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Bürger-Rezeption
 

Bürger-Rezeption Volltexte 1822-1825

bis 1789
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1846-1850    1851-1855    1856-1858    1859-1861
 
  1862-1865    1866-1870    1871-1899    1900-1949    ab 1950


 

1822

Niemeyer. Chr. Ueber die russischen Dichter. In: Zeitung für die elegante Welt. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[Sp. 1323] Als glücklicher Uebersetzer ist auch Zhukovskij berühmt. Seine Liudmilla (eine Nachahmung der Bürgerschen Leonore) wird für kräftiger und schöner gehalten, als das Original selbst. Bürger ist Zhukovskij´s Lieblingsdichter.“

 

1822

Müllner, Adolf Amandus Gottfried. Rezension Friedrich von Schillers Leben. Hg. Heinrich Döring. In: Literatur-Blatt Nr. 81

“[S. 322] Dagegen sind S. 121 die Aufschlüsse angeführt, welche Goethe in der Morphologie Bd. 1. Heft 2. S. 107 über Entstehung des Aufsatzes: Naive und sentimentale Poesie, gegeben hat; woher aber hat der V. die Nachricht S. 123 genommen, daß Bürger damals (in den Jahren 1790 - 1794) nach Weimar gekommen, und mit Schiller verabredet, daß beyde dasselbe Stück im Virgil, jeder in einem selbstgewählten Versmaße, übersetzen wollten? Ref. bezweifelt sie sehr. Bürger starb 1793, er war vor seiner dritten unseligen Verheyrathung, die im J. 1790 erfolgte, nur Einmal in Weimar, bey Gelegenheit einer Reise zu seiner Schwester in Sachsen; sein Aufenthalt in Weimar war sehr kurz, und die bekannte Anecdote von seiner unpoetischen Aufnahme bey Goethe macht es unwahrscheinlich, daß er mit einem Freunde Goethe's, wie es Schiller damals seyn mochte, in solch´ einen Dichterbund getreten sey, mit welchem überdieß der kritische Anfall Schillers auf Bürgers Gedichte in der Allg. Lit. Zeit. v. J. 1791 nicht wohl vereinbar wäre. So viel Rec. weiß, (er hat Bürger genau gekannt) standen beyde Dichter niemals in engeren, freundschaftlichen Verhältnissen, und eine Erdichtung solcher Verhältnisse würde, eben jenes Anfalles wegen, Schillern wenig zum Ruhme gereichen, da derselbe damals gegen Bürger's moralischen Character Angriffe machte, welche man höchstens der Feindschaft nachsehen kann. Auch hat Bürger's Biograph, Reinhard, dieses Aemulationsvertrags mit Schiller nirgends erwähnt, obwohl er in den Sämmtl. Schriften Bürger's Bd. IV. S. 104 über die kritische Fehde beyder Dichter sich ausführlich verbreitet hat. “

 

1822

Lactantius Lanthani. Disputationes in hypothesi, [...]. In: Zeitung für die elegante Welt. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[Sp. 1403] Da man jetzt an Reminiscenzen der Universstätszeit und des Burschenhumors, also auch an solchem sogenannten Schulwitze Behagen zu finden scheint, so will ich einige im Geiste jener Burschen-Erudition gefertigte Titel zum Kosten geben, und abwarten, ob diese Speise gefalle, ob ich eine förmliche Garküche eröffnen, und das Schild mit den schon von Bürger gebrauchten Worten:
  Hilf Gott in Gnoden,
  Hier wird auch Seefe gesoden,
aushängen solle? “

 

1822

Eschenmayer, Carl Adolph von. Psychologie in drei Theilen als empirische, reine und angewandte. Zweite Auflage. Digitalisiert von Google.

“[S. 302] Schiller und Bürger führten über ästhetische Sätze einen Streit in Briefen. Schiller verfocht den Satz: Die Kunst müsse idealisiren.Bürger hingegen vertheidigte den Satz: Die Kunst müsse die Natur nachahmen. Aus dem Vorhergehenden erhellt, daß beide Sätze einander nicht ausschliessen, weil die Kunst diese beide Seiten in sich vereint. Die positive Seite des Schönen wird sich dem Ideal der Phantasie, die negative Seite den Formen der Einbildungskraft in dem Bildlichen der Natur annähern. Wir vereinigen beide Seiten im Indifferenzpunkte. Das Schöne soll seine Formen von der Natur entlehnen, aber durch Gefühl erwärmen und durch das Ideal begeistern. Je mehr Ideal sichtbar wird, desto mehr nähert sich das Kunstprodukt dem Erhabenen, und insofern hatte Schiller recht; Aber die Formen können anderer Seits der Natürlichkeit nicht entbehren, und insofern hatte Bürger recht. Die Griechen haben uns ihre Göttergestalten ganz angethan mit menschlicher Natur dargestellt, aber so, daß man im Menschlichen den Ausdruck des Göttlichen nicht verkennen konnte. Das blos Artistische ist noch kein Aesthetisches, daher ist das blosse Copiren der Natur ohne Werth. Das Ideal muß überall durchschimmern, damit ein höheres Leben als das gemeine sich offenbare.”

 

1822

Weisser, Friedrich C. Friedrich Weisser´s sämmtliche prosaische Werke. Erster Theil.  Digitalisiert von Google.

“[S. 285] Wo ist das Heiligthum der Freude, das ihre feuertrunkenen Anbeter betreten, und was heißt feuertrunken seyn? Läßt sich endlich der Gedanke, die Freude läßt die Menschen den Unterschied des Standes und andere Verhältnisse vergessen, durch welche einer von dem andern getrennt wird, auf eine gezwungenere und undichterischere Art ausdrücken, als es in den beyden Versen:
  ´Deine Zauber binden wieder,
   Was die Mode streng getheilt?´
geschehen ist? Selbst dem Ausdruck fehlt es an Richtigkeit. Wer hat jemahls von einem Zauber, durch welchen irgend ein Ding gebunden wird, gesprochen? Und wie paßt der Begriff des Bindens zu dem Begriff des Theilens. Das Wiederbinden einer Sache setzt nothwendig ein vorhergegangenes Zerreißen, nicht aber ein Theilen voraus. Der Verfasser dieser Bemerkungen war selbst gegenwärtig, als Schiller von diesem Gedicht, welches dem verstorbenen Bürger in seiner Parabel, der Vogel Urselbst, zu den Versen Anlaß gab:
 ´Freund, als in einer guten Laun
  Du über Deinen Gartenzaun
  Der Göttinn Freude nach Dich schwangst,
  Da ward mir doch ein wenig angst´
mit entschiedenem Tadel sprach, und sich das Absingen desselben von der Gesellschaft verbat. Auch aus dem Umstand, daß er dieses schon im Jahr 1785 verfertigte Lied erst in den zweyten Theil seiner bey Crusius in Leipzig erschienenen Gedichte-Sammlung aufnahm, läßt sich schließen, daß er es unter diejenigen Erzeugnisse seiner Muse zählte, die er in der Vorerinnerung wilde Producte eines jugendlichen Dilettantismus, und unsichere Versuche einer anfangenden Kunst und eines mit sich selbst noch nicht einigen Geschmacks genannt hat.”

 

1822

Weisser, Friedrich. Verrathene Dichter-Geheimniße. In: Friedrich Weisser´sämmtliche prosaische Werke. Dritter Theil . Zweite wohlfeile Ausgabe. Ebenso: Schreiben einer Dame an einen Dichter. In: Iris. Ein Taschenbuch für 1811. Herausgegeben von J.G. Jacobi.

“[S. 68] Wohl mag der Dichter sein Werk nicht mit der Leichtigkeit hervorbringen, mit welcher wir es zu genießen pflegen. Er mag sogar flicken, feilen und hämmern. Aber ist es klug von ihm, das Publikum zum Zeugen einer Anstrengung zu machen, bey welcher er trotz einem Cyklopen schwitzt und keucht? Die Herren bilden sich doch wohl nicht gar ein, das Gras würde uns lieblicher zu grünen scheinen, wenn wir es wachsen hörten?

[S. 69] Wir denken uns den Dichter so gern als einen Schöpfer, der die Schönheit durch ein bloßes: Werde! aus dem Nichts hervorruft. Und kann man diese anmuthige, ihm und seinem Werk gleich vortheilhafte Tauschung auf eine muthwilligere und grausame Art zerstören, als es durch die Bürgerschen Briefe geschehen ist?

[S. 70] Auf alle Fälle aber giebt es nichts unästhetischeres, als eine solche ästhetische Lektion, und am wenigsten sollte sie vor dem großen Publikum, das nicht zu wissen verlangt, wie man Verse macht, sondern sich der gemachten bloß ohne unangenehme Störungen und widrige Neben-Ideen freuen will, mit einem Wort, sie sollte nicht vor dem Publikum des Morgenblatts, das bekanntlich aus ganz andern Leuten, als aus Poeten-Lehrlingen besteht, gehalten werden. Uebrigens glaube ich, im Vorbeygehen gesagt, nicht einmahl, daß die glücklichsten Werke des schaffenden Genius aus dieselbe Weise, wie Burger die Lenore hervorbrachte, entstehen. Wenigstens will man von einigen der größten Dichter das Gegentheil wissen. Endlich scheint es mir auch noch, und ein Mann, dessen Urtheil auch Sie stets zu achten pflegten, ist gleicher Meinung mit mir, diese Briefe wären nichts weniger als Muster eines gewählten Stils; und daß darin das dichterische Selbstgefühl, nach der bekannten Weise des guten Bürgers, bis zur Anmaßung gesteigert ist, hat bey mir wenigsten das Vergnügen ihrer Lektüre ebenfalls nicht erhöht.Ist es ein Wunder, wenn ich bey dieser Art zu fühlen für eine lange Zeit kein Gedichte mehr lesen, und keinen Dichter mehr sehen mag? Und da Ihr Dämon es will, daß Sie selbst einer sind, so danken Sie es der unglücklichen und Unglück stiftenden Lenore, wenn ich Sie bitte, mich wenigstens drey Monate lang mit dem Anblick Ihrer Person, und ein ganzes Jahr lang mit Ihren Versen zu verschonen.”

Weissers Geheimnisse in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1822

Schaden, Adolf von. Der böhmische hohe Adel. In: Kritischer Bockssprung von Dresden nach Prag. Schneeberg. Digitalisiert von Google

“[S. 140] Gestern deklamirte mir meine Blondine Bürgers: ´Lenore fuhr ums Morgenroth u. s. w.´ böhmisch, ich war entzückt; — aus schönem Munde umwandeln sich diese harten Töne in amnuthige italische Rundung. “

 

1822

Linden, Emilie. Aus dem Jugendleben einer Matrone. In: Der Sammler, Wien 4. May. Digitalisiert von Google

“[S. 215]
Ich war kaum sechzehn Sommer alt,
  Unschuldig und nichts weiter;
Ich kannte nichts, als unsern Wald,
  Als Blumen, Wies´ und Kräuter *).

So sang ich, während ich meine Blumenrabatte längs des Gartenzauns hin, begoß; da bogen sich die Zweige aus einander, ein freundliches Jünglingsgesicht sah herein, und sagte:
   Da sah ich über'm grünen Zaun
     Im lichten Frühlinggarten
   Ein Mädchen, rosig anzuschau'n,
     Der Schwester - Blumen warten **).
Ich erschrack, daß mir die Gießkanne beynahe aus der Hand fiel. Es war der Prinz L * *! Ich kannt' ihn wohl; als ich vorigen Winter ein Paar Wochen bey meiner Tante in der Stadt war, hatte mir ihn meine Cousine Amalie gezeigt.
   Darf ich hinein kommen, schöne Gärtnerinn, und den Garten besehen?
   Ich knixte. Bis er abgestiegen war und sein Pferd angebunden hatte (er war ohne Begleitung), war mein Entschluß gefaßt, ich wollte nicht thun, als kenne ich ihn; ich wußte nicht recht warum? aber es schien mir besser. Als ich ihm die Thüre aufschloß, sagte er mit einer recht höflichen Verbeugung: ´Verzeihen Sie meine Freyheit; sobald ich Landluft athme, ist mir so leicht und wohl, daß ich mir alles erlaubt halte, was nicht unrecht oder schlecht ist.´ Ich wußte wieder nichts zu sagen — ich war doch ein wenig befangen durch den Prinzen; aber er ging gleich zur Beschauung der Blumen über und zeigte ein so großes Wohlbehagen an meinen Aurikeln, daß mir bald die Zunge gelöst wurde. Nur seine gar freundlichen Augen, die immer die meinen aufsuchten, machten mich zuweilen etwas verlegen und zurückhaltender, als ich sonst war. Denn
   Wie großen Herrn auf du und du
     Scherz' ja bey Leibe nicht!
Das hatt' ich aus Bürger's Gedichten gelernt. Wir Mädchen jener Zeit trugen Klugheit- und Sittenlehre gar seltsam zusammen! Damahls war unsere Erziehung und Bildung noch, dem Zufall überlassen; außer der edeln La Roche früheren Schriften war mir nichts bekannt, was eigends dazu geschrieben wäre. Wir mußten von Früh bis in die Nacht arbeiten, lernten lesen, schreiben, rechnen, und wenn's weit ging, ein wenig Französisch plappern und Clavier klimpern. Aber die gute Mutter Natur hatte uns mit innerer Regsamkeit ausgestattet, die uns antrieb, mit eigenen Kräften das zu erringen, was unsern Töchtern und Enkelinnen schön und sorgsam dargereicht wird.
    *) Phidile, von Claudius.
   **) Robert, Gegenstück zu Phidile, von Bürger. “

 

1822

Weber, Karl Julius. Die Ritterburgen. In: Das Ritter-Wesen und die Templer, Johanniter und Marianer oder Deutsch-Ordens-Ritter insbesondere. Erster Theil. Stuttgart.  Digitalisiert von Google

“[S. 358] Die Phantasie spielte über die Entstehung der Burgen wie der Klöster, und wie mit den daran geknüpften schönen Sagen, die der gemüthliche Historiker gerne auf sich beruhen läßt, wie die Sage von der Burg Weinsberg, Weibertreue genannt. Wegen ihrer Treue, die diese bekannte Sage rühmt, sollen die Weiber noch den Vorrang haben vor den Männern - beym Abendmahle, Bürger hat sie besungen, und zu Weinsberg muß man mehr wissen, ob die Weibertreue da fortgeerbt hat, wie der Adel sich forterbet? und ob des Dichters Aufforderung:
    Kommt mir einmal das Freyen ein,
    so werd´ ich ein´ aus Weinsberg frey´n
von Wirkung gewesen ist? Mir ist nur so viel bekannt, daß des armen Bürgers poetischer Versuch mit einer Schwäbin mehr als prosaisch geendet hat, mit Auszehrung, Scheidung und Tod! “

 

1822

Anonym. Witzfunken und Lichtleiter. Des sechsten Bandes zweiter Cyclus. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[S. 175] Ein herumziehender Schauspieler hatte von einem Bekannten einen Frack geborgt, und ihn nicht rückgesendet. Später wollte er auch ein Paar Stiefel haben; aber, er bekam sie nicht. Er hatte sich jedoch die Stelle gemerkt, wo sie standen, und wußte sie, in Abwesenheit des Besitzers, dem Dienstmägdchen abzulocken, mit dem Vorgeben, der Herr habe eingewilligt und ihm den Ort angezeigt, wo sie stünden. Als er sie nun erhalten hatte, händigte er sofort dem Mägdchen einen Zeddel ein, mit dieser, nach Bürgers Leonore, parodirten, Strophe:
 ´Geduld, Geduld, wenn's Herz auch bricht;
  mit deinem Freunde had´re nicht!
  Des Frackes bist du ledig,
  Gott sey den Stiefeln gnädig!´ “

 

1822

Anonym. Aus St. Petersburg. Im September 1822. In: Abend-Zeitung, 18. November. Dresden. Digitalisiert von Google

“[S. 1104] Diese Lotterie nun, in welcher, ungeachtet der weisesten Einrichtungen nach ausländischem Fuße, dennoch immer, genau erwogen, Fortuna nur die Loose zieht, ist es denn, die fast seit einem Jahre einen großen Theil des Publikums der Residenz, der Provinzialstädte und des Landadels beschäftig. In allen Zirkeln der Residenz und auf dem Lande hört man davon sprechen und die sonderbarsten Plane sich gestalten, deren Grundstein aber leider immer das Wörtlein ´wenn´ bildet. Mir fällt hier Bürger´s: ´Der Mann, der das wenn und das aber erdacht, hat sicher aus Heckerling Gold schon gemacht´, immer ein, wenn ich in diesem Zirkel von weiten Reisen [...]. “

