und Herschleichen der Unisoni in den höhern Oktaven in As dur im gleich nachfolgenden Sazze:
   ´Es schleicht ein Flämmchen am Unkenteich
   Das zittert und flimmert so traurig
   Da ist ein Pläzchen da wächst kein Gras
   Das wird vom Thau und Rezen nicht naß.
Hohl und vereinzelt. Schön gemalt mit der Neigung in ges, und den tremolirenden Sechsehntheilfiguren ist die Stelle:
   Da wehen die Lüftchen so schaurig.
Man fühlt das Wehen kalter Lüftchen, in des Pfarrers verwildertem Garten in der feuchten Laube. Sanft und traulich erzählend der folgende Abschnitt in F dur 2/4:
   Des Pfarrers Tochter zu Taubenhayn
   War schuldlos wie ein Täubchen.
Welch romantische Melodie zu den Versen:
   ´Von drüben herüber von drüben herab
   Dort jenseits des Baches am Hügel´
und den folgenden, die einerlei Gefühl halten. 6/8 F dur. Ich übergehe die folgenden Stellen, zumal die der schreklichen Leidenschaft des Vaters:
   Er hieb sie das schallte so schreklich und laut
   Er hieb ihre sammtene Lilienhaut
   Voll schwellender blutiger Striemen.
Man kennt sie, und sie bieten sich auch auf den ersten Blik dar. Der fürchterlichen Malerei des Verses:
   ´Sie krazte mit blutigen Nägeln ein Grab´
in Es moll ist schon Erwähnung geschehen, Wirklich empörend ist der Ausruf bezeichnet:
   O Jesu! mein Heiland was hab ich gethan!
Daß die Romanze eben so schließt, wie sie begann, ist der Natur der Sache sehr angemessen, denn die Spukerei ist in den lezten Versen wiederholt. Der Dichter hat dem Komponisten gute Gelegenheit gegeben seine Komposizion zu konzentriren, und immer wieder auf den herrschenden Hauptgedanken zurükzuführen. Was nach Erzählung der Spukerei folgt vom zweiten Verse bis zum vorlezten ist ja doch nur Erzählung ihrer Veranlassung, und die beiden leztern erklären den Spuk, der in beiden ersten erzählt wurde.

[S. 150] Lenore.
Ballade von Bürger, und schon früher von André in Musik gesezt. Sie ist von bedeutender Länge, und es gereicht Zumsteeg unstreitig zu großem Verdienst, daß er seine untergelegte Klavirbegleitung so schön einzurichten verstand, daß weder der Vortrag der Singparthie für den Sänger zu mühsam, noch durch jene eine Ausdehnung erhielt, die den Zuhörer ermüden könnte. Man findet darin nicht eine einzige überflüssige Wiederholung oder ein Ritornell, das ohne Bedeutung wär. Die Schreibart ist, bei ihrer Korrektheit durchaus rein dramatisch, die Klavierbegleitung ungekünstelt, sprechend und an einigen Stellen äußerst frappant. Der ganze Plan ist meisterhaft angelegt, und mit genialer Einsicht und vielem Fleiße vom Anfange bis zum Schlusse ausgeführt. “

 

1816

Wendt, Amadeus. C. T. Körner. In: Zeitgenossen. Biographieen und Charakteristiken. Erster Band, Leipzig und Altenburg. Digitalisiert von Google

“[S. 18] Der Verfasser suchte dieß insbesondere auf eine Ballade anzuwenden, die ihm Körner im ersten Entwurfe vorlas, und die er in dem poetischen Nachlaß Körners unter dem Titel Wallhaide wiedergefunden hat. Sie erinnert lebhaft an Bürgers Leonore.*)

*) Eben als der Verf. diese Schilderung vollendet, kommt ihm das Stück der Allg. Lit. Zeit. (Nro. 104. der Ergänzungsblätter z. J. 1815) in die Hände, in welchem ein einsichtsvoller Recensent den zweiten Theil von Körners poetischem Nachlaß beurtheilt. Der Verf. sieht hier nicht nur sein Urtheil bestätigt (Treuröschen und Wallhaide, heißt es, sind verunglückte Bürgerische Leonoren, gespenstische Nachahmungen, in welchen kein höherer Sinn liegt und die poetische Gerechtigkeit mangelt), sondern freut sich überhaupt, nach so vielerlei Lobreden, endlich auch in Urtheil über Körners dichterischen Charakter zu finden, [...]. “

 

1816

Anonym. Neu durchgesehenes Verzeichniss der verbothenen deutschen Bücher, Wien. Digitalisiert von Google

“[S. 72] Bürgers (G. A.) Ehestands Geschichte. Berlin und Leipzig, 1812. 8.
       Bürger, (Elis., geb. Hahn) mein Taschenbuch den Freundlichen meines Geschlechts geweiht. 2. Bändchen. Pirna 1804. 8.

[S. 171] Junker (Der) Rudolf von Falkenstein. Gegenstück zu des Pfarrers Tochter von Taubenhain. Neuburg und Arnheim. 8.”
 

1816

Weissenbach, Aloys. Abreise von Hause. In: Meine Reise zum Congreß. Wahrheit und Dichtung, Wien. Digitalisiert von Google

“[S. 7] Der Wagen ist gepackt, der Schwager treibt fortzukommen, wenn wir heute noch bey Zeiten bey Herrn Dechant Fr..r einkehren sollen; mit diesen Worten führte mich Frau Trautel*) zur Thüre hinaus, über die Treppe hinunter; wir stiegen ein, und das Gerassel der Räder ruft, wie immer in kleinen Städten, wo eine Kalesche die Haupterscheinung des Tages werden kann, Menschen genug an die Fenster, und manche freundliche Hände und Blicke winkten: uns glückliche Reise herab.

*) So hab ich meine Frau getauft, eingedenk des Bürger'schen Liedes: Mein Trautel hält mich für und für in festen Liebesbanden; auch darum, weil dieser Nahme nicht, wie der ganze übrige weibliche Kalender, französisch geworden ist. Mit den Frauentrachten möchten auch gern die Frauennahmen deutsch werden. Ach, wenn nur die Herzen. die Gesinnungen wieder heimisch wären! Nahme und Tracht kämen dann leicht dazu.”

 

1816

Voss, Julius von. Scharfrichter und Schneider als Nebenbuhler. In: Bunte Gemälde mit launigem Pinsel, Berlin. Digitalisiert von Google

“[S. 156] Es mochte ungefähr acht Grad Kälte seyn, Frau Magel übte den Gebrauch des Heitzens aber wenig. Strenge Wintertage, wie der heutige, zeichnete man blos dadurch aus: daß statt des gewohnten kalten, ein warmes Frühstück - ein Süpplein von Mehl oder dünnem Bier - gegeben wurde. Die vom spärlichen Kochen übrige heisse Torfasche brachte Frau Magel in ein uralt messingnes Gefäß, das sie Feuerstübchen nannte. Sie glaubte mit Boerhave, das Haupt müsse die Gesundheitspflege kühl halten, und so war es schon nach ihrem Sinn, vom Winterwind - den schadhafte, hie und da mit Papier geflickte, Fenster nicht viel mehr abhielten, als der durchsauste Hagedorn in Bürgers Ballade - oben umstürmt zu seyn.”  
 

1816

Poetische Seltenheiten. In: Witzfunken und Lichtleiter, Leipzig. Digitalisiert von Google

"[S. 151] Der Dichter Bürger wurde einst vom Hofrath Lichtenberg gefragt: Ob die Ovidischen sinnreichen Verse
   Si, nisi quae forma poterit te digna videri,
     Nulla futura tua est, nulla futura tua est.
von welchen Morris im Englischen folgende zwei Uebersetzungen versucht hatte:
   1. If, but to one that's equally divine
       None you'll incline to: you'll to none incline.
   2. If, save whose charms with equal lustre shine,
       None ever thine can be: none ever can be thine.
besser, oder eben so gut verdeutscht werden könnten?
   Ersterer schrieb sogleich unter das Blatt der Anfrage:
   ´O ja! verte;´ und auf die andere Seite fünf Versuche aus dem Stegreife. Die ersten dreie lauteten also:
 1. ´Wenn außer Wohlgestalt, vollkommen, wie die Deine,
    Dein Herz nicht Eine rührt: so rührt dein Herz nicht Eine.´
 2. ´Wenn außer einer Braut, der deine Reize fehlen,
    Du keine wählen darfst: so darfst du keine wählen!´
 3. ´Wenn außer der, die dir an Schönheit gleicht auf Erden,
    Dein keine werden kann: so kann dein keine werden!´”

 

1816

Anonym. Oehlgemälde. In: Kunstwerke, öffentlich ausgestellt im Gebäude der Oesterreichisch-kaiserlichen Akademie. Digitalisiert von Google

"[S. 14] Landschaft mit einer Ritterburg. Nach Bürgers Lied von der Treue. Von Schödlberger."
 

1816

J. E. M. [Rez] Zwölf einstimmige Gesänge mit Begleitung der Guitarre oder des PianoForte von F. X. Eisenhofer. In: Unterhaltungsblatt, Augsburg. 16. Juni. Digitalisiert von Google

”[S. 200] Meine Stimmung dabei vergleiche ich mit der, welche mich ergreift, wenn ich in U. v. Lichtenstein's ´Frauendienst´ die muntern anmuthigen Lieder lese, mit welchen dieser Sänger seiner zweiten Freundin huldiget. Der freudige Wonnetaumel, welcher in Bürgers Hochliede ´Von der Einzigen´ mit hinreisset, wollte freilich auch in diesem Gesange nicht dargestellt werden.”

 

1816

Müller, August. Logogriph. In: Neue Jugend-Zeitung, Montags, den 10. Juni. Digitalisiert von Google

“[Sp. 530] Logogriph.
Ich bin ein schlauer Dieb und Würger;
Lips nannte mich der Dichter Bürger,
Und meines Bruders, Murners Tod,
Der, von dem Knotenstock bezwungen,
Die Erde färbte blutig roth,
Hat Zachariä brav besungen. -
Setz' eine Ribbe mir noch ein,
Flugs spei' ich Feuer, Erz und Stein
Und schleud're den Tod in's blühende Leben,
Daß Menschen und Thiere darob erbeben.
                Aug. Müller”

 

1817

Meinert, Joseph George. Alte teutsche Volkslieder in der Mundart des Kuhländchens. Digitalisiert von Google.

“[S. 429] Lenore, worin die Idee der über das Grab fortdauernden Liebe schon travestirt erscheint. Das Widerliche davon fühlte Bürger, aber sein reichgeschmücktes Gedicht steigert die liebende Sehnsucht zum Verbrechen und erfüllt uns mit allen Schauern einer höllischen Hinrichtung, während das einfache, alte, ["Der todte Freier" in dieser Sammlung] versöhnend und verklärend schließt.”

 

1817

Anonym. Die Inseln Norderney und Helgoland. In: Zeitung für die elegante Welt. Leipzig.  Digitalisiert von Google

“[Sp. 261] Dem ungeachtet aber ist die Insel Helgoland doch noch immer durch ihre so ganz eigenthümliche Lokalität höchst interessant, und besonders von Hamburg aus, von wo einst auch unser unvergeßliche Bürger (wahrscheinlich der einzige deutsche Dichter, der je hieher gekommen ist), in Gesellschaft seines Verlegers, des Buchhändlers Dietrich, eine Reise dahin machte, in mehr als einer Hinsicht des Besuches werth. “

 

1817

Anonym. Noch ein Wort über die Vorstellungen der Stände des Thüringischen Kreises, und der Stifter Naumburg und Zeitz, an den König von Preußen . In: Beilage zum Oppostions-Blatte, Weimar 20. Januar. Digitalisiert von Google

 “[Sp. 44] Ueberdem haben die Stände auf verbessernde Neuerungen kein jus quaesitum, wohl aber auf Erhaltung des Bestehenden, die ihnen, insoferne letzteres nicht durch Besseres ersetzt wird, mittelst eines Königswortes zugesichert ist, das man, wie Bürger in den Weibern von Weinsberg sagt, nicht drehn noch deuteln soll.“

 

1817

Weisser, Friedrich. Sämmtliche Werke, Erster Theil. Stuttgart und Tübingen. Digitalisiert von Google

“[S. 154 Geistesfreyheitslied]
   Wohl mag des Knaben Wunderhorn,
   Wer Lust hat, gar verschlingen!
   Mich laßt ein Lied von Hagedorn,
   Von Voß und Bürger singen! 

[S. 368 Der selige Mann.]
   Den guten Lips, mit dem einst Hymen sie verband,
   Ihn wußte kaum genug Frau Magdalis zu loben;
   Zum Himmel, wo er sich seit Jahr und Tag befand,
   Zum Himmel selbst ward er erhoben.
   Dein Lob, mein Schatz! es wird bestätigt auch von mir,
   Erwiedert, wer? - der Gatten zweyter ihr,
   Der Selige, fürwahr! er fand nicht Seines gleichen;
   Ich selbst, so gut ich bin, ich selber muß ihm weichen,
   Und daß er nimmer lebt, gar traurig ists für Dich,
   Allein noch trauriger für mich. “

 

1817

Brentano, Klemens. Zueignung von Gockel, Hinkel, Gackeleia. In: Arnim, Klemens und Bettina Brentano, J. Görres. Zweiter Teil. Stuttgart. Digitalisiert von Google

“[S. 347] Er beugte sich wie der immer blühende und fruchtende Christbaum einer derben sachlichen Vorzeit über einen gähnenden Abgrund und über den von Seufzern zerrissenen Zaun der Gegenwart bis zu der sehnsüchtigen Jasminlaube der Pfarrerstochter von Taubenheim hin, welche beschäftigt war, den kaum verbleichten himmelblauen Frack Werthers und dessen strohgelbe Beinkleider auf dem Grabe Siegwarts gegen Mottenfraß auszuklopfen und abwechselnd den bei der Urne seiner Geliebten verfrorenen Kapuziner nach den Methoden des Miltenberger Not- und Hilfbüchleins aufzutauen, während Karl Moor seine bleichgehärmte Wange an einen Aschenkrug lehnend ihr Mathissons Elegie in den Ruinen eines alten Bergschlosses vorlas und seitwärts ein Verbrecher aus Ehrfucht mit Lida Hand in Hand im Mondenschimmer am Unkenteich Irrlichter weidete und nimmer vergaß, was er allda empfand.“

 

1817

Rückert, Friedrich. Braut Lenore. In: Des Kranzes der Zeit, Erster Theil. Stuttgart. Digitalisiert von Google

“[S. 97] Braut Lenore.

Ein schon französisch Mägdlein schaut
Des Nachts im Mondenscheine:
Hier lieg' ich arme junge Braut
In kalter Nacht alleine;
Mein Bräutigam, der mich betrog,
Von hier ins kalte Rußland zog.
Hast du die Lieb' erfroren
Zu Moskow vor den Thoren?

Da tritt es an ihr Bett heran,
Und spricht in dumpfen Tönen:
Thu auf, daß ich mich wärmen kann!
Da wirds so weh der Schönen.
O weh, wo ist die Rechte dein?
Wo ist dein Arm? wo ist dein Bein?
Du bringst die süßen Glieder
Mir nicht zur Brautnacht wieder.