 

1822

Anonym. Correspondenz-Nachrichten Leipzig, Anfang März 1822. In: Abend-Zeitung, 5. April. Dresden. Digitalisiert von Google

“[S. 328] Hr. Wurm ist ferner stark in witzigen Einschaltungen. Wir können dieß in der Posse auch nicht mißbilligen, sey es nur vorher überlegt (prämeditirt), oder von der Begeisterung des Augenblickes eingeflistert (extemporirt), wenn der Künstler nur die Sache auf geschickte Weise zu handhaben versteht. So erinnern wir uns eines Späßchens, welches Hr. W. in dem ´Lügner und sein Sohn´ anbrachte. Als nämlich der Sohn die Autorschaft des Hrn. v. Crack bezweifelt und zu ihm sagt, er habe das ihm vorgelesene Lied in Bürgers Gedichten gefunden, antwortet jener ´Das ist möglich! Bürger hat schon öfters Gedichte von mir für die seinigen ausgegeben. Als seine Lenore erschien, hatte ich die meinige schon zwei Jahre vorher um´s Morgenroth fahren lassen.´ Das doppelt Komische dieser Stelle, nämlich die Wichtigthuerei und der Mißverstand des Morgenroths zwang jedes Zwerchfell zum lachenden Beifall.“

 

1822

Anonym. Kunstanzeige. In: Der Kaiserlich Königlich privilegirte Bothe von und für Tirol und Vorarlberg. 20. Mai, Innsbruck. Digitalisiert von Google

“[S. 160] Am 17. d. M. fand die zweite diesjährige musikalisch-deklamatorische Produktion von dem hier Ortes zur Belebung der Kunst, der Verbreitung derselben im Lande, und Erhöhung der Bildung bestehenden wohlthätigen Vereine statt, und zwar diesmal in dem National-Schauspielhause. [...] Dann Bürgers Lied vom braven Manne, und endlich der schöne Jäger-Chor aus Webers allgemein bewundertem Freischütz. Diese Genüsse gewährten uns die erste Abtheilung. “

 

1822

Anonym. Die Declamatrice. In: Der Gesellschafter [...], 3. April. Berlin. Digitslisiert von Google

“[S. 251] Ein junges hübsches Pachterkind declamirte einst in einer Gesellschaft, in welcher auch der Erzähler anwesend war, Bürgers Gedicht: ´Ich will euch erzählen ein Mährchen gar schnurrig´u.s.w. Bekanntlich kommen hierin die Zeilen vor: Ér (der Abt) schickte nach ein, zwei, drei, vier Universitäten, und fragte bei ein, zwei, drei, vier Fakultäten´. Die kleine Deklamatrice sprach aber ganz unbefangen: ´Er schickte nach zwölfhundert vier und dreißig Univeritäten und fragte bei zwölfhundert vier und dreißig Fakultäten´. Bei dieser ungeheuren Menge von Universitäten und Fakultäten hatten wir natürlich die höchste Mühe, das Lachen zu unterdrücken und im ersten Augenblick war Keiner im Stande, sich die Ursach des Irrthums zu erklären. Endlich fiel mir ein, daß die Kleine vermuthlich dieses Lied nicht aus einer gedruckten Sammlung der Bürgerschen Gedichte, sondern nach einer Abschrift gelernt hatte, worin die Zahl der Universitäten und Fakultäten mit Ziffern: 1. 2. 3. 4. geschrieben waren. Es fand sich so, und das Kind, das wohl kaum wußte, was Universitäten und Fakultäten für Dinge sind, hatte in Unschuld diese Zahlen zusammen gelesen und so diese ungeheure Menge von Universitäten heraus gebracht. “

 

1822

Anonym. Immanuel Kant. Professor der Philosophie zu Königsberg. In: Historische Merkwürdigkeiten in Erzählungen und Anekdoten. Erster Theil. Nürnberg. Digitalisiert von Google

“[S. 109] Auf Beredsamkeit setzte Kant nur einen geringen Werth; sie war ihm weiter nichts, als die Kunst, Andere zu überreden und zu beschwatzen. [...] Unter den teutschen Dichtern befriedigte ihn Haller vorzüglich; er wußte ihn größtentheils auswendig. Späterhin las er gerne einige der Meisterwerke Wielands, auch Bürgers Gedichte.  “

 

1822

Ries, Georg Wilhelm Otto von. Knüttelgedichte, Erzählungen, Schwänke, und ernste Balladen (nicht modern). Altona. Digitalisiert von Google

“[S. 270] Gespräch. A. B. C. D. 1809.
         A.
Wer zählet unser Dichterheer?
 zählt jemand auch den Sand am Meer?
         [...]
          B.
Für einen Alten giebt jetzt manch Journal
Dir zwanzig Poeten, an Nahmen und Zahl.
         A.
Ich glaub' es wohl, die Rechnung mag bestehn,
dass sie zu zwanzigen auf einen Bürger gehn

[S. 317] Der junge Reisende. Schwank.
[S. 320]
Ich weiss nicht, vielleicht gereicht's uns zum Ruhm,
dass wir ohne festes Eigenthum,
wie literarisch freye Nomaden,
durch Wälder und Felder und Steppen waden.
Mir fällt es verdriesslich, mir sagt es nicht zu;
ich sähe doch so gern die lieben Alten,
zum Beyspiel: Klopstock, Wieland, Bürger, uns erhalten.
Was schadet denn des Guten Ueberfluss?
Dann wär's ein doppelter Genuss:
dann blieb das Kalb uns mit der Kuh.

[S. 347]Doch tadelt ihr's? - nun wohl! es ist ja nicht mein Fach.
Ich glaube selbst, ich dreh' zu lang und derb den Faden;
ich stümpre besser wohl Balladen,
dem lieben Meister Bürger nach.

[S. 320]
Ich weiss nicht, vielleicht gereicht's uns zum Ruhm,
dass wir ohne festes Eigenthum,
wie literarisch freye Nomaden,
durch Wälder und Felder und Steppen waden.
Mir fällt es verdriesslich, mir sagt es nicht zu;
ich sähe doch so gern die lieben Alten,
zum Beyspiel: Klopstock, Wieland, Bürger, uns erhalten.
Was schadet denn des Guten Ueberfluss?
Dann wär's ein doppelter Genuss:
dann blieb das Kalb uns mit der Kuh.

[S. 358] Shakespear.
Er folgt dem Zug, von Harmonie bewegt -
da hört' ich Stimmen, welche ´Göthe´ sangen.
Das ist sein Stern! auch der wird herrlich prangen,
wenn einst sein Geist das Leben in ihn trägt.
Noch sah ich manche grosse, lichte Sterne,
Und meinen Bürger grüsst' ich in der Ferne.  “

 

1822

Klähr, Carl Gottfried. Die ungewisse Hochzeit oder die verbrannte Nachricht. In: Neue deutsche Schaubühne, Vierter Band, Augsburg und Leipzig. Digitalisiert von Google

“[S. 243] Zehnter Auftritt.

Blumenfeld. Küster Munter.
 Man holt Gevatter mit den Schimmel aus dem Stall -
    Blumenfeld (verwundert.)
Wien Du willst nach der Stadt?
    Küster.
Ja, ja! ich! knall und fall.
Denn eh' der liebe Mond bei uns ist heimgegangen,
Hast Du aus meiner Hand die Zeitungen empfangen
Du zweifelst ob ich wohl den Ritt noch wagen kann?
Mein guter Blumenfeld! das siehst Du mir nicht an,
Wie ich einst als Student den Hieber umgehängt,
Im schönen Musensitz den wildsten Gaul gelenkt.
Die Damen riefen dann: ´das war der schönste Munter!´
Vom fünften, sechsten Stock sich auf die Straße runter.
Drum hol' mir schnell das Pferd, denn fort gehts hopp, hopp, hopp!
Wie einst Freund Bürger schrieb, im sausenden Galopp!
Denn da's auf mich ankommt - die Hochzeit zu entscheiden,
So will ich mit dem Wind stracks um die Wette reiten. -
Denn Lieb' und Menschenglück - ist jetzt mein Losungswort - “

 

1822

Kotzebue, August von. Ueble Laune. Ein Schauspiel in vier Acten. In: Theater von Kotzebue, Acht und Vierzigster Theil, Prag. Digitalisiert von Google
 
“[S. 221] Saal im Schlosse.
Therese. Ulrike. Tobias (der eben seine Pfeife ausklopft, und sie auf den Tisch legt.)
Ulr. Wo mag unser Gast hingeritten seyn?
Tob. Wären die Kreuzzüge noch in der Mode, so würde ich hoffen, er habe eine Reise
   zum heiligen Grabe unternommen.
Ulr. Er sprengte zur Pforte hinaus, wie der Tod in Bürgers Lenore.
Ther. So wird er mich auch heim holen.”

 

1822

Anonym. Aus Hamburg. In: Zeitung für die elegante Welt, 2. März. Digitalisiert von Google

"Man sah auf letzterer nämlich eine Frau und einen Knaben, die noch glaubten Zeit zu haben, sich von einer Insel zur andern durch einen Kahn zu retten; aber das zu ihrer Rettung bestimmte Boot konnte nicht an die Anhöhe hinan kommen, auch wehte unglücklicher Weise ein überaus starker Orkan, so daß man die Unglücklichen von der Fluth erreicht und verschlungen werden sah; wie schauderhaft muß das nicht für die Zuschauer jener Scene gewesen seyn, und wer erinnerte sich nicht an des unsterblicheu Bürgers Lied ´vom braven Mann´ Aber der brave Mann fehlte - und die unglücklichen Schlachtopfer sanken hinab in die kalten Arme des Todes!”
 

1822

Illing, Christian Rudolph [Jocosus]. Kapitel 4. Die Schranzen. Was ist alles für's Geld zu haben? In: Graf Zenoni, Erster Band, Leipzig. Digitalisiert von Google

“[S. 25] Reich, unabhängig, ohne reelle, solide, gründliche Kenntnisse, ohne bestimmte Beschäftigung, dabei die glühendste Phantasie und ein, jedem Eindrucke offenes Gemüth - so unverantwortlich vernachlässigt - ist da nicht das Unverzeihlichste verzeihlich oder doch erklärbar? Was würde aus den größten Männern alter und neuer Zeit geworden seyn, hätten sie das Unglück gehabt, auf diese Weise verwahrlost zu werden? - Kann man sich wundern, daß Z., wenn er eine Quittung unterzeichnete, (genau so wie Herr von ***) seinem Kammerdiener zurufen mußte: ´Befehlt doch draußen still zu bleiben, Ich muß jetzt meinen Namen schreiben!?´”

 

1823

Horn, Franz. Der Dichter Günther. In: Deutsche Blätter für Poesie, Litteratur, Kunst und Theater.  Digitalisiert von Google

“[S. 59] In der Neigung für das weibliche Geschlecht finden mir ihn bald tyrannisch-heftig, ja wüthend, zuweilen roh, oft aber auch rührend durch die Wahrheit einer flammenden Empfindung. - Zeilen wie folgende:
   In den Feldern will ich irren,
   Und vor Menschen will ich fliehn,
   Mit verlass´nen Tauben girren,
   Mit verscheuchtem Winde ziehn,
   Bis der Gram mein Leben raube,
   Bis die Kräfte sich verschrein,
  Und dann soll ein Grab von Laube
  Milder als dein Herze seyn, -
nähern sich in Gewalt der Sprache und Empfindung den hinreißendsten Gedichten Bürger´s an Molly, aber - o des Jammers in der ungeläuterten Brust! - auf diese herrliche Strophe folgen augenblicklich zwei Zeilen, deren widrige Rohheit nicht einmal näher angedeutet werden darf. “

 

1823

Kritisch-historische Uebersicht des Zustandes der schwedischen Literatur. In: Hermes oder kritisches Jahrbuch der Literatur. Leipzig.  Digitalisiert von Google

“[S. 286] Was den Herrn von Kullberg betrifft, so hat er selbst das wahre und allgemein anerkannte Urtheil über sich ausgesprochen, daß er keinen natürlichen Beruf zur Dichtkunst gehabt, und dieses Urtheil nicht nur durch eine Sammlung seiner versificatorischen Versuche, unter welchen nur einige Uebersetzungen, namentlich die nach den Seegeistern von Amalie von Helwig, die der Leonore von Bürger und des tapfern Alonzo von Lewis, gelungen sind, sondern auch mit dem Bekenntnisse, daß er nur, um sein bürgerliches Glück zu machen, sich der Dichtkunst gewidmet habe, actenmäßig bekräftigt.”

 

1823

Woldemar, Ernst. Zeitung der Ereignisse und Ansichten. In: Der Gesellschafter oder Blätter für Geist und Herz. 119tes Blatt 26.7.  

“[S. 671] Zeitung der Ereignisse und Ansichten.

Berlin. Kann ein Mensch wie ein Buch angesehen werden, warum nicht auch umgekehrt ein Buch wie ein Mensch? Bekanntlich hat sich der berühmte, und wahrlich etwas mehr als berühmte Franklin ungefähr diese Grabschrift gesetzt: ´Hier liegt Benjamin Franklin, ein altes Buch, das nächstens in einer neuen Ausgabe mit verbessernden Zusätzen von dem Autor erscheinen wird,´ — Wie der Mann auf diese originelle Idee gekommen ist, verräth sich leicht, wenn man weiß, daß er in seiner Jugend nichts mehr und nichts weniger gewesen ist, als ein Buchdrucker. In dieser Grabschrift tritt also der Mensch als Buch auf. Unterzeichnetem erscheint aber in Berlin urplötzlich ein Buch als Mensch, und zwar als ein sehr lieber, nämlich als einer von seinen beiden treusten Jugendfreunden. O könnte ich es doch schaffen, daß alle meine Leser und Leserinnen so begierig würden, mich nach ihren Namen zu fragen, als ich selbst den unwiderstehlichsten Trieb empfinde, meine beiden lieben Gefährten aus der allerschönsteu Zeit ihnen zu nennen. Nun mags mit ihrer Begierde seyn, wie es will: ich kann sie jetzt unmöglich ungenannt lassen; es würde mir das Herz abdrücken! Der Eine war der ehrliche Wandsbecker Bote mit seinem Asmus omnia sua secum portans, und der Andere der wahre Sohn der Natur, Gottfried August Bürger mit seinen Gedichten. Nur allzu gern träume ich mich in die goldenen Tage zurück, wo mir die kindische Glätte von dem Kinn wich und das Wörtchen Liebe mehr als nur ein bloßer Laut für mich wurde. Wenn ich dann zu deklamiren anfange:
  ´Knapp, sattle mir mein Dänen-Roß,
  Daß ich mir Ruh' ereite!
  Es wird mir hier zu eng' im Schloß;
  Ich will und muß in s Weite!´ —
so sehe ich das ganze zauberreiche Panorama meiner Jugend wie lebendig vor mir und ich vergesse alles Unangenehme der Gegenwart über eine wonnevolle Vergangenheit!— Man denke, mit welcher herzlichen Freude ich den alten treuen Gefährten hier in der Nachbarschaft des Thiergartens willkommen geheißen habe! Was veranlaßte aber seine Erscheinung an der Spree? Ja, das ist eben die kleine literarische Neuigkeit, die ich für diesmal meinen ernsthaften Lesern — denn ein Leser muß von Amtswegen immer ernsthaft wenigstens aussehen! — und meinen freundlichen Leserinnen mit zu theilen habe. — Aeltere Freunde der Literatur erinnern sich gewiß noch sehr wohl, daß der sämmtliche geistige Nachlaß Bürger's bei dessen Tode in die Hände Herrn Karl v. Reinhard´s kam, welcher die Ausgabe von der letzten Hand (die Bürger bei seinem Leben schon als fertig angekündigt hatte) auch unverzüglich (bei Dieterich in Göttingen, vier Bande stark, von 1796 - 1798) erscheinen ließ. Hr. Hofrath v. Reinhard lebt aber seit einiger Zeit hier in Berlin, und hat neulich (den 17ten Mai 1823) eine Erklärung drucken lassen, die mein ganzes kleines Räthsel - wenn es anders eins ist — auf der Stelle löset.“

Der vollständige Beitrag in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1823

Wesely, Eugen. Zenos Prüfungen. In: Eichenblätter. Erster Band. Digitalisiert von Google.

“[S. 274] So stand es um Zenos Herz, als er von der Universität zurück kam, sein ganzes Denken und Träumen war der bekannte Titel des Bürger´schen Gedichtes: "Ueberall Molly und Liebe." Des Nachts, wenn der Knochenmann sein zwölftes Licht ansteckte, stand er oft noch am Fenster, hob den Blick, an dem langen schwarzen Tannengebirge vorbey [...].
[S. 290] Molly träumte sich bald mit ihrem Jüngling auf seinem Rappen; aber nicht so schaurig wie Bürgers Lenore, nicht beym Mondenscheine über Gräber ging der Lauf, sondern bey Sonnenschein über Blumengefilde, an lustigen Dörfchen und spiegelnden Seen vorüber [...].”

 

1823

Glover, Friedrich. Goethe als Mensch und Schriftsteller. Aus dem Englischen bearbeitet und mit Anmerkungen versehen.  Digitalisiert von Google.

“[S. 94] Von den Dramas mögte es vielleicht gelten, nur bestimmt nicht von den Balladen; in Ansehung letzterer gebührt Goethen nur ein untergeordneter Rang, und, wie längst anerkannt ist, kann er sich mit unserm Bürger durchaus nicht messen.”

 

1823

Das gelehrte Hannover oder Lexikon von Schriftstellern und Schriftstellerinnen.

“[S. 299] 1764 bezog er die Universität Halle, um die Theologie nach dem Wunsche des Großvaters zu studiren, wozu er aber keine Neigung hatte. Da er nicht Maaß im frohen Genuß des Lebens hielt, schickte ihn der Großvater 1768 nach Göttingen, wo er sich mit den Rechtswissenschaften beschäftigte. Hier geriet er in das Netz einer Verführerin und der Großvater, der seine Aufführung erfuhr, zog seine Hand von ihm ab. [...] Bürger ist als Dichter unsterblich. Die Natur gab ihm ein reges Gefühl für das Schöne, eine leicht sich entzündende Phantasie und eine Sprache, die das Empfundene kunstlos und Allen verständlich darstellte. Unter den teutschen Balladendichtern gebührt ihm der vorzüglichste Rang.“

Der vollständige Eintrag zu Bürger in der ONLINE-BIBLIOTHEK.

 

1823

Anonym. Gedanken und Einfälle eines Dichtergreises. In: Deutsche Blätter für Poesie, Litteratur, Kunst und Theater. Digitalisiert von Google

“[S. 670] Gönnen wir den Vorzug, groß in sinnlichen Gedichten zu seyn, unsern Nachbaren; lassen Sie uns deutsch bleiben. Einer sinkenden Nation ist es so unendlich wichtig, ihre Sitten und ihre Sprache zu retten. Die deutsche Muse soll keusch seyn, wie es das deutsche Weib war ... Leider! - ich spreche das Leider mit schwerem Herzen aus, - leider darf Bürger nicht mitsprechen, wenn es darauf ankommt, was ein Dichter sich selbst, was er dem Mädchen, dem Jüngling, die ihn lesen werden, - was er dem deutschen Sinne, - was er Gott für das Geschenk der Dichterkraft schuldig ist. Johannes Secundus war einer von Bürgers Vorbildern. Oder findet man das Bürger´sche:
   ´Wie um ihren Stab die Rebe
    Brünstig ihre Ranke strikt´ u.s.w.
 nicht in dem:
  ´ Vicina quantum vitis lascivit in ulmo
   Et tortiles per ilicem` etc. ? “

 

1823

Anonym. Rez. Dichtkunst. Gedichte von Richard Roos. In: Literatur-Blatt, 24. Juni.  Digitalisiert von Google

“[S. 200] Im Vorworte zum zweyten Bändcheu beruft er sich auf das Lit. Bl. 1822, Nr. 97, wo er bey Gelegenheit einer Recension von Theodor Hell's Lyratönen nebst C´auren, Castelli, Kotzebue u.a. unter die Lebedichter gezählt worden ist, d. h. unter diejenigen, welche die Poesie leicht nehmen und handhaben, wie der Lebemann das Leben. Dieser Maaßstab stimmt mit jener Elle überein, und Herr R. ist demselben völlig gewachsen. Aber in einem Schreiben an die Redaktion des Morgenblattes, welches dem Recensir-Exemplar beiliegt, drückt er den Wunsch aus: ´zu vernehmen, ob sein Streben, ein Volksdichter zu seyn — vielleicht wie Bürger, denn höher hab' er sich nie stellen zu dürfen geglaubt — nicht ganz vergebens gewesen.´ Das ist eine ganz andere Elle, nach welcher unser Verf. viel zu kurz mißt. Bürger war ein Dichter des ersten Ranges, mit welchem Herr R. so wenig als Theodor Hell, Castelli u. s. f. sich messen darf. Bürger's Popularität bestand nicht darin, daß er die Poesie handhabte, wie der Lebemann das Leben. Er bequemte sich nach dem Geschmack' einer prosaisch organisirten Menge, die nur ohne Anstrengung des Geistes und des Empfindungsvermögens ergözt seyn will. Er machte sich die schwere Aufgabe, populär zu seyn durch die möglichst allgemeine Wirkung seiner Poesie auf die Nation, und suchte zu dem Ende selbst den höchsten lyrischen Schwung mit logischer Klarheit und technischer Vollendung zu vereinigen. Daran hat unser Verf. nie gedacht, wie es scheint.“

 

1823

Anonym. Rez. Die Ritterburgen und Bergschlösser Deutschlands, von Fried. Gottschalk. In: Literaturblatt, 21. Januar.  Digitalisiert von Google

“[S. 24] Vier und zwanzig Burgen sind darin beschrieben und fast immer von Verfassern, die in der Nähe ihrer Ruinen leben. Hodenurach, das auf der Vignette des Titelblatts abgebildet ist, Weinsperg bey Heilbronn, durch Bürgers: .
   Wer sagt mir doch wo Weinsperg liegt?
allgemein bekannt, die Rudelsburg und Saaleck, zwey Stunden von Naumburg, dürften am meisten anziehen. Urkunden, Volkssagen und Chroniken-Nachrichten sind, wie sie sich finden, gut benuzt. Bürgers Ballade gründet sich, wie hier nachgewiesen ist, auf keine bloße Sage.“

 

1823

Anonym. Rez. Aus Hoffmanns Leben und Nachlaß. 1823. In: Literaturblatt 5. September. Stuttgart und Tübingen. Digitalisiert von Google

“[S. 284] Diese Industrie der niedern Literatur, indem sie diejenigen Kritiker mit Unwillen erfüllt, welche mit Bürger fühlen:
   Es ist ein Ding, das mich verdreußt,
   Wenn Schwindel- oder Schmeichel-Geist
   Gemeines Maaß für Großes preißt -
Diese Industrie, sagen wir, rechtfertiget die oben aufgeworfene Frage. Hoffmann war, als phantastisch-humoristischer Erzähler und Romanschreiber mehr der Lesewelt bekannt, als groß in der wissenschaftlichen und künstlichen Republik. “

 

1823

Anonym. Rez. Schottische Erzählungen von Allan Cunningham. In: Literaturblatt 5. September. Stuttgart und Tübingen. Digitalisiert von Google

“[S. 283] Der nun folgende König von Felsenland ist eine hübsche Rittergeschichte, anziehend durch jene treue Darstellung des alten Hochlandes. Wer die Bürgersche Ballade: Knapp, sattle mir mein Dänenroß! kennt, weiß so ziemlich den Inhalt davon. “

 

1823

Anonym. Nachtstücke aus der Traumbildergallerie. In: Zeitung für die elegante Welt. 13. Juni. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[Sp. 900] Nein, so war es nicht gemeint! Wohl gruben sie, doch ach! kein Blumenbeet, kein Ackerfeld, sondern ein enges, tiefes Grab! Und jetzt erst, - so spät, - begann die Musik. Es war derselbe Gesang, welchen in Bürgers Leonore das gräßlichste Gesindel anstimmt, und welchen der Dichter dem ´Unkenruf in Teichen´ vergleicht.
     Ein leerer Sarg hob sich empor, und die Larven grinsten Karolinen winkend an.“

 

1823

Anonym. Rez. Müsterstücke für Declamation, Hg. H. A. Kerndörffer, Leipzig 1822. In: Allgemeine Literatur-Zeitung. Halle. Digitalisiert von Google

“[Sp. 701] Bey der getroffenen Wahl der Uebungsstücke beachtete der Vf. vorzüglich die Nährung und Beförderung des rein sittliclien Gefühls und des zu veredelnden Sinnes für das Wahre, Gute und Schöne, so wie die höhere Geschmacksbildung, indem er hier mehr, als vielleicht in verschiedenen ähnlichen Sammlungen hin und wieder geschah, auf weibliche Zöglinge mit Rücksicht nahm. Rec. kann Hn. K. das Zeugniss geben, dass er, diesen Grundsätzen getreu, nichts aufgenommen hat, wogegen sich von Seiten der Moralität Einwendungen machen liessen, vielmehr nur solche Gedichte, die nach den darin ausgesprochenen Gesinnungen und Empfindungen dem Jugendalter angemessen sind. Ja diese Strenge ist wohl mitunter zu weit getrieben, indem sie den Herausgeber zu Abänderungen verleitet hat, die ihm nicht zustehen, und dem Rec. auch nicht nöthig scheinen. So z. B. verändert er in Bürger´s schönem Gedichte, das Blümchen Wunderhold, die Verse:
  Ach! hättest du nur die gekannt,
  Die einst mein Kleinod war!
  Der Tod entriss sie meiner Hand
  Hart hinterm Traualtar u. s. w.

(S. 57.) folgendermaassen:

  O hättest du nur sie gekannt,
  Zum Engel jetzt verklärt,
  Die mir an treuer Mutterhand
  Der Tugend Glück gewährt u. s. w.

So musste denn auch in der letzten Strophe dieses Gedichtes aus der Holdin eine Mutter werden. — Was ist aber rein, wenn nicht jener schöne Ausdruck der Liebe! - Allein liesse sich auch diese Abänderung noch entschuldigen, so können wir doch andere ganz grundlose willkürliche Veränderungen keineswegs gut heissen. So lesen wir in demselben Gedicht:
  Drum wird es Blümchen Wunderhold
  Mit vollem Recht (st. mit gutem Fug) genennt
     Was kein geheimes Elixier (- ir)
  Dir sonst gewähren kann,
  Das leistet traun - ! - mein Wunderhold (st. mein Blümchen dir)
  Man säh´s ihm gar nicht an (st. Man säh' es ihm nicht an.)
  Wer Wunderhold im Busen trägt (st. hegt) u. s. w.
  Des Stürmers Polterschritt (st. -tritt)
  Mit tiefer Rührung dank ich ihr u. s. w.
  (st. Wohl hundert Mal verdankt´ ich ihr)
  Weil es nun mehr als Perl' und Gold
  Der Anmuth Reiz verleiht u. s. w.
  (st. Weil's mehr als Seide, Perl' und Gold
  Der Schönheit Zier verleiht u. s. w.)

Solche eigenmächtige Veränderungen bleiben, anch wenn Sinn, Versmaass und Reim nicht darunter litten, - wie diess in der That in dem Obigen öfters der Fall ist - immer ein Eingreifen in die Rechte des Dichters, der sein Werk zum Gemeingut macht, damit man sich daran erfreue, nicht willkürlich damit schalte.“

 

1823

Kind, Friedrich. Bruchstücke aus und über: Schön Ella. In: Abendzeitung Nr. 173/174/184/194/239/249/251. Dresden 1823. Digitalisiert von Google

“[S. 734] Allein eine Notiz, die einer unsrer Mitbürger, Herr Dr. Seyfried (Verf. der Findlinge und anderer anmuthigen Dichtungen) vor einigen Jahren beiläufig mittheilte, (Dresdner Merkur 1819, Nr. 40.) brachte meine Zweifel zum Schweigen und ergänzte, was ich bis dahin vermißt hatte.
    Dieser berichtet nämlich in seinen durch Treuherzigkeit und Wahrheit sehr anziehenden Erinnerungen aus der Belagerung Dresdens im Jahr 1760 unter andern, daß ein Kaufmann einem, wegen Diebstahls erschossenen österreichischen Soldaten nachgerufen habe:
    Des Leibes bist du ledig,
    Gott sey der Seele gnädig!
und fügt als Anmerkung hinzu:
   ´Freilich schrieb Bürger seine herrliche Ballade: Lenore fuhr um's Morgenroth usw. lange nach dem Jahre 1760, aber das ihr zum Grunde liegende Mährchen war lange schon vor ihm da, und ich erinnere mich, es öfter als Knabe erzählen gehört zu haben. Immer schloß es sich mit obigen Worten: Des Leibes bist du ledig usw., so wie auch die Worte: Der Mond scheint helle, die Todte reiten schnelle - Feins Liebchen, fürcht´st du dich auch?*) - Ach, laß die Todten ruhen! - immer vorkommen.´

*)Eine Freundin, die dieß Bruchstück In der Handschrift las, erinnirte sich augenblicklich, von ihrer Mutter, die auch jene Belagerung mit erlebt hatte, nebst diesen Worten, die Antwort darauf gehört zu haben: Warum sollt´ ich mich denn fürchten? Ich habe ja den Herzallerliebsten bei mir! - Die Sage scheint sonach damals sehr verbreitet und, wo nicht ganz gereimt, doch, recht noch Märchenart, mit gewissen, dabei für unentbehrlich gehaltenen Kehr-Reimen und Sprüchlein durchflochten gewesen zu seyn.“

Der vollständige Beitrag in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1823

Reinhard, Karl von. An den Herausgeber. In: Bemerker No.8. Beilage zum 45sten Blatte des Gesellschafters. Digitalisiert von Google

“[S. 217] Im ´Bemerker´ zum 37sten Blatte des ´Gesellschafters´, 1823, bemerkt Hr. Ernst Woldemar, daß die Verse, welche im 23sten Blatte unter Bürger´s Namen erschienen sind, früher schon bekannt und gedruckt waren. In dieser Hinsicht bin ich also gewiß getäuscht, und ich kann Sie nicht genug um Verzeihung bitten, daß ich Sie, wiewohl sehr wider meinen Willen, in meinen Irrthum hinein gezogen habe. - Ob aber jenes kleine Gedicht Bürger´n angehöre, oder nicht, lasse ich vor der Hand dahin gestellt seyn. Ich hoffe indessen, Gewißheit darüber zu erlangen. Daß bei einer Melodie dazu von Haydn der Name Jacobi, und bei einer andern von Mozart der Name Weppen genannt ist, beweiset, schon des Widerspruchs wegen, gar nichts. Ich habe selbst eine ähnliche Erfahrung gemacht. Bei mehreren Melodieen zu einem meiner älteren Lieder: ´Der bescheidene Liebhaber´, ist Bürger als Verfasser desselben angegeben (S. z. B. Musik-Beilage zu Nr. 101 des ´Morgenblattes´ 1808. Romanze: ´Der bescheidene Liebhaber´, von Bürger, mit Begleitung der Guitarre und Flöte. Braunschweig). Und findet sich das Stück denn etwa in den Sammlungen von Jacobi´s und Weppen's Gedichten? - Noch weniger beweisen zwei andere Gründe, welche Hr. Ernst Woldemar für seine Meinung anführt. Erstlich, daß Bürger das Lied ´nicht wenigstens in seine Ausgabe von der letzten Hand aufgenommen habe.´ Eine solche, zwar angekündigte Ausgabe seiner Gedichte hat Bürger überall nicht geliefert, weil ihn der Tod daran hinderte. Zweitens soll ´der Scherz, der in dieser poetischen Kleinigkeit herrscht, mit der burlesken Laune Bürger´s, z. B. in seinem ´Bacchus´ und seinem ´Liede vom braven Manne (?)´nicht übereinstimmen´ Wie? Hat denn Bürger seine Unsterblichkeit durch ein Paar Burlesken gesichert? Oder nicht vielmehr, außer seinen Balladen, durch seine Gesänge im edelsten Tone, durch die zartesten Liebeslieder, welche unsere Sprache auf zu weisen hat?
  Uebrigens habe ich jene Kleinigkeit, die so viel Redens kaum rechtfertigt, in meine neue Ausgabe von Bürger´s Werken nicht aufgenommen. Von dieser Ausgabe, die ich als eine in der That neue und vollendete vorläufig ankündigen kann, bringt die nächste Leipziger Oster-Messe die beiden ersten Bände. Berlin, am 9. März 1823
                          Karl v. Reinhard“

 

1823

Reinhard, Karl von. Literarische Anzeigen. In: Der Gesellschafter, 15. Oktober. Berlin. Digitalisiert von Google

“ [S. 799] Gottfried August Bürger´s sämmtliche Werke. Herausgegeben von Karl v. Reinhard. Vollendete, rechtmäßige Ausgabe. Berlin, bei Ernst Heinrich Georg Christiani, 1823.
   Meine erste Sammlung von Bürger´s Schriften, (4 Bände, Göttingen, 1796- 98) mußte höchst unvollkommen ausfallen, weil mir damals noch zum Theil gerade die neuesten und wichtigsten Handschriften des Verfassers abgingen. Sie ist zudem in den foglenden Auflagen, welche ich nicht selbst besorgte, durch Fehler jeder Art so entstellt, daß ich sie nicht mehr für die meinige erkennen kann.
    Das Publikum hat eine bessere früher vermißt und gewünscht, als ich Anstalten dazu machen konnte. Endlich bin ich im Stande, seine Erwartung zu befriedigen, und ihm eine neue, nicht bloß geordnete, durchaus berichtigte und correcte, sondern in der That vollendete, vollständige Ausgabe von der letzten Hand anzukündigen. Ueber die nun erreichte Vollständigkeit, namentlich in Ansehung der Gedichte, habe ich mich in der Vorrede erklärt, auf welche ich die Leser verweise.
    Die beiden ersten jetzt fertigen Bände enthalten die Sammlung der Gedichte, mit etwa funfzig Stükken gegen die vorigen Ausgaben bereichert. Jedem sind Anmerkungen und eine sorgfältige Lese aller vorhandenen Varianten angehängt. - Fünf andere Bände, Bürger´s übrige Schriften, gedruckte und ungedruckte, umfassend, werden im Laufe dieses Jahres ebenfalls erscheinen, und das Werk beschließen.
    Der Herr Verleger hat es anständig und geschmackvoll ausgestattet, und durch drei verschiedene Auflagen, so wie durch die billigsten Preise, für die Verbreitung desselben unter allen Classen von Lesern und Käufern gesorgt.
   Berlin, 1823 Karl v. Reinhard.