Mein rechter Arm der liegt im Schnee,
Mein linker Fuß im Eise.
Feins Liedchen, auf vom Bette steh,
Und schicke dich zur Reise.
Wir reiten, eh der Hahn erwacht,
Wir reiten hin in einer Nacht;
Du sollst mir meine Knochen
Im Schnee zusammen suchen.

O weh, ich weiß die Wege nicht,
Laß deine Knochen liegen,
Ich reite nicht im Mondenlicht,
Du wirst sie selbst schon kriegen.
Geh, und wenn du sie wieder hast,
So such zu Nacht dir andre Rast,
Kalt ists im Mondenscheine,
Ich schlafe gern alleine.“

 

1817

Anonym. Die Schatzgräber. Ein Gedicht. In: Sonntagsblatt für die Jugend [...] Erster Band. Wien. Digitalisiert von Google

“[S. 70] ´An wem von euch ist heute die Reihe, ein Gedicht herzusagen,´ fragte nun der Vater. Denn es war noch eine Sitte im Guthold'schen Hause, die Kinder frühzeitig kleine erzählende Gedichte auswendig lernen zu lassen, weil diese sich am leichtesten einprägen, und die so wichtige Fähigkeit des Gedächtnisses von Jugend an geübt werden muß. Bey dem Hersagen wurde auf Gefühl und deutliche Aussprache gehalten; es durfte aber nicht dem sogenannten Declamiren zu nahe kommen.
   An Emma war die Reihe; sie hub also an:
Die Schatzgräber.
  (Von Bürger.)
Ein Winzer, der am Tode lag,
     [...] “

 

1817

Anonym. Korrespondenz-Nachrichten. Leipzig, September. In: Morgenblatt für gebildete Stände, 2. Oktober. Digitalisiert von Google

“[S. 944] Das sind Complimente für den Direktor und sein Factotum, die über lang oder kurz das Publikum aufbringen werden, welches sich nicht gern überstimmen lässt; und man sollte bedenken, was Bürger sagt:
  Es ist ein Ding, das mich verdreußt,
  Wenn Schwindel oder Schmeichelgeist
  Gemeines Maß für großes preist.”

 

1817

Voss, Julius von. Ueber des Schauspielers Herrn Wurm jüdische Deklamation. In: Jüdische Romantik und Wahrheit, Berlin. Digitalisiert von Google

“[S. 298] Denn einige Wochen vorher, als das berufene Theaterstück: Unser Verkehr, sollte gegeben werden, empfing Herr Wurm einen ungenannten Brief, der ihn mit harten Verfolgungen bedrohte, wenn er nicht die Gewohnheit einstellen würde: Judenrollen, mit einem stärkeren, als nöthigen, Farbenauftrag zu geben, und außerdem sich über die Juden lustig zu machen. Es hieß sogar: mehr als ein Schreiben dieser Art, wäre bei ihm eingelaufen.
   Er achtete nicht darauf. Im Gegentheil spielte er nun, in der erwähnten Posse, den jungen israelitischen Burschen, recht, was man con amore nennt. Grade hat dieser auch Lust und Neigung zum Deklamieren, doch ohne Geschick und Gedächtniß kund zu thun. Er sagt Stellen aus der Ballade: Leonore, und folgendermaßen:
   Lenore fuhr ums Morgenroth
   Empor aus schwerem Säumen,
   Bist untreu Wilhelm oder todt,
   Wie lange willst du träumen.
   Er war mit König Friedrichs Schlacht,
   Gezogen in die Prager Macht, 
   Und hatte nicht geblieben,
   Ob er gesund geschrieben u. s. w.
Daß Herr Wurm noch mehr that, als seine Rolle vorzeichnete, läßt sich schon denken; nicht lange jedoch war das Stück auf die Bühne gekommen, als der Künstler sich genöthigt sah, davon abzutreten.”

 

1817

Anonym. List über List. In: Zeitung für die elegante Welt, 27. Juni. Digitalisiert von Google 

“[Sp. 997] Der Kantor reiste auch bald darauf ins Bad, kehrte gesund zurück, und hielt um Beatens Hand an, die ihm nicht verweigert wurde. Er und der Krämer waren bereits zum zweiten Male mit ihren Bräuten aufgeboten, und saßen mit ihnen eines Nachmittags selig und einträchtig im schwiegerälterlichen Hause. Da trat der Kantor zum Klaviere und spielte und sang Bürgers Lied von den Weibern zn Weinsberg. Als er geendet hatte, setzte ihn Beate deswegen zur Rede, daß er auf die Worte:
   - Pfaffentrug und Weiberlist
   Geht über Alles, wie ihr wißt,
einen scharfen Accent gelegt, und sie, seine Braut, dabei recht starr angesehen habe.   
  Richtig! Dem Kantor war während des Singens die Spukgeschichte eingefallen, und hatte die scharfe Acceutuation und den bedeutungsvollen Blick veranlaßt.”

 

1817

Anonym. Beethoven. In: Beilage zum Hesperus, März. Digitalisiert von Google

“[S. 2] Seine Ansichten von dem Wesen, den Formen, den Gesetzen der Musik, ihren Beziehungen zu der Dichtkunst, zum Herzen u. s. w. haben nicht weniger das Gepräge der Originalität als sein Tonsatz. Sie sind bei ihm im wahrsten Sinne eingeborne Ideen, nicht einstudirte Aphorismen. Ich weiß, daß Göthe, dessen persönliche Bekanntschaft er in Carlsbad machte, ihn auch von dieser Seite schätzen gelernt hat. Seine moralische Sitte ist in einer bessern Zeit geprägt; sie zeigt mit der Kindlichkeit die Unschuld Hand in Hand von der einen Seite, von der andern eine tiefe Scheu gegen alles Nichtswürdige in der Welt. In Hinsicht auf die Sünde der Lust ist er unbefleckt, daß er wohl Bürgers Lied von der Manneskraft allen Männern der Haupt- und Residenzstadt zurufen kann.”

 

1818

Anonym. [Über Recensionen]. In: Zeitung für die elegante Welt. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[Sp. 1749] Anonym. Eingemachte Lesefrüchte. Elfter Aufsatz. Recension. [...]
Unter allen Lesefrüchten hält sich keine Gattung schlechter, als die der Recensionen. Ist das Buch, welches sie loben oder tadeln, schlecht, so verderben sie mir dem Buche. Ist es gut, so verdirbt ihr Lob, weil das Buch sich besser selbst lobt, und ihr Tadel, weil es ihn Lügen straft. Man hat einige Beispiele vom Gegentheil. Ein Paar Recensionen Schillers (die der Gedichte von Bürger und Matthisson) haben sich gehalten, das will sagen, sie stehen noch auf der Tafel seiner sämmtlichen Werke. Aber wenig Gäste mögen davon essen. Das begegnet auch den frischen, wenn sie unreif oder unschmackhaft sind. Man sollte sie daher einmachen, theils um sie zu conserviren, theils um sie schmackhafter zu machen.

[Sp. 1890] Glosse.
Bürger nannte (in seinem Prolog zur Uebersetzung der fünften Rhapsodie von Homers Iliade, abgedruckt im deutschen Museum, Januar 1776.) die Kunstrichter ´glazige, triefäugige, buckliche, kurz gottesjämmerliche Thersiten.´ Später war Bürger Mitarbeiter an der allgemeinen deutschen Bibliothek und der allgemeinen Literaturzeitung. Göthe äußerte sich in einem kurzen Gedicht, der Recensent überschrieben, über die Kritiker mit einer kaum höher zu treibenden Bitterkeit, indem er unter andern am Schlusse ausruft:
  Schlagt ihn todt den Hund!
  Es ist ein Recensent.
Bekanntlich hat Göthe in der Folge mehrere Recensionen, namentlich zur Jenaischen allgemeinen Literaturzeitung geliefert. Kotzebue stellte in seinem bekannten Lustspiel, die Unglücklichen betitelt, in dem Recensente Geyer, genannt Falk, eine wahre Schreckgestalt auf. Er beschließt jetzt seine Laufbahn damit, ein Kritisches und recensirendes Journal herauszugeben. Man könnte noch viele Kontraste in Hinsicht auf dasselbe Thema anführen, aber schon die obigen reichen hin, um die Vermuthung zu begründen, daß das Geschäft des Recensirens einen ganz eignen Reiz haben müsse, da selbst diejenigen, welche am stärksten dawider eiferten, es nicht haben lassen können. Giulio. “

 

1818

Justi, Karl Wilhelm. Selbstbiographie. Digitalisiert von Google.

“[S. 7] Die vaterländischen Sänger, welche den ersten tiefsten Eindruck auf mich machten, waren Klopstock, Bürger und Hölty, und ich war nicht wenig überrascht, als Bürger eins meiner Lieder, welches ihm Engelschall, ohne mein Wissen, zugeschickt, in den Göttingischen Musenalmanach von 1782 aufzunehmen gewürdigt hatte. Für den vierzehnjährigen Jüngling eine nicht geringe Aufmunterung!

[S. 10] In Göttingen [1786] bewunderte ich den Reichthum der Universitäts-Bibliothek und machte die persönliche Bekanntschaft eines Heyne, Kästner, J.D. Michaelis, Gatterer, Spittler, Schlözer, Leß, J.P. Müller, Schleusner, Feder, G.A. Bürger, und anderer von mir verehrten Männer, die mich mit großer Humanität aufnahmen, und wovon mehrere bis an ihr Ende, wie Kästner, Heyne, und Bürger, mir hold geblieben sind.

[S. 15] Der Dichter Bürger unterhielt sich [1788] lange mit mir über die damals in Jena hochgefeierte kantische Philosophie.”

 

1818

Waldhauser, Michael. Auch ein Wort über den Priester-Mangel in Baiern. Paßau. Digitalisiert von Google

“[S. 20] Und was wäre auch im Grunde damit gewonnen, wenn man es vermöchte, junge Männer in einer solchen Eingeschränktheit zu erziehen, daß ihnen diese Ansichten von Lebensglück und Lebensfreuden bis nach ihrer Einweihung in den Priesterstand ganz unbekannt blieben? Würden diese Triebe, welche nach dem Ausspruche der Physiologen, schon an sich die heftigsten und gewaltigsten unter allen, immer noch heftiger und gewaltiger sind, je später sie erwachen, nicht um so furchtbarer ausbrechen , wenn der Vogel sich schon im Käfige befände? Und würde er dann nicht, wie Bürgers Lenore, in wilder Verzweiflung ausrufen: ´o Mutter, Mutter, was mich brennt, das lindert mir kein Sakrament!´ “

 

1818

Anonym. Licht und Schatten. In: Die Leuchte. Ein Zeitblatt für Wissenschaft, Kunst und Leben. Berlin 24sten Januar. Digitalisiert von Google

“[S. 28] Hr. A. Müllner, der alte Ueberall und Nirgends, der nach Gespensterart überall, wo er erscheint, nicht einmal einen Eindruck, viel weniger eine Spur von Geist zurückläßt, hatte vor Kurzem zu gleicher Zeit in mehreren Zeitblättern einige Reime unter der Firma: Luther, eine Beschwörung, erscheinen lassen. Die Herausgeber jener Zeitblätter hätten dem Schuldigen wegen der begangenen Unart eben sowohl, als das Publikum, zürnen, und ihn strafen können; da man aber dem Hrn. A, Müllner alles zu gut halten muß, so lachte man nur über seine Eitelkeit. Dieser hat er nun ein neues Opfer im 30sten Stück des Morgenblattes von 1817 gebracht, wo er einen Brief Bürger's abdrucken läßt, aus dem hervorgeht, daß Bürger sein — Oheim war. ´Deine Eltern, schreibt der Onkel, haben mir wohl gesagt, daß Du Zunder zu manchen Ausschweifungen in Dir trügest. — Wenn auch, habe ich geantwortet, so trägt er dagegen einen Keim von Verstand und gesunder Vernunft in sich, der ihn nie zu tief sinken lassen, der ihn, wenn er ja einmal sänke, bald wieder empor bringen wird.´ Gott gebe, daß diese Worte des Oheims bald am Neffen in Erfüllung gingen; wir sprechen daher nochmals mit Bürger also zu ihm: ´Lieber Adolph, alles was uns als Menschen einen absoluten Werth giebt, das entspringt von dem Gotte in uns, von der heiligen Vernunft, und jede Tugend, die nicht von ihr abstammt, will Kant zwar nicht eben ein glänzendes Laster, aber doch eine glänzende Armseligkeit genannt wissen. Das ist ein theures wahres Wort. Aber ein eben so wahres Wort spricht der Oheim zum Neffen, als er dessen metrische Verdeutschung der Ode des Horaz an den Blandusischen Quell, mit einem langen Excursus voller Schülergelehrsamkeir, tadelt. ´Es ist, äußert er sich iiber jenes Machwerk, eine gewisse leere Redseligkeit, die ein Nichts in einen Wortschwall von ganzen Seiten kleidet, und Gelehrsamkeit zeiget, nur um sie zu zeigen, ohne daß es nöthig war. Die Spanier nennen das, wie Du wissen wirst, vanas palabrs, die Lateiner ampullas.´ In diesen Fehler, den Bürger schon vor 24 Jahren an dem Schuldigen rügte, verfällt er noch. Mochte er daher, die Manen seines Oheims sühnend, Besserung geloben, und das Publikum mit der Stelle ans dem Vater unser anflehen: ´Vergieb uns unsre Schuld!´ und freudig würde von allen Enden ihm ein lautes ´Amen´ ertönen. Dann aber müßte sich der Hr. Dr. Nürnberger, Postmeister zu Sorau, darüber verschämt in den tiefsten Winkel seines Hauses verkriechen, daß er Hrn. Müllner im Namen Luther's in Nr. 250 der Zeitung für die elegante Welt von 1817 mit den Worten anredet:
  ´Kühner Sänger, Deinen Adlerschwingen
   Wird der hohe Flug gelingen,
   Zu den Himmeln richte Deinen Blick!
   Mein Bestreben sah die Vorzeit enden,
   Gott und Dichterwort (!!!) wird euer Schicksal wenden,
   Muth'ger kehrt der Geist aus lichter Hoh´ zurück.´
 Wir wunderten uns bereits, daß Hr. Müllner im Oppositionsblatte Schillern und Göthen zur Seite gesetzt ward, jetzt aber gerathen wir in Erstaunen, wenn ein Postmeister und Doktor ihn im Namen Luther's sogar neben Luther stellt, den unsterblichen Reformator, der einst die vielbedeutenden Worte sprach: Der bleibt ein Narr sein Lebelang! —”

 

1818

Woltmann, Karl Ludwig. Gottfried August Bürger. In: Zeitgenossen. Biographien und Charakteristiken. Von Friedrich August Koethe Bd.2

“[S.114] Es war so durchaus gegründet, was er späterhin schrieb: “Liebe würde meiner mächtig seyn; so viel ich nur meiner selbst mächtig bin, und wohl noch mehr. Ich weiß nicht, ob es mir zum Lob, oder zum Tadel gereichen mag, daß ich mich bei einem geliebten Weibe kaum gegen Sclaverei aufrecht erhalten würde, besonders wenn sie die Kunst zu herrschen verstände.” Man würde seiner Molly Unrecht thun, wenn man ihr eine solche Kunst beilegen wollte. Aber sie herrschte unumschränkt über Bürger, ohn es zu beabsichtigen, einzig durch die gegenseitige Liebe. Sie war nach Aller Urtheil, welche sie kannten und urtheilen konnten, eine so in sich selbst begnügte und harmonische Natur, daß ihr nichts fehlte, als ein Mann, den sie lieben mochte; dabei waren ihre Gestalt und ihr Gesicht wenigstens so anmuthig, ihre Stimme hatte jenen Flötenton voller und weicher Empfindung, der für Bürgers eigne phantasievolle Weichheit und seinen ungemeinen Tact für Wohllaut über Alles bezaubernd war, in einem solchen Grade, daß selbst seine Einbildungskraft und Sinnlichkeit, die sich an ein Flattern früh ergeben hatten, und denen, nach seinem eignen Ausdruck, die Gefühle wie ein Dieb in der Nacht kamen, von den Reizen dieser Geliebten in Befriedigung und Treue für sein ganzes Leben festgehalten wären. Die eigene thätige Harmonie trug Molly auf ihre Umgebung, am nächsten und sichersten auf den geliebten Mann über. Zu Befolgung der kleinen Pflichten des geselligen Lebens, worin Bürger zu seinem großen Nachtheil sehr lässig war, zum Erwerb förderte sie ihn, und hielt das Erworbene zu Rathe.