 Die beiden jetzt erschienenen Bände dieses classischen Werkes, die Gedichte enthaltend, kosten in der ersten
Ausgabe auf starkem Schweizer-Velin-Papier im größten Octav-Formate   4 Thlr. 12 Gr.
 In der zweiten, gleichfalls in großem Octav auf schönem Velin-Papier     5 Thlr.
                           Die dritte, gleichfalls auf Velin-Papier, 1 Thlr. 18 Gr.“

 

1823

[Ohne Quellenangabe] In: Bauernzeitung aus Frauendorf. 8. Februar. Digitalisiert von Google

“[S. 41] Wenn gleich in Hain und Wiesenmatten
      Sich Baum und Staude, Moos und Kraut,
      Durch Lieb' und Gegen-Liebe gatten;
      Vermählt sich mir doch keine Braut!
      Mir wächst vom süßesten der Triebe
      Nie Honigfrucht zum Lustbedarf.
      Denn, ach! mir mangelt Gegen-Liebe,
      Die ich von Keiner fodern darf. “

 

1823

Weißenthurn, Johanna Franul v. Welche ist die Braut? In: Neueste Schauspiele. Berlin. Digitalisiert von Google

“[S. 195] Hr. v. Dorn. Was, mein Kind?
 Fr. v. Dorn. Ich bin stecken geblieben.
 Hr. v. Dorn. Mache dir nichts daraus, mein Schatz; das geschieht im Declamiren sehr oft.
 Fr. v. Dorn. Ich habe so ein unglückliches Gedächtniß, von allen Gedichten kann ich mir nur den Anfang merken. Wenn mir jemand souffliren wollte -
 Frl. Grinzb. Ich kann alle Gedichte von Bürger auswendig, nur das nicht.
 Frl. Impfen. Das ist ja von Schiller, aus der Jungfrau von Orleans.  “

 

1823

Sieber, Franz Wilhelm. Bekanntmachung. Aus dem Großherzogthum Baden. In: Literarischer Anzeiger. Isis von Oken, Jena. Digitalisiert von Google

“[S. 48] Was aber der Ausdruck: ´Wir setzen Voraus, daß ........ bis ......... zu verschaffen´ zu bedeuten habe, werden die Besitzer der Hunde nothgedrungen nur einzusehen glauben, - ich verstehe es wenigstens nicht - bis gemeinschaftliche Mithülfe der geweckten Menschenliebe, einen neuen Schritt zur Aufklärung dieses Uebels versuchen wird.
      Doch es wird wohl noch lange heißen!
  Geduld, Geduld, wenn's Herz auch bricht
  Mit Gott im Himmel hadre nicht.
  Des Leibes bist du ledig
  Gott sey der Seele gnädig!
             aus Bürger's L eonore.
Straßburg den 14. May 1822.
           Franz Willh. Sieber. “

 

1823

Wallo, Louis. Blätter aus meinem Reise- und Feld-Taschenbuche. In: Der Freimüthige, 20. Oktober. Berlin. Digitalisiert von Google

“[S. 667] Blätter aus meinem Reise- und Feld-Taschenbuche.

2. Meine Abentheuer bei dem Hin- und Rückmarsch der Französischen Armee nach und von Rußland.
Der Officier, ohne sich auf weitere Begrüßungen einzulassen, begann sogleich: ´Monsieur, vous me donneréz deux boeufs!´Da wir uns nicht mit dem Mangel des Requirirten entschuldigen konnten (denn sämmtliches Vieh war eben von der Weide heimgekehrt, um getränkt zu werden, und lag wiederkäuend - wie Bürgers Stier in der Entführung der Jungfrau Europa da), so wurde dem Requirirenden, der übrigens gar keine Ordre vorzeigte, mit gebührender Veneration erwiedert: [...]. “

 

1823

Anonym. (Burgers Werke in Paris) In: Der Freimüthige, 21. Oktober. Berlin. Digitalisiert von Google

“[S. 672] Es erscheint jetzt in Paris eine vollständige Uebersetzung von Bürgers Werken. Ob die Uebersetzung in Versen, oder, nach Französischer Gewohnheit, in Prosa sein wird, ist unbekannt. Bisher war Bürger den Franzosen gänzlich fremd. Der Uebersetzer nennt sich Ferdinand Flocon. “

 

1823

Anonym. Eros oder Wörterbuch über die Physiologie und über die Natur- und Cultur-Geschichte des Menschen in Hinsicht auf seine Sexualität, Zweiter Band, Berlin. Digitalisiert von Google


“[S. 13 Mann] Das, das ist die Sprache des Mannes, der sich seiner vollsten Mannskraft bewußt ist, der sich in diesem Gefühl zum Herrscher der Erde berufen fühlt - Der so starke und kräftige Mann ist zu allem Tüchtigen fähig, und wo es eines Armes bedarf, da ist Er, da steht Er seinen Mann! Und, wie denn bei ungeschwächter Mannskraft des Körpers auch der Geist ungeschwächt und unverweichlicht ist, so werdet Ihr den wahren Mann,

      Dem Wollust nie den Nacken bog,
      Und der Gesundheit Mark entsog
                                Bürger

auch überall zu allem Herrlichen und Trefflichen bereit finden das höhere Kräfte, als die der Muskeln, zu vollführen berufen sind. Welches stärkende, erfreuende Bild giebt solch' ein Mann! Da wir beim citiren unsrer Lieblingsdichter sind, warum wollen wir uns dieses Bild nicht mit den meisterhaft gelungenen Zügen vergegenwärtigen, mit denen es Bürger gezeichnet hat? O, schaut, ruft Bürger von dem keuschen, kräftigen Manne aus:

   O schaut, wie er voll Majestät,
   Ein Gott, daher auf Erden geht!
   Er geht und steht in Herrlichkeit,
   Und fleht um nichts, denn er gebeut!

   Sein Auge funkelt dunkelhell
   Wie ein krystallner Schattenquell,
   Sein Antlitz strahlt wie Morgenroth
   Auf Nas' und Stirn herrscht Machtgebot.

   Das Machtgebot, das drauf regiert,
   Wird hui! durch seinen Arm vollführt;
   Denn der schnellt aus, wie Federstahl,
   Sein Schwerthieb ist ein Wetterstrahl.

So steht der Mann, der wahre König der irdischen Schöpfung!


[S. 49 Mond] Eine höhere, geheime Beziehung aber mag allerdings zwischen dem Nervensystem des Menschen und dem Monde Statt finden, wenigstens - um von der eigenthümlichen Krankheit der sogenannten Nachtwandler hier nicht zu reden - wenigstens hat jene Seelenexcitation des Verliebtseins von jeher eine ganz eigne Vorliebe für den lieben Mond gehabt, und namentlich die sentimental-larmoyante deutsche Poesie der achtziger Jahre wimmelt ja bekanntlich von Leiereien ´an den Mond.´ Selbst Göthe ließ sich hinreißen, und wir verdanken dieser Tendenz eines seiner gefühlvollsten Lieder. Auch der weichherzige, lyrische Bürger dichtete sein: ´
auch ein Lied an den lieben Mond,´ denn, sagt er,

   Es wäre ja nicht halb mir zu verzeihn,
   Das muß ich selbst treuherzig eingestehn,
   Da alle Dichter dir ein Schärflein weihn,
   Wollt' ich allein dich stumm vorüber gehn.

Nach einigen naiven, philosophirenden Anreden, bricht bei dem erotischen Bürger in diesem zarten Gedichte denn auch wirklich gleich jene Stimmung wieder durch, um derentwillen wir eben den Mond hierher citiren mußten:

   Wen hätt' ich sonst, wann um die Zeit der Rosen
   Zur Mitternacht mein Gang um's Dörfchen irrt,
   Mit dem ich so viel Liebes könnte kosen,
   Als hin und her mit dir gekoset wird?
   Wen hätt' ich sonst, wann überlange Nächte
   Entschlummern mich, du weist wohl was, nicht läßt,
   Dem ich es so vertrauen könnt' und möchte,
   Was für ein Weh mein krankes Herz zerpreßt?


[S. 52 Nacht] Auch haben die Dichter, so lange es welche gegeben hat, sich in Lobgesängen auf die Nacht, und die Freuden, die sie Liebenden bereitet, erschöpft, und die Sitte der Ständchen, die besonders in südlichen Ländern so verbreitet ist, hat keine andere Basis, als die Anspielungen auf jene nächtlichen Freuden. Wenn seit den urältesten Zeiten das Menschengeschlecht einen und denselben Geschmack bewährt hat, so hängt dieser Geschmack gewiß nicht von Zufälligkeiten ab, sondern ist in seiner tiefinnern Organisation begründet. Und so ist es auch hier! Denn nicht nur beim Menschen, sondern auch sogar in vielen Thierklassen findet sich eine eigenthümliche Beziehung zwischen der Geschlechtslust und der Nacht.

   Auf seiner Gattin Busen wiegt
   Sein müdes Haupt der Gatte;
   Wohl an die liebste Henne schmiegt
   Der Hahn sich auf der Latte;
   Der Sperling unter'm Dache sitzt
   Bei seiner trauten Sie anitzt.
                          Bürger.
Wir haben auch schon bei einer andern Gelegenheit in diesem Werke erzählt, daß das nächtliche Miauen der Katzen, das besonders im Frühlinge so heftig zu sein pflegt, nichts bedeutet, als den Seufzer einer Befriedigung suchenden Sexuallust!

[S. 66 Negligé] Welch' ein Irrthum, lieben Damen, wenn Ihr glaubt, daß Euch ein wohl ausstaffirter Putz, daß Euch alle raffinirten Künste der Toilette reizender machen?! Fragt nur Eure Geliebten, Eure Männer, ob nicht die anziehende Einfachheit, die ungeschminkte Treue und Wahrheit Eurer natürlichen Reize, die ein sauberes und leichtes Negligé viel bequemer und erfreulicher zur Schau stellt, als der ganze Apparat Pariser und Wiener und Berliner Modewaaren - ob nicht diese naturgemäßere Einfachheit überall weit leichter den rechten Punkt treffe, als Euer Putz, Eure Federn und Blumen?

  Des Morgens, welch ein Mahlerbild!
  Wallt sie hervor in leichtem Kleide,
  Noch ungeschnürt und halb verhüllt
  Nur in ein Mäntelchen von Seide.
  Entringelt auf der Schulter sinkt
  Die Hälfte goldner Locken nieder -
                Bürger

- So, lieben Freundinnen, gefallt Ihr. Es liegt ein unaussprechlicher Zauber für die Phantasie des Mannes in einem saubern Negligé. Hier vereinigt sich der Begriff vom Besitz des Weibes, das sich ihm und vorzugsweise nur ihm, dem Geliebten, in dieser Tracht zeigt, mit der Erinnerung genossener Freuden, die sich leicht an die Idee des Besitzes knüpft, wie denn endlich die Phantasie leichters Spiel hat, als wenn erst Pallisaden von Kleidern, Shawls, Blumen und Edelsteinen sie beschäftigen und zerstreuen.


[S. 101 Putz] Wie der Begriff der Schönheit so höchst relativ ist, so ist es auch natürlich der Begriff vom Putz, der überall nur erfunden ist, um durch einen

     Prunk der hochstaffirten Kunst
                      Bürger.

die menschliche Schönheit noch mehr hervorzuheben, oder gar sie möglichst hervorzubringen. [...]
[S. 104] Drum, je einfacher und naturgemäßer der Putz, meine schönen Damen, desto gewisser sind Sie Ihres Erfolgs. Sehen Sie nicht oft zu Ihrem größten Verdruß, wie der Mann, auf den grade sie ein Auge geworfen haben, vom Glanz Ihres Putzes sich überdrüssig wegkehrt, und dem einfachen, armen Mädchen im schlichten Hauskleidchen seine Gunst zuwendet. Trauen Sie einem erfahrnen Kenner, und hören Sie, wie Bürger die Toilette seines Liebchens beschreibt:
 
  Natur und Einfalt helfen ihr
  An ihrem kleinen Morgentischchen.
  Des Busens und des Hauptes Zier
  Sind Ros' und Myrth' in einem Büschchen.
  Zu ihren Wangen wurde nie
  Ein Pinsel in Karmin getauchet,
  Und doch, wie Rosen blühen sie,
  Vom Frühlingsodem angehauchet.

  Wann sie an ihrem Tischchen sitzt,
  So werd' ich scherzen hingewinket:
  ´Komm, schmücke selbst Dein Mädchen itzt
  Wie deiner Laun am besten dünket!´
  Und mich beflügelt ihr Gebot,
  Sie unvermuthet zu umfangen,
  Dann schminkt mit hohem Morgenroth
  Mein Kuß die jugendlichen Wangen. - - -


[143 Schönpflästerchen] ´Abdeker war entzückt über diese Reden, und suchte seinerseits seine Empfindungen allegorisch wiederzugeben; er schnitt einen Stern aus dem Tafft aus. Erlaube, schön Fatme, sagte er, daß ich dies Gestirn auf deine Wange bringe, denn du bist ein solcher Polarstern, der alle meine Gefühle beherrscht. Bald aber sah Fatme, daß man nicht zu viele solcher Pflästerchen aufbringen müsse, und sie gab ihnen nun Benennungen je nach der verschiedenen Wirkung, die sie in ihrem Gesichte hervorbrachten. Sie nannte Assassine das Pflästerchen im Augenwinkel, Magestueuse jenes auf der Stirn, Enjouée das in den Fältchen der Wange, Galante das Pflästerchen in der Mitte der Backe, Coquette jenes an den Lippen, und dann taufte sie noch einige Andre mit den Namen Gracieuse und Friponne

      Die Künstelei wird stets das Ziel
      Der reizenden Natur verrücken.
                            Bürger


[S. 163 Strumpfband] Dieses kleine Bekleidungsstückchen hat viel Lärm in der cultivirten Welt gemacht, und sogar das stolzeste Volk der Erde schämte sich nicht seinen größten Orden auf - einen Strumpfband zu gründen, welches die Gräfin Salesbury an einem Gallatage verlor, und der König Eduard der Dritte aufhob. Man darf sich nach solchem Vorgang nicht wundern, wenn das Strumpfband bald bei den Frauen von Stande ein Emblem wurde, ein Pfand ihrer Achtung oder ihrer Liebe. Die Farbe desselben drückte allegorisch aus, was im Herzen der schönen Besitzerin vorging. Glücklich der Ritter, der ein grünes Strumpfband von seiner Schönen empfing, glücklicher der, von dem sie ein rosenfarbenes annahm, am glücklichsten gar der, der es befestigen durfte!
 