[S. 116] Dagegen [das hohe Lied] ist seine Romanze von der Treue viel freier, als die beste seiner vorhergehenden, des Pfarrers Tochter von Taubenhain, ja ganz frei von den gerügten Schlacken seiner Manier, eine vollendete Romanzendarstellung, eigenthümlichst zusammengesetzt aus lyrischer, dramatischer und epischer Weise, wie die vollkommne größere Romanze seyn soll, und auch in Hinsicht der Composition überhaupt untadelhaft; denn der Stoff ging nicht über die Grenzen seines Talents hinaus, und das Geschichtliche leitete dasselbe zum Ziele, ohne seine Kraft über ihr Maaß in Anspruch zu nehmen.

[S. 122] Nicht allein das Unglück seiner Ehe war es, wodurch er in dieser Zeit niedergedrückt wurde: in die letzten Monate derselben war die bekannte Recension seiner Gedichte von Schiller gefallen, über welche er bald ergrimmt und trotzig herfuhr, bald sich so gebeugt äußerte, wie es keineswegs Noth war. Gewiß ohne den geringsten Trieb, gegen Bürger ungerecht zu seyn, hatte jener außerordentliche Geist, welcher nie einen gebahnten Weg einschlagen wollte, um nur einen neuen Standpunct aufzufinden, einen solchen gewählt, von welchem aus man den Werth des beliebten Volksdichters nicht ohne Härte und Unbilligkeit würdigen konnte. Die Theorie jener Kritik geht offenbar nur auf die Schlacken in Bürgers poetischem und sittlichem Gefühl, die auch hier nicht unbemerkt geblieben, und als ein Hinderniß seiner Vollendung im lyrischen Fach gerügt sind. Sie zum Gegenstand des Haupturtheils über den Dichter zu machen, war um so härter, weil sie mit der Persönlichkeit des noch Lebenden und in solchen Verhältnissen Wirkenden, Hoffenden, Eins waren, und gerade dasjenige mit ihnen hervorgehoben ward, was den Hoffnungen des Bekümmerten schon mehr als billig geschadet hatte. Die echte Kritik mußte sein ungemeines Verdienst in lyrischer und lyrisch-epischer Sprache und Darstellung zu seinem glänzenden Ruhm darstellen, und dann die ihm entstehende Vollendung des Geschmacks und der Sitten nur als eine Hemmung seines Genius bemerken. Schillern gereicht zur Entschuldigung, daß er damals seine Theorieen über Schönheit, Anmuth und Würde immer gegenwärtig hatte und weiter ausbildete; und wie leicht legt man eine Theorie, in der man eben befangen ist, allenthalben als Maaßstab der Kritik an.”

Woltmanns Biographie und Charakteristik in der ONLINE-Bibliothek.

 

1818

Millauer, PH. Letztes Wort an Herrn Fürst. In: Der Sammler, Wien 13. Jänner. Digitalisiert von Google

“[S. 24] Übrigens befinde ich mich über die Maßregeln, die gegen mich in der Folgezeit ergriffen werden sollen, in großer Unruhe, und versichere Hrn. Fürst, für den Fall, als von ihm irgend ein dramatisches Geistesproduct auf der Bühne erscheinen sollte, nie einen solchen unglücklichen Gebrauch meines Gedächtnisses zu machen, rufe aber zum gänzlichen Schlusse für alles, was noch in der Folge geredet werden mag, mit Bürger aus:
   Wer bist du Fürst, daß mich dein Roß
   Zerstampfen soll, dein Wagenrad usw. “

 

1818

Anonym. Frau Ursula von Homberg zu Auenstein im Kanton Aargau. In: Der aufrichtige und wohlerfahrne Schweizer-Bote. 28. Mai. Digitalisiert von Google

“[S. 170] Nun, Schweizerbote, zieh Land auf und Land ab, und frage: warum hat noch kein herzvoller Dichter, keine holde Dichterin im Schweizerlande das Lob der Frau von Rynach mit Harfenklang zum Ohr und Mund des Schweizervolks gebracht? Wie schön besang der deutsche Dichter Bürger den Ruhm der Weinsbergerinnen! Ich will auch sein schönes Lied hersetzen, dessen Inhalt so viel Verwandtschaft mit der Zerstörungsgeschichte von Auenstein hat.

     Die Weiber von Weinsberg.

       Wer sagt mir an, wo Weinsberg liegt?
       Soll sein ei wack´res Städtchen.
       [...] “

 

1818

Meyer, Friedrich. Reise nach Stuttgard. In: Bemerkungen auf einer Reise durch Thüringen, [...] im Jahre 1816. Erster Theil. Berlin und Stettin.  Digitalisiert von Google

“[S. 38] Ehe sich noch der Abend senkte, sahen wir die Burg Weibertreue bei Weinsberg. Sie steht als ein Denkmal des schönsten Triumphs der Weiber auf ihren stolzen Höhen, und wirkte um so mehr auf unser Gefühl, als wir uns hier die schöne Ballade von Bürger, die Weiber von Weinsberg vergegenwärtigten.“

 

1818

Cramer, Carl Gottlob. Der Minister und der Leib-Schneider. Zweiter Theil. Hamburg. Digitalisiert von Google

“ [S. 45] Ja wenn immer alles so wär, wie man sich´s denkt, oder wie es seyn sollte, o dann wär das Leben eine wahre Lust - ein wahres Spiel! wenigstens ein Schatten-Spiel, und das ein recht schönes, amüsantes Schatten-Spiel an der Wand! aber da nun das einmal nicht immer so, sondern fast gewöhnlich ganz anders ist - je nun, so muß man laviren, pliiren usw. kurz, sich darauf einzurichten suchen, so gut es gehn will; und wer das am besten kann, sey er König oder Bettler, Minister oder Schreiber - der ist Meister! ist Herr über viel und vieles; ja fast möcht´ ich sagen: Herr seines Schicksals! Auch möcht´ es wohl nicht eben gar so weit von der Wahrheit abwärts, das heißt, auf deutsch: gelogen seyn; und der selige Bürger hat sehr wahr gesungen:
  Der Mann, der das Wenn und das Aber erdacht,
  Hat sicher aus Heckerling Gold schon gemacht.“

 

1818

Hußell, Ludwig. Johann Chr. Fried. Kühnau. In: Ameise. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[S. 81] Hier zunächst reden wir von dem kurmärkischen Landwehroffizier Kühnau, Lehrer am Friedrich Wilhelms Gymnasium zu Berlin, Doctor der Philosophie. Um dem Leser von den ausgezeichneten Kenntnissen dieses wakkeren Mannes einen Begriff zu machen, dürfen wir nur erzählen, daß er schon als Student zu Halle 1801, in seinem 19. Jahre, Bürgers Leonore in wohlklingende griechische Verse und späterhin Luthers Kraftlieder in das Hebräische übersetzte. Es ist nicht jedermanns Sache marktschreierisch in die Posaune zu stoßen, sonst hätte wohl der Jüngling Kühnau schon auch seinen Namen in vielen Zeitungen gedruckt sehen müssen und hätte immer auch in den Städten umher sich sehen lassen können [...]. “

 

1818

Horst, Georg Conrad. Von den zauberischen Luftfahrten. In: Dämonomagie. Zweiter Theil. Frankfurt am Main. Digitalisiert von Google

“ [S. 208] Die Abreise geschah gemeiniglich um eilf oder zwölf Uhr, die Heimkunft hatte um zwei Uhr nach Mitternacht statt, denn sowohl die Teufel und Hexen, als die Gespenster, wie wir aus Bürger´s Leonore wissen, fürchten ausnehmend den Hahnenschrei.“

 

1818

Pichler, Caroline. Leonore von Fahrnau an ihre Schwester. In: Frauenwürde. Erster Theil. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[S. 200] O laß mich, liebe Schwester, an Dein liebendes Herz sinken und meinen Jammer ausschreyen, wie Bürger sagt! “

 

1818

Förster, Friedrich Christoph. Der Sylvester-Abend. In: Die Sängerfahrt. Berlin. Digitalisiert von Google

“[S. 226] Sechster Auftritt.
Jerem, (vor der Thür - er singt nach der Weise: Auf! auf Kameraden ins Feld, ins Feld).
      Holla! holla! thu auf mein Kind,
      Schläfst Liebchen, oder wachst du,
      Wie bist du gegen mich gesinnt,
      Und weinest oder lachst du?
                   (Er tritt mit dem brennenden Bäumchen herein.)
      Ja! ja! du lachst mein Kind, wer wollt auch wohl nicht lachen,
      Wenn man mich kommen sieht, mit so kostbaren Sachen!
Hedw. Man darf die Augen nicht herauf nach ihnen wenden!
Laura. Wer schwache Nerven hat, den könnten sie wohl blenden. “

 

1818

Rückert, Friedrich. Napoleon. Politische Komödie von Freimund Weimar. Zweites Stück. Stuttgart und Tübingen. Digitalisiert von Google

“[S. 1] Fortuna (spinnend).
    Hurre, hurre, hurre!
    Schnurre, Rädchen schnurre!
Hier sitz' ich häuslich ems'ges Weib,
Hab keinen andern Zeitvertreib,
Als spinnen und spinnen den ganzen Tag -
Was wol mein Mann jetzt machen mag?
Ich spinn' und spinn' in einem Stück,
Und nichts für ihn als lauter Glück. “

 

1818

Miscellen. In: Neue Speyerer Zeitung, 11. August.Speyer. Digitalisiert von Google

“[o.S.] Auf's neue geht das Gerücht, ein bekannter, wackerer, politischer Schriftsteller, müde des widerlichen Gezerres der lichtscheuen Fledermäuse und Nachteulen, die gegen Minerva und ihre Druckerpresse seit langer Zeit zum erbittertsten Kriege sich verschworen haben, wolle mit Bürger (1793) ausrufen:
    Ade, Frau Politik! Sie mag sich fürbaß trollen:
    Die Schrift-Censur ist heut zu Tage scharf.
    Was mancher Edle will, scheint er oft nicht zu sollen;
    Dagegen, was er schreiben soll und darf,
    Kann doch ein Edler oft nicht wollen.
Warum will aber jener Kämpfer für Recht und Wahrheit den Tagblinden Fleder- und Federvieh so leicht das Feld räumen?“

 

1818

Kind, Friedrich. Das Frauenhemd. In: Lindenblüten Von Friedrich Kind, Zweiter Band, Leipzig. Digitalisiert von Google

“[S. 180] „Wer bist du,"— fragte Ritter Uffstein höhnisch — „daß du mir dieses zu bieten wagst?"
  „Euch ebenbürtig!" — ergegnete der Unbekannte, und schlug sein Visir auf.
  „Knapp Conrad!"— riefen Uffsteins Leute. „Ritter Conrad!"— scholl es auf der feindlichen Seite.
  „Wer du auch seyst, den nach meinem Schwert lüstet," — schrie Uffstein, und sprengte mit eingelegter Lanze auf ihn ein — „ich scheue den Kampf Nicht!"
  Beide Lanzen splitterten beim Zusammenrennen; man griff augenblicklich zum Schwerte, und

   Wie Wetter erhob sich der grimmigste Kampf,
   Das Stampfen der Pferde zermalmte zu Dampf
   Den Sand und die Schollen der Erde.

Sie hau'n und hauen mit Tiegerwuth
   Bis Schweiß und Blut
   Die Panzer und Helme bethauen;
   Doch Keiner vermag, so gewaltig er ringt,
   So hoch er das Schwert und so sausend ers schwingt,
   Den Gegner zu Boden zu hauen.
   Doch als wol Beiden es allgemach!
   An Kraft gebrach. — *)

da bewog sie das Schmettern einer Trompete zu kurzem Stillstande.

*) Bürgers Lied von der Treue.”

 

1818

Osiander, Friedrich Benjamin. Erstes Kapitel. In: Ueber die Entwicklungskrankheiten in den Blüthenjahren des weiblichen Geschlechts, Tübingen. Digitalisiert von Google 

“[S. 4] Ich hatte als praktischer Arzt eine abenteuerliche Rittergeschichte zu beobachten Gelegenheit, welche nur die Wirkung einer Entwickelungskrankheit bey einem jungen Frauenzimmer meines Vaterlandes gewesen war. In den achziger Jahren des vorigen Jahrhunderts war ich öfters im Schwefelbade zu Boll in Württemberg. Einstmals begab sich dort ein Abenteuer, welches die ganze Gesellschaft in Allarm setzte. Die Kammerjungfer der Frau von R. sollte ihrer Gebieterin entgegenkommen, als sie Abends von einem nahen Dorfe zurückkehrte; aber die Kammerjungfer lag im Bette, als die. gnädige Frau allein ankam, und entschuldigte sich, sie sey ihrem Befehl zu Folge wirklich ausgegangen, um ihr entgegen zu kommen; allein folgender Zufall habe sie bald wieder zurückzukehren genöthiget. Auf dem Wege sey ihr nemlich ein Reiter in rother Uniform begegnet, der verlangt habe, sie solle sich hinter ihn aufs Pferd setzen; sie habe sich natürlich geweigert, er ihr darauf seine Taschenuhr zugeworfen, sie solche zurückgegeben, und sich eilends davon gemacht, worauf er unter lautem Gelächter verschwunden sey. Man hielt diese Aussage für eine Erdichtung, um so mehr, als an diesem Sommerabend niemand im Felde einen solchen Reiter gesehen hatte. Das Mädchen war still, in sich gekehrt, und als ein Gegenstand des Spottes der Badegäste, scheu und eingezogen. Einige Wochen darnach an einem Sonntag Abend, während einem starken Gewitter, war diese Kammerjungfer verschwunden, und man hatte sie nur zum Hofthor des Bades noch hinausgehen gesehen. Man suchte sie überall; aber erst des Nachts nach 10 Uhr fand man sie nicht weit von dem Bade in dem Morast eines nahen Baches liegen, vor Schrecken, wie's schien, halb todt. Man trug sie nach Hause, und als sie wieder zu sich kam, erzählte sie ein noch seltsameres Abenteuer. Ein Bauerknabe sey diesen Abend zu ihr gekommen, und habe ihr gesagt, eine gute Freundin wolle sie in der Nähe des Bades sprechen. Sie sey darauf den Weg nach dem Bach gegangen, habe aber dort nicht die Freundin, sondern denselben Reiter angetroffen, den sie vor einigen Wochen gesehen; dieser habe ihr seine Uhr in die Hand gedrückt, und sie schnell hinter sich aufs Pferd gesetzt, worauf es dann (wie bey Bürgers Lenore) in sausendem Gallop fortgegangen sey. Sie habe schrecklich geschrieen, er höhnisch gelacht; endlich habe sie das Herz gefaßt, und sey vom Pferde gesprungen, worauf der Reiter abermal verschwunden, und sie in der Irre und Angst herumgelaufen, und endlich an dem Bache liegen geblieben sey.”

 

1819

Müllner, Adolf. Theaterkritiken von A. Müllner. In: Morgenblatt für gebildete Stände. Nro. 213, 6. Sept. 1819. Digitalisiert von Google

“[S. 852] Die Hexenscenen gab man nach Bürger, und zwar wurden sie gesungen, mit Musik im Orchester. Rühr-Ey! würde der Berliner Kurze sagen. Bürger wollte keinen Gesang, sondern recitativähnliche (also vollkommen verständliche) Deklamation. (S. Macbeth, Göttingen 1783. S. 8.) Wenn die Hexen einmal Opernmäßig singen; so möcht´ ich lieber, die ganze Handlung würde getanzt.“

 

1819

Krieger, Johann Friedrich. Die Roßtrappe. In: Die Bode-Thäler im Unterharz. Halberstadt. Digitalisiert von Google

“[S. 46] Doch ich kehre zur königlichen Hoheit, der rüstigen und verwegenen Gigantin vor vielen tausend Jahren, zurück. Schon war die väterliche Krone in ihrer unweiblichen Amazonenhand, der Blutbefleckung würdiger, als des Männerkusses, Schon ergötzte sich, die sanfte Regung, den Minnesold verachtend, ihr goldgieriges, herrschsüchtiges Gemüth an den Strahlen ihres Kleinods. Seines Besitzes sich zu versichern, entfloh sie mit ihr auf einer Rosinante, deren Umfang und Kraft ein Roß aus unserm Ackergespann oder vor unserm Cabriolett natürlich nur im verjüngten Maaßstabe zeichnet, und zwar, gleich Bürgers Lenore, dergestalt über Berg und Thal und Wald und Fluß,
   Daß Roß und Reut'rin schnoben,
   Und Kies und Funken stoben.
So gelangte sie, vom Vater verfolgt, mit ihrem Raube auf dem der Roßtrappe gegenüberliegenden Felsen, dem Tanzplatze, an.“

 

1819

Rauschnick, Gottfried Peter. Der Schutzgeist. In: Königskerzen. Eine Sammlung romantischer und abentheuerlicher Erzählungen. Zweiter Theil. Mainz. Digitalisiert von Google

“[S. 65] Mit einem Wort, es war die schönste Frau, die ich je gesehen hatte. Sie war mit einem großen Schwarme junger Männer aus den ersten Ständen umgeben, und lange fehlte mir der Muth mich unter diese zu mischen. Endlich fand ich Veranlassung ein paar Worte an sie zu richten, und sie war so zuvorkommend ein Gespräch über die Musik mit mir anzuknüpfen, welches mir Gelegenheit zu einer größeren Annäherung gab. Sie äußerte nämlich, daß sie eine große Liebhaberin der Zumsteegschen Musik von Bürgers Lenore sey, und klagte diese weder in Leyden noch in Amsterdam in den Musikhandlungen gefunden zu haben. Ich besaß gerade ein Exemplar und bot es ihr an. Sie bezeugte viele Freude darüber, und bat mich ihr es den nächsten Nachmittag zu bringen. Ich ging um die mir bestimmte Zeit zu ihr hin, wurde, als ich mich melden ließ, sogleich angenommen und der Bediente führte mich in ein im phantastisch prächtigen Geschmack verziertes Zimmer, wo sich die Gräfin mit einer Gesellschafterin und ihrer Kammerfrau befand. Sie bot mir einen Sitz neben ihr auf dem Sopha an, dankte mir herzlich für die Noten und schlug vor, die Ballade auf ihrem Pianoforte sogleich zu versuchen. Wir setzten uns ans Instrument und sie sang, während ich akkompagnirte. Nie noch hatte ich eine Stimme von reinerem Metall und angenehmerer Melodie gehört; nie war mir eine kunstfertigere Sängerin vorgekommen. Welchen Ausdruck wußte sie in ihre Töne zu legen und wie sie zu moduliren! Mir war, als hörte ich die unglückliche Lenore selbst klagen; ich glaubte sie selbst die Hände ringen und die Haare ausraufen zu sehen, und bei der Stelle
   ´Lisch aus mein Licht, auf ewig aus,
   Stirb hin, stirb hin in Nacht und Graus.
   Ohn' ihn mag ich auf Erden,
   Mag dort nicht selig werden!´
wurde ich so von dem Zauber ihres Vortrages hingerissen, daß mir die hellen Thränen über die Wangen liefen. Meine Empfindung stieg immer höher, als es zu den Strophen kam, welche die schaudervolle Reise beschreiben, und ich mußte meine ganze Kraft zusammen nehmen, um das Akompagnement nicht zu verderben. Die schöne Sangerin selbst machte einen so großen Eindruck auf mich, wie ihr vortrefflicher Vortrag, wie das über alles Lob erhabene Gedicht, und die herrliche Musik. Als wir geendigt hatten, waren wir beide so exaltirt, daß die Gräfin ganz erschöpft und wie ohnmächtig werdend ihren Kopf an meine Schulter lehnte, und ich sie fest mit meinen Armen umfaßte, und an mich drückte. Da dieses in Gegenwart der Gesellschaftsdame geschah, so dürfen Sie glauben, daß diese schnelle Annäherung unwillkührlich vor sich ging und eine Wirkung der Musik war. Endlich faßten wir uns, ich mehr, die Gräfin weniger verlegen, und um die erforderliche Haltung zu gewinnen, fing sie ein Gespräch über den Stoff des Gedichtes an, das uns bald in einem ungezwungenen Uebergange auf die Liebe führte. ´,So würde ich auch lieben, rief sie aus, eine Trennung vom Geliebten brächte mich zur Verzweiflung; an seinen Besitz könnte ich meine Seligkeit setzen, und die Qual des Verlustes würde das Gespenst seyn, das mich zum Kirchhofe brächte.´
   Wie ist es möglich, versetzte ich, daß Sie unmittelbar nach dem Vortrage dieser Ballade, die außer dem ästhetischen Zweck doch offenbar den hat, uns auf eine ruhige Ertragung unseres Geschicks hinzuweisen, einen solchen, der Meinung des Verfassers widersprechenden Gedanken fassen können?
   ´Glauben Sie es nicht, daß der Verfasser mit seinem Gedicht ein Moralgesetz den Menschen als nothwendig und heilsam erweisen wollte. Er kannte das Menschenherz viel zu gut, um nicht zu wissen, daß es Naturen giebt, bei denen die Liebe unüberwindlich ist, und die nur in gänzlicher Zerstörung ihres Wesens enden, wenn das Schicksal ihnen den geliebten Gegenstand entzieht. Des Dichters eigenes Leben giebt ja davon ein Beispiel. — Ich fühle es, ich würde den Verlust eines Geliebten nicht überleben.´“

 

1819

Bouterwek, Friedrich. Der göttingische Dichterbund. In: Geschichte der Künste und Wissenschaften. Dritte Abtheilung. Geschichte der schönen Wissenschaften. Eilfter Band.  Digitalisiert von Google.

“[S. 395] Nicht einmal das Glück, sich sagen zu können, daß er noch ein Liebling des Publicums sey, war ihm geblieben, nachdem Schiller in einer strengen Recension die schwache Seite der Poesie des sonst so gefeierten Mannes ohne Schonung aufgedeckt, und von den Vorzügen, die Bürger's Gedichten die Unvergänglichkeit sichern, nur im Allgemeinen einiges gesagt hatte. [...]
Als seine Ballade Lenore in dem Musenalmanache zum ersten Male gedruckt erschienen war, hatte sie das Publicum in einem Grade bezaubert, wie außer Göthe´ns Werther und Götz kein neues Werk eines deutschen Dichters. Auch die Engländer nahmen dieses Gedicht wie den Werther auf, bewunderten es und ahmten es nach. In Deutschland wurde es von so Vielen auswendig gelernt, daß es sich durch die Tradition hätte erhalten können, wenn es aus der Litteratur verschwunden wäre. Auch mehrere lyrische Gedichte Bürger's gingen von Mund zu Munde. Die Kritiker stimmten in diesen lauten Beifall ein. Wenn sie einen deutschen Originaldichter nennen wollten, nannten sie Bürger, besonders nachdem er im Jahre 1778 seine Gedichte zum ersten Male gesammelt herausgegeben hatte. Die Veränderungen, die man nach eilf Jahren in der zweiten Ausgabe fand, bewiesen, wie sehr ihm selbst daran gelegen war, seine bewunderten Talente auszubilden.

[S. 397] Aber diese und andre Auswüchse der bürgerischen Poesie werden durch eine Schönheit überwogen, die man bei keinem andern Dichter in dieser Vereinigung harmonireder Züge findet. Bürger ist unter allen litterarisch gebildeten Deutschen der erste, den man in einem wahrhaft poetischen Sinne einen Volksdichter nennen darf. Dieser Titel, den ihm das Zeitalter gab, war auch ihm selbst vor allen übrigen der liebste. Für die wahre Poesie hielt er nur die ursprüngliche, die ohne Beziehung auf Gelehrsamkeit und auf die Convenienzen des feineren Umgangs warm und frisch aus dem menschlichen Gemüthe sich ergießt; die deßwegen auch jedes menschliche Gemüth ergreift, das nicht an Convenienzen hängt; und die einem Jeden verständlich ist, wer die gewöhnliche Bedeutung der Wörter versteht. Diese Art von Poesie, die man bis auf Bürger in Deutschland fast ganz dem gemeinen Manne überlassen hatte, hielt Bürger einer litterarischen Bildung fähig, durch die sie veredelt werden könne, ohne ihren eigenthümlichen Charakter zu verlieren. Vollendet im Geiste der griechischen Vorwelt ohne Hülfe der Gelehrsamkeit zeigte sich ihm diese Volkspoesie in den homerischen Gedichten. Nicht so ausgebildet, aber darum nicht weniger kräftig und wahr, und dem Geiste der romantischen und der neueren Zeiten gemäß, erkannte er eben diese Poesie in den alten englischen Liedern und Balladen wieder, die der Bischof Percy gesammelt und bekannt gemacht hatte. Von dieser Ansicht ging die ganze Bildung aus, die er, um schulgerechte Regeln wenig bekümmert, sich selbst zu geben suchte. Wie theuer ihm die homerischen Gedichte waren, hat er durch seine Uebersetzung einiger Bücher der Iliade bewiesen.

[S. 398] Die alte Dichtungsart erweiterte ihre Grenzen, als Bürger die Kunst der mahlerischen Beschreibung, die er durch sein Studium der homerischen Gedichte näher hatte kennen lernen, auf die Ballade übertrug, und ihr zugleich in allem, was zur Bildung der Sprache und der Versarten gehört, eine classische Vollendung gab. Daher sind die längeren Balladen von Bürger, zum Beispiel die Lenore und die Entführung, einzig in ihrer Art; und alle Versuche der Nachahmer, Bürger auf dieser Höhe zu erreichen, sind mißlungen, bis Göthe und Schiller durch Gedichte, die nun wieder Romanzen hießen, der Dichtungsart eine neue Wendung gaben. In den Liedern von Bürger ist das Volksmäßige hier und da ohne die Würde, von der auch die naivste Poesie sich nicht lossagen darf. Aber die naive Tändelei, die dem feierlichen Schiller an Bürger´s Liedern mißfiel, gehört zu ihrem Wesen, und kann nur Dem mißfallen, wer sich überhaupt keine wahre Schönheit ohne eine gewisse Feierlichkeit denken kann.”

Bouterweks Beitrag in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1819

Keller, Georg Victor. Ideale für alle Stände: oder Moral in Bildern. Aarau. Digitalisiert von Google

“[S. 92] 13.
Freiheit wünschst du dir, und klagst alltäglich und zürnest,
Daß dir die Freiheit fehlt, über Despotengewalt? -
Lern' entbehren, o Freund! Beut Trotz dem Schmerz und dem Tode!
Und kein Gott des Olymps fühlet sich freier als du.
Aber noch fragt dein Blick: Wie lern' ich die schwerste der Künste,
Wie den erhabenen Trotz gegen den Schmerz und den Tod?
Wirb bei der Mutter Vernunft um Tugend, die gött-Tochter.
Wirb! und dein ist die Kunst, dein der erhabene Trotz.
                       G. A. Bürger

[S. 147] 22.
Für Tugend, Menschenrecht und Menschenfreibelt sterben,
Ist höchsterhabner Muth, ist Welterlöser-Tod;
Denn nur die göttlichsten der Heldenmenschen färben
Dafür den Panzerrock mit ihrem Herzblut roth.
   Am höchsten ragt an ihm die große Todesweihe
Für sein verwandtes Volk, sein Vaterland hinan.
Dreihundert Sparter* ziehn in dieser Heldenreihe
Durchs Thor der Ewigkeit den Uebrigen voran.
   So groß ist auch der Tod für einen guten Fürsten,
Mit Zepter, Wag' und Schwert in tugendhafter Hand.
Wohl mag der Edeln Muth nach solchem Tode dürsten:
Denn es ist Tod zugleich für Volk und Vaterland.
                   Bürger
* Unter Leonidas
 

[S. 191] 15.
Im Geisteall
Da lodere hoch mit wunderbarem Glanze,
Die Sonnen Wahr und Gut und Schön,
Um die sich in vereinten Tanze
Des Geistes Künste drehn.
                  Bürger

[S. 237] 16.
Der Geist gedeiht durch Weisheit,
Und das Herz gedeiht durch Schönheit,
Dieser Einklang rauscht in Stärke,
Dieser Adel führt zum Ziele
Dauernder Glückseligkeit.
              Bürger.