   Nun schlinget meine kühn Hand -
   O Liebe, Liebe, welche Gnade!
   Ein sanft geflammtes Rosenband
   Ihr zierlich zwischen Knie und Wade!
                    Bürger.”
 

1823

Weber, Carl Julius. Die Ritter der Kreuzzüge, die höchste Ritter-Poesie. In: Das Ritter-Wesen [...], Zweyter Theil, Stuttgart. Digitalisiert von Google

“[S. 40] Thümmels deutscher Ritter war weit ehrlicher, hatte er auch Caroline mit seiner Curmethode, an der sie übrigens Geschmack fand, hintergangen, so ehelichte er sie doch noch, und dachte nicht wie gewöhnliche Ritter, die Bürger aufgestoßen sind:
   Ho! Ho! du Närrchen, welch ein Wahn!
   was ich that, hast du mitgethan –
   kein Schloß hab' ich erbrochen,
   wenn ich kam anzupochen, so war schon aufgethan!”

 

1823

Anonym. Korrespondenz und Notizen. Aus Bremen. In: Beilage zu Nr. 126 der Zeitung für die elegante Welt, 1. Juli. Digitalisiert von Google
     
“[Sp. 1012] So gebe auch der Dom nach, und stimme von seinen Forderungen herunter - eine Parallele, die in der Versammlung allgemeinen Beifall fand. Man könnte noch des trefflichen Bürger's Worts hinzufügen: Der König und die Kaiserin, des langen Haders müde, erweichten ihren harten Sinn, und machten endlich Friede. Endlicher Frieden und billige Ausgleichung von beiden Seiten wäre in dieser volksthümlichen Sache eine wahre Wohlthat und also sehr zu wünschen.”

 

1824

Bouterwek, Friedrich. Aesthetik. Erster Theil. Göttingen.

“[S. 127] Das Betäubende ist nie schön, so wenig in der Poesie, als in einer Janitscharenmusik Alle convulsivische Heftigkeit ist widrig, auch wenn sie noch so natürlich ist. Was Lessing über die schöne Milderung des natürlichen Ausdrucks in der plastischen Gruppe des Laokoon gesagt hat, ist durch keine Einwendungen späterer Kritiker widerlegt. Widrig ist auch die Natürlichkeit, mit der vor einiger Zeit mehrere deutsche Dichter, unter ihnen der sonst so treffliche Bürger, um der Kraft des Ausdrucks willen, in schreienden Zügen die Poesie entstellten, zum Beispiel in Bürger's Ballade Lenardo und Blandine.

[S. 168] Die älteste Probe, die sich von deutscher Poesie erhalten hat, das Fragment von Hildebrand, daß man sonst für ein Stück von einem Roman ansah, ist balladenartig; und das treffliche Lied der Nibelungen ist ohne Zweifel aus solchen Balladen entstanden. Die alten dänischen Heldenlieder (Kempeviser) gehören in eben diese Reihe. Aber auch bei den slavischen Volkern scheint diese Dichtungsarr eben so beliebt, wie bei den deutschen gewesen zu seyn, wie die neulich bekannt gewordenen alten russischen Heldenlieder und die noch merkwürdigeren serbischen beweisen, die in ihrem Vaterlande noch jetzt gesungen werden. Aus diesen und aus den vorzüglicheren der alten spanischen, englischen, schottischen, und auch aus einigen alten deutschen Gedichten dieser Art muß man lernen, bis zu welcher Kraft und Anmuth die Phantasie ohne alle methodische Cultur es in solchen kleinen Erzählungen bringen kann. Kein Dichter aber hat besser, als Bürger, der Liederdichter, gezeigt, wie die Ballade, nicht sowohl ihre Grenzen im höchsten Grade mahlerisch werden und wahre Popularität mit einer seltenen Cultur des Styls vereinigen kann. Die trefflichen Romanzen von Göthe, und einige von Schiller, neigen sich schon mehr zu andern Arten von erzählenden Gedichten hinüber. “

 

1824

Mohnike, Gottlieb Christian Friedrich. Kirchen- und litterarhistorische Studien und Mittheilungen. Des ersten Bandes erstes Heft.  Digitalisiert von Google.

“[S. 376] Zu dieser Meinung hat vielleicht der Umstand mit Veranlassung gegeben, daß das erste dieser Lieder, wenn man den einen fehlenden Reim ausnimmt, in demselben Rhythmus gedichtet ist, den die bekannte, von Bürger übersetzte Cantilena potatoria hat, welche man gleichfalls dem Walther Mapes zuschreibt.”

 

1824

Anonym. [Rez. M.G. Becker´s Taschenbuch zum geselligen Vergnügen. Herausgegeben von Friedrich Kind. Auf das Jahr 1825] In: Abend-Zeitung auf das Jahr 1824, herausgegeben von Theodor Hell und Friedrich Kind. Dritter Band. Dresden. Digitalisiert von Google

“[S. 310] Die Dichtergaben für das Jahr 1825 müssen uns jedoch doppelt werth seyn, denn sie sind meist unter dem Einflusse der sanften Mondgöttin, die im laufenden Jahre regiert, entstanden. Aber wie viele für das Jahr 1826 wird nicht der kalte Saturn erzeugen, der auf Kind´s Almanachtitel mit rückwärts gewandter Sense den Drachenwagen lenkt! Schon der Anblick dieses herzlosen Alten, der seine eignen Kinder verzehrt, entwaffnet alle Kritik. Aber auch der Sammler und Coronarius bringt den hungrigen Kronos um die Kost manches mißgerathenen Kindleins; außerdem säubert er noch die übrigen Kleinen und putzt sie so heraus, daß der eigene Vater und was mehr sagen will, die eigene Mutter sie kaum wieder erkennen dürfte. Wer das für Lästerung hält, lese hier in Kind´s Taschenbuch S. 389, Bürger´s recht eigentlich in einen Almanach gehörenden Brief an die Frau Baldinger, welche mit ihren schönen Händen mittelmäßige Gedichte in sein Almanacharchiv - Bürger nennt es Düngermagazin - einschwärzen wollte. Welche heroische Mittel wandte nicht Bürger an, ehe die Kleinen für die Cour an Apolls Neujahr-Gallatage hoffähig wurden! Dieses Verdienst hinter den Coulissen, oder in der Wochenstube sieht kein Leser, wenn er hier so manches hübsche Elfenkind an der Hand des Pflegevaters Kind erblickt.“

 

1824

Leidenfrost, Karl Florentin. Historisch-biographisches Handwörterbuch der denkwürdigsten, berühmtesten und berüchtigsten Menschen aller Stände, Zeiten und Nationen . Erster Band. Ilmenau.  Digitalisier von Google

“[S. 584] Bürger (Gottfried August), geb. zu Wolmerswende im Halberstädtischen den 1. Jan. 1748, studirte seit 1764 zu Halle, anfangs Theologie, dann seit 1768 zu Göttingen die Rechte, wurde 1772 Justizbeamter im Gerichte Alten-Gleichen bei Göttingen, legte aber 1784 diese Stelle nieder, ging nach Göttingen und hielt Vorlesungen, ward 1789 außerordentlicher Professor der Philosophie und starb daselbst den 8. Juni 1794. Seine sämmtlichen Schriften erschienen Göttingen 1797, 4 Theile.“

 

1824

Mayer, Philipp. Bürger. In: Theorie und Literatur der deutschen Dichtungsarten. Digitalisiert von Google

“[S. 161] Unter seinen Schriften zeichnen sich seine Gedichte, und unter diesen mehrere Lieder und Balladen höchst vortheilhaft aus. Insbesondere sind seine Romanzen bisher nur von einigen Göthe´s und Schiller's in gewisser Hinsicht übertroffen worden. Seine ´Lenore´ ist ein Muster einer romantischen Dichtung. Für die Schilderung des Idealen taugte Bürger als Dichter nicht; seine Gebilde sind aus der wirklichen Welt genommen, und in dieser Rücksicht könnte man ihn naiv nennen.”

 

1824

Horn, Franz. Gottfried August Bürger. In: Die Poesie und Beredsamkeit der Deutschen, von Luthers Zeit bis zur Gegenwart.

"[S. 198] Was dabei als Schuld ihm selbst zugerechnet werden dürfe, soll nicht geleugnet werden; aber nie möge Härte richten, und wenn wir einräumen, daß B. selbst und einige seiner Gedichte sich zuweilen sogar ein wenig zur Rohheit neigen, so fordert doch selbst ein bloß gerechtes Gefühl, daß wir jene Rohheit oft nur als einen Tribut ansehen, den er (was freilich abermals Irrthum und Schuld voraussetzt) an die Zeit abtrug, die sich theilweis oft genug uch gegen ihn roh benahm.

[S. 199] Wohl ihm, daß seinen frühen Tod der Gedanke versüßen durfte, daß wenigstens zwei Drittheile seiner Gedichte niemals untergehen werde, sondern ihm bei der gerechten Nachwelt die Unsterblichkeit seines Namens sichern müsse.-
§.5. Ob Bürgern selbst dieser Gedanke beglückte, müssen wir fast bezweifeln, da ihn leider eine nur zu berühmt gewordene Recension seiner Gedichte (A.L.Z. Januar 1791) trotz aller Protestationen von seiner Seite, dennoch in sich selbst hatte irre machen können. Sie ist bekanntlich von Schiller: aber nicht von dem großartig kühnen, der die Räuber schuf und den herrlichen Posa, der, frei gesinnt, einer dumpf engen Inquisitionswelt muthig geistreich gegenüber steht, nicht von dem herrlichen Dichter des Toggenburg und des Tell, sondern von jenem Schiller , der in metaphysischer Uebertreibung, seinen eignen herrlich kühnen Genius für einige Jahre in die Kantische Schule schickte, wo er sich mit der Formenlehre zerarbeiten mußte, und, weil es ihm selbst so schwer geworden war, nun auch andere veranlassen wollte, sich auf ähnliche Weise zu zähmen. Wohl darf es uns seltsam, ja fast komisch erscheinen, daß Bürger durch eine Recension, die in der That nicht viel mehr enthält als einige abgerissenen Gedanken über Objektivität und Idealität der Poesie, sich so tief verletzt fühlen konnte. Leider aber imponierte ihm das metaphysische Gewand, worein sie gekleidet ist, gar sehr, und er konnte in der Geschwindigkeit für seine allzuheftige Antikritik kein gleiches Prunkkleid finden, das in ruhigen Stunden doch so leicht aufzutreiben ist. [...] Wie gut wäre es gewesen, wenn sich Bürger erinnert hätte, was ja so nahe liegt und doch so häufig vergessen wird, daß von einem ächten Dichterkranze, und wenn sich die ganze Welt dagegen verschwören sollte, auch nicht Ein Blättchen geraubt werden könne, und daß der edle Schiller keineswegs eine feindliche Absicht hegte, sondern diesmal nur (gegen sich selbst nicht minder ankämpfend) irrte und in der individuellen Beziehung sich vergriff. Aber freilich die Stacheln des Moments verwundeten Bürgern tief, und er hoffte wohl kaum die Zeit zu erleben, die dem Irrthum ein Ende macht. Er war ja - wir müssen es leider wiederholen - irre an sich selbst geworden: das traurigste Schicksal das einem Dichter begegnen kann.

[S. 201] Die beste Kritik der Bürgerschen Gedichte ist, wie mich dünkt, von dem deutschen Volke selbst gemacht worden, indem es manche derselben sich in das Gemüth tief hineingeschrieben und glücklich auswendig gelernt hat."

Horns Beitrag in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1824

Rese, Johann Karl August. Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste. Dreizehnter Theil.

“[S.377] Die Gedichte an Molly können kaum als freie Kunsterzeugnisse betrachtet werden; sie sprechen aus, was unbesiegbare Leidenschaft gebot. In dem hohen Liede, seinem Lieblingswerk, hat Bürger an Fülle und blendender Pracht der Sprache das Höchste erreicht, aber wenn auch die Wahrheit seiner Gefühle selbst keinem Zweifel unterliegt, so hat doch der Ausdruck derselben durch diesen blendenden Schmuck an Herzlichkeit verloren.

[S.378] Bürger´s Dichterphantasie war nicht überströmend fruchtbar und schöpferisch, er warf seine Gedichte nicht mit genialischer Leichtigkeit hin, sondern arbeitete gewöhnlich langsam und schwer, zum Theil mit ängstlichem Fleiß.[...] Indessen suchte er, wie er selbst in der zuletzt angeführten Vorrede sagt, sein Ziel der volksmäßigen Dichtung, durch Klarheit, Bestimtheit, Abrundung, Ordnung und Zusammenklang der Gedanken und Bilder, durch Wahrheit, Natur und Einfalt der Empfindungen, durch die eigenthümlichsten und treffendsten, weniger aus der Schriftsprache, als mitten aus der lebendigsten Mundsprache aufgegriffenen Ausdrücke für dieselben, durch die pünktlichste grammatische Richtigkeit und durch einen ungezwungen leichtklingenden Reim und Versbau zu erreichen. Bei dem Streben nach Natürlichkeit und Popularität des Ausdrucks verfiel er oft genug in das Derbe, Gemeine und selbst Ekelhafte, um Schillers Vorwurf, er stelle sich dem Volk, das er zu sich hinaufziehen sollte, gleich und vermische sich mit demselben, zu rechtfertigen. Indeß hat er im Ganzen sein Ziel wirklich erreicht, er hat bei den weniger gebildeten Ständen, bei der kräftigen männlichen Jugend Eingang gefunden und die untern Klassen des Volks mehr als ein anderer teutscher Dichter ergriffen, wozu seine Derbheiten wesentlich beigetragen haben.[...] Von dem hohen Standpunkt aus, welchen Schiller behauptete, waren seine Rügen nicht unbegründet, Bürger´s Geist hatte sich nicht zu vollendeter Ruhe, Klarheit und harmonischer Bildung erhoben. Es war aber theils sehr hart, theils ein sehr unglücklicher Zufall, daß Schiller diesen strengsten Maßstab an die Werke eines Dichters legte, der sich ein solches Ideal nie vorgezeichnet hatte, der müde vom Kampf mit dem Schicksale, nicht hoffen durfte, es jetzt noch zu erreichen, der in seiner, wenn auch niedrigern Sphäre, das Mögliche leistete und nichts, als seinen, bisher unangetasteten Lorbeer aus dem Leben gerettet hatte.”

Reses Encyclopädie-Artikel in der ONLINE-Bibliothek.

 

1824

Birken, Siegmuna. Die Weiber von Weinsberg. In: Der Sammler, Wien 20. März.  Digitalisiert von Google

“[S. 139] Die Weiber von Weinsberg *).

Historia von der Weibertreu zu Weinsberg, 1140.
  (Mel. Amarintha, die ich hasse.)

Lasset uns ein Liedlein singen
Von belobter Weibertreu,
Weiberlob in Reime bringen,
Alte Thaten machen neu.
Sie sind würdig zu erzählen;
Es verdienen ein Gedicht
Solche fromme Weiberseelen
Und ein ewigs Ruhmgericht.

Weinsberg, eine Burg in Bayren,
Die einmahl ein Weinberg war,
Heißet uns die That erneuren
Ihrer frommen Weiberschar.
Welf, der Herzog, wild von Sitten,
Wurde von dem Kaiserheer
Hart belagert und bestritten,
That aus Weinsberg Gegenwehr.

Unversöhnlich war entbrennet
Des ergrimmten Kaisers Zorn.
Weinsberg wurde hart berennet;
Welfen war der Tod geschworn.
Er konnt keine Gnad erwerben;
Conrad Weinsberg schleifen wollt.
Ach, da ware nah das Sterben;
Gnade theurer war, als Gold.

Stolze Männer, dürft ihr sagen,
Daß ihr alles könnt allein,
Wie daß ihr nicht weggeschlagen
Von der Burg, benahmt von Wein,
Die gefürchten Feindeshaufen?
Wo blieb damahls euer Trutz?
Daß dem Tod ihr konnt entlaufen,
Wurden Weiber euer Schutz.


Weiber wußten Rath zu finden,
Da den Männern Witz gebrach;
Weiber konnten überwinden,
Da die Männer wurden schwach,
Conrad hat erhört ihr Flehen,
Daß ein Jede sicherlich
Aus der Festung möchte gehen,
Tragen, was sie könnt, mit sich.

Was beginnen da die Weiber ?
Nicht (wer hat's gehöret je?)
Gold und Silber; nein, die Leiber
Ihrer Männer fassen sie
Auf den zarten schwachen Rücken,
Tragen sie zur Burg hinaus.
Väter, Brüder sah man drücken
Ihre Achseln vor dem Haus.