[S. 248] Durch diese Betrachtungen und Gründe, verbunden mit dem Gedanken an Gott und Religion, wird dem guten Jünglinge im Kampfe mit der Sinnlichkeit nicht mehr so schwer sein. Die Stimme dieser Leidenschaft ist die süßeste; aber die Stimme der Religion: wie sollte ich ein solch Uebel thun! hat göttliche Kraft, und wird ihn zurückhalten, wenn ihn der Sirenengesang der Wollust lockt, und die Verführung das Laster mit den lieblichsten Farben malt. Wohl ihm! es gilt, was die Schrift von dem Rechtschaffenen sagt: Er steht da, und grünt, wie ein Baum, gepflanzt am Wassergraben. Er kann mit Bürger singen:
  Wem Wollust nie den Nacken bog,
  Und der Gesundheit Mark entsog,
  Dem steht ein stolzes Wort wohl an,
  Das Heldenwort: Ich bin ein Mann!
     Denn er gedeiht, und sproßt empor,
  Wie auf der Wies' ein schlankes Rohr;
  Und lebt und webt, der Gottheit voll,
  An Kraft und Schönheit ein Apoll. “

 

1819

Notizen, Künste und Wissenschaften betreffend. In: Oppositions-Blatt oder Weimarische Zeitung. 21. September. Digitalisiert von Google

“[Sp. 1791] (Italien.) Im Augustheft der Biblioteca italiana findet sich eine Übersetzung von Bürgers Lenore. “

 

1819

Klingemann, August. Hamburgs Theater. In: Kunst und Natur; Blätter aus meinem Reisetagebuche. Digitalisiert von Google.

“[S. 28, Göttingen. Münden] Göttingen mit seiner romantischen Umgebung, in der die Pleß und die beiden Gleichen zu den schönsten Puncten gehören, erblickten wir an einem freundlichen Sonntag Morgen wieder. Das in der Nähe gelegene Weender Nachtigallenhölzchen erinnert unwillkührlich an die klagenden Töne Höltys, die er hier, seinen frühen Tod ahnend, in elegischen Gesängen ausathmete. Auch Bürgers Namen ruft uns die Gegend vielfach zu, und manche seiner Balladen und Romanzen knüpften ihren Faden ohne Zweifel hier und dort, in jenen Ruinen und auf diesen freundlich belaubten Anhöhen an.

[S. 81, Heidelberg] Nahe bei dieser Kapelle ist der Keller, in dem das berühmte große Weinfaß sich befindet, welches nicht minder als zwei hundert und sechs und dreißig Fuder faßt, und einem kleinen Gebäude gleicht, auf dessen oberer Galerie man hinlänglich Raum
zum Tanzen und Zechen findet. Wen es indes gelüsten wollte, hier nach Bürgers Weise, bei Ja und Nein vor dem Zapfen zu sterben, der würde sehr leer ausgehen, da weder in dem Fasse selbst noch in dem angrenzenden Keller sich ein Tropfen Wein mehr vorfindet,
 und man sich, sehr poetisch, mit dem aromatischen Dufte, der an die ehemals hier aufgelagert gewesenen Vorräthe erinnert, begnügen muß.

[S. 606] Shakspears Makbeth wurde auf eine seltsame Weise nach zwei zusammengesetzten und sich in ihrem Geiste widersprechenden Bearbeitungen, der Schillerschen und Bürgerschen gegeben, und zwar so, daß der historische Theil des Stücks der ersten, der rein phantastische aber (die Zauberscenen) der letzten angehörten. - Schiller und Bürger erscheinen, wie überall, so auch in der Bearbeitung der Shakspearschen Hexenscenen, als Antipoden, keiner von beiden aber hat den eigenthümlichen Geist des Originals richtig aufgefasst und getreu wiedergegeben. - Schiller entführte die rein phantastischen aus Nebel erschaffenen Zauberwesen aus ihrem schottischen Vaterlande in eine idealere Heimath, und erhob sie zu Schicksalsschwestern, was sie keinesweges sein sollen, ja bei der ersten von ihm auf der Weimarer Bühne angeordneten Darstellung, ließ er sie von Männern ausführen, denen er sogar bei ihrer Costumirung Cothurne zur Vorschrift gemacht hatte. - Wurde diese Parthie des Stücks von Schiller zu sehr idealisirt, so muß man seinem Vorgänger Bürger den entgegengesetzten Vorwurf machen, nämlich sie aus dem Phantastischen zu tief in das Niedrige herabgezogen zu haben.”

 

1819

Wachler, Ludwig. Vorlesungen über die Geschichte der teutschen Nationallitteratur. Zweiter Theil.  Digitalisiert von Google.

“"[S. 231] Dasselbe Verdienst um Wiederherstellung, Veredelung und Verbreitung der vaterländischen Volksdichtkunst erstrebte Gottfried August Bürger aus Molmerswende im Halberstädtischen [geb. 1748; st. d. 8 Jun. 1794], zulezt ausserordentlicher Professor an der Göttinger Hochschule, auf der er [s. 1768] studirt und, nach Niederlegung einer wider seine Neigung [s. 1772] bekleideten Amtmannsstelle in Altengleichen, als Privatlchrer [s. 1778] gelebt und die Einführung der kritischen Philosophie [s. 1787] nicht ganz erfolglos versucht hatte; ein von vielen Seiten durch lauten Beyfall der Mitwelt gefeierter Dichter, dessen freyes Fortschreiten zu reinerer und höherer Kunstvollendung ein freudeloses Leben und Ungemach, das freilich nicht unverschuldet, ihn härter als viele andere traf, sehr erschwerten. Er scheint daher einigen Anspruch auf die schwer zu bewilligende Ausnahme von der Regel zu haben, welche bey Würdigung des Kunstwerkes die Persönlichkeit und das gesellschaftliche Verhältniß des Künstlers unberücksichtigt läßt; Bürger muß, wenn er nicht ungebührlich viel an seinem Werthe verlieren soll, mehr nach Anlagen, Vorsätzen und Bestrebungen, als nach seinen Leistungen beurtheilt werden. Seinen Beruf zum dichterischen Leben und Wirken entschied eine lebendig regsame Einbildungskraft und ein weiches warmes Gefühl; er empfing leicht, verband schnell und richtig, und gestaltete mit rascher Liebe das Gegebene zu seinem künstlerischen Eigenthume. Seine Darstellung beweget sich mit jugendlicher Frischheit und Keckheit, greifet unmittelbar in, oft sehr glücklich vergegenwärtigte Kreise und Augenblicke des wirklichen Lebens ein und gewinnt durch wirksame Bilder und Worte Anschaulichkeit für Viele. Er hatte umsichtig beobachtet und geforscht über das Gemeinsame des Eindrucks, über Störung und Erschwerung des Volksthümlichen, über den der gemischten Mehrheit zusagenden Ton und Styl der redenden Kunst; er kannte die Sprache genau und hatte Gewalt über ihre Reichthümer; sein Ohr war für Wohllaut geübt. Bürger würde einer unserer besten Volksdichter geworden seyn, wenn seine Fortbildung durch freudigere Umgebungen und Verhältnisse begünstigt worden wäre; dem Ziele, welches er auf der von ihm betretenen Bahn erstrebte, würde er näher gekommen seyn, wenn er mit Entäußerung herkömmlicher fremdartiger Gelehrsamkeit und Bildung und mit Vermeidung blendenden Schmuckes, sich reine Volksthümlichkeit der Ansicht und wahrhaft edle Einfalt des Ausdrucks dafür zugeeignet hätte; die später versuchte Ergreifung des Idealen mußte mislingen und bey den aus diesem Gesichtspuncte hervorgegangenen Umarbeitungen konnten die früheren Gedichte nur verlieren. Was als Gebrechen des dichterischen Kunststyles in sehr vielen, ja in den meisten Arbeiten Bürger's hervortritt, ist als unausweichliche Folge seiner, durch vertrauteren Umgang mit Klotz in Halle [s.1768] und durch vielfache Verirrungen verunreinigten sittlichen Denkart und Phantasiebildung zu betrachten; daher die flandrische, oft rohe Derbheit in Versinnlichung der Stoffe und Betrachtungen oder Empfindungen; daher die Verletzung religiöser Zartheit wie sie in "Frau Schnipps" gefunden wird; daher das nicht ganz seltene Herabsinken zur Gemeinheit. Ausgezeichnetes Verdienst erwarb sich Bürger um die Ballade; die einzige "Leonore" (1773) würde ihn unsterblich gemacht haben. Unter den Liedern sind viele vortrefliche, wenn auch wenige dem "Zechliede" (1777) und dem Preise der "Männerkeuschheit" (1778) an die Seite gestellt werden können. Die Wiedereinführung des Sonetts war dankeswerth, aber der Gehalt ist gering. In der unbeendeten hexametrischen Verteutschung der homerischen Iliade läßt sich das beharrliche Streben nach gewissenhafter Treue nicht verkennen; auch die metrische Darstellung des vierten Buches der Virgilischen Aeneide ist nicht mislungen. [...]
      Die Würdigung des Charakters und Werths der Bürgerschen Gedichte welche wir von Schiller und von A.W. Schlegel haben, ist so gehaltvoll lehrreich, daß ihre Beachtung auf das dringendste empfohlen werden muß.”

 

1819

Gerber, August Samuel [Doro Caro]. Die schwarze Frau am Walde. In: Neueste Novellen. Brünn. Digitalisiert von Google

“[S. 224] Nach einer halben Stunde kam der Fürst zurück.
   Der Wagen war bereits angespannt. Ich nehme, sagte der Fürst, meine liebe Tochter in meinen Wagen. Ihr andern mögt wissen, wie Ihr nachkommt. Doch komm her, mein Sohn. Er stellte ihn zur fürstlichen Braut, und sagte:
   Nun wechselt Ring und Hände
   Und damit Lied am Ende. *)

*) Die beyden Reihen hat der Novellen-Dichter dem verstorbenen braven Bürger abgeborgt.
  Ich merk´ es.
        Der Setzer “

 

1819

Sch-t. Für die Juden. In: Der baierische Verfassungs-Freund. Erster Band. München. Digitalisiert von Google

[S. 37] So gerne ich meine als so gefährlich angegebene Behauptung unterdrücke, und auch von Andern unterdrückt wissen will, so herzlich wünsche ich, daß die vorgeschlagenen Mittel zum schönen Ziele führen mögen, aber wenn nur die Wenn und die Aber nicht wären, sage ich mit Bürger, hätte man aus Häckerling Gold schon gemacht! - Glaubt denn der Verfasser, daß es die Regierung bisher unterließ, sich soliden christlichen Häusern zu nähern? aber was half diese Näherung, wenn sich diese immer mehr zurückzogen?
  ´Man räume allen gleiche Rechte und Vortheile ein, man mache den Kurs der Staatspapiere von den Manipulationen und heimlichen Geschäften einzelner jüdischer Häuser unabhängig, und es wird nicht an Christen fehlen, die der Regierung für den gemäßigsten Gewinn Zutrauen und Unterstützung anbiethen!´
   Ich frage hier: worinn bestehen denn die Vortheile und Vorrechte die man in allen bisher vom Staate ausgegangenen Geschäften den Juden einräumte?
   Alle Anlehensgeschäfte, die der Staat in den letzten kummervollen Jahren machen mußte, wurden nicht geheinmißvoll behandelt, und es läßt sich ohne Kränkung der Regierung nicht denken, daß sie Kontrakte hierüber bey ganz gleichen Bedingungen nicht eben so gerne mit ihren christlichen Unterthanen würde abgeschlossen haben, wenn diese nicht entweder Mißtrauen zum Staate, oder eine noch weniger zu ersättigende Gewinnsucht davon zurückgehalten hätte! “

 

1819

Wähner, Friedrich. Rez. Der Declamationssaal von Th. B. v. Sydow. In: Janus, 20. Jänner. Wien. Digitalisiert von Google

“[S. 153] Da nun aber nicht auf jeder Station ein berühmter Dichter lebt, so hat sich der fahrende Schüler geholfen durch Aufnahme von allerlei Erbärmlichkeiten, die dicht neben guten Sachen stehen. Ein widerliches Ding ist besonders: Edle Rache eines Juden von Präzel. Es schmeckt etwas nach dem braven Mann von Bürger, ist aber als Gedicht im Grunde davon so weit entfernt als nur irgend ein Schurke von der Tugend.“

 

1819

Wähner, Friedrich. Kritische Ausflüge. In: Janus, 10. April. Wien. Digitalisiert von Google

“ [S. 19] Motto mit einer kleinen Veränderung aus Bürger.
       Dichten? Dichten? Nichts als plattes Dichten?
       Nun so dichtet euch denn satt und matt.
       Zur Vergeltung will ich euch auch richten,
      Wie noch keiner euch gerichtet hat.“

 

1819

Stein, Karl. Wer bin ich? In: Der Freimüthige für Deutschland, 12. Januar. Berlin. Digitalisiert von Google

“ Sie sind entlassen! Hier empfangen Sie noch Geld, mehr als Sie verdienen. (Er warf ihm eine Rolle Silbergeld zu.) Nehmen Sie, setzen Sie sich auf Ihr Roß, und reiten Sie so schnell von hinnen, wie der Tod in Bürgers Ballade.
   ´Recht gern,´ erwiederte dieser schlau lachend, wenn ich auch die Braut mit mir nehmen kann, wie dort der Tod seine Leonore. Ohne die liebreizende Frau hier, gehe ich nicht von dannen!´ “

 

1819

Anonym. Nichts Neues unter der Sonne. Erinnerung an Höltys Leben. In: Der Freimüthige für
Deutschland, 17. Februar. Berlin. Digitalisiert von Google

“´Im Sommer 1773 feierte man [Hölty, Boie, Hahn, Bürger, Miller, Voß, die beiden Grafen von Stolberg] Klopstocks Geburtstag. Vater Klopstock und Vater Rhein machten die Unterhaltung warm: man schwebte in Höhen der Begeisterung; man blickte mit edelm Unwillen auf den Leichtsinn, der damals Ernst und Gefühl für Großes hinweg tändelte. Der verständige Boie suchte Entschuldigung, man ward heftiger. Einer trug die komischen Erzählungen [von Wieland] herbei. Verbrannt! rief es umher, und sogleich loderte die Flamme auf. Hier auch, rief ein Anderer, das Fratzengesichr aus dem Taschenbuch! Ein Jubel entstand, da dreimal das arme Bild von der Hitze wieder auffuhr. Der plötzliche Vorfall, der nichts als ein jugendlicher Muthwille gegen den Mißkenner des Desipere in loco war, endigte damit, daß Boie lächelnd die Unbändigkeit verwies.´
     So erzählt einer der edelsten deutschen Männer, Johann Heinrich Voß, einen kecken Jugendscherz. Wieland war damals ein schon sehr namhafter Mann, lebte an einem der gebildetsten deutschen Höfe als Erzieher des Erbprinzen, und wurde von göttinger Studenten im Bilde verbrannt!
     Ob man damals auch geschrien hat von unreifen Aristarchen? von Knaben, die klüger seyn wollen als Männer? von Schülern, die ihre Lehrer zu meistern sich erdreisten? von schweren symbolischen Verbal- und Realinjurien? von freventlicher Beleidigung eines fürstlichen Hofes? - Und wie mag der lebendig empfindende, der alles Unrecht tief fühlende Wieland sich bei diesem schrecklichen Attentat auf seine Ehre benommen haben? Ob er seine Beleidiger nicht von feilen Federn durch alle Zeitblätter jagen lassen? ob er nicht selbst die ganze Hölle gegen sie aufgehetzt? ob er nicht den göttinger Lehrern nachspähen lassen, die ihm vermuthlich eine solche Beschimpfung bereitet hatten? oder ob er von dem allen nichts gethan, und die ausgelassene Jünglinge in Frieden und Ruhe zu deutschen Ehrenmännern hat reifen lassen? “