 

Kaiser Conrad war betrogen,
Mußte dennoch dieser Treu
In dem Herzen seyn gewogen:
Dessen Zeug' sein Weinen fey.
Herzog Welfen ward verziehen,
Und der schönen Burg verschont.
Solch ein löblich Liebsbemühen
Billig ward mit Gnad belohnt.

Männer! legt die Feder nieder,
Rühmt nicht mehr, wie ihr gethan,
Den Äneas und zween Brüder,
Die aus Troja und Catan,
Aus dem Brand hinweggetragen
Ihre Ältern, ist es wahr:
Höret hier, was mehr ist, sagen
Von der frommen Weiber Schar.


Euern Ruhm habt ihr zu bauen
Auf drey Männer nur allein:
Dreyßigmahl drey treue Frauen
Dreymahl mehr zu loben seyn.
Denket doch: es trugen Weiber,
Schwach von Rücken, arm an Stärk,
Die so schweren Männerleiber.
O, ein treues Wunderwerk!

Laßt es mir ein Wunder heißen,
Weil es Wunder auch gethan:
Als die Sag' hiervon thät reisen
Zu dem Herzog von Toscan,
Und ihn krank fand auf dem Bette,
Machte sie ihn stracks gesund.
Weibertreu thät an der Stätte,
Was die Arzeney nicht kunnt.

Schweiget nun, ihr Weiberfeinde;
Lobt, was ihr zuvor geschmäht.
Frauen sind die treusten Freunde,
Ihre Lieb' vor alles geht.
Welcher Mann wollt anderst sagen,
Der soll nit so würdig seyn,
Daß ihn eine Frau sollt tragen
Aus Gefahr, Angst oder Pein.

Nicht Werth ist er, (will ich sagen,)
Daß ihn lang in Mutterleib
Und auch lange hat getragen
Auf dem Arm ein treues Weib.
Aber mehr als gute Zeiten
Der verdient und auch bekam.
Der in´s Buch der Ewigkeiten
Trägt den werthen Weibernahm.

*) Die Geschichte von der Treue der Weiber zu Weinsberg, welche Bürger'n den Stoff zu einem seiner schönsten Gesänge gab, ist lange vor ihm zweymahl in Versen behandelt. M. Heinrich Bünting hat sie kurz in Reime gefaßt im zweiten Theile der ´Braunschweigischen Chronica´ (Magdeburg, 1584). — Eine andere Bearbeitung im Balladen-Tone, und nicht ohne poetischen Werth, von Siegmund von Birken (geb. 1626, gest. 1681), befindet sich S. 441 in Johann Höfel's ´Historischem Gesangbuche´ (Schleusingen, 1681). Sie verdient wohl einen wiederhohlten Abdruck, und ich theile sie hier ohne Veränderung mit. Carl v. Reinhard. “

 

1824

de la Motte Fouqué, Friedrich Baron. Die Schlacht bei Fehrbellin. In: Zeitschrift für Kunst, Wissenschaft und Geschichte des Krieges. Zweiter Band. Berlin und Posen. Digitalisiert von Google

“[S. 29] König Friedrich schrieb die Memoiren seines Stammes. Schon diese Benennung zeigt an, daß sein Werk manche früher wenig bekannte Mittheilung enthält. Und ist doch jene strenge und in selbem Athemzuge zugleich liebevolle und zu bewundernde Anrede gewiß recht würdig des großen Kurfürsten, und auch des kühnen Heldenprinzen, dem sie Schmerz und Stolz in die ritterliche Seele sprühete!— Warum wollen wir an den Worten des königlichen Geschichtschreibers überhaupt so ängstlich drehn und deuteln? — In Bezug auf ein Kaiserwort hat uns schon Gottfried August Bürger dergleichen in seinen Weibern von Weinsberg verboten. Ich denke, auf unsern großen König Friedrich darf man dahin bauen, daß er uns in der Geschichte seines großen Aeltervaters kein unverbürgtes oder wohl gar romantisch ersonnenes Kurfürstenwort überliefert habe! “

 

1824

Rieger, J. G. Weinheim. In: Historisch- topographisch- statistische Beschreibung von Mannheim und seiner Umgebung. Mannheim. Digitalisiert von Google

“[S. 476] Rechts liegt Laudenbach, wo der beste Bergstraßer Wein wächst, der gar leicht zu dem Entschluß verleiten kann:
   Ich will einst bei Ja und Nein
   Vor dem Zapfen sterben!
und tiefer hinab erhebt sich bei Heppenheim die malerische Starkenburg, die Burg-Ruine bei Auerbach und der hohe Thurm auf dem Eckstein der Bergstraße, dem Melibokus. “

 

1824

Alexis, Willibald. Ueber Balladenpoesie. In: Hermes. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[S. 3] Ref. schrieb die nachfolgende Abhandlung, zu welcher er seit Jahren die Materialien gesammelt und theilweise verarbeitet hatte, noch ehe er August Wilhelm von Schlegels besondern Aufsatz über Bürger gelesen, nieder. Wenn viele Behauptungen in seiner Ausarbeitung mit denen in der überaus scharfen und klaren Kritik Schlegels übereinstimmen, so kann er zwar mit Bestimmtheit sagen, daß er sie nicht aus jenem Aufsatze über Bürger entnommen hat, nicht aber, inwiefern sie durch Vermittelung ihrer Popularität auf ihn übergekommen sind. So viel kann er indeß behaupten, daß er aus eigener Prüfung von ihrer Richtigkeit überzeugt ist, und da in unserer Zeit, um eine poetische Wahrheit populär zu machen, nicht genügt, sie einmal auszusprechen, so glaubt er zur Erweckung der Liebe für das Balladenstudium nur förderlich zu seyn, wenn er auch schon anderwärts Ausgesprochenes - besonders da es von den jüngsten Kritikern fast vergessen zu seyn scheint - hier im neuen Zusammenhange und mit Bezug auf mehrere Erscheinungen, stehen läßt.“

Der vollständige Beitrag in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1824

Loewe, J. Heinrich. In: A Dictionary of Musicians, [...] Vol. II. London. Digitalisiert von Google

“[S. 77] Loewe, J. Heinrich. [...] born at Berlin in 1766. [...] It is said that Loewe was particularly happy in entering into the spirit of Haydn's quartets. He had written before the year 1794, ´Die Pfarrers Tochter von Taubenheim,´ for the piano-forte; [...]. “

 

1824

Demme, Wilhelm Ludwig. Römisch-Juristisches Gesangbuch durch den poetischen (?) Knüttel [...]. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[S. 78] 24) Verschiedenheit der Klagen nach ihrem Ursprung.
        Mel. Hoch klingt das Lied vom braven Mann
In Rücksicht ihres Ursprungs sind
  Actiones nach römischen Brauch,
       [...]

[S. 80] 25) Verschiedenheit der Klagen nach ihren Grund und Gegenstand.
         Mel. Frau Magdalis weint auf ihr letztes Stück Brod *)
Rücksichtlich des Grund's und des Gegenstand's sind
  Nun zwiefach zerfallen die Klagen,
       [...] 
*) Da diese Melodie nicht bekannt seyn mögte, wohl aber die des Liedes: ´Wohl auf Kameraden, auf's Pferd´ - so kann man dieses Lied, jedoch mit Weglassung des Chors, nach ihr singen.

[S. 105] 36) Wirkungen der Ehe auf das persönliche Verhältniß der Ehegatten.
          Mel. Des Pfarrers Tochter von Taubenhain comp. v. Zumpfsteg. Den Vers gleichen Anfangs.
 Jedwedes kann von dem Andern Treu
   Verlangen für das Leben,
         [...]

[S. 135] 47) Auctoritas Tutoris und Consensus Curatoris, nebst dem Begriff vom Curator selbst.
             Mel. Ich will einst bei Ja und Nein
War das Mündel Infans noch
Kann es nicht eingehen
      [...]

[S. 185] 66) Usus und Habitatio.
          Mel. Schön Suschen kannt' ich lange Zeit
Die Servitut, kraft welcher man
   Ein Ding, das zwar nicht sein,
            [...]

[S. 198] C. 70) Die Emphyteusis.
       Mel. Lenore fuhr um's Morgenroth.
Die Emphyteusis ist das Recht,
   Als Eigner zu benutzen
         [...]

[S. 227] 83) Pflichten des Vormunds bei Antretung der Vermögenverwaltnng und während derselben.
          Mel. Der Vers aus des Pfarrerstochter von Taubenhaim:
             Von drüben herüber, von drüben herab
Sobald der Curator und Tutor antritt
Muß er ein Verzeichniß aufnehmen
        [...]   “

 

1824

Böttiger, Carl August. Die doppelte Silenus-Lampe. In: Zeitung für die elegante Welt, 23. April. Digitalisiert von Google

“[Sp. 645] Gib ihm deine jüngste Tochter, Vulkan, herrschte Jupiter dem neben ihm herhinkenden Schmiedegott zu. Von allen seinen Söhnen und Schwiegersöhnen und der ganzen Menagerie des Himmels, die wir aus unserm Bürger kennen [Die Menagerie der Götter], in langer Prozession begleitet, war der Vater der Götter und Menschen gerade in diesem Augenblicke von einem Lustgange aus der großen Plantanenallee zurückkommend in den Vorhof eingetreten, und war, als dieser in ein süßes Lallen decrescendo herabsinkende Stoßseufzer sein Ohr traf, vor der Thüre stehen geblieben.“

 

1824

Marx, A. B. Erinnerungen an H. F. Reichard. In: Berliner Allgemeine Musikalische Zeitung, 14. Juli. Digitalisiert von Google

“[S. 246] Eine dieser Kompositionen ist Reichards Musik zu Shakespeares Makbeth - Ouvertüre und die Hexenscenen nach Bürgers vortrefflicher Uebersetzung, von denen wir die erste im Klavierauszuge beifügen. Die Idee, die fremdartigen Wesen, in denen Menschheit, Gespensterwelt und Höllengeist zusammenfliessen, in der, vom gewöhnlichen Sprachdialog des Trauerspiels fremdartig geschiedenen musikalischen Sprache einzuführen, ist an sich glücklich und von Reichard so ganz vollendet ins Leben gerufen, dass wir ohne Bedenken behaupten: es sei bis jetzt noch nichts öffentlich erschienen, was mit dieser Komposition in ihrer Sphäre in die Schranken treten könnte. “

 

1824

Anonym. Recensionen. Drei Balladen von Göthe, Herder, Uhland, für eine Singstimme, mit Begleitung des Pianoforte, komponiert von K. Loewe . In: Berliner Allgemeine musikalische Zeitung, 31. März. Digitalisiert von Google

“ [S. 117] Die einzelnen Sätze seiner [Zumsteegs] Balladen reihen sich an einander, ohne einen einheitsvollen sich steigernden Eindruck herbeizuführen; so geschieht es, dass, besonders bei den grössern Kompositionen, die spätern Theile oft den Eindruck der frühern schwächen. Schon die Wahl der Gedichte könnte als Beweis angeführt werden. Eine Masse unmusikalischer, oft unpoetischer Momente, eine, aus einem missverstandenen Streben nach Volkstümlichkeit hervorgegangene Niedrigkeit der Empfindungs- und Denkweise, eine, günstiger musikalischer Behandlung durchaus widerstrebende Breite - wie sie sich in Bürgers Gedichten nur zu oft findet, hinderten Zumsteeg nicht, die Kompositionen derselben zu unternehmen. Doch dürfen wir nicht übersehen, dass in seiner Periode die ältesten Balladen noch nicht wieder so bekannt worden waren, als sie es in der jüngsten Zeit sind.“

 

1824

Anonym. In: Der Baierische Volksfreund. 31. Juli. München. Digitalisiert von Google

Der Amtsvorstand.

Befehlt, dort draussen still zu bleiben;
Ich muß jetzt meinen Namen schreiben. “

 

1824

Anonym. Literarische Neuigkeiten. In: Allgemeines Repertorium der neuesten in- und ausländischen Literatur für 1824. Erster Band. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[S. 160] Zur Ergänzung des Briefwechsels zwischen Bürger und Gleim im Literar. Convers. Bl. für das J. 1822, sind zwei Briefe Gl's. an B. im Gesellschafter (zu Berlin) 1824. 56. S. 278. mitgetheilt.“

 

1824

Anonym. Kleine Lesefrüchte. In: Zeitung für die elegante Welt, 30. März. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[Sp. 526] Kleine Lesefrüchte.
In der Münchener Akademie der W. ist, nach dem Hesperus 1824. No. 39, eine Notiz des akademischen Astronomen Soldner über den neuen Kometen verlesen worden, deren eigentlicher Inhalt gewesen, daß er ihn noch wenig beobachtet habe, daß aber die in den Zeitungen spukenden Beobachtungen des Kanonikus Stark in Augsburg auf astronomische Charlatanerie hinausliefen. Die Münchener Flora hat bei Gelegenheit dieses Kometen der dortigen Sternwarte das Epigramm angehängt: ´Schläfst, Liebchen oder wachst du?´ Schlagender noch wäre folgende Travestie aus Bürgers Leonore gewesen:
     Graut Liebchen auch? Der Mond scheint hell,
     Hurrah! Kometen laufen schnell!
     Graut Liebchen vor Kometen?
     ´Uh - ah!*) - Laß die Kometen!´

*) Gähn-Interjection “

 

1824

Anonym. Korrespondenz-Nachrichten. In: Morgenblatt für gebildete Stände, 11. November. Stuttgart und Tübingen. Digitalisiert von Google

“[S. 1084] Wien, September bis Anfang Oktober. [...] Das hätt' ich bald vergessen. Ein Schauspiel ganz besonderer Art - eine Novität: Die Unzertrennlichen. Traumbild in drey Akten, mit einem Vorspiel: die Schwärmerey, und einem Nachspiel: das Erwachen. Die Hauptsache ist eine Gespenstergeschichte. Ein Freund nämlich erscheint dem andern und fordert ihn auf, seinen Tod zu rächen an verruchten Mördern. Er gibt ihm ein beschriebenes Blatt, und wenn die Schrift auf diesem, in Gegenwart Anderer roth wird, so sind die Frevler in der Nähe. Der Geist läßt eine schwarze Diligence anspannen, Kutscher, Pferde - Alles ist kohlrabenschwarz - und hurre, hurre, hopp hopp hopp! geht's fort in sausendem Galopp - von Nürnberg nach Augsburg. “

 

1824

Heyse, Paul. Über allen Gipfeln. Stuttgart. Digitalisiert von Google

“[S. 116] Ein albernes Gestammel, das reine Schranzengewäsch, und ein Kammerzofenfranzösisch, das geradezu komisch ist - abgesehen von der originellen Orthographie. Lies du es zu Ende und schreibe ihm dann darüber - es soll deine erste Leistung als diplomatischer Geheimsekretär sein. Ich will ins Freie. Vielleicht kann ich ein Pferd auftreiben, daß ich mir Ruh' erreite. “

 

1825

Bürger, Elise. Ein Brief über Richters Tod, an eine Freundin. In: Didaskalia, Frankfurt a.M. Digitalisiert von Google

“[4. Dezember] Ihnen, meine Freundin! früher schon über Jean Paul Richters Aufschweben zu schreiben, war mir darum unmöglich, weil ich zu sehr mit ihm beschäftigt war.[...] Glauben Sie mir, Freundin! ich juble, daß er über uns schwebt, daß er im Lichte fortglüht, daß er war und daß er bleiben wird und Unsterblicher! “

Der vollständige Beitrag in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1825

Anonym. Frankfurter Volksbühne. In: Didaskalia Frankfurt a.M. 4. Dezember. Digitalisiert von Google

“Am 25. November. (Zum Vortheil der Wittwe des verstorbenen Kapellmeister Schmitt.) Vocal- und Instrumentalconcert.
   Mit der neusten Ouvertüre von Beethoven wurde begonnen; seine älteste Ouvertüre wäre uns lieber gewesen. Hierauf trug Madame Elise Bürger folgende Dichtungen vor: Lebenslied von Mathisson; der Gesang der Geister über dem Wasser von Göthe und das Trifolium für die Ewigkeit, von Dr. Schreiber und Elise Bürger. Die tief empfundene und wahrhaft kunstvolle Declamation verdiente und erhielt gerechten Beifall. Es befremdet in der That, daß diese Künstlerin sich Jahre lang ihrem Beruf entzog, in dem sie stets mit so günstigem Erfolg wirkte. Ref. erinnert sich mit Vergnügen ihrer früheren Kunstleistungen, vorzüglich ihrer trefflichen humoristischen Vorträge, und kann bei dieser Gelegenheit nicht umhin den Lesern des herrlichen Jean Paul´s Worte mitzutheilen, die er im Jahre 1815 ins Stammbuch der Künstlerin niederschrieb:
   ´Die Kunst verschönert nicht nur die Gemeinheit des Lebens, sondern sogar die Schönheit des Lebens. So macht es die Perlenmuschel; wirf ein Steinchen in ihre Schaale und es wird eine Perle daraus oder eine kleine Perle und es wird eine größere. Dies — fügte Jean Paul hinzu — setzt ich mir gestern Abend vor in Ihr Stammbuch zu schreiben, als mich Ihr Musterspiel und Musterdichten in der schwäbischen Bäuerin ins halbe Schwaben—nemlich ins ganze weibliche verliebt machte.´ “

 

1825

Matthisson, Friedrich von. Umrisse aus Italien. In: Schriften von Friedrich von Matthisson. Fünfter Band. Zürich. Digitalisiert von Google

“[S. 9] So treibt es, durch den Ertrag der Viehweihe, am St. Antoniustage, eine andre Gemeinde solcher Söhne des Müßigganges und der Trägheit, nach Bürgers Ausdruck, in Hüll´ und in Füll´ und in Freude. 