 

1819

Prognostikon. In: Wochenblatt der Stadt Dilingen, 27. Oktober. Digitalisiert von Google

“[o. S.] Prognostikon.
   Vor Feuersgluth, vor Wassernoth
       Mag sicher fort der Erdball rücken.
   Wenn noch ein Untergang ihm droht,
       So wird er in Papier ersticken.
                         Bürger 

 

1819

X. P. Z. Debatten und Berichtigungen. In: Beilage zum Hesperus, September. Prag. Digitalisiert von Google

“[S. 207] Ich machte diese Rüge nach meiner besten Ueberzeugung, ohne dazu durch Nationalismus bewogen zu seyn. Dagegen tritt der Recensent des Malerischen Taschenbuches in der Chronik, July 1818. S. 235 auf, und macht mir in Betreff der gerügten Stelle in den ´Erinnerungen an eine Lustreise im May 1806 von Wien nach Preßburg,´ die in jenem Taschenbuch stehen, den unverdienten Vorwurf: ´Wenn wir nach den Grundsatze Bürgers: die schlechtesten Früchte sind es nicht, woran die Wespen nagen, diesen Aussatz beurtheilen wollten, so müßten wir allerdings manches zu seinem Vortheile sprechen, [...]. “

 

1819

T. B s. Berliner Kaleidoskop. III. Leben und Thaten eines Gassenjungen. In: Der Gesellschafter oder Blätter für Geist und Herz. 18. Dezember. Digitalisiert von Google

“[S. 817] In einer Viertelstunde hatte ich den Homer, den Voltaire, den Horaz und den Shakspeare auf - und wieder zu geschlagen: meine Pfeife gestopft und wieder weg geworfen, aus den neuesten Zeitungen rasch nur die malitiösesten Theater-Rezensionen heraus gelesen, und sie nicht des Lesens Werth gefunden - da dachte ich: ´Es wird mir hier zu eng im Schloß, ich will, ich muß in's Weite!´ “

 

1819

J. G. Theater in der Leopoldstadt. In: Der Sammler, 23. Jänner. Digitalisiert von Google  

“[S. 40] (Theater in der Leopoldstadt.) Den 19. Jänner zum ersten Mahle Leonhartel und Blondinl. Parodie in Knittelreimen mit Gesang und Tableau in einem Aufzuge, nach Bürgers Gedicht: ´Leonardo und Blandine´ bearbeitet von Hrn. Hoff. Die Musik ist vom Capellmeister Hrn. Volkert. Das Tableau von Hrn. Pantomimenmeister Rainoldi arrangiert.
    Der Titel spricht deutlich den Inhalt dieser Parodie aus. Parodie?- Wenn Unsinn, Zoten, Schimpfwörter, Ausdrücke, deren sich nur der Auswurf des Pöbels bedient, den Charakter einer Parodie bilden, so steht wohl dieses Geschreibsel unter allen derartigen Dichtungen oben an. [...]”

 

1819

Sehring, W. Morpheus Zauberlaterne. In: Der Freimüthige für Deutschland, 25. August. Berlin.Digitalisiert von Google

“[o. S.] Mit dem ersten Geschrei des Hahns wachte ich auf. Doch war es keinesweges das Bon jour Madame! welches jener Hofsultan der jungen Gemahlin des alten Tithon zurief, was den Bruder des Todes von meinem Strohlager verscheuchte. Ich fuhr vielmehr, wie Bürgers Lenore, ums Morgenroth empor aus schweren Träumen. Morpheus hatte mir, und zwar mit dem täuschendsten Scheine der Wahrheit ein grauses Gesicht vorgespiegelt. Ich träumte nämlich: ich sey -”

 

1820

Erhard, Heinrich August. Gottfried August Bürger, und mit ihm Berührung einiger seiner Zeitgenossen. In: Die Mitwelt

“[S. 95] Es ist nicht unbelohnend, und kann nur den Tadel oberflächlicher Köpfe veranlassen, daß die Manen Bürger´s noch einmal eingeladen werden, zu der Unterwelt sich herabzulassen. Bürger war Balladendichter, Nationaldichter im vollsten Gehalt des Worts, und sonach, da schon jetzt viele seiner Gesänge, besonders auf dem Lande, von Mund zu Mund sich fortpflanzen, ist es entschieden, daß sein Ruf durch die Vox populi noch lange stehn wird, gegründet in seinen Gesängen durch hohen Beruf und durch kunstlose Ausführung. - Wenn denn auch bei diesem Volksdichter, einer Zierde seiner Zeit, künftige Jahrhunderte fragen werden “wie wurde er geehrt? wer wand ihm den Lorbeer? wer gab ihm die glückliche Freiheit, das dolce far´niente! in der Phantasiewelt schwärmen zu dürfen?” so muß es auch hier wieder heißen: “die Bedrücker kannten ihn nicht, die Bedrückten konnten ihn nur mit Worten bewundern; und es ging auch ihm fast wie dem blinden Homer, der seine Gesänge vor den Säulengängen der Palläste um ein Geringes recitirte.”

[S. 137] Seine [Bürgers] Geständnisse sind oft nicht die rühmlichsten, und seine Lebensverwirrungen wohl zu entschuldige, aber nicht zu rechtfertigen. Ehrten, bewunderten wir nicht den Dichter, liebten wir nicht seine flatterhafte, unbesonnene Gutmüthigkeit im wirklichen Leben, wir würden bei alle dem, was wir von ihm gehört, und noch mehr bei dem, was wir nicht gehört, auf den moralischen Menschen mit Steinen werfen.

[S.145] Die Kälte, mit welcher man größtentheils die Nachrichten von Bürgers letzter Lebensperiode und seinem Tode in Göttingen aufgenommen, hatte ihren Grund in Stadtgesprächen. Die geschiedene Ehefrau hatte nemlich auch ihre Parthei, suchte sich auf Bürger´s Kosten vielleicht auch wohl mitunter zu rechtfertigen, und es liefen Gerüchte umher, daß er bei den Ausschweifungen der Gattin nicht aus Blindheit, sondern des Vortheils wegen geschwiegen, und daß seine ganze Krankheit die Folge gemeiner Ausschweifungen, welche den Krankheitsstoff gleich mit sich führen, sey.

[S. 147] Dazu kam, daß er in Göttingen unter seinen jungen Freunden in einer strengen Schule der Prosodie erzogen war, und daß sein herrlicher Freund Boie es nie zugab, wie er dem jungen Roß nach ungebahnten Wegen den Zügel lasse. Um so vollendeter, ansprechender, dauernder stehn aber auch seine Geistesprodukte da, weil er aus sich selbst herausging, nicht, wie Dichterlinge sich selbst gefiel, sondern den Eindruck berechnete, welchen seine Posie machen müsse.

[S.151] Am reichhaltigsten, glücklichsten und ruhmwürdigsten blieb Bürger ohnstreitig in der Dichtungsart, die er selbst “episch-lyrische Gedichte” nennt. Seine Romanzen und Balladen, überhaupt seine Volksgesänge und volksthümlichen Lieder gehören darunter. Einen überjährigen Samen für die Zukunft hat er sich dadurch gestreuet; ihm grünt durch sie ein ewiger Lorbeer. Jahrhunderte werden vergehen, und der Deutsche kennt und liebt - die Lenore - den Raubgraf - die Weiber von Weinsberg - schön Sußchen - Lenardo und Blandine - Frau Schnips - den wilden Jäger - des Pfarrers Tochter zu Taubenhain - den Kaiser und Abt u.s.w.[...] In Gedichten anderer Gattungen blickt Bürgers Freiheitssinn, sein geschworner Haß gegen alle Dependez vom Staat, seine Verachtung aller Schmeichelei hindurch.

[S. 157] Bürger, als Mensch betrachtet, war als moralischer Mensch nicht von Auszeichnung, sondern er fand seines Gleichen überall. Ein Widerstreit zwischen Empfindung und Vernunft - gute Grundsätze und ungemäßigte Leidenschaften - Genuß und dann Bereuen des Genusses - Maxime im Wort, Laune im Handeln - redlich und gefällig ohne Eigennutz, aber immer an der falschen Stelle - lässig im Einnehmen, locker im Ausgeben - so war Bürger mit vielen anderen sanguinischen Männern. Im Bürgerleben fehlte viel, daß er, als halber, der Weltverhältnisse unkundiger Naturmensch, dem alles abging, sich in Zwang, Ergebenheit und Weltton zu schicken, hier sein Glück hätte machen können. Im allgemeinen aber waren seine Unglückssterne - die Frauen!!”

Ehrhards Beitrag aus der Mitwelt in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1820

Crome, August Friedrich Wilhelm. Das Königreich Würtemberg. In: Geographisch-statistische Darstellung der Staatskräfte von den sämmtlichen, zum deutschen Staatenbunde gehörigen Ländern [...]. I. Theil. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[S. 253] Die Weiber in Würtemberg haben diesen schönen Nationalcharacter noch liebenswürdiger gemacht. Sie sind aber auch sonst sehr liebenswürdig, durch ihre schöne körperliche, meist niedliche Figur, durch ihre hellen, blauen Augen, so wie durch Freundlichkeit, Naivität und Gutmüthigkeit. Dabei sind die Schwäbinnen so arbeitsam in und ausserhalb dem Hause, so genügsam und bescheiden so friedsam, treu und liebevoll gegen ihre Männer, daß Kaiser Conrad wahrlich Recht hatte, wie er die Weibercapitulation von Weinsberg (im Königr. Würtemberg) im Jahr 1141 ratificirte, und der Dichter dieser schönen Romanze (Bürger) hatte nicht minder Recht, wie er ausrief; ´Kommt mir einmal das Freien ein, so muß es eins aus Weinsberg seyn.´ “

 

1820

Schreiber, Heinrich. Einige Bemerkungen über das Schöne, mit besonderer Rücksicht auf die neuern Kunsterzeugnisse. In: Eleutheria. Dritter Band. Freiburg im Breisgau. Digitalisiert von Google

[S. 227] Aus diesem Grunde kann ferner auch das Romantische mit der Plastik nicht zusammenstimmen. Wer könnte sich das Meisterwerk romantischer Schöpfungen, Bürgers Leonore, von dem Meisel ausgeführt denken; nicht einmal als Gemälde oder scharfen Kupferstich. Aus eben diesem Grunde äußert aber auch das Romantische eine so wunderbare Gewalt auf uns.“

 

1820

Anonym. Zootomie. In: Zusammenstellung einiger Hauptmomente aus der Geotomie, Phytotomie und Zootomie. Leipzig. Digitalisiert von Google

“ [S. 500] Athmungssinn äußert sich an der innern Mundhöhle, den Nasenlöchern und der Luftröhre gegen eingeathmete Luft eben so wie Geschmackssinn am Gaumen und Zunge, gegen feste und tropfbarflüssige Körper. Dieser Sinn könnte auch Witterungssinn genannt werden, in demselben Sinne, als in Bürgers Leonore Wilhelm sagt: Ich witt´re Morgenluft. “

 

1820

Businger, Joseph. Strutt von Winkelried und der Lindwurm. In: Schweizer´sche Bilder Gallerie. Erster Band. Luzern. Digitalisiert von Google

“[S. 162] Wir begnügen uns, das ganze seltsame Ereigniß unenthüllt in seinem Wesen zu lassen, und die geschichtliche Uebergabe hier in einer kleinen erzählenden Dichtung, nach G. A. Bürgers Manier, aufzustellen, wie sie von einem vaterländischen Dichter einst besungen worden.
   Es klagte Jüngling, Mann und Braut,
     Es strömte manche Thräne,
   Im ganzen Lande schollen laut
     Nur bange Jammertöne.
   Aus was für Ursach klagte man,
   Aus was für einer Ursach´ rann
      So manche heiße Zähre,
      Hört eine alte Mähre? “

 

1820

Anonym. Ueber die dießjährige Kunstausstellung in Dresden. In: Kunst-Blatt 23. November. Digitalisiert von Google

“[S. 375] Zwey anspruchslose Bildchen von recht guter Wirkung sind No. 14. unverhofftes Wiedersehen, und No. 16. Scene aus Bürgers Lied vom braven Manne. Beyde vom Hofmaler Kehrer. In No. 16 fehlte den Eisschollen das Durchsichtige und die grünlichen Tinten, sie sahen daher wie Kreide aus. “

 

1820

D. B. Frankfurt a. M. den 6. Dec. In: Literatur-Blatt, 24. November. Digitalisiert von Google

“[S. 1256] Die zwey neuen Stücke, die uns der Monat November gegeben, sind: die Truhe von Fr. Kind und Klara von Montalban, nach einem Roman der Frau von Genlis bearbeitet, von Elise Bürger. [...] Das Schauspiel der Frau Bürger, habe ich weder gesehen noch gelesen, ich kann aber doch mit Verstand darüber urtheilen. Ein hiesiges Thealter-Blatt hat das Stück sehr getadelt, die Verfasserin selbst aber ist öffentlich aufgetreten, und hat es sehr gelobt. Die Mitte zwischen sehr schlecht und sehr gut, ist mittelmäßig gut, und dabei bleibe ich stehen. Man darf es der Verfasserin nicht zum Vorwurfe machen, daß sie sich selbst Recht verschafft, sie ist dazu genöthigt worden. Sie sagt: ´Da die Direktion mir noch ein Schauspiel in Jamben abgekauft hat, und geben wird, so war ich es derselben schuldig, wenn ich auch um meinetwillen gern geschwiegen hätte.´ Wir erwarten die Jamben und schweigen. Doch darf ich nicht zu erwähnen vergessen, daß Frau Bürger auch ein Deklamatorium gegeben hat. Eines Urtheils darüber enthalte ich mich, da ich meiner Unbefangenheit hierin nicht traue; denn das Deklamiren liebe ich schon darin nicht, weil man kein deutsches Wort dafür hat.“

 

1820

Anonym. Englischer Literaturbericht für Juni und Juli 1820. In: Kunst-Blatt, 23. November Stuttgart, Tübingen. Digitalisiert von Google

“[S. 320] Macbeth ist von Hatlitt weniger gründlich erörtert worden, wie andere Stücke. Die Analyse desselben von Richardson ist vielleicht unübertrefflich. Der englische Kritiker bemerkt, daß Bürger, bekanntlich Macbeths deutscher Uebersetzer, versucht habe, dem Charakter Banquo's durch Einlegung einer Scene und eines Monologs, in welchen die Kraft und Größe seiner Natur sich entwickelt, mehr Wichtigkeit zu verleihen. Da Shakespeare Macbeths Gewissensqual eher der Ermordung Banquo's als dem noch strafbareren Morde Duncans zuschreibe, so habe diese Aenderung einen guten Effect. Ein anderes Verdienst der deutschen Bearbeitung bestehe darin, daß die Hexen in ähnlichen Masken zu erscheinen angewiesen würden, welches die lächerliche Wirkung des auf der englischen Bühne erscheinenden Chors verhindere.“

 

1820

R. D. Rez. Böhmische Literatur. In: Hesperus, Juli. Prag. Digitalisiert von Google

“[S. 181] Eben der erste im J. 1806 erschienene Band des Verkündigers enthält in vier Abtheilungen mehrere der gelungensten originellen und übersetzten Ausarbeitungen. [...] Luzians Tymon und Bürgers Leonore von Joseph Jungmann; [...].