[S. 27] Einen wichtigen Artikel für die Geschichte der Kosmetik des Alterthums überliefert uns die Perücke auf einer weiblichen Büste. Nimmt man sie ab, so erscheint ein Schädel, nackt und haarlos, wie der ´Schädel ohne Zopf und Schopf´ in Bürgers Lenore. Der gut gearbeitete Marmor gilt für das Porträt der Gemahlin des Kaisers Septimius Severus, Julia Pia. Mehrere Beyspiele von ähnlichen Perückenköpfen in der Büstengallerie des kapitolinischen Museums lassen ebenfalls, wenn es auf das Aeußerste des Wunderlichen und Seltsamen ankommt, nichts zu wünschen übrig.“

 

1825

Merz, G. Ch. Musentempel oder Proben aus allen deutschen Classikern. Erster Band 1825. Digitalisiert von Google.

“[S. 159] Wenn man weiß, daß Bürgers ganzes Leben einen harten Kampf mit allerlei widrigen Schicksalen bildete, daß Drangsale aller Art ihn öfters fast ganz zu Boden drückten, so muß man staunen über das, was er leistete. Wir besitzen von ihm Lieder, Oden, Elegien, Balladen, Erzählungen und Epigramme, worunter viele sind, die ihm unter den ersten Dichtern der Nation einen Platz anweisen. Zwar sagt Schiller, daß er in dem größten Theil der bürgerlichen Gedichte den milden, sich immer gleichen, immer hellen, männlichen Geist vermisse, der eingeweiht in die Mysterien des Schönen, Edlen und Wahren, zu dem Volke bildend herniedersteigt, aber auch in der vertrautesten Gemeinschaft mit demselben nie seine himmlische Abkunft verleugnet; er vermische sich nicht selten mit dem Volke, zu dem er sich nur herablassen sollte, und anstatt es scherzend und spielend zu sich hinaufzuziehen, gefalle es ihm oft, sich ihm gleich zu machen. Dagegen faßt A. W. Schlegel sein Urtheil in folgendem Resultate zusammen: Bürger ist ein Dichter von mehr eigenthümlicher, als umfassender Phantasie, von mehr biederer und treuherziger, als zarter Empfindungsweise; von mehr Gründlichkeit im Ausführen, besonders in der grammatischen Technik, als tiefem Verstand im Entwerfen, mehr in der Romanze und dem leichten Liede, als der höhern lyrischen Gattung einheimisch, in einem Theile seiner Hervorbringungen echter Volksdichter, dessen Kunststyl, wo ihn nicht Maximen und Gewöhnungen hindern, sich ganz zu demselben zu erheben, Klarheit, rege Kraft, Frische und zuweilen Zärtlichkeit seiner Größe hat.”

Es folgen die Gedichte:
An Agathe / Danklied / Bey dem Grabe meines guten Großvaters Jacob Philipp Bauer´s
Das hohe Lied von der Einzigen / Liebeszauber / Lust am Liebchen / Das harte Mädchen /
Auch ein Lied an den lieben Mond / Das Blümchen Wunderhold / ”

 

1825

Mailáth, Johann. Magyarische Gedichte.  Digitalisiert von Google.

“[XLI] Wenn ein Volksdichter genannt wird, so steht kein Magyare an, Michael Csokonai zu nennen, und gewöhnlich folgt der Beisatz, daß er sehr viel Äehnlichkeit mit Bürger hat. Dieß leztere ist nun wohl durchaus falsch, wenn wir nicht etwa die Aehnlichkeit darein setzen, daß Beide sich Worte erlauben, die keinen Sinn haben, und blos des malenden Klanges wegen, angebracht sind. Nicht die leidenschaftliche Glut des deutschen Vorbildes, noch die wilde Kraft desselben, sind in Csokonai zu finden, und jener tiefe philosophische Blick, der im einfachsten Gewand bei dem Dichter der Leonore hervor tritt, wird in Csokonai ganz vermißt. Wohl aber ist er volksthümlicher als Bürger, und graziös, wie ein verzogenes Kind, sind seine Gedichte.”

 

1825

Anonym. Rezension Bürgers Lehrbuch der Aesthetik, Hg. K.v.Reinhard. In: Allgemeiner Anzeiger der Deutschen. Neunundsechzigster Band.  Digitalisiert von Google.

“[S. 1939] Dieß schätzbare Werk enthält die noch gar nicht gedruckten Vorlesungen, welche der sel. Bürger 10 Jahre hindurch auf der Universität zu Göttingen mit ungetheiltem Beifalll gehalten, die er immerfort berichtiget und erweitert, und zuletzt noch fast ganz umgearbeitet hat. Wenn das wahrhaft Gute und Schöne nie veraltet, so kann auch dieses Werk in der Zeit seit Bürger´s Tode nichts von seinem Werthe verloren haben; jedenfalls darf es als eine der interessantesten Erscheinungen in der neueren Literatur empfohlen werden, da es das erste und einzige Buch ist, in welchem ein anerkannt großer Dichter seine Kunst in ihrem ganzen Umfange theoretisch und systematisch behandelt hat.”

 

1825

Feder, Johann Georg Heinrich. Achtes Kapitel. Aufenthalt der Königlichen Prinzen in Göttingen, und meine Theilnahme am Unterrichte derselben. Meine Villa, Lustreisen und andere Vergnügungen. In: J.G.H. Feder´s Leben, Natur und Grundsätze. Digitalisiert von Google.

“[S. 114] Zur Zeit der Anwesenheit der Königlichen Prinzen hielt ich mir einige Jahre lang ein eigenes Pferd; hauptsächlich um meinem Freunde Meyenberg desto öfter Gesellschaft leisten zu können. Ich kaufte es vom Dichter Bürger, der sich's zugezogen hatte, nun aber vermuthlich aus Oeconomie verkaufte. Dieser berühmte Mann gehörte als Student zu denen, die mich des Abends bisweilen vertraulich besuchten. In der Folge wurden wir uns fremder. Doch einen vergnügten Tag brachte ich bey ihm in Wölmershausen zu, in Gesellschaft von Meiners und Boje. So heiter, als er das Mahl war, habe ich ihn nie wieder gesehen. Ich erinnere mich von daher der, ich weiß nicht ob sonst schon bekannten Anecdote, daß er bey der Dichtung seiner Leonore den Kopf so voll von Gespenstern gehabt, daß er einmal beym Schlafengehen sich unter das Bett verkroch, um nicht Erscheinungen zu sehen. Er sagte dieß zwar mit lachender Miene; doch so, daß wir es nicht ganz für Scherz halten konnten.”

 

1825

Falk, Johannes. Vorwort. In: Volkslieder, gesammelt von J.G.v. Herder. Neue Ausgabe Erster Theil.  Digitalisiert von Google.

“[S. 4] "Die Grazien," sagte Wieland in einer Unterredung mit dem Verfasser dieser Zeilen, hatten von jeher einen so engen Kreis um mich gezogen, daß ich nicht heraus konnte. Viele kecke Worte, z.B. kurrig und dergleichen, welcher sich späterhin Goethe und Bürger mit Erfolg bedienten, sind wohl auch in meinem Kopf und in meiner Feder gewesen: aber ich hätte um alles in der Welt sie nicht wollen herausfallen lassen. Ich war zu verschämt dazu. Wie heute noch, erinnere ich mich," fuhr der höchst liebenswürdige Altvater im Erzählen fort, "als die Leonore von Bürger erschien und ich mehrmals darüber von Damen befragt wurde: ob ich denn das wundervolle Gericht von "Graut Liebchen?" noch nicht gelesen hätte? daß ich mich ordentlich mit einer Art von Ekel und Widerwillen davon abwandte, weil ich "Krautliebchen" verstand, und irgend wieder eine neue Naivetät, im beliebten Bänkelsängerstyl, wie er eben damals gange und gebe wurde, erwartete." Ich führe diesen Zug blos deßhalb an, weil er dem schneidenden, grellen Gegensatz des damals herrschenden, bis zur Ungebühr verfeinerten französischen Geschmakkes mit dem oft etwas plumpen und derben Einbruch, den Natur, Kunst und Genie ihrerseits, auf so verschiedenen Wegen, in dieser Periode versuchten, einigermaßen zur Bezeichnung dienen kann.”

 

1825

Crayon, Gottfried. Die Geisterbraut. In: Gottfried Crayon´s Skizzenbuch. Erster Band 1825. Digitalisiert von Google.

“[S. 302] Alles dieß konnte der Aufmerksamkeit der Gesellschaft nicht entgehen. Die Fröhlichkeit ward durch die unerklärliche Düsterkeit des Bräutigams erstickt; diese steckte an; man flüsterte mit einander und warf sich Blicke zu, die von Achselzucken und zweifelhaftem Kopfschütteln begleitet waren. Gesang und Lachen erstürben nach und nach, es entstanden gewaltige Pausen in der Unterhaltung, und diesen folgten endlich phantastische Erzählungen und Legenden von übernatürlichen Dingen. Eine traurig Geschichte drängte die andere, und der Baron brachte die Damen beinahe zu Krämpfen durch die Geschichte von dem gespenstischen Reiter, der die schöne Leonore entführte; eine schreckliche, aber wahre Geschichte, welche seitdem in vortreffliche Verse gebracht worden ist, und an die alle Welt glaubt.

[S. 305] "Nein! nein!" erwiederte der Fremde, mit zehnfacher Feierlichkeit: "ich kann keine Braut führen! die Würmer, die Würmer erwarten mich! ich bin todt - Räuber haben mich erschlagen - mein Körper liegt in Würzburg - um Mitternacht soll ich zur Erde bestattet werden - das Grab erwartet mich - ich muß mich pünktlich einstellen!"   Mit diesen Worten schwang er sich auf sein schwarzes Streitroß, sprengte über die Zugbrücke, und das Geklapper der Hufe verscholl im Pfeifen des Abendwindes.”

 

1825

Pölitz, Karl Heinrich Ludwig. Die Romanze und Ballade. In: Das Gesammthebiet der teutschen Sprache, nach Prosa, Dichtkunst und Beredsamkeit. Dritter Band. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[S. 297] Wie in der lyrischen Form der Dichtkunst die Elegie zur Ode und Hymne sich verhält; so ungefähr verhält sich in der epischen Form der Dichtkunst die Romanze und Ballade zum eigentlichen Epos. Denn wie im Epos die Freiheit des im Mittelpuncte der Darstellung stehenden Helden zu dem ihn bestürmenden widrigen Schicksale sich ankündigt; so in der Romanze und Ballade die Thätigkeit und Kraftäußerung des aufgestellten Individuums in Beziehung auf die widrigen Schicksale, die auf dasselbe eindringen. Wie im Epos der Held entweder siegt, oder der Macht des Schicksals unterliegt; so wird er auch in der Romanze und Ballade entweder sein Ziel erreichen, oder dasselbe verfehlen. Wie endlich im Epos die gemischten Gefühle der Lust und Unlust gegen einander anwogen und um das Übergewicht im Bewußtseyn des Anschauenden streiten, bis, am Schlusse der Form, bei der Wahrnehmung der ästhetischen Entwickelung, Auflösung und Entscheidung des Ganzen, und bei dem vor die Seele tretenden vollendeten Bilde von der Einheit der dichterischen Form, das Gefühl der Lust den Sieg über das Gefühl der Unlust feiert; so muß auch, am Schlusse der Romanze und Ballade, das Wohlgefallen an der Entwickelung der dargestellten Handlung und an der vollendeten dichterischen Form, den Sieg des Gefühls der Lust über das Gefühl der Unlust vermitteln.
   Die Romanze und Ballade gehört, dem Stoffe nach, zur epischen Dichtkunst; denn er schildert zunächst Individuen, nach ihren Handlungen und Schicksalen. Oft ist es nur Ein Individuum, dessen Begebenheiten und Handlungsweise der Dichter vergegenwärtigt; oft aber wird eine Mehrzahl von Individuen in der Darstellung der Romanze geschildert, unter welchen jedesmal Ein Individuum als Hauptperson sich ankündigt. Doch nach der Form und dem Tone, der in der Romanze und Ballade vorherrscht, ist sie unter allen einzelnen Formen der epischen Dichtkunst der lyrischen am nächsten verwandt, weil nicht nur, wie in den übrigen epischen Formen, tiefe Gefühle durch die Darstellung menschlicher Handlungen und menschlicher Schicksale aufgeregt werden, sondern in den meisten Fällen die innigsten Gefühle des menschlichen Herzens, die Gefühle der Liebe, der Zärtlichkeit, der Freundschaft und der Theilnahme, den in der Romanze und Ballade versinnlichten Handlungen und Begebenheiten zum Grunde lagen. Der Stoff der Romanze und Ballade, er sey nun entweder aus der wirklichen Geschichte entlehnt und nur von dem Dichter für seinen ästhetischen Zweck gestaltet, oder er sey ein reines Erzeugniß seiner schöpferischen Einbildungskraft, kann bald der Mythologie, bald dem heroischen Zeitalter der Völker, bald den religiösen Vorstellungen und Ansichten, bald dem Klosterleben, bald auch den Vorgängen des gewöhnlichen Lebens angehören; nur muß ein höheres Gefühl als Grundton des Ganzen sich ankündigen, und die ästhetische Vollendung der Form auf der Haltung, Durchführung und Steigerung dieses Gefühls beruhen. Denn selbst bis zur Stärke der Leidenschaft kann dieses Gefühl von dem Dichter erhoben werden, je mächtiger entweder dieses Gefühl ursprünglich erscheint, oder je größer der Kampf ist, den die einwohnende Kraft des handelnden Individuums mit den Schwierigkeiten und Hindernissen eines widrigen Geschicks bestehen muß. Die Maschinerieen, die, wie in der Epopöe, in mehrern Romanzen und Balladen vorkommen, gehören nicht zu ihrem eigentlichen Wesen; denn es sind viele, der Form nach vollendete, Romanzen vorhanden, die der Maschinerie ermangeln (z. B. Schillers Bürgschaft; Seume's Opfer u. a). Wo sie aber aufgenommen wird (z.B. in Bürgers Leonore u. a.), muß sie als ästhetisch-nothwendig erscheinen, und zur Schürzung und Entwickelung des Knotens der Hauptbegebenheit gehören. Die Kürze oder Länge der Form der Romanze und Ballade wird durch die gleichmäßige — weder abgebrochene, noch gedehnte — Haltung aller einzelnen Theile des ästhetischen Ganzen bedingt; so wie die Schlußentwickelung der Handlung oder der Schicksale des Individuums erfreulich (z. B. in Schillers Bürgschaft) oder traurig (z. B. in des Pfarrers Tochter von Taubenhain von Bürger) seyn kann, ohne daß dadurch die Forderungen des Gesetzes der Form an die ästhetische Vollendung der Romanze und Ballade verändert werden.
     Ohne hinreichenden Grund bestimmten einige Theoretiker die Bezeichnung Romanze für die frohe und heitere Einkleidung und Durchführung, das Wort Ballade aber für die traurige und erschütternde Darstellung dieser epischen Kunstformen. Denn die Benennung Romanze stammt aus der verderbten lateinischen (romanischen) Sprache, in welcher man seit dem zehnten Jahrhunderte dichterische Schilderungen von kriegerischen und verliebten Abenteuern niederschrieb; und Ballade bezeichnete ursprünglich ein Lied, das man zur musikalischen Begleitung, ja selbst zum Tanze, sang. In theoretischer Hinsicht kann zwischen beiden Benennungen kein wesentlicher Unterschied ausgemittelt und durchgeführt werden; auch haben die classischen Dichter nie ausschließend an die eine oder die andere Bezeichnung sich gebunden. — Auf gleiche Weise verhält es sich mit der von einigen Theoretikern aufgestellte Forderung, daß der Ton der Romanze dem Volksliede sich nähern müsse. Zugestanden, daß dies bei einzelnen gediegenen Romanzen und Balladen — namentlich bei den Bürgerschen, Stolbergischen und Langbeinischen — wirklich der Fall ist; so liegen doch auch andere treffliche Gedichte aus dieser Gattung (besonders die von Schiller, Göthe, Seume, Schlegel, Tiedge, Kosegarten u. a.) nicht geradezu in dem Gesichtskreise der Kenntnisse, Meinungen und Ansichten des Volkes, sondern verlangen, um verstanden und ganz gefühlt zu werden, einen höhern Grad von geistiger und ästhetischer Bildung, als man gewöhnlich in der Mitte des Volkes antrifft.“

 

1825

Anonym. Rez. Bürgers Lehrbuch der Aesthetik. In: Allgemeine Literatur-Zeitung, December. Halle. Digitalisiert von Google

“[Sp. 737] [...]; so möchte man glauben, dass der Herausgeber absichtlich den Ablauf der Verjährungsfrist abgewartet habe, um mit diesem Bürger´schen Manuscripte hervorzutreten. Wie dem auch seyn mag; das Uebel, welches aus dieser Verzögerung hervorgegangen, leidet keinen Zweifel: Bürger's fleissig gearbeitetes, und die Spuren seines hellen Geistes, seines tiefen und richtigen Gefühls an sich tragendes Collegien-Lese-Heft kommt auf die Tafel der Literatur als moutarde aprés diné. Wir wollen zwar nicht behaupten, dass die Aesthetik, als Wissenschaft, ihrem Ziele reiner Wissenschaftlichkeit in den verflossenen 31 Jahren sich bedeutend genähert, geschweige denn dasselbe erreicht habe. Wir sind im Gegentheil geneigt, mit Kant die Möglichkeit zu leugnen, dass die kritische Beurtheilung des Schönen unter Vernunftprincipien gebracht, und die Regeln derselben zum Range einer Wissenschaft erhoben werden können. Aber wenn sie nicht zu diesem problematischen Ziele vorgerückt, ist so ist sie doch fortgerückt, und wir fürchten, dass man wenig geneigt seyn werde, sie nach einem Lehrbuche zu studieren, welches gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts geschrieben worden ist. “

Der vollständige Beitrag in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1825

Horn, Franz. Rez. Bürgers Lehrbuch der Aesthetik. In: Wegweiser der Künste und Wissenschaften. 5. Julius. Dresden. Digitalisiert von Google

“ [S. 213] Welche Erinnerungen weckt nicht Bürger's theurer Name! - Er war ein Dichter, dem die Natur eine tiefe Empfänglichkeit des Gemüths verliehen, stets rege für alles Gute, Wahre und Schöne, eine Brust und Stimme, die sich in den volltönendsten Akkorden und nicht selten, wie mit zauberischer Gewalt, auszusprechen vermochte, ein Dichter, der seinen Namen nicht schrieb auf eine flüchtige Welle der Zeit, sondern eingrub in eine feste Säule, deren Dauer schon jetzt ein halbes Jahrhundert wenigstens ahnen läßt, ein Dichter, von dem man sogar sagen darf, daß er, in Hinsicht mancher seiner Produktionen, gar nicht mehr der Lettern bedarf, weil diese Gesänge bereits im Herzen von vielen tausend Lesern wohnen und von Mund zu Mund gehen.“

Der vollständige Beitrag in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1825

Anonym. Rez. Theorie und Literatur der deutschen Dichtungsarten. Philipp Mayer. In: Allgemeine Literatur-Zeitung, November. Halle. Digitalisiert von Google

“ [Sp. 572] Aus allen diesen Belegen rechtfertigt sich das Urtheil, dass diese Compilation unter die Bücher gehört, die - wie der Vf. S. 198. Bd. I. von Clauren's Erzeugnissen sagt - ´vergehen werden mit den Menschen und den Anlässen, die sie hervorbrachten.´ Die Wissenschaft gewinnt bey solchen Producten nichts, und wenn sie länger leben, als von einer Messe zur andern, so verdanken sie es lediglich ihrer Verwandtschaft mit der, von Voltaire sogenannten, niederen Literatur, d. h. der Berührung von persönlichen Interessen lebender Schriftsteller. Wie sorgfältig hat das Bürger in seinem Lehrbuche der Aesthetik vermieden, und Engel in seiner Theorie der Dichtungsarten, die nach S. 155. Bd. I. zu urtheilen, nicht unter die Hülfsquellen zu gehören scheint, die unserem Vf. bekannt waren. “

 

1825

Weisflog, C. Das große Loos. In: Abend-Zeitung. 1. August. Dresden. Digitalisiert von Google

“[S. 726] August, der zehnjährige Superintendent, der von allen Bänken herab, aus allen leeren Tonnen predigte und der Mutter schon manche schwarze Schürze zerrissen als Reverende? - Freilich, Frau Martha, Heva's Töchterlein, wie alle ihres Geschlechtes, konnte dann und wann die liebe Urmutter nicht verläugnen, und
     daß Mäulchen sammt dem Zünglein flink
     saß ihr am rechten Flecken,
     sie schimpfte, wie ein Rohrsperling,
     wenn man sie wollte necken,
aber auch nur dann. Sonst war sie still, freundlich und gutmüthig und keinesweges versunken ´im Lustpfuhl dieser Erde´ wie weiland Frau Schnips in dem Bürger´schen Gedichte.“

 

1825

Müllner, Adolf. Rez. Schön Ella von Friedrich Kind. In: Allgemeime Literatur-Zeitung, April. Halle. Digitalisiert von Google

“[S. 702] Wir sollten meinen, auf diesem Wege konnte so weit die Opermaschinerie die stillen Anschauungen der Phantasie zu ersetzen vermag, eine dramatische Lenore so ziemlich der Bürger´schen Ballade analog wirken, und für des deutschen Volkes musiklustige Ohren, wie für sein Schauen und Grauen, wäre hinreichend gesorgt, ohne der Fabel ihre erhabene Einfachheit zu rauben. Inzwischen sind wir weit entfernt, unserem Dichter ein Vergehen daraus zu machen, dass er einen anderen Weg eingeschlagen hat, um dem Volke mit der tragischen Kunst beyzukommen. Nur fürchten wir, es habe sich bereits gefunden, dass er nicht zum Ziele führe, weil wir in den Volks-Blättern noch nichts von der Theater-Wirkung des Stückes gelesen haben.“

 

1825

Panse. Rez. Musikstücke von Heinrich Schumann, Anabera 1824. In: Wegweiser im Gebiet der Künste und Wissenschaften, 1. Januar Dresden. Digitalisiert von Google

“Ohne Frage ist es ein klassisch gebildeter, wenn nicht großer, doch denkender Geist, der sich hier in das Gebiet der Kunst verliert. Der Styl ist rein, geübt, der Ausdruck klar und ohne Ziererei, so wie der Gedanke hell und natürlich. Unter den metrischen Stücken findet man eine Ballade, Käthchen von Tannenhain, welche nach Bürgers Lenore klingt, aber in Rucksicht auf den Werth derselben jede Bedenklichkeit entfernt, aufgenommen zu werden. “

 

1825

Mnioch, Joh. Jakob. In: Conversations-Lexicon. Neue Folge. Erste Abtheilung des zweiten Bandes. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[S. 255] Sein Lied vom Grabe (Wir werden alle Platz und Raum usw.), auf solche Art mit großsinnigen Sprüchen unterbrochen, ist in ganz Deutschland bekannt. Eben so vielleicht sein Maurerlied am Johannisfeste 1798. Als Declamator gelangen ihm am besten Bürger’s Lenore und Schiller’s Schlacht. “

 

1825

Anonym. Gegenbemerkung. In: Zeitung für die elegante Welt, 14. Mai. Digitalisiert von Google

“[Sp. 750] Im Literatur-Blatt zum Morgenblatt No. 33. befindet sich eine Anmerkung des Herausgebers (Hrn. Hofrath Müllners) zu einer Recension von Kind's Schön Ella, in der gesagt wird: Der Recensent dieses Drama's In der Zeit. f. d. eleg. Welt No. 248. vor. J. habe, deshalb, weil er geäußert: die Fabel von Schön Ella sey vermuthlich in einer alten Volkssage enthalten — entweder Bürgers L eonore nicht gekannt, oder sich derselben nicht erinnert, da Schön Ella doch eigentlich nur die Bürgersche Leonore dramatisch behandelt sey; und durch jenes vermuthlich habe er es verhehlen wollen, daß Kind sein Drama zum Theil nach Bürger's Ballade gearbeitet habe.
   Der Recensent in der eleg. Zeitung kannte aber Bürger's Leonore nicht nur von Jugend an sehr wohl, da er sie in dieser Zeit selbst memorirt hat, sondern erinnerte sich ihrer auch be[i] Abfassung jener Recension, allein er fand eben deshalb, daß die Fabel von Schön Ella keineswegs die sey, welche der Leonore zum Grunde liege, indem Schön Ella wegen Verschmähung einer edlen Liebe aus Eitelkeit und Hochmuth bestraft wird, Leonore aber wegen ihres Haderns mit den Beschlüssen der Vorsehung, oder deshalb, weil sie den todten Geliebten Gott gleichsam wieder abtrotzen wollte. Daher heißt es in Bürger's Leonore im letzten Verse auch ausdrücklich: Mit Gott im Himmel hadre nicht. Wo soll hier die Absicht des Verhehlens liegen? “

 

1825

Leßmann, Dan. Ueber die Selbstbeschauung der Gelehrten. In: Der Gesellschafter oder Blätter für Geist und Herz 20. April. Berlin. Digitalisiert von Google

“[S. 310] Dessen ungeachtet sind Jene nicht im Stande, wieder gut zu machen, was Diese stündlich Uebles anrichten; und vergönnt man der Liebe ihre selbsttäuschenden Sophismen, warum der Eitelkeit es verargen, wenn sie, von jenen Insekten gemartert, sich mit dem Ausspruch des Classikers tröstet, daß es die schlechtesten Früchte eben nicht seyen, an welche die bösen Würmer sich setzen! “

 

1825

Kotzebue, August von. Die deutschen Kleinstädter. In: Erheiterungs-Bibliothek für Freunde romantischer Lecture. Neue Folge. (Theater.) Fünfzehnter Band. Wien. Digitalisiert von Google

“[S. 91] Dritte Scene.
    Sperling (am Fenster.) Vorige.
         Sperling.
  Holla! Holla! thu' auf mein Kind!
  Schläfst Liebchen, oder wachst du?
  Wie bist Du gegen mich gesinnt?
  Und weinest oder lachst du?
 S. ab. (leise.) Das ist wohl gar eine Apostrophe an mich?
 Sperl. Dort sind die lieben Fensterlein, hinter welchen die Holde weilt. Alles dunkel und finster. Vielleicht haben die sieghaften Äuglein sich bereits geschlossen. “

 

1825

Anonym. [Rez.] Auto-Biography of Edmund Kean. In: Spirit of the English Magazines, 1. Februar. Boston. Digitalisiert von Google

“[p. 335] His croaking tones - his one-two-three-hop step to the right, and his equally brusque motions to the left - his retching at
the back of the scene whenever he wanted to express passion - his dead stops in the middle of sentences - his hurre hurre hurre,
 hop hop hop! over all passages where sense was to be expressed, took amazingly. “

 

1825

Siefert, Georg Gottfried Philipp [Hg.] Dritter Abschnitt. Lieder über das christliche Leben. Unschuld, Sittsamkeit und Keuschheit. In: Christliches Gesangbuch für Gelehrten- und Bürgerschulen, zunächst für das Gymnasium Carolinum und für die Schule zu Neustrelitz.

“[S. 183] Mel. Vom Himmel hoch da komm' ich her.


  2. Wem fern von
schnöder Wollust Schooß des
Lebens Blüthenzeit verfloß, der
blickt getrost zu Gott hinan,
geht muthig seines Lebens Bahn.
  2. Der, der gedeiht und
sproßt empor, wie auf der
Wies' ein junge Rohr; der
lebt voll Kraft, fühlt sich voll
Muth, rein seine Seele, wie
sein Blut.
  3. Sein Auge glänzt durch
Unschuld hell, rein wie ein
frischer Silberquell; des La=
sters Angesicht bleicht Tod:
ihm blüht es schön, wie Mor=
genroth
  4. Die rege Kraft, die ihn
durchfleußt, beflügelt seinen
heitern Geist, treibt ihn zu
edlen Tathen an, an die kein
Weichling denken kann.
  5. Es wandelt froh und
kühn sein Sinn durch Gottes
weite Schöpfung hin, und er
durchspäht' und wägt und mißt,
was in der Schöpfung herr=
lich ist.
  6. Wer reines Herzens ist,
mit Kraft faßt Wahrheit er
und Wissenschaft; dringt mu=
thig durch die Schwierigkeit,
wie finster sie von fern auch
dräut.
  7. Er weiß, Gott ist sein
Freund, sein Schutz; mit ihm
beut er Gefahren Trutz; er
fühlt, daß er der Pflicht nur
lebt, bleibt standhaft, wo der
Frevler bebt.
  8. Ihn segnet noch ein spät
Geschlecht, das stark wie er,
und ungeschwächt von schnöder
Wollust, von ihm stammt,
gleich ihm voll edles Feuers
flammt.
  9. So glänzt der Lohn, den
der genießt, so das Geschlecht,
das dem entsprießt, der nie in
schnöder Wollust Schooß, die
Fülle der Gesundheit goß.
  10. Der Lohn, der Lohn
sey unser Theil! Hilf uns, o
Gott, zu diesem Heil! Schwach
sind wir Alle, doch mit dir,
Herr, überwinden dennoch wir.
     Gottfr. Aug. Bürger”

 

1825

Zschokke, Heinrich. Der Feldweibel. In: Ausgewählte Schriften, Zwanzigster Theil, Aarau. Digitalisiert von Google

“[S. 191] 1.
Und überall, all überall
Auf Wegen und auf Stegen
Zog Alt und Jung dem Jubelschall
Der Kommenden entgegen.
       Bürgers Lenore.
Der Zweite in der Reihe von den preussischen Königen Friedrich Wilhelm I, war von Potsdam nach Magdeburg gekommen, um im Vorbeigehen auch die neuen Schanzen, Bollwerke und Wälle zu besichtigen, deren Anlage er befohlen hatte.

[S. 201] 2.
Und frug den Zug wohl auf und ab,
und frug nach allen Namen.
              Bürgers Lenore.
Der junge Wilmson war in der That schon längst davongegangen, um die verlorene schöne Trauergestalt wieder zu finden, die ihm wichtiger als der König und der alte Dessauer geworden zu sein schien. Er hatte nämlich anfangs unter den zahlreichen Zuschauern seinen Stand weiter aufwärts unfern dem sogenannten Krökenthor gehabt, wo er sich die Langeweile des Wartens damit vertrieb, die nächst umstehenden Personen zu mustern, in der Hoffnung, einen Bekannten zu entdecken.”

 

1825

Schaden, Adolph von. Die beiden Dorotheen, München. Digitalisiert von Google

[S. 60] Achte Scene.
  Die Vorigen, Heinzelmaier und der Kourier, gleich darauf die Tante.
        Heinzelmaier.
Euer Gestrengen, ich muß deprezieren, daß ich schon wieder störe, der Schwager von vorhin ist schon wieder hier; es ist zwar nicht weit in die Residenz, aber der Kerl muß dennoch nicht anders geritten seyn, als wie die Lorl in Bürgers: ´Fuhr um's Morgenroth empor aus schweren Träumen.´

 

bis 1789    1790-1799    1800-1806    1807-1815    1816-1821    1822-1825    1826-1828    1829-1831    1832-1836    1837-1840    1841-1845
1846-1850    1851-1855    1856-1858    1859-1861
 
  1862-1865    1866-1870    1871-1899    1900-1949    ab 1950



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01032017-91