[S. 189] Von Joseph Rautenkranz zuletzt vor seinem Ableben Pfarrer zu Sedletz in Böhmen. [...] die Pilgerin nach Bürgers Ballade; [...]. “

 

1820

Müller, Johann Georg Christoph. Huldigung dem Genius des Wahren, Schönen und Guten! Nürnberg. Digitalisiert von Google

“[S. 11] Bürger.
   So lang ein edler Bidermann,
   Mit einem Glied sein Brod verdienen kann,
   So lange schäm er sich, nach Gnadenbrod zu lungern;
   Doch thut ihm endlich keins mehr gut,
   So hab er Stolz genug und Muth,
   Sich aus der Welt hinaus zu hungern! “

 

1820

Müchler, Karl (Hg.) Die Blumensprache. Nach dem Französischen der Frau Charlotte de Latour. Berlin. Digitalisiert von Google

“[S. 313] Die Blumensprache.
    Der Winter hat mit kalter Hand,
    Die Pappel abgelaubt,
    Und hat das grüne Maigewand,
    Der armen Flur geraubt;
    Hat Blümchen, blau und roth und weiß,
    Begraben unter Schnee und Eis. *)

Mit einem Worte, weil uns die Wintermonate fast nur wenige farbenlose Blumen darbieten, so wollen wir diese Leere damit ausfüllen, daß wir uns an dem Gebrauch der Farben bei unsern Vorältern erinnern.

*) G. A. Bürger “

 

1820

N. [Rez.] Die Weihnachtsfeyer nach Anleitung des römischen Breviers. 1818. In: Münchener allgemeine Literatur-Zeitung, Dienstag, den 25ten des Ostermonats. München. Digitalisiert von Google

“[S. 259] 5. Auch hätte bey der Wahl des Metrums überall gleiche Behutsamkeit und Klugheit vorherrschen sollen. So ist z. B. der Hymnus S. 135 ff. seinem Inhalte nach recht schön, ansprechend, sogar vortrefflich; allein, wer Bürger's Gedichte nur ein einziges Mal gelesen hat, wird unwillkürlich schon nach der ersten Hälfte der ersten Strophe an ´Knapp' sattle mir mein Dänenroß` u.s.w. oder an ´Lenore fuhr um's Morgenroth` u.s.w. erinnert; und darauf hin geht's mit den frommen Empfindungen, die der Geist jenes schätzbaren Hymnus erwecken sollte, freylich wohl nicht anders, als Hopp Hopp Hopp - im sausenden Galopp . . . . “

 

1820

Radlof, Joh. Gottlieb. Nachschrift. In: Ausführliche Schreibungslehre der teutschen Sprache [...] Frankfurt a. M. Digitalisiert von Google

“[S. XVIII] Nun noch einige Schutz- und Trutzworte wider Herrn Jak. Grimm. [...] Äusserst befremdend ist es dabey, dass er nicht allein den Gedanken hiezu der K. Akademie als seinen eigenen preiset, woran sie vormals gar nicht gedacht habe, sondern auch die, von ihr mitbezweckte Schulgrammatik, so wie allen Schulunterricht über die Muttersprache überhaupt als eine Thorheit, deren sich weder Griechen noch Römer schuldig gemacht, blos besshalb vorwirft, weil die Sprache nur bewußtlos erfunden sey, und also auch nur auf diese Weise erlernt, und auch so nur von Dichtern fortgebildet werden könne. Ohne Selbstbewußtseyn giebt es jedoch kein Denken, und ´ohne Denken gleicht (selbst nach dem Dichter!) der Mensch dem Öchs- und -´ -;auch scheint, nach S. 1. seiner Weihung zu schließen, Herrn Grimms Bekanntschaft mit den Griechen, eben so jung, als die, minder Geschichte unserer Sprache, da er weder weiß, dass eben die Griechen allen Unterricht in und mit der Muttersprache und ihrer, damals viel ausgedehnten Grammatik begonnen; noch, dass div wissenschaftlichen Systeme auf die Bildung unserer Sprache, wol eben so viel, wenn nicht mehr Einfluss gezeigt haben, als, die Dichtkunst.”

 

1820

Prof. Dr. R. in T. Ansichten über die Traumwelt, und die Kunst zu träumen. In: Jahrbücher für den Lebens-Magnetismus oder Neue Askläpieion. Dritten Bandes zweites Heft. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[S. 91] Klassifikation der Träume. [...] Nach dem Grade ihrer Vollkommenheit, 1) In den Uebergangszuständen vom Wachen zum Schlafe, und umgekehrt, (dem Halbschlummer und der Schlaftrunkenheit) vermischen sich oft aufs sonderbarste die Sprache des Wachens und des Traumes; z. B. ich schlummere mit irgend einer Ideenreihe ein; aus der Traumbildersprache steigt etwa ein Mensch, dem ein anderer auf dem Rücken sitzt auf, der noch wachende Verstand spricht in seiner Wörtersprache fort, aber die Personen aus der Traumwelt machen die allerunpassendsten Gestikulationen dazu, bis jener entschläft, und nun erst hinter ihm der verborgene Traum ganz hervortritt. —
     Die Lebhaftigkeit und Verworrenheit (Deliriumsartig) der Morgenträume ist allgemein bekannt.
   ´Lenore fuhr ums Morgenroth
   Empor aus schweren Träumen!´
Dieser Morgenträume erinnern wir uns daher auch am lebhaftesten beim Erwachen. — “

 

1820

Schilling, Gustav. Die Familie Bürger. Zweiter Theil. In: Schriften von Gustav Schilling, Neunter Band, Dresden. Digitalisiert von Google

“[S. 25] Nach wenigen Minuten kam die junge Frau, mit einem reizenden Nachtkleid angethan, ihm nach und fragte, seine Hand ergreifend – Sind Sie überzeugt, unbemerkt in mein Schlafzimmer gekommen zu seyn?
Das weiß nur Gott; ich hoffe es! Mir öffnete mein Hausschlüssel die Thür, es regte sich nirgends und ich trat nicht hörbarer auf, als Lenardo in Bürgers Romanze.
S. Immer noch der Alte – der Bilderreiche!
E. Der Kaufmann Vilß Ihr Mann? Und wie kam er denn, als solcher, zu diesem Amte?”

 

1820

Radlof, Joh. Gottlieb. Ausführliche Schreibungslehre der teutschen Sprache, Frankfurt a. M. Digitalisiert von Google

“[S. XVIII] Nun noch einige Schutz- und Trutzworte wider Herrn Jak. Grimm. [...] Äusserst befremdend ist es dabey, dass er nicht allein den Gedanken hiezu der K. Akademie als seinen eigenen preiset, woran sie vormals gar nicht gedacht habe, sondern auch die, von ihr mitbezweckte Schulgrammatik, so wie allen Schulunterricht über die Muttersprache überhaupt als eine Thorheit, deren sich weder Griechen noch Römer schuldig gemacht, blos besshalb vorwirft, weil die Sprache nur bewußtlos erfunden sey, und also auch nur auf diese Weise erlernt, und auch so nur von Dichtern fortgebildet werden könne. Ohne Selbstbewußtseyn giebt es jedoch kein Denken, und ´ohne Denken gleicht (selbst nach dem Dichter!) der Mensch dem Öchs- und -´ -;auch scheint, nach S. 1. seiner Weihung zu schließen, Herrn Grimms Bekanntschaft mit den Griechen, eben so jung, als die, minder Geschichte unserer Sprache, da er weder weiß, dass eben die Griechen allen Unterricht in und mit der Muttersprache und ihrer, damals viel ausgedehnten Grammatik begonnen; noch, dass div wissenschaftlichen Systeme auf die Bildung unserer Sprache, wol eben so viel, wenn nicht mehr Einfluss gezeigt haben, als, die Dichtkunst.”

 

1820

Passow, Franz. Ueber die romantische Bearbeitung Hellenischer Sagen. In: Philomathie von Freunden der Wissenschaft und Kunst, Hg. L. Wachler, Zweiter Band, Frankfurt am Main. Digitalisiert von Google

“[S. 112] Diejenigen aber, die wirklich den guten Willen hatten, eine schöne Erinnerung aus der Vorzeit dichterisch zu verjüngen, vergriffen sich in den Mitteln, und wählten meist das ungehörigste, widersprechendste, das sich denken ließ, den Bänkelsängerton der von den Franzosen entlehnten komischen Erzählung, die man dann wohl als Romanze gab und gutmüthig dafür nahm. Dadurch wurde denn nichts vergegenwärtigt, nur die Einbildungskraft getrübt und verwirrt: der Vater der Götter und Menschen stieg herab zum faunischen Weltmann, zum hungrigen Leyermann der dichterisch kühne Apollo, und dem jugendlich zarten Bachus fehlte nur noch Ein Schritt zum Falstaff. So wurde man gemein, wo man volksmäßig werden wollte, man verzerrte statt anzunähern, und was unter andern Umständen auf niederer Stufe als Parodie hätte gelten mögen, verlor anjetzt auch diese Bedeutung, weil denen, zu deren Gunsten so handgreiflich gescherzt ward, die Grundform unbekannt war. Wie tief dieß Uebel gewurzelt hatte, zeigt der Einfluß, den es selbst auf edle, der Urschöne des Alterthums wohl kundige Geister ausgeübt hat. Bürgers Prinzessin Europa vereinigt alles in sich, was von dieser Seite gesündigt werden konnte, und dient darum zugleich als Vorbild und als Entschuldigung für die, deren Gemeinheit sich noch heut zu Tage in ähnlichen Erzeugnissen wohlgefällt.
   Dennoch gehört ohne Zweifel Bürger mit zu denen, die mit dem schönsten Erfolg auch für den Volksgesang einen reinern und edlern Sinn anregten. Im Ganzen hatte er den Romanzenton mit einer Kraft, einer Innigkeit und Gemüthlichkeit gefaßt, die nicht ohne tiefe Nachwirkung bleiben konnten: dieß hohe Verdienst wurde durch alle Mißgriffe in Einzelheiten so wenig aufgehoben, daß vielleicht die mitunter gar zu große Häuslichkeit und Ungebundenheit, denen er sich mit unverkennbarer Vorliebe hingab, das ihrige beigetragen haben, der ganzen Gattung bei sehr vielen und verschiedenartigen Hörern den schnellsten Eingang zu vermitteln.”

 

1820

Grumbach, Karl. Der Jugendspiegel, Leipzig. Digitalisiert von Google

“[S. 121] Maximilian Julius Leopold, Herzog von Braunschweig.

In diesem edeln und hochherzigen Manne, auf den sich mit vollem Rechte das schöne, allbekannte Lied Bürgers vom braven Mann beziehen läßt, vereinigen sich fast alle schöne Tugenden, die den ächten, wahren Christen und Menschenfreund bilden und bewähren.”

 

1820

Anonym. Nachricht. In: Intelligenzblatt der österreichischen Literatur. 22. März. Digitalisiert von Google

"Die unterzeichnete Direction gibt sich die Ehre, den edlen Bewohnern Wiens bekannt zu machen, daß sie den in diesem Jahre durch Wasser verunglückten Unterthanen im Marchfeld Freytags den 24. März d. J. in ihrem Theater eine Einnahme bestimmt habe. Es wird an diesem Tage gegeben: Ydor, der Wanderer aus dem Wasserreiche; ein Scherz- und Zauberspiel in 2 Aufzügen von Hrn. Joseph Aloys Gleich. Musik von Herrn Professor und Capellmeister Joseph Drechsler; und zum Schluß Gottfried August Bürgers Gedicht: das Lied vom braven Mann, dramatisch dargestellt und mit Tableau's verbunden von Joseph Aloys Gleich, mit Musik von Herrn Professor Drechsler.”

 

1820

Laun, Friedrich. Wahnsinn der Zeit. In: Zeitung für die elegante Welt. Digitalisiert von Google

“[Sp. 1178] Auf einmal aber geschah ein gar furchtbarer Riß, nicht nur durch das beabsichtigte künftige, sondern auch durch das ganze zeitherige Verhältniß der beiden Häuser. Rudolph war mit Bertha im Garten. Nichts ahnend von den Vorgängen im Hause, zog er nach einigem Auf- und Niedergehen mit ihr, ein Buch aus der Tasche, Bürgers Gedichte. Das Kupfer, wie um Mitternacht ein Reiter mit Leonoren davon jagt, macht Berthen auf das Gedicht dieses Namens aufmerksam. Rudolph liest die ihr noch unbekannte Romanze vor, bis zu der Stelle:
    Graut Liebchen auch? der Mond scheint hell,
    Hurrah, die Todten reiten schnell.
    Graut Liebchen auch vor Todten?
Da wandelt Bertha eine eigene Angst an. Laß ab damit, Rudolph, laß ab! bittet sie, und so angstvollen Angesichts, daß dieser sogleich das Buch einsteckt und sagt: Nein, nein, mein Kind, wir wollen eine ruhigere Bahn einschlagen.
 
[Sp. 1213] Und doch! - Als er nun so durch Wald und Feld mit ihr davon sprengte, daß er nicht Zeit behielt zu einem Worte und von oben der Mond sie anblickte, gerade wie auf dem erwähnten Kupfer das Gesicht Lenorens, da faßte der heftigste Schauer sie an, besonders als ihr Führer sich eben auch zufällig jenes Bildes erinnern mochte, und, so gut es bei so hastigem Reiten gehen wollte, zu singen anhub:
    Graut Liebchen auch? Der Mond scheint hell!
    Hurrah die Todten reiten schnell!
    Graut Liebchen auch vor Todten? -
Aber bei der Wildheit seines Davonsprengens, und der innern, mit welcher er die Töne herausstieß und die schöne Beute an sich preßte, entging es ihm geraume Zeit, daß Bertha ihr Bewußtseyn verloren hatte.

[Sp. 1252] Zu den besondern Schauern der jetzigen Wohnung gehörte der Umstand, daß jener Vers aus der Lenore, welcher Berthan bei ihrer Entführung aus dem Vaterhause so erschütterte:
   Graut Liebchen auch? Der Mond scheint hell.
   Hurrah, die Todten reiten schnell!
   Graut Liebchen auch vor Todten?
ein Lieblingsstück der Räuber geworden schien, das den ganzen Tag um sie her erklang. Ihr dem Tode in die Hand arbeitendes Gewerbe hatte sie den Vers liebgewinnen lassen. Bei allen Gelegenheiten pflegten sie zu singen und zu sagen: Graut Liebchen auch vor Todten? - Bertha drang eines Tages geradezu in Rudolph, daß er dies, wo möglich, abstellen möge.”

 

1820

Anonym. London, vom 1. Sept. In: Rheinische Blätter, 12. September. Digitalisiert von Google

“[S. 590] So wie aber diejenigen, welche sich zu Richtern über die Sittlichkeit anderer aufwerfen, selbst das Muster aller Tugenden seyn müssen, so könnte das Volk seiner Zeit verlangen, ob wohl dieser Richter in einer änlichen Untersuchung gegen sie die Probe halten. Wenn der allein, welcher ohne Flecken ist, das Recht haben kann, den ersten Stein zu werfen; muß ich nicht Gott bitten für ein solches Gericht, welches in meiner Sache Ankläger, Richter und Gesezgeber zugleich ist. - (Wenn fällt hierbei nicht ein Bürger's Frau Schnips?)”

 

1821

Anonym. Hesperus. Encyclopädische Zeitschrift für gebildete Leser. Acht und zwanzigster Band

“[S. 107] Ein Wort über Bürgers Gedichte in der Etui Bibliothek (Aachen bei Forstmann.)
In dem Vorbericht zu Bürgers Gedichten in der Etui-Bibliothek der teutschen Classiker heißt es: "sie, die (Sammlung,) enthält höchstens den dritten Theil des Ganzen, aber gewiß Alles, was der Vergessenheit entrissen zu werden verdiente" - Aber wo bleibt denn, nebst manchem Andern, frage ich, das Lied vom braven Mann? Ein Lied, welches ich noch aus der Schule hernahm? Ich erinnere mich mit vielem Vergnügen, wie sehr es damals meine jugendliche Phantasie beschäfligte, mein Gefühl in Anspruch nahm. Noch heute spricht es mich lebendig an, und gewiß sind noch heute Tausende, die teutschen Sang lieben, mit mir darüber einverstanden. Es ist ein herrliches Lied, das Lied vom braven Mann, und es hätte wohl verdient aufgenommen zu werden. Man konnte ja, wenn der Raum zugemessen war, lieber ein anderes Gedicht der Sammlung fehlen lassen, z. B. der Bauer an seinen durchlauchtigen Tyrannen. - Vorgefühl der Gesundheit. - Das Lied vom braven Manne klingt schöner, und wäre gewiß den Meisten erwünschter. - Das Aeußere der Etui-Bibliothek ist nicht nett ; Papier und Druck ist gut, der letzte mit unbedeutenden Ausnahmen korrekt. Aber warum wählte man für teutsche Lieder, nicht lieber teutsche Lettern statt der lateinischen? - Sammler und Verleger mögen mir diese gutgemeinte Bemerkung nicht übel nehmen.”

 

1821

Hennings, Wilhelm. Deutscher Ehren-Tempel, Band 1 Gotha

“[S. 63] Nachdem er [Schiller] sein Inneres durch die Schätze der Geschichte noch mehr bereichert und seine Ansichten durch das Studium der Philosophie geläutert hatte, mussten auch seine Urtheile über Kunstwerke anders ausfallen. Fast keins seiner frühern Gedichte konnte jetzt mehr vor dem Kunstrichter bestehen. ´Ich habe mir gewissermassen selbst den Krieg erklärt´, sprach er damals. Mit der Strenge, die er gegen die eigenen Werke übte, verfuhr er damals auch gegen Bürgers Gedichte (Allgemeine Lit. Zeitung. 1791.). Er machte an die Dichtkunst die Anforderung: ´Was Erfahrung und Vernunft an Schätzen für die Menschheit anhäuften, muss Leben und Fruchtbarkeit gewinnen und in Anmuth sich kleiden in ihrer schöpferischen Hand; die Sitten, der Charakter, die ganze Weisheit ihrer Zeit muss sie geläutert und veredelt und mit idealisirender Kunst aus dem Jahrhunderte selbst ein Muster für das Jahrhundert erschaffen´. Solche Ansichten leiteten ihn bei Beurtheilung der Gedichte Bürgers. Nicht Persönlichkeit war es, welche das strenge Gericht über jenes Dichters Werke eingab und ihm fast alle Idealität absprach; es war der unmännliche kindische Ton, den ein Heer von Stümpern in die lyrische Poesie einführte, welcher ihn erbitterte, weil er die Würde der Dichtkunst antastete. Und was hiervon Bürger durch sein Beispiel förderte oder in Schutz nahm, hat Schiller hart verurtheilt. Seine Absicht spricht sich deutlich genug in den Worten aus: ´Wenn wir bei Gedichten, von denen sich unendlich viel Schönes sagen lässt, nur auf die fehlerhafte Seite hingewiesen haben, so ist dies, wenn man will, eine Ungerechtigkeit, der wir uns nur gegen einen Dichter von Bürgers Talent und Ruhm schuldig machen konnten; nur gegen einen Dichter, auf den so viele nachahmende Federn lauern, verlohnt es sich der Mühe, die Parthei der Kunst zu ergreifen und an die höchsten Forderungen derselben zu erinnern.´ Jene oft übelgedeutete Rezension will keineswegs den Dichter beleidigen und niederschlagen; kränken wollte Schiller der edle Menschenfreund nie. Alle Vorzüge des Geistes und Herzens Bürgers werden mit Wärme gerühmt; es wird ihm in Bezug auf die Balladen das ehrenvollste Lob ertheilt. Dass ein Dichter von so hohen Talenten sich selbst vollenden und etwas Vollendetes liefern möge, ist der Zweck jener Rezension. Und muss nicht einem Menschen tüchtiger Natur, der nicht von eitler Selbstgefälligkeit verblendet oder durch viele Weihrauchdüfte verderbt ist, ein wohlbegründeter Tadel lieber seyn, als ein schales gehaltloses Lob? Und hatte nicht Schiller in der oben genannten Rezension selbst über Göthes Egmont eine gleiche Gerechtigkeit geübt? Was er in der Antwort auf Bürgers Antikritik erwiederte: ´immer könnte ein Dichter jenes Urtheil geschrieben haben, der freilich nicht die Klugheit besass, seine eigenen Geisteskinder vor der Strenge dieser seiner Theorie zuvörderst in Sicherheit zu bringen,´ er bewährte auch bei der nachher unternommenen Durchsicht seiner frühern Gedichte. Vieles wurde umgeändert, mancher üppige Auswuchs abgehauen, manches ganz vertilgt.“

 

1821

Edmund der Waller. Der neue Grandison. In: Der Sammler, Wien 23. Juny. Digitalisiert von Google

“[S. 298] Carl, zutraulich und gut, voll reger Empfänglichkeit für den Unterricht Cäciliens, erfreute seine Lehrerinn durch bedeutende Fortschritte. Man würde wahrlich andere sieben Bände eines neuen Grandison schreiben müssen, um den ganzen Gang dieser Erziehung darlegen zu können; hier sey es damit genug: nach mehreren Jahren war Carl so weit gediehen, daß von wissenschaftlicher Kenntniß er Alles besaß, was Cäcilie zu geben vermochte; dabey spielte er die Harfe, sang die ´Männerkeuschjheit´ und den ´braven Mann´ von Bürger, auch selbstgedichtete kleine Lieder, und mahlte nach der Natur.“

 

1821

Klingemann, August. Salzburg. In: Kunst und Natur; Blätter aus meinem Reisetagebuche. Zweiter Band. Braunschweig. Digitalisiert von Google

“[S. 351] Zu diesem Behufe, und weil die Fußwanderung zu lange dauern dürfte, wird von zwei weißen Berggeistern, ein sogenannter Wurstwagen vorgefahren, auf welchen ich mich hinter meinem Führer in reitender Stellung niederlasse, indeß jene Kobolde, einer voran, der andere hinterdrein, sausend mit uns von dannen fahren. Der Stollen ist so eng, wie ein aufgerichtetes Sarggehäuse, und die Schädel müssen ohnfehlbar an den Marmorwänden zerschellen, wenn wir uns nur um eine Handbreit zuweit nach dieser oder jener Seite hinüberlehnen. Da gilt es also graden Stand halten, und ich sitze kerzenaufrecht hinter meinem Vormanne, welcher mir oft, wenn der Bergwind uns pfeifend entgegensauset, wie der geheimnißvolle Zunderreiter in Bürgers Lenore vorkommen will.“

 

1821

Über die dießjährige Kunstausstellung in Dresden. In: Archiv für Geographie, Historie, Staats- und Kriegskunst. 17./ 19. Jänner. Digitalisiert von Google

“[S. 36] Zwey anspruchslose Bildchen von recht guter Wirkung sind Nro. 14. unverhofftes Wiedersehn, und Nro. 16. Scene aus Bürgers Lied vom braven Manne. Beyde vom Hofmahler Kehrer. In Nro. 16. fehlte den Eisschollen das Durchsichtige und die grünlichen Tinten, sie sahen daher wie Kreide aus “

 

1821

Barth, Friedrich. Alte Lieder. Hesperus. Nr. 14. des 28sten Bandes. Gedruckt im Jänner. Prag. Digitalisiert von Google

“[S. 112] Es hatte sich Jemand aus der jetzt erscheinenden Etui Bibliothek unter andern Bürgers Gedichte gekauft. Mehrere bewunderten das Büchlein wegen seiner Nettigkeit, lobten Papier und Druck, und Einer sagte: ´Ja, das muß ich mir auch kaufen!´ Er besah wohlgefällig das Werkchen, las darin und rief plötzlich: ´Knapp, sattle mir mein Dänenroß!´ - ´Nein! - Nun mag ich das Buch nicht! Solche alte Lieder! Ich denke, es ist was Neues!´ - So geht's unsern guten, lieben Alten; in die Ecke werden sie geworfen! Und was hat man statt ihrer? Du lieber Gott! - “

 

1821

Gozzi, Carlo. Theodore. Schauspiel in drei Abtheilungen. Hamm. Digitalisiert von Google

“[S. 143]  Theodore zu Gianetto.
Mir ist, als hört' ich Unkenruf in Teichen.

        Gianetto.
Gewiß mit dem nur läßt es sich vergleichen. “

 

1821

Kotzebue, August von. Bücher-Auction. Ein Fragment. In: Aus August von Kotzebue´s hinterlassenen Papieren. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[S. 199] Herr C.
 Der Name S. war blos ein nomen collectivum, und wurde gebraucht, um einen übermüthigen Kriticus, oder einen von Dünkel strotzenden Gelehrten zu bezeichnen; so wie die Griechen einen Rabulisten Sycophant zu nennen pflegten, ohne daß man deswegen behaupten könnte, es habe würklich einen Menschen Namens Sycophant gegeben.
       Herr D.
Sie irren, meine Herren. Wir haben einen alten deutschen Volksdichter ans dem achtzehnten Jahrhundert, Namens Bürger, der dieses S--´s. schon in einem Sonnett erwähnt, einer Gattung von Gedichten, die bei dem damaligen Ueberhandnehmen des verdorbenen Geschmacks häufig zu Tage gefördert wurde. “

 

1821

Rango, Ludwig von. Tagebuch meiner Reise nach Rio de Janeiro in Brasilien und zurück. Erster Theil. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[S. 13] Um Deine Erwartungen nicht zu sehr zu spannen, werde ich nun das Portrait des Lootsen liefern. Denke Dir einen vierschrötigen, gegen 12 Zoll langen Prälaten und erinnere Dich dabei des Gedichts, ´der Kaiser und der Abt´ von Bürger:
     Drei Männer umspannten den Schmeerbauch ihm nicht.
     Wie Vollmond glänzte sein feistes Gesicht.
so hast Du, wenn Du zwischen Deinen Farben noch etwas Gutmüthigkeit, für das Collorit des Gesichts mischest, ein treues Portrait des Menschen, der uns ohne weitere Unglücksfälle, den Donnerstag früh um 5 Uhr, hinter Cuxhaven, in die See förderte.“

 

1821

W. Griechenland. In: Der Staats-Bürger. 7. Sept. Augsburg. Digitalisiert von Google

“[S. 79] Hohes Interesse flößt jedem Gemüthe das Schiksal eines Volkes ein, das der angebornen Menschen-Würde und der durch die Taufe erhaltenen höhern Weihe eingedenk, dem Tode, und was quälender, Tausend Martern sich preis gibt, um dem Sklavenstande sich zu entreißen, in den der Ahnen Schuld und Europa's Sorglosigkeit es gestürzt. Mögen immerhin Leute, inkrustirt in der angeerbten Politik eines Gleichgewichtes, das längst nicht mehr besteht, oder untergegangen im Merkantil-Interesse Englands, worüber Frhr. v. Gagern jüngst (Beil. Nr. 145 zur A. Zt.) so wahr und schon sich ausgesprochen, oder endlich `eingefuttert von irgend eines Hof-Mahls Broken` wie Bürger sagte, der Legitimität des Großherrn, der patriarchalischen Regierung der Paschas, und dem sorgenlosen Zustande eines zum Helotenstande verdammten welthistorischen Volkes (wie lezthin Maltebrun im Journal des Debats that) das Wort reden: [...]. “

 

1821

Klingemann, Ernst August Friedrich Klingemann. Schill, oder das Declamatorium in Krähwinkel.  In: August Klingemanns dramatische Werke. Siebenter Band. Wien. Digitalisiert von Google

“[S. 232] Exbürgm. (außer sich.) Ich alterire mich dermaßen, daß ich zu einem gewaltsamen Mittel schreiten könnte! - Doch - (mit erhabener Fassung)
  Wenn dich die Lästerzunge sticht,
  So laß dir das zum Troste sagen:
  Die schlechsten Früchte sind es nicht,
  Woran die Wespen nagen!
M. Morger. (piquirt) Wespen? “

 

1821

***. II. Pastoralkorrespondenz. In: Journal für Prediger, Zweiundsechzigsten Bandes Erstes Stück. Halle. Digitalisiert von Google

“[S. 373] Der Glaube, fuhr ich fort, und das Denken sind ja auch keineswegs so feindlich einander entgegengesetzt, daß der Denker schlechterdings auf den Glauben und der Gläubige auf das Denken verzichten müßte. Lassen Sie uns glauben, was wir nicht erforschen können, sobald sich der Glaube nur mit der Vernunft verträgt, und sich in der Erfahrung als heilsam bewahrt! Forschen Sie aber auch nach dem, was zu erforschen steht, denn Sie haben sich ja mit dem Entschlusse, die Theologie zu studiren, das Denken zur Pflicht gemacht. Darum beherzigen Sie, was Bürger sagt:
   Der Geist muß denken! ohne Denken gleicht
   Der Mensch dem Oechs- und Eselein im Stalle.
Und man kann mit Recht hinzusetzen:
   Das Herz muß glauben! ohne Glauben reicht 
   Der Mensch nicht aus auf diesem Erdenballt. “

 

1821

Serviere, J. Berichtigungen und Streitigkeiten. In: Allgemeiner Anzeiger der Deutschen, 19. May 1821. Gotha. Digitalisiert von Google

“[Sp. 1561] Antwort auf die Anklage des H. Fritz André, meine Pyrotechnie betreffend, in Nr. 77 vom 19. März 1821
   Wenn dich die Lästerzunge sticht,
   So lasse Dir zum Troste sagen,
   Die schlechtsten Früchte sind es nicht,
   Woran die Wespen nagen.
 Also H. André erdreist sich hier, ein Werk öffentlich anzuklagen, [...] “

 

bis 1789    1790-1799    1800-1806    1807-1815    1816-1821    1822-1825    1826-1828    1829-1831    1832-1836    1837-1840    1841-1845
1846-1850    1851-1855    1856-1858    1859-1861
 
  1862-1865    1866-1870    1871-1899    1900-1949    ab 1950



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06022017-101